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ALLGEMEINE TEXTE.

Hier stellen Sie bitte zu diskutierende Texte ein, die nicht an eine Aufgabenstellung gebunden sind.

{ 107 } Comments

  1. Mathis Erml | September 18, 2008 at 10:15 pm | Permalink

    Tübingen

    Am Samstag, wenn Vater am Marktstand steht, wenn die Frauen unser Gemüse kaufen, sitze ich im Morgentau am Neckarufer bei den kranken Platanen, werfe Steine auf die Stocherkähne. Den ersten auf den Rumpf, den zweiten auf den Kopf.

    Am Mittag, wenn Vater den Marktstand abbaut, wenn die Frauen unser Gemüse kochen, gehe ich im Kiesbett am Neckarufer entlang, finde die Boote, streichle die Kerben, ritze mein Zeichen, in das Holz.

    Am Abend, wenn Vater bei den Frauen liegt, sitze ich im Straßencafé am Marktplatz, suche Nähte auf Köpfen, zähle die Stiche, trinke noch aus, gehe an ihren Tisch.

  2. Knüttel23 | September 22, 2008 at 7:08 pm | Permalink

    Gib mir hochhaushohe Wellen und eine
    Stadt aus Silikon, Mikrochips knusprig
    und fettfrei,
    ein neues Gesicht, kuhäugig, sexy,
    so polyphon und klassisch:
    den echten Fick übers Handy,
    so tot und doch plastisch.

    Gib mir den Laser, der mich gesund
    und eine Pille, die bunt macht, verstrahl
    mich mit deiner göttlichen Kraft, auf dass
    ich ewiglich wandle, verzaubert, taub
    und innen verwest, planquadratisch,
    hochjauchzend und brav komatös.

  3. ANH | September 26, 2008 at 6:04 am | Permalink

    @ Mathis Erml zu „Tübingen“.

    Am Samstag, wenn Vater am Marktstand steht, wenn die Frauen unser Gemüse kaufen, sitze ich im Morgentau am Neckarufer bei den kranken Platanen, werfe Steine auf die Stocherkähne. Den ersten

    Das ist grammatisch ein bißchen problematisch, weil sich „den“ auch direkt auf einen „Stocherkahn“ beziehen kann, wobei ich schon den Begriff „Stocherkahn“ etwas seltsam finde; nennt man diese Kähne so, oder ist das ein Neologismus von Ihnen?

    auf den Rumpf, den zweiten auf den Kopf

    hm, „auf den Kopf“: was ist der Kopf eines Kahnes? das Steuerhaus? Möglicherweise g e h t das Bild aber; nur bin ich halt hängengeblieben

    .
    Am Mittag, wenn Vater den Marktstand abbaut, wenn die Frauen unser Gemüse kochen, gehe ich im Kiesbett am Neckarufer entlang, finde die Boote, streichle die Kerben, ritze mein Zeichen, in das Holz.

    Das Komma vor „in das Holz“ steht sicher versehentlich da, oder?
    Am Abend, wenn Vater bei den Frauen liegt, sitze ich im Straßencafé am Marktplatz, suche Nähte auf Köpfen, zähle die Stiche, trinke noch aus, gehe an ihren Tisch.

    An wessen Tisch? den der Frauen, bei denen der Vater liegt? Eher nicht, oder?

    Ansonsten ist das ein sehr schöner, sehr ruhiger, melancholischer bis tieftrauriger Text. Als kleinen Einwand vielleicht noch: daß der Vater zur Zeit des Nebeltaus den Markstand aufbaut, scheint mir einsichtig zu sein, aber zu dieser frühen Zeit kaufen schon die Kundinnen bei ihm? Sehr schön geheimnisvoll ist übrigens „finde die Boote, streichle die Kerben“; das hat Aura.

  4. ANH | September 26, 2008 at 6:50 am | Permalink

    @ Knüttel23 zu „Gib mir hochhaushohe Wellen“

    Hm. Mal prinzipiell: Das so eines dieser Gedichte, deren Absicht man aber auch sofort merkt und als Meinung teilt oder nicht teilt, das ist eigentlich egal. Egal darf es aber nicht s e i n. Wenn ein Gedicht nur einverständiges Nicken auslöst, dann ist es mißlungen; besser sogar, es löst (inhaltlichen) Widerspruch aus. Wenn Sie dieses Gedicht zum Beispiel völlig begeistert-affirmativ geschrieben hätten, dann wäre etwas im Leser vorgegangen, dann hätte er sich womöglich gewehrt oder auch nur erstmal etwas begriffen. S o aber geht durch das Gedicht ein verräterischer Klageton, der sofort deutlich macht, daß der Autor etwas ganz anderes meint/denkt/fühlt, als er hier sagt, und er sagt, was er hier sagt, w e i l er etwas anderes meint/denkt/fühlt. Das wirkt dann knüppeldick pädagogisch.
    Aber lassen Sie uns auch die Bilder mal abklopfen und uns den Rhythmus ansehen, d.h. Ihre Zeilenbrüche:

    Gib mir hochhaushohe Wellen

    aus Wasser?

    und eine/Stadt aus Silikon

    das verstehe ich schon mal nicht: was wäre das Versprechen, mit dem eine Stadt aus Silikon lockte? Sie meinen ja sicher keine Stadt aus künstlichen Brüsten oder aus Material zur Abdichtung von Fenstern und Türfugen…

    zu , Mikrochips knusprig/und fettfrei,

    auch dieses Bild ist mir nicht nachvollziehbar; ich dachte erst an Pommes, aber die sind ja nicht fettfrei und würden fettfrei auch gar nicht schmecken. Außerdem ist mir der Zeilenumbruch unklar; was ist hier der rhythmische Clou?: „Stadt aus Silikon, Mikrochips knusprig/und fettfrei“

    ein neues Gesicht, kuhäugig, sexy,

    :jetzt wird es deutlicher, daß Sie auf Body-Morphing anspielen, Lifting usw. - aber wieso dann:

    so polyphon

    wo kommt der T o n her (”phon”)?

    und klassisch:

    ? und dann:

    den echten Fick übers Handy,

    klar, daß „echt“ ironisch gemeint ist, dennoch würde „den Fick übers Handy“ schon völlig reichen. Aber Sie setzen noch eines drauf und kommentieren, was eh schon klar ist

    :
    so tot und doch plastisch.

    Damit nehmen Sie aber auch a l l e Spannung aus dem Gedicht.

    Gib

    :wer wird angesprochen?

    mir den Laser, der mich gesund

    und was wäre besser daran, wenn man auf moderne Medizin verzichtete?

    und eine Pille, die bunt macht

    :das verstehe ich wieder nicht: w e n bunt? w a s bunt? ist das metaphorisch? dann g ä b e es diese Pille aber bereits, man kriegt das Zeug in jedem Club

    , verstrahl/mich mit deiner göttlichen Kraft

    : wieso? warum diese Anrufung, zumal um den Tod:

    auf dass/ich ewiglich wandle

    „ewiglich“ ist hier auch g a n z schlecht; doppelte Ironisierung von etwas, das sich der Ironisierung entzieht, weil der Text selber grundmoralisch ist

    , verzaubert, taub/

    eine schwer nachvollziehbare Zusammenstellung, es sei denn, Sie meinen „verzaubert“ als etwas Schlechtes; das Wort löst aber erst einmal eher etwas Märchenhaftes aus, so, wie „verwunschen“

    und innen verwest, planquadratisch,

    : Mannheim? Und d a s da geht g a r nicht:

    hochjauchzend und brav komatös.

    Im Koma kann keiner jauchzen.

    Dieses Gedicht klappert und klingelt an allen Enden mit Bedeutungen, die allenfalls Meinungen sind, eine moralische Stimmung und, sagen wir, Weltabkehr – aber völlig unklar, sowohl in der Bildwelt wie in der Rhythmik. Bitte, um ein solches Sujekt zu bearbeiten, versuchen Sie es mit einer sehr harten, fest definierten Form: das wird Sie z w i n g e n, an den Bildern zu bleiben, konkret zu sein, plastisch zu sein und vor allem: erst einmal auf der Ebene der Beschreibung zu bleiben.

  5. Mathis Erml | September 27, 2008 at 11:53 am | Permalink

    Das ist grammatisch ein bißchen problematisch, weil sich „den“ auch direkt auf einen „Stocherkahn“ beziehen kann,

    Das b i ß c h e n ist, wie mir scheint, nur ein k l e i n e s bißchen, da der grammatisch-semantische Zusammenhang deutlich ist. Eine absolute Eindeutigkeit -wollte ich vollständig auf die Logik des Lesers verzichten- würde mich zwingen nie wieder zwei Akkusativobjekte in Verbindung mit einem relativen Satzanschluss zu verwenden.

    wobei ich schon den Begriff „Stocherkahn“ etwas seltsam finde; nennt man diese Kähne so, oder ist das ein Neologismus von Ihnen?

    Der Tübinger Stocherkahn entspricht in etwa der venezianischen Gondola.

    auf den Rumpf, den zweiten auf den Kopf
    hm, „auf den Kopf“: was ist der Kopf eines Kahnes? das Steuerhaus? Möglicherweise g e h t das Bild aber; nur bin ich halt hängengeblieben.

    Schon der Rumpf ist doppeldeutig. Ein Stocherkahn verlangt nach einem Stocherer. In diesem Vers wird noch nicht deutlich, ob sich die Steinwürfe ausschließlich auf Boot oder auch Besatzung beziehen sollen. Vielleicht müsste hier ausdrücklich gesagt werden, dass es sich um einen fahrenden, demnach bemannten Kahn handelt.

    Das Komma vor „in das Holz“ steht sicher versehentlich da, oder?

    Das Komma will eher als Atempause verstanden sein.

    Am Abend, wenn Vater bei den Frauen liegt, sitze ich im Straßencafé am Marktplatz, suche Nähte auf Köpfen, zähle die Stiche, trinke noch aus, gehe an ihren Tisch.
    An wessen Tisch? den der Frauen, bei denen der Vater liegt? Eher nicht, oder?

    Bezieht man „den zweiten auf den Kopf“ der ersten Strophe auf die Besatzung des Kahns dürfte der letzte Vers, mit seinen „Nähten auf Köpfen“ und gezählten „Stichen“ – also wen er an welchen Tischen aufsucht - klar werden.

    Ja, hier fehlt es wieder an Deutlichkeit.

