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Lebenslauf und Grabrede.

Er hat noch immer diesen Blick
er will noch immer töten
der aus dem Anbeginn der Föten
dem ungeschiedenen Schlick

sich zäh und bös herausgelöst
der langsam, durstig, niemals satt
sich aus dem Ich gerichtet hat
und uns entblößt.

So frei der alte Mann und so allein
so stolz und so erbarmungslos
blieb er erbarmungslos gemieden

und will noch immer keinen Frieden
steht an der Pforte, würgt den Raucherkloß
laut raus. Und rotzt ihn auf den Stein.

Schreiben Sie >>>> diesem Mann einen Lebenslauf (erzählen Sie knapp seine Lebensgeschichte), und schreiben Sie ihm danach die Grabrede, wie sie ein Priester halten würde (wie Sie glauben, daß er sie schriebe).

{ 43 } Comments

  1. read An | May 16, 2008 at 10:04 pm | Permalink

    Verstehe ich das richtig, dass auch der Lebenslauf in die Werkstatt eingestellt werden soll oder ist er nur für uns als Zwischenschritt gedacht, an dem wir die Grabrede entwickeln sollen?

  2. read An | May 16, 2008 at 10:07 pm | Permalink

    Hat sich erledigt, ich sehe gerade Lebenslauf und Grabrede!

  3. read An | May 31, 2008 at 12:58 am | Permalink

    Lebenslauf

    Herrmann war ein seltsames Kind, leise, fast still, nicht etwa weil es ihm in seiner Kindheit an etwas gemangelt hatte, auch litt er unter keiner physiognomischen Auffälligkeit. Vielmehr schien es als habe sich Herrmann entschlossen, seit dem Tag seiner Geburt inne zu halten, er sträubte sich gegen jeden Rummel um seine Person, kam ihm jemand zu nahe widersetzte er sich auf eine beklemmende Weise, indem er seine Backen blähte und den Atem anhielt bis sein Gesicht puterrot anlief. Er hatte sich etwas erkämpft, das besser als eine Tarnkappe war, es war ein Freiraum, der ihm eine sichere Entfernung verschaffte, aus der er die Verhaltensweisen seiner Mitmenschen im Dorf studieren konnte. Er belauschte Gespräche, trieb sich bei Nacht von Hof zu Hof, wartete geduldig unter dem Fenstersims bis er endlich das Röcheln und Stöhnen der Bauersleute hören konnte. Es war immer die selbe Reihenfolge der Höfe, er wußte genau wer, wann, wie oft seinen Beischlaf zu tätigen pflegte. Ihm war nichts heilig, er kannte jedes kleine Geheimnis der Gemeinde, selbst das der frigiden, bibeltreuen Dorfschnepfe, das sogar den Beichtvater in Erstaunen versetzt hätte. Immerhin, denn Herrmann ließ sich bald nicht mehr so schnell hinter dem Ofen vorlocken, er schmiedete listige Pläne, überlegte sich wie er das Küchengeschwätz der Hausfrauen hochkochen konnte, bis jede bald wie eine rasende Furie der anderen Spinne Feind wurde. Während seiner Schulzeit beobachtete Herrmann die anderen Jungen, wie sie mit schamroten Gesichtern dann und wann versuchten den Mädchen unter den Rock zu schauen. Da sich die Mädchen für ihn ohnehin nicht interessierten und es ihn auch nicht juckte welche Farbe der Schlüpfer unter dem Rock hatte, ging er dazu über den anderen Jungen, wenn er auch nichts weiter als Spott für sie übrig hatte, wenigstens eine kleine Freude zu bereiten indem er die Stühle der Mädchen mit Brennesselsaft einrieb. Überall auf dem Schulhof liefen, die nach oben gerutschten Röcke umher, kleine Hände, die durch Scheuern versuchten sich Linderung zu verschaffen und erst die hinterherlaufenden Stielaugen der wilden Affenhorde. Das war ein Fest! Die Zeit seines Wirtschaftsstudiums verlief wenig aufregend, während sich seine Kommilitonen die Zeit mit ausschweifenden Partys vertrieben lernte Herrmann diszipliniert in seinem Kämmerlein, nicht sehr wissbegierig, denn das Studium sollte ihm nur eine solide Grundlage verschaffen. Bei den Professoren glänzte er durch seinen vorauseilenden Gehorsam der Vorbereitung, der ihm eigentlich zuwider aber ein Mittel zum Zweck war, sein Studium in kurzer Zeit abzuschließen. Er zog wieder Zuhause ein, übernahm die Molkerei seines alten Vaters, den er, als dieser nach einer langen Krankheit nicht mehr richtig auf die Beine kam, in das nächstgelegene Seniorenheim verfrachtete. Da half auch das Flehen seiner Mutter nichts: Wie könne er nur, der Vater habe sich runtergeschuftet um seinem Sohn alles zu ermöglichen usw. Herrmanns einzige Antwort: Er habe um nichts gebeten. Basta! Eine eigene Familie zu gründen kam ihm im entferntesten nicht in den Sinn, er begnügte sich damit zweimal pro Woche in das Bordell im nächsten Ort zu fahren, dem Frauenzimmer hin und wieder aus Gefälligkeit einen Schein extra zuzustecken, wenn sie sich wieder einmal hatte hinreißen lassen ihm ihr Leid zu klagen obwohl er mit ihr vereinbart hatte die Stunde in Stillschweigen über die Bühne zu bringen. Egal! Sie würde es ihm beim nächsten mal schon danken. Ihm reichte ohnehin das Wehklagen seiner Mutter, die, als der Vater starb ihm nach drei Monaten folgte. Ein Segen für Herrmann, wäre er ihr doch bald an die Gurgel gegangen und hätte selbst dafür gesorgt dass die beiden nun gemeinsam schweigen konnten. Nach dem Tod der Mutter betraten die Leute seinen Hof nur noch zur Abwicklung geschäftlicher Angelegenheiten. Das blieb auch so bis zu seinem letzten Lebensabend, an dem lediglich noch die Dorfschwester bei ihm vorbeischaute um nach dem Rechten zu sehen und um mit ihm hin und wieder ein Gebet zu sprechen, was er ihr mit einer randvollen Bettpfanne beim nächsten Besuch zu danken pflegte. Da überraschte es auch niemanden mehr als man den alten Herrmann nach einer Woche fand, mit runtergelassener Hose, immer noch auf der Bettpfanne sitzend, ein Lächeln im Gesicht, umgeben von einem Fliegenschwarm, der ihn freudig umkreiste.