  6. Manuel Semah | September 28, 2008 at 1:30 am | Permalink

    Labyrinth

    Es hallen ringsum tiefe Gänge

    mit deinem dumpfen steten Schritte.

    Sie fallen ohne eine Mitte

    hinein in ewig taube Enge.

    Du suchst und irrst und bist am Ende

    am Anfang deiner ersten Wünsche.

    Wo mag der Wille letztlich führen

    wenn nichts ihn fasst als tote Wände?

  7. Mathis Erml | September 29, 2008 at 9:15 am | Permalink

    Tübingen, Fassung II

    Am Samstag, wenn Vater am Marktstand steht, wenn die Frauen unser Gemüse kaufen, sitze ich im Morgentau am Neckarufer bei den kranken Platanen,

    werfe Steine auf Stocherkähne, auf Stocherer.
    Den ersten auf den Rumpf, den zweiten auf den Kopf.

    Am Mittag, wenn Vater den Marktstand abbaut, wenn die Frauen unser Gemüse kochen, gehe ich im Kiesbett am Neckarufer entlang, finde die Boote, streichle die Kerben, ritze mein Zeichen, in das Holz.

    Am Abend, wenn Vater bei den Frauen liegt, sitze ich im Straßencafé am Marktplatz, suche Gondolieri, Nähte auf Köpfen, zähle die Stiche, trinke noch aus, gehe an ihren Tisch.

  8. ANH | October 3, 2008 at 8:02 am | Permalink

    @ Manuel Semah zu: Labyrinth

    Das ist ein Pubertätsgedicht; ich sage das so frei, weil ich selbst früher mal -und durchaus, bis ich älter als zwanzig war - solche zuhauf aufs Papier gebracht, sie später aber alle schnellstens entsorgt habe. Das ist also ganz normal. Nur muß man es halt auch sagen und aushalten, wenn einem jemand das sagt. Der Text fällt in die Kategorie „O Mensch!“ - und um der etwas hinzuzugeben, was einen wirklich auch nur für eine Sekunde erschrocken innehalten läßt, muß man schon einen s e h r guten Einfall haben oder sich stilistisch in Höhgen bewegen, in denen die Luft bezeichnenderweise sehr dünn und in denen es ausgesprochen kalt ist.
    Ich geh die Sätze mal im einzelnen durch:

    Es hallen ringsum tiefe Gänge
    Sie meinen, wenn schon, dann tiefgelegene oder in die Tiefe führende Gänge; Gänge selber könnten allenfalls in metaphorischem Ausmaß „tief“ sein.

    mit deinem dumpfen steten Schritte.

    Wozu die s e h r antiquierte e-Anhängung an „Schritt“: doch nur, damit der Reim dann auf „Mitte“ funktioniert; das aber merkt man und “wird verstimmt”; dann verzichten Sie lieber auf den Reim, bzw. spielen Sie ihn nur an

    Sie fallen ohne eine Mitte

    Wer fällt? Die Gänge fallen? Die Schritte fallen? Letzteres geht wohl g a r nicht. Aber auch tiefe Gänge, die fallen, sind als Bild höchst seltsam.

    hinein in ewig taube Enge.

    Was ist hier gemeint? Das ist ein reines Abstraktum, jegliche sinnliche Konkretion fehlt. Die aber brauchen Sie, damit ein sinnliches Bild funktioniert.

    Du suchst und irrst

    Na ja, dreihundertsechsundfünfzigmillionensiebentausendeinhalbmal gelesen

    und bist am Ende
    am Anfang deiner ersten Wünsche.

    Das ist als Konstruktion ganz hübsch, sagt aber doch eigentlich a u c h nichts: Was sind denn diese ersten Wünsche? Die eines Neugeborenen? Die eines, der mit Recht beginnt, „ich“ zu sagen? Und was wünscht der sich? - Verstehen Sie ein wenig, was ich meine?

    Wo mag der Wille letztlich führen

    auch hier hat man ein grammatisches Problem, weil nicht deutlich wird, was mit „wo“ gemeint ist. Meinen Sie „wohin“? Oder meinen Sie „wo führt der Wille“ , also “an welchem Ort ist es der Wille, der führt?”: dann aber: w e l c h e r Wille, einer, der w a s will? Das ist alles völlig undeutlich. Ja und:
    wenn nichts ihn fasst als tote Wände?

    Wie können Wände „fassen“? Also e i n fassen könnten sie, aber fassen? Zumal wenn die tot sind? Wobei mir schon ganz unklar ist, was denn tote Wände s e i n sollen? Damit das funktioniert., müßten Sie vorher ein Bild lebender Wände im Leser erzeugt haben (etwa wie es sie in Polanskis „Ekel“ von 1964 gibt: mit der damals ganz jungen Deneuve).

  9. ANH | October 3, 2008 at 8:15 am | Permalink

    @ Mathias Erml zu: Tübingen, zweite Fassung

    Das ist jetzt s e h r viel besser. Hier aber stimmt es noch immer nicht:

    werfe Steine auf Stocherkähne, auf Stocherer.
    Die Nachbestimmung klappert, auch rhythmisch

    Den ersten auf den Rumpf, den zweiten auf den Kopf

    Das ist schön (da man ja „wem?“ fragt). Doch es kippt Ihnen wegen des holpernden Vorsatzes weg. Vielleicht s o: „werfe Steine auf Kähne und Stocherer/den ersten auf den Rumpf“ und die Köpfe dann ganz aussparen, weil man sich das denkt, bzw. denken könnte. Durch den kleinen Trick käme auch eine zusätzliche Spannung ins Gedicht.

    streichle die Kerben, ritze mein Zeichen, in das Holz.

    Mit dem Komma zwischen „Zeichen“ und „in das Holz“ bin ich weiterhin unglücklich. Damit so etwas als rhythmisches Stilmittel funktioniert, muß es als ein solches ausgewiesen, bzw. eingeführt sein. Um das zu erreichen, ist dieser Text aber zu kurz. Man hat gar keine Möglichkeit, die Irritation als Stilmittel zu verstehen, und man hat ein mindestens ebensolches Recht zu sagen: das ist einfach falsche Interpunktion.

    Am Abend, wenn Vater bei den Frauen liegt, sitze ich im Straßencafé am Marktplatz, suche Gondolieri,

    spannend, das mit den Gondolieri, aber jetzt kommen die Nähte auf Köpfen zu unvermittelt, ich bekomme da kein inneres Bild hin

    , zähle die Stiche, trinke noch aus, gehe an ihren Tisch.

    An den Tisch der Gondolieri? Und was für „Stiche“ sind gemeint? Bitte bedenken Sie, daß es eine germanistische Unsitte ist, gute Gedichte mit Rätselaufgaben oder Knobeleien zu verwechseln.

  10. Mathis Erml | October 5, 2008 at 9:08 pm | Permalink

    Tübingen, Fassung III

    Am Samstag, wenn Vater am Marktstand steht, wenn die Frauen unser Gemüse kaufen, sitze ich im Morgentau am Neckarufer bei den kranken Platanen, werfe Steine auf Stocherkähne, den ersten auf den Rumpf.

    Am Mittag, wenn Vater den Marktstand abbaut, wenn die Frauen unser Gemüse kochen, gehe ich im Kiesbett am Neckarufer entlang, finde die Boote, streichle die Kerben, ritze mein Zeichen in ihr Holz.

    Am Abend, wenn Vater bei den Frauen liegt, sitze ich im Straßencafé am Marktplatz, suche die Gondolieri, Wundnähte auf ihren Köpfen, zähle die Stiche, trinke noch aus, gehe an ihren Tisch.

  11. David Heckel | October 6, 2008 at 5:42 pm | Permalink

    a fresco

    auf dem aufgeweichten zelluloseputz: jede skizze wirkt dilettantisch im: streiflicht der endschwingungswellen deines: flachslockenhaars und helenaprofils, eingebrannt: in den blinden fleck meiner pumpenden: kiemennetzhaut

    behutsam rühr ich: das pastellbeige deiner rotgängerwangen: im kalkwasser an und – das glaukomecholot meiner iris entwirft: sinopievisionen einer nicht ortbaren: zukunft aus roter, keimschwangrer erde und blättert: bewusstlos im almanach unsres – maroden dreitagewerks

    die verlockende ode deines: mavrodaphnebouquets, dein schalkhafter erdbeerschmollmund: jede linie ist wie ein überlüfteter flötenton auf: dem schilfrohr deiner zierlichen: blütenkelchfingerknochen, eine: postpanische abwehrgeste, sie zieht: goldemaillierte, klare konturen ins: safransfumato der sich zerstäubenden –

    erinnerung: nichts anderes bleibt wenn – der kalk der entbehrung den flimmernden: chromfluss der farben bindet

  12. ANH | October 7, 2008 at 8:21 am | Permalink

    @ Erml zu Tübingen III:

    D a s ist jetzt aber schön geworden!!!!

    Und d i e s hier verursacht sogar Gänsehaut, ein kleines, tiefes, poetisch bewirktes Erschrecken: “werfe Steine auf Stocherkähne, den ersten auf den Rumpf.”

    Kompliment.

  13. ANH | October 7, 2008 at 8:41 am | Permalink

    @ David Heckel zu a fresco:

    Das ist ein Text, der bei mir höchst ambivalent wirkt. Zum einen haben die Bilder nicht immer jene scheinbar unmittelbare Gewalt des sofortigen Geschmacks, den sie haben müßten, das heißt, sie verlieren sich bisweilen im allzu-Abstrakten, andererseits wirkt durch den Text eine große Poesie, ja Liebes-Poesie, und das ist ganz genau so spürbar. Und dann wieder kommt ein Moment, wo ich auflache, weil ich denke, das k a n n jetzt nur noch ironisch gemeint sein. Zwischen diesen Polen oszilliert der Text, und das bekommt ihm nicht unbedingt, da eine Spur von Zweifel bleibt, ob die Wirkung gewollt ist oder versehentlich im Sinne ungewollter Komik zustande kommt. Hier wäre unbedingt zu schärfen, zu konturieren, auch wohl: Stellung zu beziehen.
    Die Reihungen mit den Doppelpunkten wirken zudem wie eine Masche, will sagen: das läuft sich als Stilmittel tot, verliert an Reiz usw.

    Im Einzelnen:

    auf dem aufgeweichten zelluloseputz: jede skizze

    geht es um e i n e Skizze oder um mehrere die da „liegen“? Hier beginnt schon eine Unklarheit.

    wirkt dilettantisch im: streiflicht der endschwingungswellen

    häßliches Wort ohne Aura: endschwingungswellen

    deines: flachslockenhaars und helenaprofils, eingebrannt

    wozu jetzt dieser folgende Doppelpunkt?

    : in den blinden fleck meiner pumpenden: kiemennetzhaut

    :ich glaube, dieses Bild stimmt nicht. Kiemen, die pumpen, müssen eine feste Struktur haben (es sind ja die Kiemendeckel, die pumpen); das funktioniert mit Netzhaut nicht, weil „Netz“ vor allem auch Löcherigkeit bedeutet: eine solche Pumpe würde nicht funktionieren. Das spürt man der Metapher an.
    behutsam rühr ich: das pastellbeige deiner rotgängerwangen

    mit „rotgängerwangen“ verbindet sich für mich nichts, vor allem dann nicht, wenn sie zuvor als „pastellbeige“, was eh schon eine Art Doppelung ist, beschrieben werden; daß das Beige dann zum Kalk führt, ist allerdings wieder logisch

    : im kalkwasser an und – das glaukomecholot

    s e h r gesucht: Glaukomecholot

    meiner iris entwirft: sinopievisionen einer nicht ortbaren: zukunft aus roter, keimschwangrer

    Mal dieses ganze Bild abgeklopft:
    1) Die Zukunft ist ockerfarben, aber nicht ortbar…. da stimmt nicht, denn als Zukunft h a t sie ja eine Ortung, eine zeitliche nämlich; es kann nur wohl nicht gesagt werden, was sie beinhaltet
    2) Die Zukunft besteht aus roter Erde. Also ockerrot, nehme ich an. Wäre dann ebenfalls eine Verdopplung, bzw. käme die Präzisierung, w e l c h e Ockerschattierung gemeint ist, zu spät: ein Bild muß immer g l e i c h da sein.
    3) und was bedeutet „keimschwanger“? Nähme man Samen (eine Spermatozoe etwa) als einen Keim, dann wäre das ein weißer Schimmel; handelte es sich um einen Fremdkeim, etwa einen Virus, wäre es aber eine Infektion und nicht Schwangerschaft. Vorsicht bitte bei solchen Konstruktionen.

    erde und blättert: bewusstlos im almanach unsres – maroden dreitagewerks

    :was ist hier gemeint? Klingelt das nicht nur mit Sprachschellen?
    die verlockende ode deines: mavrodaphnebouquets,

    ab hier kommt durch die Fülle der Abstraktionen die (ungewollte?) Komik stark durch:

    dein schalkhafter erdbeerschmollmund

    : das ist noch süß, aber dann, das geht, glaube ich, nicht mehr als ernstgemeint durch:

    : jede linie ist wie ein überlüfteter flötenton auf: dem schilfrohr deiner zierlichen: blütenkelchfingerknochen, eine: postpanische abwehrgeste, sie zieht: goldemaillierte, klare konturen ins: safransfumato der sich zerstäubenden – erinnerung: nichts anderes bleibt wenn – der kalk der entbehrung

    gleich zwei Genitivmetaphern, vor denen man sich eh hüten muß, hintereinander; und „der Kalk der Entbehrung“, Pardon, aber das ist einfach Kitsch.

  14. David Heckel | October 7, 2008 at 7:44 pm | Permalink

    Allgemeine Vorbemerkung zu den Satzzeichen: meine Absicht ist es, die Satzzeichen primär als rhythmische Zäsuren zu verwenden: Kommata als kurze Pause/Verzögerung; Doppelpunkt als „normale“ Pause, die etwa dem Wert eines Zeilenumbruchs entspricht; Gedankenstrich als akzentuierte Pause.
    Allerdings wäre es vielleicht konsequenter, zur Verdeutlichung die Kommata durch georgische Punkte zu ersetzen

    Zu: geht es um e i n e Skizze oder um mehrere die da „liegen“? Hier beginnt schon eine Unklarheit.

    Hier sehe ich keine Unklarheit: das ganze Gedicht funktioniert ja eigentlich über die Annäherung/Gleichsetzung der Prozesse des Malens eines Frescos/Bildes und des Schreibens eines Gedichtes („aufgeweichter zelluloseputz“, „skizze“, „almanach“, „linie“); dass es sich dabei um mehrere Skizzen handelt, wird glaub ich aus „jede skizze“ deutlich, aber man kann ja auch mehrere Skizzen auf ein Blatt Papier/eine Wand schreiben/zeichnen, falls Sie sich daran gestoßen haben sollten.

    Zu: in den blinden fleck meiner pumpenden: kiemennetzhaut

    Zu Beginn hatte ich die Variante „in den blinden fleck meiner pochenden: kiemennetzhaut“, habe das aber dann als zu kitschig/inadäquat verworfen; Aber das passt wohl genauso wenig?

    Zu: das pastellbeige deiner rotgängerwangen

    Pastellbeige ist an sich keine Doppelung, da Pastell sich nicht auf einen bestimmten Farbton, sondern auf die Beschaffenheit des Farbmaterials bezieht (z.B. Pastellfarben in Abgrenzung zu Aquarellfarben), auch wenn „Pastellton“ im allgemeinen Sprachgebrauch oft (eigentlich fälschlicherweise) als Synonym zu „Beigeton“ verwendet wird.
    Mit „rotgängerwangen“ wollte ich zum Ausdruck bringen, dass sich die Haut der Wangen errötet bzw. an manchen Stellen ins Rot übergeht;

    meiner iris entwirft: sinopievisionen einer nicht ortbaren: zukunft aus roter, keimschwangrer
    Mit „sinopie“ in „sinopievisionen“ wollte ich den Akzent auf die primäre Bedeutung „Vorzeichnung auf den Putz in der Wandmalerei“ legen, während mir die Farbe Sinopia mit dieser Bedeutung vor allem etymologisch verknüpft, aber nicht notwendig konnotiert zu sein schien (auch wenn ich das mit „roter erde“ tatsächlich aufgreife); dem kann natürlich wieder entgegengehalten werden, dass es dann zu einer Dopplung zwischen „sinopie“ und „vision“ kommt; ich habe mich letztlich dann trotzdem für das Kompositum „sinopievisionen“ entschieden, um deutlich zu machen, dass es sich nicht wie im ersten Abschnitt um eine tatsächlich auf die Wand/das Blatt ausgeführte Skizze handelt, die das Erlebte abzubilden sucht, sondern um einen rein mentalen Prozess der Vergegenwärtigung und Projizierung in die Zukunft;
    Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass „sinopievisionen“ beim Leser so stark und unmittelbar die Farbe Ocker evoziert, aber da dem offenbar so ist, ist die nachfolgende nähere Bestimmung „aus roter, keimschwangrer erde“ natürlich etwas unglücklich;

    Die Ambiguität des Wortes „keimschwanger“, das sowohl auf Fruchtbarkeit wie Verseuchtheit referieren kann, ist von mir so intendiert;
    Allerdings hatte ich bei Fruchtbarkeit nicht unbedingt an Sperma und mithin an weißen Schimmel gedacht, die erste Assoziation, da es sich ja um keimschwangre Erde handelt, war bei mir die eines keimenden Pflanzensamens
    inwiefern man aber in Bezug auf eine Erde, die Krankheitskeime in sich trägt, nicht von „keimschwanger“ reden kann, will mir nicht so recht einleuchten, da man ja auch z.B. von duftschwangrer bzw. salzschwangrer Luft redet, ohne dass dies auf Fortpflanzung referiert

    die Zusammenstellung „einer nicht ortbaren: zukunft“ evoziert meines Erachtens kein falsches Bild, da sie ja nicht besagt, dass jede Zukunft nicht ortbar ist (nicht: der nicht ortbaren: zukunft), sondern nur ein bestimmtes Zukunftsszenario (einer); bei den „sinopievisionen“ handelt es sich einfach um schwärmerische Wunsch-/Phantasievorstellungen einer Zukunft, die im Feld der realen (Zukunfts-)Möglichkeiten nicht verwirklichbar bzw. inexistent, also nicht ortbar sind;

    erde und blättert: bewusstlos im almanach unsres – maroden dreitagewerks
    :was ist hier gemeint? Klingelt das nicht nur mit Sprachschellen?

    Das bewusstlose Blättern im Almanach des maroden Dreitagewerks meint das „unwillentliche“, wiederholte Durchgehen durch den Durchschnitt der Erinnerung mit den Bildern der drei Tage des Kennenlernens, in denen keine echte Beziehung zustande kam/kommen konnte
    „marode“ demnach weil unfertig, unzulänglich, sozusagen „marschunfähig für die Zukunft“; „dreitagewerk“ spielt neben der Dauer ebenfalls auf die „Stückwerkhaftigkeit“ an, wie sie ja auch bei über mehrere Tage hinweg erstellten Fresken gegeben ist.

    die verlockende ode deines: mavrodaphnebouquets,

    „mavrodaphnebouquet“ verweist darauf, dass die besagte Frau wie dieser Wein aus Patras stammt; zudem schienen mir die Charakteristika dieses untypischen Rotweins (ausgesprochene Süße, erfrischend und nicht so schwer) passend; „verlockende ode“ soll auf eine gewisse Noblesse des Charakters verweisen; (zugegeben alles etwas kitschig, aber vielleicht rechtfertigbar durch die Infragestellung dieser Charakterisierung innerhalb des Gedichtes selbst; s.u.)

    ab hier kommt durch die Fülle der Abstraktionen die (ungewollte?) Komik stark durch::
    jede linie ist wie ein überlüfteter flötenton auf: dem schilfrohr deiner zierlichen: blütenkelchfingerknochen, eine: postpanische abwehrgeste, sie zieht: goldemaillierte, klare konturen ins: safransfumato der sich zerstäubenden – erinnerung: nichts anderes bleibt wenn – der kalk der entbehrung