    Grabrede

    Liebe Gemeinde, wir nehmen heute Abschied von Herrmann Brötler,
    einem Mann, dessen Weg, von Kindesbeinen an,
    von Bescheidenheit und Zurückhaltung geprägt war,
    ein Lebensweg der leisen Töne, die ebenso das Ohr des Herrn erreichen,
    wie die Stimmen der jenigen, die ein wenig lauter zu ihm sprechen,
    Kinder unserer Mitte, die wir nicht immer zu hören vermögen,
    die uns fern bleiben im geschäftigen Klang der Zeit, Lebenslinien,
    die sich mit unseren kreuzen und doch sagen wir zu unserem Nächsten:
    Du bist mir so fremd.
    Der Herr hat sie hinausgesandt, dass sie sich begegnen.
    Begegne deinem Nächsten und du begegnest dir selbst.
    Hab Vertrauen in ihn, das Leben ist ein kleines*, er hat es dir gegeben,
    dir eine Schale gereicht, in der dein Schiff bis an den Rand segeln konnte
    bis der letzte Tropfen gefallen ist, der dein Schiff hinüberleitet.
    Du brauchst dich nicht zu fürchten,
    der Herr hält für einen jeden seine Hände auf.
    Er geleitet dich sicher in seinen Hafen,
    selbst die Verirrten finden wieder Heim.
    Und wie schwer deine Fracht auch trägt,
    schau Ihm ins Antlitz
    dann trägt er dich.

    * Mist, ich glaube das hat schon einer geschrieben, Rilke vielleicht! So jetzt ist mein Lebenslauf nicht wirklich knapp geworden, dabei habe ich ihn schon verknappt! Deshalb würde ich sagen streichen Sie einfach die Passagen, die für den Text nicht nötig sind. Das Problem bei einem kurzen Lebenslauf sind die einzelnen Lebensabschnittsalter, wie ich finde, das streckt automatisch. Vielleicht stört es Sie aber auch nicht aufgrund der wenig regen Teilnahme im Moment, ich denke das wird sich noch ändern.

  4. ANH | June 4, 2008 at 7:20 am | Permalink

    Zu read Ans Lebenslauf.

    Bitte versuchen Sie den Lebenslauf noch einmal zu schreiben, aber auf die Daten und wichtigsten Ereignisse zu beschränken, und zwar so, daß d a r a u s der Charakter hervorgeht. Der übrigens seltsam provinziell-blaß bleibt. Versuchen Sie, dem Mann eine Eigenheit zu geben, irgend etwas, das vielleicht nebensächlich klingt, aber ein BILD im Leser erzeugt. Sie müssen diese Figur selbst r i e c h e n. Der Lebenslauf so ist verwirrt, weil er ständig die Stilebenen, aber auch die Perspektiven wechselt. Da sollten Sie einheitlich bleiben.
    Im einzelnen:

    Herrmann war ein seltsames Kind,
    eines von beiden würde ich streichen:
    leise, fast still,
    hier ist der Zusammenhang mit dem Leisesein nicht klar; „leise“ bedeutet ja nicht sofort auch verstockt oder selbst nur verklemmt:
    nicht etwa weil es ihm in seiner Kindheit an etwas gemangelt hatte, auch litt er unter keiner physiognomischen Auffälligkeit. Vielmehr schien es
    ,
    als habe
    nein: „als h ä t t e“ - Irrealis; prinzipiell bei als-ob-Konstruktionen. Wir könnten generell mal bei der nächsten Real-Sitzung kurz den Konjunktiv durchhecheln; ich finde das um so wichtiger, als mittlerweile nicht mal mehr Lektoren wissen, wie er richtig angewendet wird.
    sich Herrmann entschlossen,
    das jetzt wird unfreiwillig komisch, vor allem wenn man mit dem Tag der Geburt ein Baby vor Augen hat:
    seit dem Tag seiner Geburt inne zu halten, er sträubte sich gegen jeden Rummel um seine Person, kam ihm jemand zu nahe
    ,
    widersetzte er sich auf eine beklemmende Weise, indem er seine Backen blähte und den Atem anhielt bis sein Gesicht puterrot anlief.
    Hm, ein unmittelbares Gefühl von Beklemmung setzt bei mir nicht ein; ich muß sie mir konstruieren, verstehe aber, was Sie meinen.
    Er hatte sich etwas erkämpft
    hat er das bereits, indem er nur „beschlossen hat“, dies zu tun? Und reicht das Atemanhalten?
    , das besser als eine Tarnkappe war, es war ein Freiraum, der ihm eine sichere Entfernung verschaffte
    : aber doch nicht, wenn die Leute davon beklemmt sind und die Eltern bei einem Kind ganz sicher den Arzt aufsuchen
    , aus der er die Verhaltensweisen seiner Mitmenschen im Dorf studieren konnte. Er belauschte Gespräche, trieb sich bei Nacht von Hof zu Hof, wartete geduldig
    ,
    unter dem Fenstersims
    ,
    bis er endlich
    „endlich“ streichen; redundant
    das Röcheln und Stöhnen der Bauersleute hören konnte. Es war
    W a s war?
    immer die selbe Reihenfolge der Höfe, er wußte genau wer, wann,
    und das hier ist ausgesprochen ungelenk:
    wie oft seinen Beischlaf zu tätigen pflegte. Ihm war nichts heilig, er kannte jedes kleine Geheimnis der Gemeinde, selbst das der frigiden, bibeltreuen Dorfschnepfe, das sogar den Beichtvater in Erstaunen versetzt hätte.
    Das wollen wir aber jetzt hören; nur diese Andeutung würde enttäuschen.
    Immerhin
    wieso „immerhin“?
    , denn Herrmann ließ sich bald nicht mehr so schnell hinter dem Ofen vorlocken
    also suchte er bald n i c h t mehr nachts Bauernhöfe auf, um zu lauschen? (Gibt es Voyeurs des Ohres? frag ich mich grade)
    , er schmiedete listige
    „listig“ ist redundant
    Pläne, überlegte sich
    ,
    wie er das Küchengeschwätz der Hausfrauen hochkochen konnte, bis jede bald wie eine rasende Furie der anderen Spinne Feind wurde
    : dafür ist „hochkochen“ dann nicht der richtige Begriff; Sie beschreiben ja eine Art Intriganz
    . Während seiner Schulzeit beobachtete Herrmann die anderen Jungen, wie sie mit schamroten Gesichtern dann und wann
    ,
    versuchten den Mädchen unter den Rock zu schauen. Da sich die Mädchen für ihn ohnehin nicht interessierten und es ihn auch nicht juckte
    „juckte“: Sie verlassen hier unmotiviert Ihren Grundton
    ,
    welche Farbe der Schlüpfer unter dem Rock hatte, ging er dazu über
    ,
    den anderen Jungen, wenn er auch nichts weiter als Spott für sie übrig hatte, wenigstens eine kleine Freude zu bereiten
    ,
    indem er die Stühle der Mädchen mit Brennesselsaft einrieb. Überall auf dem Schulhof liefen
    k e i n Komma
    die nach oben gerutschten Röcke umher
    : und das ist auch wieder unfreiwillig komisch
    , kleine Hände
    jetzt sind die Röcke Hände – aufpassen, genau formulieren
    , die durch Scheuern versuchten sich Linderung zu verschaffen
    : viel einfacher bitte, nicht stelzen, und ganz direkt erzählen: „die Hände scheuerten, um sich Linderung zu verschaffen“. Dann plötzlich wieder ein Stilwechsel, der auf jeden Fall, schon grammatisch, nicht in denselben Satz gehört:
    und erst die hinterherlaufenden Stielaugen der wilden Affenhorde. Das war ein Fest!
    Jetzt ist der Sprung in das junge Erwachsenenleben zu abrupt.
    Die Zeit seines Wirtschaftsstudiums verlief wenig aufregend, während sich seine Kommilitonen die Zeit mit ausschweifenden Partys vertrieben
    ,
    lernte Herrmann diszipliniert in seinem Kämmerlein
    : Kitsch, Spitzweg; kaum glaubhaft so
    , nicht sehr wissbegierig, denn das Studium sollte ihm nur eine solide Grundlage verschaffen. Bei den Professoren glänzte er durch seinen vorauseilenden Gehorsam der Vorbereitung
    „seinen vorauseilenden Gehorsam der Vorbereitung“; vermeiden Sie solche Genitiv-Konstruktionen, die sich irgendwie im Abstrakten verlieren
    , der ihm eigentlich zuwider
    ,
    aber ein Mittel zum Zweck war, sein Studium in kurzer Zeit abzuschließen
    :diese ganze Passage retardiert, weil sie einfach nur etwas ohnehin Klares erzählt.
    Er zog wieder Zuhause ein, übernahm die Molkerei seines alten Vaters, den er, als dieser nach einer langen Krankheit nicht mehr richtig auf die Beine kam, in das nächstgelegene Seniorenheim
    abermals Stilwechsel:
    verfrachtete. Da half auch das Flehen seiner Mutter nichts:
    Und das hier fällt jetzt aus einem Lebenslauf ganz raus:
    Wie könne er nur, der Vater habe sich runtergeschuftet
    ,
    um seinem Sohn alles zu ermöglichen usw.
    Und weshalb ein verkürzter Satz?:
    Herrmanns einzige Antwort: Er habe um nichts gebeten. Basta! Eine eigene Familie zu gründen
    ,
    kam ihm im entferntesten nicht
    „im entferntesten nicht“, bitte einfach umstellen, sonst klingt das „hochgeedelt“
    in den Sinn, er begnügte sich damit
    ,
    zweimal pro Woche in das Bordell im nächsten Ort zu fahren, dem Frauenzimmer
    :das Bordell hat nur e i n e Prostituierte? Das wäre dann aber näher auszuführen
    hin und wieder aus Gefälligkeit einen Schein extra zuzustecken, wenn sie sich wieder
    „wieder“/“wieder“
    einmal hatte hinreißen lassen
    ,
    ihm ihr Leid zu klagen
    ,
    obwohl er mit ihr vereinbart hatte
    ,
    die Stunde in Stillschweigen über die Bühne zu bringen
    „über die Bühne“: Stilwechsel – aber vor allem: weshalb gibt er ihr dann Extra-Geld? Hier ist die Motivation verwirrt
    . Egal! Sie würde es ihm beim nächsten mal
    Mal
    schon danken. Ihm reichte ohnehin das Wehklagen seiner Mutter, die, als der Vater starb
    ,ihm
    nein: diesen, nicht ihm; das wäre sonst nämlich Hermann
    nach drei Monaten folgte. Ein Segen für Herrmann, wäre er ihr doch bald an die Gurgel gegangen
    : das ist Trash
    und hätte selbst dafür gesorgt
    ,
    dass die beiden nun gemeinsam schweigen konnten.
    ABSATZ
    Nach dem Tod der Mutter betraten die Leute seinen Hof nur noch zur Abwicklung geschäftlicher Angelegenheiten. Das blieb auch so bis zu seinem letzten Lebensabend, an dem lediglich noch die Dorfschwester bei ihm vorbeischaute
    ,
    um nach dem Rechten zu sehen und um mit ihm hin und wieder ein Gebet zu sprechen, was er ihr mit einer randvollen Bettpfanne
    : och nö.
    beim nächsten Besuch zu danken pflegte. Da überraschte es auch niemanden mehr
    ,
    als man den alten Herrmann nach einer Woche
    nach einer Woche seines letzten Lebensabends? (UND: was wäre denn ein erster Lebensabend?)
    fand, mit runtergelassener Hose, immer noch auf der Bettpfanne sitzend, ein Lächeln im Gesicht, umgeben von einem Fliegenschwarm, der ihn freudig
    dieses „freudig“ nimmt dem Lächeln davor die Kraft; also streichen
    umkreiste.

  5. ANH | June 4, 2008 at 7:36 am | Permalink

    Zu read Ans Grabrede

    Das ist – gerade nach dem, was der Lebenslauf erzählt – g a n z klasse! Diese verschwiemelte Herumeierei, nicht sagen zu wollen, was eigentlich zu sagen wäre. Wenn Sie den Lebenslauf jetzt knapp und scharf konturieren und dann diese Grabrede dahinterstellen, ergibt das einen ausgesprochen eindrücklichen Text-Twin. Man kann im übrigen gut erkennen, wie Kitsch funktioniert und wozu er eingesetzt wird. Also d a s ist gelungen. Nur ein paar Kleinigkeiten sind hier zu bearbeiten:

    Liebe Gemeinde, wir nehmen heute Abschied von Herrmann Brötler,
    der Name ist s e h r gut gewählt. Prima.
    einem Mann, dessen Weg, von Kindesbeinen an von Bescheidenheit und Zurückhaltung geprägt war,
    ein
    einem
    Lebensweg der leisen Töne, die ebenso das Ohr des Herrn erreichen wie die Stimmen der jenigen
    derjenigen
    , die ein wenig lauter zu ihm sprechen, Kinder unserer Mitte, die wir nicht immer zu hören vermögen,
    wie? die, die ein wenig lauter sprechen? Bezugsfehler
    die uns fern bleiben im geschäftigen Klang der Zeit, Lebenslinien, die sich mit unseren kreuzen und doch sagen wir zu unserem Nächsten: Du bist mir so fremd.
    :s e h r schöne Pfarrervolte!
    Der Herr hat sie hinausgesandt, dass sie sich begegnen. Begegne deinem Nächsten und du begegnest dir selbst. Hab Vertrauen in ihn, das Leben ist ein kleines*, er hat es dir gegeben, dir eine Schale gereicht, in der dein Schiff bis an den Rand segeln konnte
    ,
    bis der letzte Tropfen gefallen ist, der dein Schiff hinüberleitet. Du brauchst dich nicht zu fürchten, der Herr hält für einen jeden seine Hände auf. Er geleitet dich sicher in seinen Hafen, selbst die Verirrten finden wieder Heim. Und wie schwer deine Fracht auch trägt, schau Ihm ins Antlitz, dann trägt er dich.