    Bis zu einem gewissen Grad ist die Komik schon intendiert, aber sie scheint mir in Anbetracht Ihrer Reaktion dann doch viel stärker zu wirken, als ich es beabsichtigt habe; im Hintergrund steht der Mythos von Pan und Syrinx: der liebestolle Pan, dem sich Syrinx durch eine Verwandlung in ein Schilfrohr entzieht, bricht zu ihrem Angedenken das Schilfrohr ab und bastelt daraus die Panflöte/Syrinx
    „überlüfteter flötenton“ und „blütenkelchfingerknochen“, sollen schon eine gewisse Komik erzeugen, durch die das Missverhältnis von realem Erleben und nachträglicher künstlerischer Darstellung zum Ausdruck kommen soll, indem das Kunstprodukt einerseits als bloßes Totes ( „blütenkelchfingerknochen“) bzw. Lächerliches/Übersteigertes („überlüfteter flötenton“) gegenüber dem Lebendigen dargestellt wird, andererseits aber wiederum diese (angebliche) Undarstellbarkeit des Erlebten aufgrund sprachlicher Unzulänglichkeit als „locus communis“ in der Kunst/Literaturproduktion entlarvt wird, und somit die Frage aufkommt, inwiefern in der Kunst/in diesem Gedicht, dem ja die Aufgabe des Festhaltens der sich verflüchtigenden Erinnerung zukommt, vielleicht sogar eine beschönigende, d.h. idealisierende bis kitschig-romantisierende Darstellung des Erlebten stattfindet; eine mögliche nachträgliche Verfälschung, die durch das zunehmende Verschwimmen der (echten) Erinnerung begünstigt wird: (jede linie ist wie […] eine: postpanische abwehrgeste, sie zieht: goldemaillierte klare konturen ins: safransfumato der sich zerstäubenden – erinnerung)

    Ich vermute mal, dass der unfreiwillige Teil des komischen Effektes bei Ihnen durch die wahrscheinlich exzessive Häufung von Komposita mit einem auf den Bereich „Natur/Naturprodukte“ verweisenden Determinans hervorgerufen wird (mavrodaphnebouquet, erdbeerschmollmund, blütenkelchfingerknochen, safransfumato), welche in dieser Redundanz wohl recht platt und unmotiviert erscheinen; bei „safransfumato“ kann ich das Determinans ja problemlos weglassen; und dann muss ich vielleicht noch zusehen, dass ich zumindest eines der anderen drei noch verändere/ausmerze;

    zu: und „der Kalk der Entbehrung“, Pardon, aber das ist einfach Kitsch.

    „der kalk der entbehrung“ könnte ich vielleicht durch „der trocknende kalk“ ersetzen:

    erinnerung: nicht anderes bleibt wenn – der trocknende kalk den flimmernden: chromfluss der farben bindet

    alternativ sind mir noch „der staubige/spröde kalk“ eingefallen, doch diese Varianten werden wahrscheinlich wiederum zu kitschig sein;
    werde das Gedicht in den kommenden Tagen dann noch einmal überarbeiten

  15. Mathis Erml | October 7, 2008 at 8:51 pm | Permalink

    An Herbst.
    Was ist ein “häßliches Wort”?

  16. maudit | October 15, 2008 at 11:44 pm | Permalink

    Wir lassen unsere Schuhe draußen, morgens finden wir darin Käfer und Sand. Auch bei geschlossener Tür bleibt unser Quartier luftig. Wenn der Wind meerwärts eilt, nimmt er die Abkürzung über unser Bett, unser Laken, unsere Körper. Eine Treppe aus Schiefersteinen, die im Himmel endet, führt zu unserer zugigen Etage. Tagsüber bestaune ich die Farben, die das wechselnde Licht auf deine Haut malt. Wir ernähren uns von Sukkulenten und den Spitzen der Eidechsenschwänze, die aus den Mauerspalten auf den Fußboden fallen. Seit langem ist die Treppe zu unserem Quartier verbarrikadiert mit geborstenen Brettern, verbeulten Kanistern und Stacheldraht, als hätte man uns vergessen. Auch die Aufschrift des verrosteten Schilds ist kaum noch lesbar: Betreten verboten!

  17. Mathis Erml | October 17, 2008 at 6:31 pm | Permalink

    Einige Gedanken zu maudits “Wir lassen die Schuhe draußen”

    Das Szenario.(?)

    Ein Quartier. Die Unterkunft ist aus Stein und ihr Eingang wird von einer Türe geschlossen. Auch eine zumindest kleine Terrasse für die Schuhe und die Pflanzen (Wachsen Sukkulenten nicht in Trockengebieten?) findet sich. Die Treppe zu diesem Quartier ist unwegbar; vermutlich des Treibguts wegen.

    Was irritiert.

    Ein luftiges Quartier (vgl. luftiges Zimmer) auf einer zugigen (ist eine Angabe nicht ausreichend?) Etage: Eine Treppe aus Stein, die im Himmel endet (die im Himmel endet? Klingt nach „Hans und die Bohnenranke“!), dort wo sich die Etage, das Steingebäude (vgl. Mauer=Stein) befindet. Ist das wirklich so zu verorten?

    Das Wort Quartier ist militärisch konnotiert. Auch: Betreten Verboten, lässt darauf schließen, dass es sich um einen ehemaligen militärischen Stützpunkt am Meer handelt.
    Das Schild soll kaum noch lesbar sein. Für den Leser doch aber schon verdeutlicht (vgl. Treppenbarriere), wie in Großbuchstaben lesbar. Weiter ist es an den Text angebunden, als ob die Information nicht relevant ist (auf was bezieht sich „Auch“?). Die Bewohner der Unterkunft befinden sich hinter einer Barriere. Verbarrikadiert klingt sehr nach einem (menschlichen) Erbauer, auch das von außen angebrachte Schild („Verbeulten Kanister“ erinnern aber eher an Treibgut, zumal das Meer vor Ort ist), wobei fragwürdig wäre, warum es vom lyrischen Ich gesehen werden kann. So oder so wirkt die Etagen wie ein Gefängnis, in dem jmd. jmden einsperrt, nicht vergessen hat.

    Wie kann der Wind eine Abkürzung nehmen, weht er nicht einfach unbeeindruckt durch das Haus (?) hindurch?

    Die Schuhe vor der Tür? Wegen dem Teppich? (vgl. Fußboden) Sinnbild der sog. Zivilisation. Die verspeisten Eidechsenschwänze stehen dagegen in offenem Konflikt, das gefällt mir. Hygiene ist lebensbejahend, habe ich im Radio gehört.

  18. maudit | October 18, 2008 at 11:32 pm | Permalink

    Lieber Mathis Erml,

    vielen Dank fuer Ihre Gedanken. Hier einige Widergedanken:

    Redundanz finde ich nicht verwerflich: da oben ist es luftig und zugig, was ja auch nicht unbedingt dasselbe ist.

    Das Miltaerische ist nicht intendiert, man koennte auch an einen verfallenen Leuchtturm denken.

    Ebenfalls nicht militaerisch gemeint: Quartier. Man bezieht ein Quartier und anklingt der Charakter des Provisorischen.

    Die Treppe, die im Himmel endet: Himmelsleiter, ein abgebrochenes Haus; die Treppe fuehrt an dem Quartier, von dem die Rede ist, vorbei; vielleicht hat es dort noch weitere Etagen gegeben.

    Verbarrikardiert oder unzugaenglich gemacht werden auch Orte, die “terrain vague” geworden sind, Brachzonen, welche man nur auf eigene Gefahr betritt. Man nimmt dazu, was gerade zur Hand ist: Stacheldraht, Blechkanister, etc.

    Interessanter finde ich die Frage: Wer hat die Barrikade aufgebaut? Wer hat vergessen, dass sich da oben noch jemand (anderes?) befindet?

    Nun, da das Gebaeude Ruine ist, kann der Wind die Abkuerzung nehmen.

    Die Schuhe vor der Tuer: Ich kenne das so bspw. aus Frankreich, aus dem Sueden, eines Teppichs bedarf es nicht. Wenn man zuhause ist, zieht man die Schuhe aus.

    Eidechsen verlieren ihre Schwaenze, wenn man sie daran festhaelt; diese zucken noch eine Weile, als fuehrten sie ein Eigenleben; den Eidechsen selbst wachsen sie dann nach.

  19. Mathis Erml | October 19, 2008 at 10:38 am | Permalink

    Vorerst, lieber maudit.

    Die Treppe, die im Himmel endet verweist unweigerlich auf e t w a s, das außerhalb des gezeichneten Bildes liegt. Sie trägt eine Bedeutung, die dem Text n i c h t dienlich ist. Wie die alten Bauerregeln sagen, gibt es ja nicht nur einen Himmel. Spricht man ihn dennoch an, muss er religiös gemeint sein. Das Religiöse, das überdies mit einem religiösen Klischee eingeräumt werden würde, was sucht es hier?

    Mit allem Respekt, aber die Frage:
    “Wer hat vergessen, dass sich da oben noch jemand (anderes?) befindet?”
    drängt sich dem Leser nicht gerade auf. (vgl. oben: Gefängnisatmosphäre, dann hätte man sie kaum vergessen. Oder “Zuhausesein”, dann wären sie dort geblieben, nicht vergessen worden) außerdem hat “m a n” uns vergessen.
    2. Warum sollte diese Frage interessant sein: “Wer hat die Barrikade aufgebaut?” siehe oben.

  20. maudit | October 20, 2008 at 8:51 am | Permalink

    Zweite Fassung:

    Betreten verboten!

    Zu frühster Stunde ruhen die Wächter. Auf nackten Sohlen überschreiten wir die Schwelle, auf der die Skorpione noch traumesstarr liegen, steigen weiter die Stufen hinauf, bis die Treppe jäh im Luftraum endet: zerbrochene Himmelsleiter.

    Auch bei geschlossener Tür bleibt unser Quartier luftig. Wenn der Wind meerwärts eilt, nimmt er die Abkürzung über unser Bett, unser Laken, unsere Körper. Tagsüber bestaune ich die Farben, die das wechselnde Licht auf deine Haut malt. Wir ernähren uns von Sukkulenten und den Spitzen der Eidechsenschwänze, die aus den Mauerspalten auf den Fußboden fallen.

    Seit langem ist die Treppe zu unserem Quartier verbarrikadiert mit geborstenen Brettern, verbeulten Kanistern und Stacheldraht. Kaum noch lesbar die Aufschrift des verrosteten Schilds: Betreten verboten!

  21. holly golightly | October 21, 2008 at 11:46 am | Permalink

    Sonnenbrand

    Selbst wenn ich wollte,
    du kannst jetzt nicht zu mir.
    Ich trage Spuren eines anderen auf der Haut.
    Worte des Bedauerns sind bedeutugslos,
    wenn dich dabei fremde Zahnreihen von meiner Schulter
    angrinsen.
    Worte des Bedauerns sind geheuchelt,
    wenn ich heimlich zurück grinse.

    Ich will Alles - und ich zahle mit deiner Karte, Süßer.
    Du hälst mir die Tür auf, also lass ich mir Zeit.
    Ich geb dir ja mein Herz,
    in unseren Stunden;
    aber ich lass es nicht bei dir liegen,
    wie ein paar Ohrringe.

    Ich bin die Sonne, weißt du?
    Du brauchst mich.
    Aber komm mir nicht zu nah.

  22. Mathis Erml | October 21, 2008 at 4:12 pm | Permalink

    zwei Fragen an „Betreten verboten“.
    …: zerbrochene Himmelsleiter. Warum deuten S i e, um sicher zu gehen, verstanden zu werden?

    …die Aufschrift…: Betreten verboten! Ich lese die Strophen bereits unter diesem Gesichtspunkt - Überschrift! (Kaum noch lesbar, ein verrostetes Schild.)

    Geschmacksfragen, wie ich finde:
    Zu frühster Stunde, auf nackten Sohlen, Schwelle überschreiten, (Himmelsleiter).

  23. ANH | October 21, 2008 at 4:21 pm | Permalink

    Zu maudit: nachmittags

    Wir lassen unsere Schuhe draußen, morgens finden wir darin Käfer und Sand. Auch

    :ich nähme hier gern den Doppelsinn aus dem „auch“ und schriebe lieber: „selbst bei geschlossener Tür“
    bei geschlossener Tür bleibt unser Quartier luftig. Wenn der Wind meerwärts eilt, nimmt er die Abkürzung

    : das ist jetzt für dieses schöne Bild nicht sinnlich genug; hier muß man den Wind s p ü r e n.

    über unser Bett

    : Problemchen: das Bett meint das Laken eigentlich schon mit. Beschreiben.

    , unser Laken, unsere Körper.

    Zu dem folgenden Perspektivwechsel braucht es eine Modulation: Plötzlich blickt nämlich der Autor hier als jemand, der überschaut; vorher war er einer, dem geschah:
    Eine Treppe aus Schiefersteinen, die im Himmel endet, führt zu unserer zugigen Etage.

    Erneuter Perspektivwechsel, jetzt in Bezug auf die Zeit. Das kommt zu knapp für das, was vorherging:
    Tagsüber bestaune ich die Farben, die das STREICHEN: wechselnde Licht auf deine Haut malt. Wir ernähren uns von Sukkulenten und den Spitzen der Eidechsenschwänze, die aus den Mauerspalten auf den Fußboden fallen.

    Seit langem ist die Treppe zu unserem Quartier

    „die Treppe zu unserem Quartier“ ist in dieser Genauigkeit jetzt redundant. Außerdem macht es das Bild „, die im Himmel endet,“ ein bißchen kaputt. Man muß doppelt hinsehen, und schon verliert es an Ausdruckskraft

    verbarrikadiert mit geborstenen Brettern, verbeulten Kanistern und Stacheldraht, als hätte man uns vergessen.

    Dieses „als hätte man uns vergessen“ ist nicht notwendig einsichtig; es setzt voraus, daß man von den wir-Erzählern vorher schon wußte. Dann fragt man sich, weshalb man sie vergaß. Dadurch bekommt die sonst sehr schöne Prosa die Notwendigkeit von Voraussetzungen, die sie an sich nicht brauchte.

    Auch die Aufschrift des verrosteten Schilds ist kaum noch lesbar: Betreten verboten!

    Das „Betreten verboten“ ist als Pointe ein bißchen bemüht. Aber: B r a u c h t diese kleine… hm, „Betrachtung“ überhaupt eine Pointe? Ich glaube nicht. Daß da ein Schild ist, sollte aber erzählt werden.

    Auf „zugig/luftig“ ist Erml schon eingegangen; wenn aber das Haus eine Ruine ist, wehte der Wind s o w i e s o hindurch; dann handelt es sich nicht um eine Abkürzung. Aufpassen. Die Treppe, die im Himmel endet, sehe ich wiederum anders: das ist eine Art Levitation, eine Fahrt zum Himmel, zugleich die Erzählung eben von Tod, wozu die Ruine paßt. Das würde ich unbedingt lassen, abgesehen davon, daß es sofort ein Bild von Magritte assoziieren läßt.

  24. ANH | October 21, 2008 at 5:04 pm | Permalink

    Zu holly golightly: vormittags Sonnenbrand

    Selbst wenn ich wollte,
    du kannst jetzt nicht zu mir.

    :Diese beiden Zeilen stehen

    Ich trage Spuren eines anderen auf der Haut.

    Von hier an geht jeder Rhythmus verloren, der Text wird zur Prosa:

    Worte des Bedauerns sind bedeutungslos,

    vor allem nun:

    wenn dich dabei fremde Zahnreihen von meiner Schulter
    angrinsen.

    Und stimmt das? „grinsen“ sie? Hier blickt die Autorin aus den Augen des „betrogenen“ Geliebten, ohne daß dieser Perspektivwechsel sinnfällig ist. Und dann kommt die moralische Abwehr, die einer ganz besonders feinen Poesie bedürfte (wiewohl das Argument wahr ist):

    Worte des Bedauerns sind geheuchelt,
    wenn ich heimlich zurückgrinse.

    : wieso „wenn“. Nur, wenn die Erzählerin zurückgrinst (und wieso „zurück“? Wurde nicht der „Betrogene“ von den Zahnspuren angegrinst?), sind die Worte geheuchet – oder wären sie es nicht sowieso?
    Ich will Alles - und ich zahle mit deiner Karte, Süßer.

    : Spannende, klare, zickige Kampfansage, aber inwiefern ist das Lyrik?

    Du hälst mir die Tür auf, also lass ich mir Zeit.

    : d e r Rhythmus stimmt wieder. Doch im folgenden Vorsicht mit dem Kitsch.

    Ich geb dir ja mein Herz,
    in unseren Stunden;

    aber ich lass es nicht bei dir liegen,
    wie ein paar Ohrringe.

    Meinen Sie „ein paar“ oder „ein Paar“? Bei v i e l e n Ohrringen bricht das das Herz-Bild.

    Ich bin die Sonne, weißt du? [Das rhetorische „weißt du“ ist überflüssig und verkindlicht die Aussage.]

    Du brauchst mich. [Das kann ganz weg.]
    Aber komm mir nicht zu nah. [Guter Schluß.]

    Ich weiß, daß ich davon ausgehe, daß Sie Autorin sind, und des weiteren, daß es sich um eine zweigeschlechtliche “Aussprache” handelt. Dafür gibt es Indizien, aber es könnte auch anders sein. Korrigieren Sie mich bitte ggbf.

  25. maudit | October 21, 2008 at 8:16 pm | Permalink

    An Erml und ANH:

    Vielen Dank fuer die Anregungen. Hier die neue Fassung von “Betreten verboten”, die versucht Ihre Einwaende zu beruecksichtigen.

    Betreten Verboten

    Erst in der Frühe ruhen die Wächter, vor der Schwelle noch traumesstarr die Skorpione. Wir steigen darüber und weiter, Stufe für Stufe, die Treppe hinauf, die jäh
    im Himmel endet.

    Selbst bei geschlossener Tür bleibt unser Quartier luftig. Wenn der Wind meerwärts eilt, stößt er durch die Spalte, bläht Laken, glättet Flaum.

    Tagsüber bestaune ich die Farben, die das Licht auf deine Haut malt. Wir ernähren uns von Sukkulenten und den Spitzen der Eidechsenschwänze, die aus den Mauerritzen auf den Boden fallen.

    Seit langem ist der Aufgang verbarrikadiert mit geborstenen Brettern, verbeulten Kanistern und Stacheldraht. Kaum noch lesbar die Aufschrift des verrosteten Schilds.

  26. mautdit | October 22, 2008 at 8:40 am | Permalink

    Vorigen Eintrag bitte nicht beachten. Hier die Neufassung:

    Betreten verboten

    Vor der Schwelle noch traumesstarr die Skorpione. Wir steigen darüber und weiter, Stufe für Stufe, die Treppe hinauf, die jäh im Himmel endet.

    Selbst bei geschlossener Tür bleibt unser Quartier luftig. Wenn der Wind meerwärts eilt, stößt er durch die Spalte, bläht Laken, glättet Flaum.

    Tagsüber bestaune ich die Farben, die das Licht auf deine Haut malt. Wir ernähren uns von Sukkulenten und den Spitzen der Eidechsenschwänze, die aus den Mauerritzen auf den Boden fallen.

    Seit langem ist der Aufgang verbarrikadiert mit geborstenen Brettern, verbeulten Kanistern und Stacheldraht. Kaum noch lesbar die Aufschrift des verrosteten Schilds.

  27. holly golightly | October 22, 2008 at 12:11 pm | Permalink

    II. Versuch: Sonnenbrand in Prosa

    „Was ist denn los mit dir?“ fragst du.
    Ich ziehe ermüdet die Luft ein, doch das Geräusch dringt nicht zum Ende der Leitung durch. Was besteht, zwischen uns, ist Stille.
    Selbst wenn ich wollte, du kannst jetzt nicht zu mir. Ich trage die Spuren eines anderen auf meiner Haut.
    Worte des Bedauerns sind bedeutungslos, wenn grinsende Zahnreihen meine Schulter entstellen. Worte des Bedauerns sind geheuchelt, wenn die Erinnerung meine Lippen zu einem Lächeln kräuselt.
    Ja, ich will Alles – und ich zahle mit deiner Karte, Süßer. Du hälst mir die Tür auf, also lass ich mir Zeit.
    Ich bin nicht kalt, du hast ja mein Herz in unseren Stunden; ich lass es bloß nicht bei dir liegen, wie ein Paar Ohrringe.
    „Siehst du denn nicht? Ich bin die Sonne.“
    „Was?“
    „…ach nichts…Es ist nichts.“
    Komm mir nicht zu nah.

    An ANH: Ich bin also dem Rhythmusproblem ausgewichen und hab mich dazu durchgerungen, ihn als Prosa stehen zu lassen. Mir ist natürlich klar, dass es nun als eigenständiger Text zu kurz ist, aber ich könnte ihn vielleicht als Baustein in eine andere Geschichte einbauen.