    ————————————————————————-

    Mist, ich glaube das hat schon einer geschrieben, Rilke vielleicht!
    Kann sein, weiß ich nicht, find ich aber auch nicht wichtig.
    So jetzt ist mein Lebenslauf nicht wirklich knapp geworden, dabei habe ich ihn schon verknappt! Deshalb würde ich sagen streichen Sie einfach die Passagen, die für den Text nicht nötig sind.
    Nein, so einfach geht das nicht.
    Das Problem bei einem kurzen Lebenslauf sind die einzelnen Lebensabschnittsalter, wie ich finde, das streckt automatisch.
    Alles, was „automatisch“ passiert, sollten Autoren unter strengen Verdacht stellen. Machen Sie sich eine jahrestabellarische Liste und tragen darin ein, was Herrn Brötler geschieht. Dann versuchen Sie, ein zentrales Moment zu finden, eine innere Überschrift, und darauf verknappen Sie jeweils den Abschnitt.

  6. Mathis Erml | June 10, 2008 at 5:33 pm | Permalink

    Emil Essig.

    Unbeachtet suhlt er sich in Exkrementen, wächst verkrustet heran, in reiner Körperlichkeit. Ein Rauschen zieht ihn vom Elternhaus auf die Ebene. Eine Rotbuche in erster Blüte.
    Er folgt ihren Bewegungen, Bucheckern, und schält die dreikantige, leicht giftige Nuss aus dem Fruchtbecher, pflanzt den Samen in seinen Körper. Erbrechen, Krämpfe, Lähmung.
    Die Rotbuche wird höchster Gott, erdichtet in Schmerzen. Fragen wuchern, bis Emil Essig den Magneten, der das Eisen nicht liebt, das er anzieht, als reines Material entlarvt, nur Zwänge entdeckt. Noch ein dünner Schnitt um den Stamm, noch einmal ausgespuckt, Fäulnis den Verrätern, ein dünner Schnitt auch um den Hals.
    Am Grab, das ihn erst zum Menschen veredelt, Pfarrer Vico in lila Stola.

  7. Mathis Erml | June 10, 2008 at 5:43 pm | Permalink

    zu Emil Essig. Vorerst nur der Lebens(ver)lauf.
    Die drei Grundkategorien Anfang - Entwicklung - Ende abzudecken, war Konzeption dieser Lebensskizze. Die (in etwa) allegorische Schreibhaltung soll in der Grabrede schließlich aufgebrochen werden. Gerne würde ich während der weiteren Schreibarbeit schon über den Lebenslauf reden.

  8. ANH | June 11, 2008 at 3:45 pm | Permalink

    @Mathis Erml zu Emil Essig.

    Unbeachtet suhlt er sich in Exkrementen, wächst verkrustet heran
    das funktioniert nicht, weil “verkrustet” nicht mehr zu “sich suhlen” paßt, was Feuchtigkeit voraussetzt. Das Problem liegt hier im gewählten Tempus, das die Aufeinanderfolge ignoriert. Außerdem ist es eine Frage, was genau Sie d a m i t meinen:
    , in reiner Körperlichkeit.
    Das Problem verstärkt sich durch die folgende Abstrahiererei:
    Ein Rauschen zieht ihn vom Elternhaus auf die Ebene.
    Wiederum d a s ist jetzt sehr schön:
    Eine Rotbuche in erster Blüte.
    Er folgt ihren Bewegungen,
    : hier bitte einen Punkt. Sonst stimmt das
    Bucheckern
    nicht. Aber feines Bild!:
    , und schält die dreikantige, leicht giftige Nuss aus dem Fruchtbecher, pflanzt den Samen in seinen Körper. Erbrechen, Krämpfe, Lähmung.
    Die Rotbuche wird höchster Gott, erdichtet in Schmerzen.
    Jetzt aufpassen mit der abstrakten Form, ganz streng Nullsätze meiden; jedes Abstraktum sollte zugleich ein sinnliches Bild evozieren. Hier geschieht das nicht:
    Fragen wuchern
    und dann ist “Emil Essig” deshalb ein schlechter Figurenname, weil er prinzipiell ironisch ist, womit Sie sich wiederum Möglichkeiten verbauen, die dieser Text hätte. Vielleicht sprechen wir am Freitag einmal über die Wahl von Namen. Erinnern Sie mich bitte daran?
    , bis Emil Essig
    prima Bild:
    den Magneten, der das Eisen nicht liebt, das er anzieht,
    aber worin liegt hier die “Entlarvung”?:
    als reines Material entlarvt, nur Zwänge entdeckt. Noch ein dünner Schnitt um den Stamm, noch einmal ausgespuckt,
    hübsch:
    Fäulnis den Verrätern,
    nur: “um” den Hals? das verunklart:
    ein dünner Schnitt auch um den Hals.
    Am Grab,
    versuchen Sie, eigene Wertungen aus dem Text zu lassen:
    das ihn erst zum Menschen veredelt
    :es klingt einfach zu altklug und würde auch bei einem 50jährigen Autor, und mit Recht, zu altklug klingen, so selbstüberhoben über die Figur. Jede Figur, die Sie gestalten, müssen Sie auch lieben, sonst funktioniert es nicht
    , Pfarrer Vico in lila Stola.

    Vorerst nur der Lebens(ver)lauf.
    Die drei Grundkategorien Anfang - Entwicklung - Ende abzudecken, war Konzeption dieser Lebensskizze. Die (in etwa) allegorische Schreibhaltung soll in der Grabrede schließlich aufgebrochen werden. Gerne würde ich während der weiteren Schreibarbeit schon über den Lebenslauf reden.

    Das können wir tun. Gehen Sie mit dem Allegorischen erst einmal vorsichtig um, versuchen Sie erst einmal, konkret zu bleiben. Allegorien stellen sich her, wenn Erscheinungen zugleich konkret und n u r das sind, was sie sind, und dann noch den Charakter eines sich immer wieder realisierenden Musters bekommen. Zur Allegorie siehe >>>> hier. Wenn Sie in Der Dschungel “Allegorie” in die Suchmaske eingeben, wirft Ihnen das System weitere Gedankenansätze zur Allegorie aus.

  9. Mathis Erml | June 11, 2008 at 9:42 pm | Permalink

    An ANH.
    Nur 2 Gedanken, Ausarbeitung stelle ich vielleicht am Freitag im Realen Seminar vor.

    Unbeachtet suhlt er sich in Exkrementen, wächst verkrustet heran
    das funktioniert nicht, weil “verkrustet” nicht mehr zu “sich suhlen” paßt, was Feuchtigkeit voraussetzt. Das Problem liegt hier im gewählten Tempus, das die Aufeinanderfolge ignoriert.
    Das Bild bleibt unscharf, was unangebracht ist, ja. Aber weder schließt ein Verkrusten ein Suhlen aus, noch ist es notwendig eine Zeitenfolge eine Reihenfolge markieren zu lassen, wenn ich das Bild genauer skizziere: Fortwährendes Suhlen, Schicht für Schicht wird eine Kruste auf seine Haut aufgetragen, die seinen Körper wachsen lässt.

    versuchen Sie, eigene Wertungen aus dem Text zu lassen:
    das ihn erst zum Menschen veredelt
    :es klingt einfach zu altklug und würde auch bei einem 50jährigen Autor, und mit Recht, zu altklug klingen, so selbstüberhoben über die Figur. Jede Figur, die Sie gestalten, müssen Sie auch lieben, sonst funktioniert es nicht
    , Pfarrer Vico in lila Stola.
    Hier gelingt es mir nicht, wie Sie es nennen, ein Falltür zu erzeugen. Giambattista Vico soll anzitiert werden, der im menschlichen Begräbnis die Auszeichnung des Menschen als einen solchen meint zu erkennen. (vgl. auch humus - Humanität, Erde - Mensch, derjenige der begräbt, usf.) Das Altkluge war angedacht, soll zur Grabrede überleiten, die Vico selbst hält, wobei seine Geschichtsphilosophie auch im Lebenslauf schon zum tragen kommt. Ich sehe Ihren Punkt: das Altkluge bleibt nur ein Altkluges, funktioniert nicht. Ich source es aus.

  10. ANH | June 12, 2008 at 6:04 am | Permalink

    @ Mathis Erml ff.

    Aber weder schließt ein Verkrusten ein Suhlen aus, noch ist es notwendig eine Zeitenfolge eine Reihenfolge markieren zu lassen, wenn ich das Bild genauer skizziere: Fortwährendes Suhlen, Schicht für Schicht wird eine Kruste auf seine Haut aufgetragen, die seinen Körper wachsen lässt.

    Das ist selbstverständlich richtig; nur müssen Sie eine Formulierung finden, die das trägt. Was G. Vico anbelangt, müßte irgend etwas gefunden werden, das den (wie indirekten auch immer) Verweis zumindest aufleuchten läßt; ich selber wäre nie drauf gekommen. In der Tat gibt die gemeinte Anspielung Ihrem Text eine völlig andere Richtung und lädt ihn sozusagen teleologisch auf. Er hält aber stilistisch nicht das Anspielungsniveau; d a liegt, wahrscheinlich, das Problem.
    In der Tat, das wäre - neben der “Namensgebung” - ein weiteres Problem, das sich am Freitag gut und für alle mit Gewinn besprechen ließe.

  11. sirenomele | June 15, 2008 at 2:34 am | Permalink

    (bitte den vohergehenden kommentar rausnehmen, die zeilenumbrüche stimmen nicht … )

    lieber, verehrter herr o.,

    ich stehe nun mit ihnen hier, um in dieser stunde feierlich abschied zu nehmen von ihrem lieben freund herrn frieder m.

    es ist mir, will ich ihnen sagen, so etwas wie eine ehre, heute anteil zu nehmen an dem band der freundschaft, das sie hier in der anstalt in den letzten jahren verbunden hat. warum uns menschen manchmal nahe stehen, warum uns ihr menschsein und ihre geschichte von anfang an rätselhaft und zugleich vertraut erschien, das bleibt gottes geheimnis. aber es war sein wille: diese freundschaft ist ein geschenk und wird es bleiben, nachdem wir von dem menschen abschied genommen haben. das vertrauen, das wir gewonnen haben, wird in unseren herzen ruhen wie eine blüte, die in dunklen zeiten angefangen hatte, sich zu öffnen. wir wollen sie hegen und pflegen, wir wollen sie bewahren; wir wollen uns an sie zu gegebenem zeitpunkt erinnern.

    ich erinnere daran, dass herr m. opfer der sogenannten erweiterten landverschickung war. dieses geschichtliche schicksal wurde vielen zuteil und es wird für die biographie des einzelnen je etwas anderes bedeutet haben. frieder m. war ein opfer. als er später zurückkehrte, war sein zuhause kein zuhause mehr; und seine seele hatte wunden davongetragen, die zeit seines lebens sich nicht mehr schließen wollten.

    “wer frei ist von sünde, der werfe den ersten stein.” wir werfen hier nichts als eine hand voll erde auf den toten, damit er sich vielleicht beruhige. wir triumphieren nicht angesichts des unmenschlichen und wir wollen nichts verschweigen. wir wollen aber auch den rest dieses menschen sehen: das haben sie, herr o., getan. ich werde darüber weit weniger sagen können, als sie es könnten. ich selbst kannte herrn m. als einen allzu stillen menschen. nur wenn man je mutig genug gewesen ist, ihm in die augen zu schauen, konnte man darin eine unsägliche unruhe erkennen. und angesichts dieses menschlichen und zugleich göttlichen abgrunds wird man nicht aufhören, zu fragen: was hatte dieser mensch gesehen?

    wir wissen es nicht. wir wollen es nicht wissen, als würden wir es mit eigenen augen gesehen haben, weil es eine grenze dessen gibt, was der mensch ertragen kann. “erträglich sein” heißt: für die seele, für den verstand. denn dass sein körper nur lebte, bedeutet, dass er das zerfleischte der eigenen seele jahr für jahr, stunde für stunde, nein: sekündlich weitertragen musste. und angesichts der schmerzen - ist besinnungslosigkeit hier nicht natürlich? ist es nicht nachvollziehbar, dass sich die gedanken zersetzen und überreizen, weil das denken im grunde längst nicht mehr stattfinden kann?

    diese grenze gibt es nicht für gott: denn es ist geschehen.

    diese grenze gibt es nicht für unser mitgefühl: weil es zu schwach ist, weil es den schmerz nicht ausloten kann und will.

    diese grenze gibt es nur für den einzelnen menschen, den zu dieser unmenschlichkeit herausgeforderten; und dieser einzelne wird je vollkommen einsam mit seinem leiden sein. er wird unter umständen den weg zu den menschen nicht zurückfinden und anfangen, brennenden blutes unsäglich zu frieren. er wird trost nur in betäubungen und einer gewalttat finden, die der wildheit seines herzens entspricht.

    das ist, was uns m. über das menschsein zeigen konnte und wir in ihm erkennen können. und vielleicht stellt sich erst heute wirklich ein bund von seele zu seele her; heute, da seine schmerzen endlich aufgehört haben, dürfen wir begreifen und das begriffene uns zu herzen nehmen.

    wir nehmen abschied von frieder m. …

    *

    frieder m. wurde am 25. august 1934 in berlin in ärmlichen verhältnissen geboren. 1940 wurde er opfer der “erweiterten landverschickung”, er kam auf einen bauernhof in schlesien zur pflege. da die not hatte in diesen tagen schon weit um sich gegriffen hatte, lernte frieder m. die menschen hier von einer grausamen seite kennen, vermutlich hatte man mehrfach im spaß oder ernst versucht, ihn zu schlachten. erst mit kriegsende kam er nach berlin zu seiner mutter zurück; der vater war inzwischen gefallen.

    frieder m. löste sich früh aus der häuslichen umgebung und begann eine lehre als fleischer. er wurde von seinen kollegen als extrem wissbegierig und genau, zugleich aber als schweigsam und asozial beschrieben. geheiratet hat frieder m. nicht. vermutlich ist m. schon in jungen jahren alkoholabhängig geworden. seinen beruflichen pflichten konnte er dennoch - wenn auch mit einigen zwischenfällen - nachkommen.