    Zu den Anmerkungen:

    >>Und stimmt das? „grinsen“ sie?>Hier blickt die Autorin aus den Augen des „betrogenen“ Geliebten, ohne daß dieser Perspektivwechsel sinnfällig ist>Und dann kommt die moralische Abwehr, die einer ganz besonders feinen Poesie bedürfte (wiewohl das Argument wahr ist)>Nur, wenn die Erzählerin zurückgrinst(…) sind die Worte geheuchet – oder wären sie es nicht sowieso?>(und wieso „zurück“? Wurde nicht der „Betrogene“ von den Zahnspuren angegrinst?), >Doch im folgenden Vorsicht mit dem Kitsch>Meinen Sie „ein paar“ oder „ein Paar“?>Ich weiß, daß ich davon ausgehe, daß Sie Autorin sind, und des weiteren, daß es sich um eine zweigeschlechtliche “Aussprache” handelt. Dafür gibt es Indizien, aber es könnte auch anders sein. Korrigieren Sie mich bitte ggbf.

  28. holly golightly | October 22, 2008 at 12:14 pm | Permalink

    oh nein, was ist denn da passiert? da fehlt ja der halbe text! jetzt hab ich aber gerade keine Lust, nochmal alles zu schreiben…

  29. holly golightly | October 22, 2008 at 12:26 pm | Permalink

    Zu den Anmerkungen:

    [Und stimmt das? „grinsen“ sie?]
    Mir gefiel das Grinsen so gut, weil ich dem Ganzen etwas hämisches verleihen wollte.

    [Hier blickt die Autorin aus den Augen des „betrogenen“ Geliebten, ohne daß dieser Perspektivwechsel sinnfällig ist]
    Diesen Einwand habe ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden, den Perspektivwechsel jedoch beseitigt.

    [Und dann kommt die moralische Abwehr, die einer ganz besonders feinen Poesie bedürfte (wiewohl das Argument wahr ist)]
    Hab versucht, etwas mehr Feingefühl hinein zu legen.

    [Nur, wenn die Erzählerin zurückgrinst(…) sind die Worte geheuchet – oder wären sie es nicht sowieso?]
    Naja, gehe persönlich eigentlich schon davon aus, dass es auch möglich ist, solch einen Akt aufrichtig zu bedauern. Dass diese Person es nicht tut, halte ich als bezeichnend für ihren Charakter. Ohne Wertung.

    [(und wieso „zurück“? Wurde nicht der „Betrogene“ von den Zahnspuren angegrinst?),]
    Das „zurückgrinsen“ bezieht sich eher auf die Erinnerung, die aber eben von diesen Zahnabdrücken ausgelöst wird. Diese Abdrücke spielen schon eine besondere Rolle. In etwa so, wie der Geruch des Geliebten nach dem Liebesakt, der auf der Haut verweilt. Nur sind sie nicht so schnell zu beseitigen, weshalb sie auch Grund haben, schadenfroh zu „grinsen“.

    [Doch im folgenden Vorsicht mit dem Kitsch]
    Hm.. ich glaube, ich muss den Kitsch hier stehen lassen, auch, weil er den Zwiespalt vertritt. Diese Frau hat nicht nur die kontrollierte, fordernde Seite, sondern eben auch diese andere, melancholischere. Ich finde, das wird auch im letzte Satz noch mal angedeutet.

    [Meinen Sie „ein paar“ oder „ein Paar“?]
    Ach so, das mit den Paar Ohrringen war tatsächlich nur ein blöder, wenn auch schwerwiegender, Tippfehler. In den Handnotizen steht es richtig, ehrlich!

    [Ich weiß, daß ich davon ausgehe, daß Sie Autorin sind, und des weiteren, daß es sich um eine zweigeschlechtliche “Aussprache” handelt. Dafür gibt es Indizien, aber es könnte auch anders sein. Korrigieren Sie mich bitte ggbf.]
    Den Kontext habe ich versucht festzulegen.
    Ob ich Autor-in bin oder nicht, finde ich hier nicht so wichtig, oder? ;-) Diese Szene könnte doch ebensogut von einem männlichen Autoren erdacht worden sein, vielleicht einem, der Erfahrung mit dieser Art Frauen hat. Ist das nicht viel wahrscheinlicher?

    Entschuldigung, dass es nicht gleich geklappt hat! Platzverschwendung…

  30. Mathis Erml | October 22, 2008 at 6:16 pm | Permalink

    an Holly, Sonnenbrand in Prosa.

    Inwiefern leitet das Gedachte das Gesagte ein?:
    „Siehst du denn nicht? Ich bin die Sonne.“ tritt so unvermittelt auf. Dagegen wirkt >>Komm mir nicht zu nah.

  31. Mathis Erml | October 22, 2008 at 6:19 pm | Permalink

  32. herr urian | October 22, 2008 at 11:14 pm | Permalink

    @holly:
    „Siehst du denn nicht? Ich bin die Sonne.“
    „Was?“
    „…ach nichts…Es ist nichts.“
    Komm mir nicht zu nah.

    In wörtlicher Rede wirkt das “Ich bin die Sonne” nicht so stark, zumal die Ich-Erzählerin ihre Aussage danach abschwächt bzw. zurückzieht. Ich sehe es eher auf einer Linie mit dem folgenden “Komm mir nicht zu nah”, das (wie ich es lese) als Gedanke erscheint.
    Ist es außerdem gewollt, dass der zentrale Gedanke überhaupt in dieser Form ausgesprochen wird, oder soll er nicht gerade unausgesprochen bleiben?

  33. Le Chat Noir | October 25, 2008 at 1:00 pm | Permalink

    “Katz”

    Es lag nebst Katz ein blauer
    - Katz lag auf der Lauer -
    großer, schöner, runder
    - Katz mocht` auch Burgunder -
    dicker, fetter, weicher
    - macht Katz um Freuden reicher -
    herrlich - duftend, wuschig - flauschig
    - Katzens Schwanz wurd` bauschig -
    sinnlich - dringlich zu besitzen
    - Katzens Augen blitzen -

    Wollknäuel.

  34. herr urian | October 27, 2008 at 12:21 am | Permalink

    st. goarshausen

    gelber wald: das trennelement zwischen ockerfeld
    und taublauer atmosphäre. immer weg
    davon. zum nest. das warme wo wissend. aber

    vorbei daran hin auf den felsen. oben zu sein.
    ich weiß die bedeutung: archaisches märchen. archiviert
    die burgen und das rheintal. visualisierung. und

    gold, sublimiert, verflüchtigt sich. eine abendsonne und ein
    rohölgemälde, das ich liebe: alter kahn. metallbeschlagen

    in wirren gedanken vorm untergang. das ordne
    ich zum aurum auch. ein trennungsalltag.
    resublimation auf länger ausgeschlossen

  35. ANH | October 27, 2008 at 9:37 am | Permalink

    @maudit zur Zweiten Fassung:

    Toll. Und “Selbst bei geschlossener Tür bleibt unser Quartier luftig” ist großartig.

  36. ANH | October 27, 2008 at 9:43 am | Permalink

    @ Le Chat Noir zu “Katz”:

    Es lag nebst Katz ein blauer
    - Katz lag auf der Lauer -
    großer, schöner, runder
    - Katz mocht` auch Burgunder -
    dicker, fetter, weicher

    Bis hierher ist das in seinem Witz sehr schön; bei dem Folgenden merkt man, daß Ihnen die Sprachideen ausgehen:
    macht Katz um Freuden reicher -
    und zwar, weil „um Freuden“ so sehr abstrakt ist; dieses ringelnatzische Gedicht gewönne ernorm, wenn Ihnen eine b e s t i m m t e Freude einfiele, möglichst eine, die zu dem Wollknäuel am Ende in einer widerspruchsvollen Spannung steht, so daß das Wollknäuel dann wirklich eine Überraschung wird.

    herrlich - duftend, wuschig – flauschig

    dieses „herrlich“ glaub ich so nicht; es ist auch zu kindlich und verrät darum zu viel. Und dann: duften Wollknäuel? Auch hier: konkret:: wonach?

    Katzens Schwanz wurd` bauschig -

    sinnlich - dringlich zu besitzen
    Katzens Augen blitzen -

    Bei
    Wollknäuel.
    Wäre es rhythmisch besser, wenn Sie das Wort verkürzten, so daß es zweisilbig ist: etwa schrieben „Wollknäul“. So etwas ist gerade in einem solchen Gedichttypus nicht nur erlaubt, sondern es unterstreicht sogar noch die Farbe.

  37. ANH | October 27, 2008 at 10:07 am | Permalink

    @ herr urian zu: st. goarshausen

    Ich frage mich bei Ihrem Gedicht, w a s daran ein Gedicht i s t. Nur der Zeilenbruch kann (darf) es ja nicht sein. Rhythmisch erkenne ich aber weder Regel noch freirhythmischen Reiz. Ich schreibe den Text hier einmal als Prosa, dann wird, glaube ich, sofort klar, was ich meine:

    „gelber wald: das trennelement zwischen ockerfeld und taublauer atmosphäre. immer weg davon. zum nest. das warme wo wissend. Aber vorbei daran hin auf den felsen. oben zu sein. ich weiß die bedeutung: archaisches märchen. archiviert die burgen und das rheintal. visualisierung. und gold, sublimiert, verflüchtigt sich. eine abendsonne und ein rohölgemälde, das ich liebe: alter kahn. metallbeschlagen in wirren gedanken vorm untergang. das ordne ich zum aurum auch. ein trennungsalltag. resublimation auf länger ausgeschlossen“

    Zum Originaltext:

    gelber wald: das trennelement
    s e h r abstrakt
    zwischen ockerfeld
    und taublauer atmosphäre. immer weg
    Problem: im Lyrischen wird aus dem „weg“ (im Sinne von Flucht) ein „Weg“ (im Sinn eines Pfades, einer Straße)
    davon. zum nest.
    Das ist hier sehr unklar, gewinnt aber später durch den Aufstieg: das Nest auf dem Felsen; es wäre dann aber eben ein - „H o r t“. Jedenfalls auf dem Festland. Und sowieso: Nester in Klippen sind Kolonien.
    das warme wo wissend.
    : unschön. Sehr unschön. Das warme Wo sagt überhaupt nichts; gerade in einem lyrischen Text stört das furchtbar.
    aber
    Wieso „aber“? zumal der Dichter „das warme wo“ ja w e i ß.
    vorbei daran hin auf den felsen. oben zu sein.
    Genauer!: „oben zu sein“. Jetzt wird es dann völlig problematisch:
    ich weiß die bedeutung:
    eigentlich: „u m die Bedeutung“. Wenn Sie die Bedeutung dann aber erzählen, ist, daß Sie num Sie wissen, rein rhetorisch und dadurch redundant.
    archaisches märchen. archiviert
    die burgen und das rheintal.
    Na gut. Aber das Märchen selbst bleibt ausgeschlossen, zumal die „Nähe“ eines Märchens nicht nur schon durch „archiviert“ entfernt wird, sondern vor allem durch:
    visualisierung.
    Visualisieren Märchen? Der Weg vom gelesenen und/oder gehörten Märchen zur Visualisierung ist weit.
    und
    gold, sublimiert
    : auch das ist wie von ganz-Außen, wie überhaupt nicht berührt.
    , verflüchtigt sich. eine abendsonne und ein
    rohölgemälde, das ich liebe: alter kahn.
    :gut! Aber:
    metallbeschlagen
    in wirren gedanken vorm untergang
    : der Kahn? Der Kahn befindet sich in wirren Gedanken? Das müssen Sie sinnlich-glaubhaft machen, Sprache werden lassen.
    . das ordne
    ich zum aurum auch
    : hier i s t jetzt ein lyrisches Element; das nachgestellte „auch“, zumal in der Alliteration. Aber das reicht nicht, ja wirkt so herausgehoben fast etwas zopfig.
    . ein trennungsalltag
    :wie plötzlich d i e s?
    resublimation auf länger ausgeschlossen
    : gute Endzeile, wenn ihr vorher eine rhythmische und bildnerische Bewegung entspräche, so daß sie als Antithese dastünde.