    1973 wurde frieder m. wegen mehrfacher entführung und mord festgenommen. den polizangaben zufolge hatte er den siebjährigen sebastian e. aus berlin zunächst entführt, als dieser von der schule heimkehrte. frieder m. hatte den kleinen sebastian e. mit zu sich nach hause genommen und dort geschlachtet. frieder m. wurde kurz darauf in die geschlossen klinik in berlin-stahnsdorf eingeliefert, wo er viele jahre lang lebte, mehrere andere taten derselben art gestand und am 3. juli 1987 starb.

  12. ANH | June 18, 2008 at 6:47 am | Permalink

    @sirenomele zu Lebenslauf und Grabrede.

    Das ist eine nahezu perfekte Realisierung der Aufgabe, - bis auf den einen Satz (den einen Vers), der bereits im Gedicht ein nicht ausentschlüsselbares Geheimnis enthält, nämlich „und uns entblößt“. Als ich das schrieb, wußte ich, es stimmt, aber nicht, warum, und der ganze Bedeutungs- und Aussagehof dieser drei Wörter hat etwas auch für mich selbst Skandalöses allezeit behalten. Im nächsten Semester will ich mit Ihnen allen über solche Wendungen einmal sprechen, über ihre Evidenz, ihre Unmoral auch, und darüber wie sie entstehen und daß man sie eigentlich nicht „wollen“ kann, im Sinn von: das Geheimnis intendieren. Es nennt sich. Aber das gehört in ein Lektorat nur am Rande, weil er sehr allgemein ist, allerdings poetologisch grundlegend.
    Deshalb jetzt im einzelnen, wo ich Anmerkungen habe:

    lieber, verehrter herr o.,
    ich stehe nun mit ihnen hier, um in dieser stunde feierlich abschied zu nehmen von ihrem lieben freund herrn frieder m.

    Eine völlig absurde Situation, die sofort ein Bild öffnet: da stehen nur zwei am Grab. Toll. Und dann das weite Ausholen des Sprechers!
    es ist mir, will ich ihnen sagen, so etwas wie eine ehre, heute anteil zu nehmen an dem band der freundschaft, das sie
    das „sie“ hängt ein wenig, was an der von Ihnen gewählten Kleinschereibung liegt. Wer/was ist gemeint?
    hier in der anstalt in den letzten jahren verbunden hat. warum uns menschen manchmal nahe stehen, warum uns ihr menschsein und ihre geschichte von anfang an rätselhaft und zugleich vertraut erschien, das bleibt gottes geheimnis. aber es war sein wille:
    w a s war sein Wille? Daß es sein Geheimnis bleibt und/oder daß Freundschaft ein Geschenk ist?
    diese freundschaft ist ein geschenk und wird es bleiben, nachdem wir von dem menschen abschied genommen haben. das vertrauen, das wir gewonnen haben, wird in unseren herzen ruhen wie eine blüte, die in dunklen zeiten angefangen hatte, sich zu öffnen.
    Womit jetzt die hellen Zeiten angebrochen wären? Absichtlich von Ihnen so gesetzt, diese diskrete Freude darüber, daß die dunklen Zeiten, nämlich das Leben des Verstorbenen, vorübersind?
    ich erinnere daran, dass herr m. opfer der sogenannten erweiterten landverschickung war.
    Hier würde ich direkter einsteigen: Herr M. war ein Opfer der.
    dieses
    unschön: geschichtliches Schicksal
    geschichtliche schicksal wurde vielen zuteil
    brauchen Sie bei einem so langen Text tatsächlich die folgende Null-Aussage?:
    und es wird für die biographie des einzelnen je etwas anderes bedeutet haben. frieder m. war ein opfer. als er später zurückkehrte, war sein zuhause kein zuhause mehr; und seine seele hatte wunden davongetragen, die zeit seines lebens
    Reflexivpronomen nicht nachstellen; das ist eine leere Manier.
    sich nicht mehr schließen wollten.
    “wer frei ist von sünde, der werfe den ersten stein.” wir werfen hier nichts als eine hand voll erde auf den toten,
    schön!:
    damit er sich vielleicht beruhige. wir triumphieren nicht angesichts des unmenschlichen und wir wollen nichts verschweigen. wir wollen aber auch
    das ist ungewollt komisch „angesichts“ einer leiche:
    den rest dieses menschen sehen: das haben sie, herr o., getan.
    :also sich die Leiche angesehen. Vorsicht, nicht mit der Genauigkeit durchhängen.
    ich werde darüber weit weniger sagen können, als sie es könnten.
    :immer noch: über die Leiche. Das müssen Sie bearbeiten, zweidrei Striche reichen aber.
    ich selbst kannte herrn m. als einen allzu stillen menschen. nur wenn man je mutig genug gewesen ist, ihm in die augen zu schauen, konnte man darin eine unsägliche unruhe erkennen. und angesichts dieses menschlichen und zugleich göttlichen abgrunds wird man nicht aufhören, zu fragen: was hatte dieser mensch gesehen?
    wir wissen es nicht.
    Sehr gut!!:
    wir wollen es nicht wissen, als würden wir es mit eigenen augen gesehen haben, weil es eine grenze dessen gibt, was der mensch ertragen kann. “erträglich sein” heißt: für die seele, für den verstand. denn dass sein körper nur lebte, bedeutet, dass er das zerfleischte der eigenen seele jahr für jahr, stunde für stunde, nein: sekündlich weitertragen musste. und angesichts der schmerzen - ist besinnungslosigkeit hier nicht natürlich? ist es nicht nachvollziehbar, dass sich die gedanken zersetzen und überreizen, weil das denken im grunde längst nicht mehr stattfinden kann?
    diese grenze gibt es nicht für gott: denn es ist geschehen.
    Aber wieso „gibt es n i c h t“? Die Grenze war zuvor doch expressis verbis benannt…
    diese grenze gibt es nicht für unser mitgefühl: weil es zu schwach ist, weil es den schmerz nicht ausloten kann und will.
    diese grenze gibt es nur für den einzelnen menschen, den zu dieser unmenschlichkeit herausgeforderten; und dieser einzelne wird je vollkommen einsam mit seinem leiden sein. er wird unter umständen den weg zu den menschen nicht zurückfinden und anfangen,
    das ist jetzt zu dicke:
    brennenden blutes unsäglich zu frieren. er wird trost nur in betäubungen und einer gewalttat finden, die der wildheit seines herzens entspricht.
    : Im Sinn der Vorzeilen würde ich den Text schärfer fassen: „Trost in einer Gewalttat, die der Wildheit des Herzens entspricht“ ist eine ganz g r o ß e Formulierung, in aller Ambivalenz ihres Inhalts. Ihr entsprechend würde ich den Pfarrer, der so etwas sieht und auch noch auszusprechen wagt, k e i n e Platitüden sagen lassen im Text. Das betrifft jetzt die Grund-Anlage Ihrer Idee. Klären Sie das mit sich, kühlen Sie die Sätze von jedem Kitsch aus und formulieren Sie noch einmal neu. Dann kommen Sie auch genau auf dieses „das uns entblößt“. Es ist mutiger, einen Pfarrer das sehen als ihn sich hinter gekitschten Stanzen verkriechen zu lassen. Im Fall Ihres Textes, sirenomele, wäre ich dafür, k e i n Pfarrer-Grabrede-Klischee anzuwenden, sondern den steinigen Weg zu gehen. Das Zeug haben Sie, das zeigt fast jeder Ihrer bisherigen Texte.
    ______________________________________________________________
    frieder m. wurde am 25. august 1934 in berlin in ärmlichen verhältnissen geboren. 1940 wurde er opfer der “erweiterten landverschickung”, er kam auf einen bauernhof in schlesien zur pflege. da die not hatte
    ein hatte zuviel, aber der Satz ist auch zu erzählerisch im Ton für einen Lebenslauf.
    in diesen tagen schon weit um sich gegriffen hatte, lernte frieder m.
    und das sagt eigentlich nichts Konkretes, die Banalität der Formulierung erstickt den Inhalt:

    die menschen hier von einer grausamen seite kennen,
    kein „vermutlich“ in Lebensläufen. Bringen Sie ein Indiz oder einen Beleg
    vermutlich hatte man mehrfach im spaß oder ernst versucht, ihn zu schlachten.
    :außerdem geht „im Spaß schlachten“ nicht – sie verlieren hier das Genre. Und: ohne „erst“:
    erst mit kriegsende kam er nach berlin zu seiner mutter zurück; der vater war inzwischen gefallen.
    frieder m. löste sich früh aus der häuslichen umgebung
    : das kann man so nicht sagen, wenn er vorher Verschickungs-Objekt war
    und begann eine lehre als fleischer. er wurde von seinen kollegen als extrem wissbegierig
    : würde man das unter Fleischhauern sagen? Ist eine offene Frage, ich weiß es nicht, habe aber kein Gefühl der Evidenz dabei
    und genau, zugleich aber als schweigsam und asozial beschrieben. geheiratet hat frieder m. nicht.
    Kein vermutlich:
    vermutlich ist m. schon in jungen jahren alkoholabhängig geworden. seinen beruflichen pflichten konnte er dennoch - wenn auch mit einigen zwischenfällen - nachkommen.
    1973 wurde frieder m. wegen mehrfacher entführung
    : was meinen Sie? Mehrfache Entführungen legen nahe, daß einige Entführungen nicht aufgeklärt wurden. Dann ist das aber eigentlich nicht in einen Lebenslauf zu schreiben
    und mord festgenommen. den polizangaben zufolge hatte er den siebjährigen sebastian e. aus berlin zunächst entführt, als dieser von der schule heimkehrte.
    „als dieser von der schule heimkehrte „ gehört schon nicht mehr in einen Lebenslauf.
    frieder m. hatte den kleinen sebastian e. mit zu sich nach hause genommen und dort geschlachtet. frieder m. wurde kurz darauf in die geschlossen klinik in berlin-stahnsdorf eingeliefert, wo er viele jahre lang lebte,
    das jetzt ist unwahrscheinlich, weshalb sollte er „gestehen“? Bedürfte einer Herleitung oder einer anderen Erzählung
    mehrere andere taten derselben art gestand und am 3. juli 1987 starb.

  13. sirenomele | June 21, 2008 at 11:58 pm | Permalink

    Verehrter Herr O. -,

    ich stehe nun mit Ihnen hier, um in dieser feierlichen Stunde Abschied zu nehmen von ihrem langjährigen Freund Herrn Frieder M.. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich Achtung habe vor der Freundschaft, welche Sie hier in der Anstalt in den letzten Jahren verbunden hat. Warum uns bestimmte Menschen manchmal nahe stehen, warum uns ihr Menschsein und ihre Geschichte von Anfang an rätselhaft und zugleich vertraut erschien, das bleibt Gottes Geheimnis. Diese Freundschaft ist ein Geschenk, auch wenn nurmehr eine Erinnerung zurückbleiben wird.

    “Wer frei ist von Sünde, der werfe den ersten Stein.” Wir werfen hier nichts als eine Hand voll Erde auf den Toten, damit er sich vielleicht beruhige. Wir triumphieren nicht über das Böse und wir wollen nichts verschweigen. Wir wollen aber auch den Menschen sehen, der er war. Ich werde darüber weit weniger sagen können, als Sie, Herr O., es könnten.

    Herr M. war Opfer der sogenannten erweiterten Landverschickung. Als er nach dem Krieg zurückkehrte, war sein Zuhause kein Zuhause mehr; und seine Seele hatte Wunden davongetragen, die sich Zeit seines Lebens nicht mehr schließen wollten. Ich selbst kannte Herrn M. als einen allzu stillen Menschen. Nur wenn man jeh mutig genug gewesen ist, ihm in die Augen zu schauen, ließ sich darin eine unsägliche Unruhe erkennen. Und in Anbetracht dieses menschlichen und zugleich göttlichen Abgrunds wird man nicht aufhören, zu fragen: Was hatte dieser Mensch gesehen?

    Wir wissen es nicht. Wir wollen es nicht wissen, als würden wir es mit eigenen Augen gesehen haben. Wir müssten eine Grenze des Erträglichen spüren. Dass Frieder M. seine Kindheit überlebte, hieß, dass er eine offene Zerfleischung Jahr für Jahr, Stunde für Stunde, nein: sekündlich weitertragen musste. Wir dagegen schützen den Verstand vor dem Unverständlichen und bewahren die Seele vor dem Bewusstsein menschlicher Möglichkeit.

    Diese Grenze gibt es nicht für Gott: Denn es ist geschehen.

    Diese Grenze gibt es nicht für den Menschen, der zur Unmenschlichkeit herausgefordertet wird.
    Er wird damit allein sein. Er wird darin einen unhintergehbaren Abstand zu seinen Nächsten spüren. Und er wird Trost nur in einer Gewalttat finden, die der Wildheit seines Herzens entspricht.

    Es gibt hierfür keine Entschuldigung. Und doch werden wir uns in dieser Stunde des Toten annehmen müssen. Wir anerkennen seine Schmerzen, wir nehmen ihn auf, um ihn gehen lassen zu können.