  38. herr urian | October 27, 2008 at 11:19 pm | Permalink

    @ANH:
    Ich frage mich bei Ihrem Gedicht, w a s daran ein Gedicht i s t. Nur der Zeilenbruch kann (darf) es ja nicht sein. Rhythmisch erkenne ich aber weder Regel noch freirhythmischen Reiz.

    Da ist was dran. Was i s t ein Gedicht? Vielleicht ein Thema, über das man beim nächsten realen Treffen reden kann?
    Danke auch für die anderen Hinweise. Ich hielt es für sinnvoll, relativ deutliche Veränderungen vorzunehmen. Hier die neue Version:

    st. goarshausen 2

    es lagern am grund des stromes
    blasen von rheingold, sublimiert.
    steigen auf zur oberfläche.

    ich stehe am ufer. erblicke und notiere.
    ein rohölgemälde, das ich liebe:
    alter kahn, ein wellensender.

    ich stell’ ihn mir vor: er läuft auf eines der
    versteckten riffe. in der abendsonne.
    klar scheint mir vor augen das duale
    sinken, kurz nur.

    dann ordne ich es zum aurum auch, das
    sich verflüchtigt in der atmosphäre.
    resublimation auf länger ausgeschlossen

  39. read An | November 1, 2008 at 11:29 pm | Permalink

    wenn der hahn kräht auf dem mist, schneit es

    früh morgens, immer wenn der hahn krähte
    trug meine urgroßmutter ihre haare offen,
    sie lief in den vorgarten und schaute
    ob eines ihrer enkelkinder
    wieder auf die rosen uriniert hatte,
    aus dem zweiten stock des hauses,
    mitten in der nacht,
    sie sah aus wie ein gespenst,
    mein urgroßvater lief ihr hinterher,
    mit einem kissen voller haarnadeln,
    das er nachts unter das seine legte,
    er hätte ihr so gerne die haare gekämmt,
    ihr einen kranz geflochten,
    so dick wie das brot
    das sie am vortag gebacken hatte
    und das keiner anrühren durfte,
    ich biss in die butter,
    und legte mich wieder schlafen,
    jedes mal wenn meine mutter mich weckte,
    sagte sie: frau holle sieht alles mein kind,
    der hahn schreit kikeriki,
    wir wollen ihn teeren und federn
    dann ist er so vogelfrei wie das amen in der kirche.

  40. ANH | November 3, 2008 at 8:15 am | Permalink

    @ read An zu: wenn der hahn kräht auf dem mist, schneit es

    früh morgens, immer wenn der hahn krähte
    trug meine urgroßmutter ihre haare offen,

    „ihre haare“ - wir sprachen schon einige Male darüber. „Haare“ meint - anders als „Haar“, das nur das Kopfhaar meint – immer a l l e Körperhaare. Wollen Sie das wirklich sagen? Oder möchten Sie wirklich, daß diese im Deutschen sehr schöne und feine sprachliche Unterscheidung vergessen wird? Wer das will, will Sprache vergröbern.

    sie lief in den vorgarten und schaute
    ob eines ihrer enkelkinder
    wieder auf die rosen uriniert hatte,

    für ein Gedicht wirkt dieses „hatte“ retardierend, weshalb ich dazu neigte, „urinierte“ zu schreiben; dann stimmt nämlich der Rhythmus der Zeile.
    Weiterhin etwas problematisch: Wäre das auf den Rosen wirklich zu sehen? Sie werden feucht sein so oder so, wegen des Morgentaues.

    aus dem zweiten stock des hauses,
    mitten in der nacht,

    ui, aufpassen. Wenn sie aus dem zweiten Stock d i r e k t in die Nacht läuft, ergibt das ein unwillentlich komisches Bild, als spränge sie aus dem Fenster… Das Folgende verstärkt das noch:

    sie sah aus wie ein gespenst,

    Weshalb hier Kommata?

    mein urgroßvater lief ihr hinterher,
    mit einem kissen voller haarnadeln,
    das er nachts unter das seine legte,
    er hätte ihr so gerne

    dito:

    die haare gekämmt,

    Das Folgende ist s e h r schön:

    ihr einen kranz geflochten,
    so dick wie das brot
    das sie am vortag gebacken hatte

    nein, sondern, wie oben: „buk“

    und das keiner anrühren durfte

    :Vorsicht! Soll das Brot n i e gegessen werden? Das nämlich behauptet der Satz.

    ,
    ich biss in die butter

    ??? Nur in die Butter?
    ,
    und legte mich wieder schlafen,
    jedes mal wenn meine mutter mich weckte,

    eine schöne Volte ist das jetzt:

    sagte sie: frau holle sieht alles mein kind,
    der hahn schreit kikeriki,
    wir wollen ihn teeren und federn

    Die letzte Zeile retardiert wieder rhythmisch:

    dann ist er so vogelfrei wie das amen in der kirche.

  41. Abushi Lena | November 3, 2008 at 1:40 pm | Permalink

    hlkhfkuj

  42. ANH | November 5, 2008 at 9:54 am | Permalink

    @ Abushi Lena

    hlkhfkuj

    Ja. Man kann das mit Fug und Recht ein Gedicht nennen.

  43. Johan | November 5, 2008 at 8:58 pm | Permalink

    Abschied

    Langsam entschwand sie seinem Kopf, glitt aus Nase, Mund und Ohren, unaufhaltsam. Er bemerkte es; Angst befiel ihn, er sträubte sich, versuchte sich zu wehren - doch war machtlos.

    Er schämte sich, zog sich zurück, wollte allein sein mit seiner Ohmacht. Wie hoffte er noch in stiller Verzweiflung auf barmherzige Gnade. Floh in unruhiger Geschäftigkeit dem ganzen Ausmaß der Gewalt, die bereits fest ihn umklammerte, ihn leise zu erdrücken drohte.

    Schließlich brach sie dann aus ihm heraus. Widerstandslos musste er würgen, anfangs schwerfällig und schmerzhaft, nach und nach trat sie wie von selbst hervor.

    Als er seine Erinnerung glitschig, schön und schwammig vor sich auf den Händen liegen sah, betrachtete er sie ein letztes Mal mit Wehmut. Die Gewissheit, dass der Abschied bevorstehe, schmerzte, und schon bald ballten sich seine Fäuste wider Willen, sein Körper verkrampfte, Tränen rannen ihm über die Wangen und er sah, wie seine Hände zu einem Wurf ausholten. Kräftig schleuderte er sie weit und hoch vor sich hin in die aufziehenden Nebelschwaden des bedrohlich dunkel dahinschlummernden Sees. Hilflos verfolgten seine nassen Augen das Versinken seiner Erinnerung in einer aufsprudelnden Welle, welche sich zu einem herrlichen Wasserschwert erhabener Schönheit aufbäumte, um dann elegant aber bestimmt wieder in die tiefen Weiten des Sees unterzutauchen, die Erinnerung mit sich reißend, ihr den letzten Gnadenstoß verpassend.

    Zurück blieben sanfte, gerundete Wellen, welche sich kreisförmig ausbreiteten und die Nachricht des Untergangs bis weit in die Ferne trugen, immer weiter von ihm weg. Er versank in den Anblick dieser Wellen, verlor sich im weich kreiselnden Auf und Ab, verschmolz so mit dieser rhythmischen Bewegung, dass er nicht mehr wusste, wie ihm war, so als wäre er eins mit dieser Schwingung, und ohne es zu merken, tauchte er ein in den wippenden See, ließ sich an seiner Oberfläche treiben, ging mit ihm auf und nieder, war nun Teil der Schwingung, erkannte verschwommen deren Ursprung, hatte eine dumpfe Ahnung, dass sie ihm entsprang, hörte noch verworren vertraute, weit entfernte Klage, vergaß sich und die Welt bis die Wellen schwächer und schwächer wurden und zusammen mit ihnen, löste er sich auf, dem glasklaren Schwerte von einst folgend und sich dem Abgrund des Sees hingebend ohne dabei mitzukriegen, dass dies sein Ende war.

  44. ANH | November 6, 2008 at 2:04 pm | Permalink

    @ Johan zu: Abschied

    Vorweg: Das ist ein schöner Text und das Ende, wiewohl eigentlich bekannt, überraschend; daß Ihnen das gelingt, fordert aber die folgende Überlegung heraus:
    Die Massierung von Adjektiven führt dazu, daß der Text auch komisch gelesen werden kann – im ungünstigsten Fall bekommt man den Eindruck unwillentlicher Komik. Ich bin mir unsicher, ob Sie das riskieren wollen – vorausgesetzt, Sie haben nicht genau das intendiert. Darüber eben bin ich mir unsicher. Meine Empfehlung - Poetik geht vor Ironie oder gar Jux (so meine Haltung) - lautet darum, den Text von allen überflüssigen Adjektiven zu befreien; am besten, Sie streichen erst einmal alle, wirklich alle, und fangen dann an, Adjektive dorthin zu setzen, wo sie unbedingt nötig sind, und suchen diese Adjektive dann auch auf das sensibelste aus.
    Soweit dies; ich gehe jetzt in meinem Lektorat der Sätze-selber auf die Adjektive nicht mehr ein.