    Wir nehmen Abschied von Frieder M. -

    *

    Frieder M. wurde am 25. August 1934 in Berlin in ärmlichen Verhältnissen geboren. 1940 wurde er Opfer der “erweiterten Landverschickung”, er kam auf einen Bauernhof in Schlesien zur Pflege. Aus den analytischen Protokollen gehen indifferente Aussagen hierüber hervor; als gesichtert gilt, dass die Pflegeeltern versucht hatten, Frieder M. zu schlachten. Mit Kriegsende kam er nach Berlin zu seiner Mutter zurück; der Vater war inzwischen gefallen.

    Frieder M. machte eine Ausbildung zum Fleischer. Von einigen Kollegen wurde er als gelehrig, zugleich aber als schweigsam und asozial beschrieben. Sein Interesse an der menschlichen Anatomie ist durch den Besitz mehrerer Bücher dieses Themas bezeugt.

    M. ist schon in jungen Jahren alkoholabhängig geworden. Seinen beruflichen Pflichten konnte er dennoch - wenn auch mit einigen Zwischenfällen - nachkommen. Geheiratet hat Frieder M. nicht.

    1973 wurde Frieder M. wegen Entführung und Mord festgenommen. Den Polizangaben zufolge hatte er den siebenjährigen Sebastian E. aus Berlin mit zu sich nach Hause genommen und dort geschlachtet. Frieder M. wurde kurz darauf in die geschlossen Klinik in Berlin-Stahnsdorf eingeliefert, wo er viele Jahre lang lebte und im Zuge der Therapie von mehreren anderen Taten derselben Art sprach, wobei entsprechende Hinweise in einigen Fällen polizeilich bestätigt werden konnten. Frieder M. starb am 3. juli 1987.

  14. maudit | August 7, 2008 at 11:21 pm | Permalink

    Anatomiestunde - Dramolett in zwei Monologen

    Prof Dr. Dr. h.c. mult. Holterhobel:

    Nun treten Sie doch näher! Etwas beherzter, wenn ich bitten darf! Vor allem die werte Damenriege, die sich in den hinteren Rängen tummelt. Ein wahres Prachtexemplar, das ich Ihnen heute präsentieren darf. Bemerkenswert in jederlei Hinsicht. Wie Sie schon alle bemerkt haben dürften: männlich, älteren Jahrgangs, durchaus verwahrlost. - Ach Wagner seien Sie so gut und scheren’S, während ich fortfahre, geschwind die Zotteln vom Skalp.

    Starker Raucher, gelbe Fingerkuppen, offene Beine. Sie, ja Sie meine ich, jetzt bitte mal den ersten Schnitt ansetzen. Hier, exakt hier den Unterschenkel abtrennen, aber daß Sie mir ja die Adern und Venen, die den armseligen Stumpf letzthin bloß notdürftig versorgt haben, nicht zerschnipseln! Und hübsch das Raucherbein präparieren, während wir weiter oben fortfahren.

    Die Brust hat der Wagner schon geöffnet. Bei der Lunge nichts mehr zu machen, läßt sich doch sonst stundenlang schwelgen in Äderchen und Bläschen. Bei dem ist’s bloß noch ein teeriger Matsch. Übrigens zu Lebzeiten nicht gerade soziabel der Alte, ein Leben zwischen Verwahranstalten, Klapsmühlen, Penitentiarien. Notorischer Frauen- und Kinderschänder - ich erfinde das nicht, um Sie bleich um die Nasen werden zu lassen, liebe Damenschaft! Nein, dem war das Böse eingepflanzt und zwar hier oben!

    Ja ja, schauen Sie nicht so trübselig, jetzt geht’s ans Eingemachte. - Lassen Sie’s gut sein, Wagner, der Schädel ist doch nun ganz gut zugänglich, räumen Sie lieber das Geschlönz, das der junge Herr so forsch und großzügig verteilt, einstweilen vom Tisch.

    Ja hier oben wird’s nun delikater. Lassen Sie mich mal ran, hier braucht’s doch eine erfahrenere Hand. Rasch die Schädelplatte aufgesägt, und schon kommt das ganz Elend zum Vorschein. Die Hälften gepackt und auseinander gezerrt. Was haben wir denn da? Eine schöne Geschwulst, taubeneigroß, doch so garnicht zahm und friedenstiftend. Das war’s, das ihn ein Lebenlang drückte, das in dem Gehirnkasten wütete!

    Wagner, Faktotum:

    Ach Bruder, nun haben sie auch Dich kleingekriegt, eingekorkt gleich einem Flaschengeist dümpelst Du im Spiritus, vom Nimbus entblößt, erklärt, zurechtgestutzt auf die vermeintliche Essens. Und Holterhobel ist’s zufrieden, weiß er doch Deinen Ungeist gebändigt, auf Walnußgröße miniaturisiert. Ja, der Trottel im weißen Kittel vermeint nun, Dein Wüten, das grundlos wahr und gegen alles anrannte, deuten, fassen, begründen zu können: Sie werden uns nicht verstehen, Philister mit ihren Schaubildern und Tabellen, werden nie das Unfassbare fassen.

    Von Anbeginn hatten wir nur uns gegen sie verschworen: Du, die Steißlage — ich, der Wasserkopf. Wir rafften die Mütter dahin, schlossen schon, als sie noch kreißten und litten, unseren Pakt fürs Leben und Überleben. Wir wollten im Schatten bleiben, wollten nicht heraus. Häßlich nannten sie uns und haßten uns fortan: Väter, Geschwister, Ärzte, Erzieher.

    Erst Jahre später in der Verwahranstalt sehen wir uns wieder und erkennen einander sofort. Meine Abnomalität ist augenfällig, Deine subtiler, an ihr entzündet sich die Phantasie. Wir Verfemte bleiben ihnen rätselhaft, uns nährt eine Kraft, die sie nicht messen können, die ihre elende Erklärungswut, ihren Deutungsfuror übersteigt.

    Sie machen uns zu Delinquenten; unser Delikt: zu sein. Wahlweise sperren sie uns weg oder führen uns vor. Ich werde zum Unikum, zum medizinischen Kuriosum, das sich nach der Vorführung noch für verschiedenste Schinderdienste eignet. Dich in Deiner Widerständigkeit erklären sie für sittenwidrig, pervers, böse. Mir vermessen sie mit Schieblehre und Bandmaß Gliedmaße und Kopf. Dich befragen sie nach Deiner Moral.

    Sie wollen Gründe, sie wollen verstehen: Deine Lust am sich Verzehren des Feuers, Deine Obsession, sich in der Angst des Anderen zu spiegeln, dieses Wandeln auf den unsichtbaren Grenzlinien. Du hast sie schon je überschritten: Du kamst von drüben. Sie wollten nicht, daß Du ihnen von dort berichtest.

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