    Also:

    Langsam entschwand sie

    es wird auch später nicht ganz klar, was oder wer „sie“ i s t. Das kann Absicht sein. Falls es das ist, möchte ich gerne wissen: welche.

    seinem Kopf, glitt aus Nase, Mund und Ohren, unaufhaltsam

    :selbst das liest man (lese ich) noch metaphorisch und stelle mir als erstes eine verlorene Liebe vor; wie mir wird es einigen anderen gehen. BITTE UM DISKUSSION DIESES PUNKTES.

    . Er bemerkte es; Angst befiel ihn

    :das ist viel zu äußerlich.

    , er sträubte sich, versuchte sich zu wehren - doch war machtlos.
    Er schämte sich

    :wessen schämt er sich? Der Ohnmacht? Es wäre auch hier gut, ein wenig die Szene zu verklaren.

    , zog sich zurück, wollte allein sein mit seiner Ohmacht.

    Der folgende Satz ist zopfig, ungewollt altertümelnd, riecht nach einem Kirchenmuff, den es in Kirchen schon lange nicht mehr gibt:

    Wie hoffte er noch in stiller Verzweiflung auf barmherzige Gnade. Floh in unruhiger Geschäftigkeit

    man flieht d a s Ausmaß

    dem ganzen Ausmaß der Gewalt, die bereits fest ihn

    umstellen: „die ihn bereits fest“, also wenn schon; das Bild selber ist papieren.

    umklammerte, ihn leise

    wieso jetzt „leise“?

    zu erdrücken drohte

    Siehe meine Anmerkung zu „drohen“ >>>> dort.

    .Schließlich brach sie dann aus ihm heraus

    : die ihn zu ersticken „droht“? Wie, wenn sie ihn von außen umklammert, kann sie dann aus ihm herausbrechen?

    . Widerstandslos

    :inhaltlich unnötiges Wort.

    musste er würgen

    : viel besser, einfach zu schreiben „er würgte“

    , anfangs schwerfällig und schmerzhaft, nach und nach trat sie

    :die Gewalt?

    wie von selbst hervor.
    Als er seine Erinnerung glitschig, schön und schwammig vor sich auf den Händen liegen sah

    :Sie meinen wirklich einen Auswurf aus der Lunge?

    , betrachtete er sie ein letztes Mal mit Wehmut

    :dann wäre Wehmut gewiß komisch.

    . Die Gewissheit, dass der Abschied bevorstehe

    :Krebs? (Ich frage im Ernst).

    , schmerzte, und schon bald ballten sich seine Fäuste

    abermals:

    wider Willen

    dann ist im folgenden „verkrampfen“ ein relexives Verb; wichtig! auch wenn solche Grammatikalitäten zunehmen verlorengehen:

    , sein Körper verkrampfte,

    Kitschformulierung in der Redundanz der Erwähnung von Wangen; man müßte das n u r erzählen, wenn die Tränen anderswo als im Gesicht rinnen:

    Tränen rannen ihm über die Wangen und er sah, wie seine Hände zu einem Wurf

    :wieder unfreiwillig komisch, sofern, was in seiner Hand glibbert, wirklich ein Auswurf ist.

    ausholten. Kräftig schleuderte er sie

    :das wären jetzt:: die Tränen… (??)…

    weit und hoch vor sich hin in die aufziehenden Nebelschwaden des bedrohlich dunkel dahinschlummernden Sees. Hilflos

    : widerstandlos… hilflos… ohnmächtig…: alles dies wissen die Leser schon längst.

    verfolgten seine nassen

    :klar, wenn er geweint hat und/oder immer noch weint.

    Augen das Versinken seiner Erinnerung

    :aua! Vorsicht mit Genitivkonstruktionen, zumal, wenn sie über Abstakta zustandekommen.

    in einer aufsprudelnden Welle, welche sich

    Kitsch!!!:

    zu einem herrlichen Wasserschwert

    insbesondere in der Folgenden erhabenen Formulierung:

    erhabener Schönheit aufbäumte, um

    :wieso „um“. Das unterstellt eine Absicht, zumindest notwendige Kausalität und müßte dann einen Erzählgrund finden.

    dann elegant

    Komma

    aber bestimmt

    : wieso „aber“; schließt Eleganz Bestimmtheit aus?

    wieder in die tiefen Weiten des Sees unterzutauchen

    :sachlich falsch: Wellen tauchen nicht unter. Sie meinen natürlich das Schwert, aber als „Wasserschwert“ wäre es doch wohl Wasser in Gestalt eines Schwertes…

    , die Erinnerung mit sich reißend, ihr

    :wem???

    den letzten Gnadenstoß

    :gab es v o r dem letzten Gnadenstoß schon einen anderen?

    Verpassend

    :unschönes Wort, weil Lehnwort aus dem Jargon. Dem entspricht der übrige Text nicht.

    .
    Zurück blieben sanfte, gerundete Wellen, welche sich kreisförmig ausbreiteten und die Nachricht des Untergangs bis weit in die Ferne trugen

    :nein, sie tragen nur sich selbst in die Ferne… wofern auch „Ferne“ ein hier überhaupt angemessenes Wort ist. Bei dem, was Sie beschreiben, werden die sichtbaren, in ihren Amplituden abnehmenden Wellen spätestens nach zehn zwanzig Metern nicht mehr zu sehen sein; das ist dann aber sicher nicht „Ferne“.

    , immer weiter von ihm weg. Er versank in den Anblick dieser Wellen, verlor sich im weich kreiselnden Auf und Ab, verschmolz so mit dieser rhythmischen Bewegung, dass er nicht mehr wusste, wie ihm war

    : „ich weiß nicht, wie mir ist“: für die folgende Sterbeszene ist das zu lasch.

    , so als wäre er eins mit dieser Schwingung, und ohne es zu merken, tauchte er ein in den wippenden See

    :der g a n z e See wippt? Dann gingen die Wellenkreise aber nicht nur von dem versunkenen Schwert aus, bzw. von dem versinkenden Körper der „er“-Figur. Und sowieso hat ein „wippender See“ mehr was von eine Badewanne, die man umherträgt, als von einem See. Der ja prinzipiell größer, signifikant größer als etwa ein Teich ist.

    , ließ sich an seiner Oberfläche treiben, ging mit ihm auf und nieder, war nun Teil der Schwingung, erkannte verschwommen

    :in der Tat verschwimmt hier die Erzählung, leider aber sprachlich; die Adjektive, die Sie nutzen, sind verräterisch genug.

    deren Ursprung, hatte eine dumpfe Ahnung, dass sie ihm entsprang, hörte noch verworren vertraute, weit

    :abermals „weit entfernt“.

    entfernte Klage, vergaß sich und die Welt

    :das ist banal. Es schändet der Vorgang, den Sie doch, meine ich, ernsthaft erzählen möchten.

    bis die Wellen schwächer und schwächer wurden und zusammen mit ihnen, löste er sich auf, dem glasklaren Schwerte von einst

    :wieso „von einst“?

    folgend und sich dem Abgrund des Sees hingebend

    :auch mit Partizipien sehr ausgesucht umgehen; außerdem: Komma

    ohne dabei mitzukriegen

    :ist das Wort „mitkriegen“ nicht abermals aus einer unangemessenen Stilfamilie entlehnt?

    , dass dies sein Ende war.

  45. Le Chat Noir | November 8, 2008 at 10:52 am | Permalink

    ok, nun ein zweiter Versuch zu “Katz`”

    Es lag nebst Katz` ein blauer
    - Katz` lag auf der Lauer -
    großer, schöner, runder
    - Katz` mocht` auch Burgunder -
    dicker, fetter, weicher
    - stillt Katzens Mordlust reicher -
    wie Mausefell, so wuschig- flauschig
    - Katzens Schwanz wurd` bauschig -
    ihn sinnlich- dringlich zu besitzen!
    - Katzens Augen blittzen -

    Wollknäul

  46. ANH | November 9, 2008 at 8:34 am | Permalink

    @ Le Chat Noir zum zweiten Versuch:

    Sehr viel schöner ist das geworden!

    Es lag nebst

    meinen Sie „nebst“?, dann fehlt unten ein Objekt… Oder Sie meinen “neben”.
    Katz` ein blauer
    - Katz` lag auf der Lauer -
    großer, schöner, runder
    - Katz` mocht` auch Burgunder -
    dicker, fetter, weicher
    - stillt Katzens Mordlust reicher

    :dieses „reicher“ hängt leider, weil man überlegen muß, was Sie meinen. In einem so kurzen Witz-Gedicht (die Form eignet sich hervorragend zum Spotten, übrigens) darf genau das nicht passieren, alles muß schlagend-sofort-deutlich sein

    -
    wie Mausefell, so wuschig- flauschig
    - Katzens Schwanz wurd` bauschig -
    ihn sinnlich- dringlich zu besitzen!

    :auf was, grammatisch, bezieht sich „ihn zu besitzen“? Hier schummeln Sie.

    - Katzens Augen blitzen -

    D a s aber ist jetzt klasse in seiner Überraschung:

    Wollknäul

  47. herr urian | November 10, 2008 at 10:42 pm | Permalink

    st. goarshausen (3)

    es lagern am grund des stromes
    blasen von rheingold, sublimiert.
    steigen auf zur oberfläche.

    ich stehe am ufer. erblicke und notiere.
    ein rohölgemälde, das ich liebe:
    alter kahn, ein wellensender.

    er läuft auf eines der versteckten
    riffe. in der abendsonne.
    klar vor meinen augen:
    das duale sinken.

    bald ordne ich es zum aurum auch, das
    sich verflüchtigt in der atmosphäre.
    resublimation auf länger ausgeschlossen

  48. read An | November 11, 2008 at 1:21 am | Permalink

    wenn der hahn kräht auf dem mist

    früh morgens, immer wenn der hahn krähte
    trug meine urgroßmutter ihr haar offen,
    sie lief in den vorgarten und schaute
    ob eines ihrer enkelkinder
    wieder auf die rosen urinierte,
    aus dem zweiten stock des hauses,
    sie sah aus wie ein gespenst.
    mein urgroßvater lief ihr hinterher,
    mit einem kissen voller haarnadeln,
    das er nachts unter das seine legte,
    er hätte ihr so gerne das haar gekämmt,
    ihr einen kranz geflochten,
    so dick wie das brot
    das sie am vortag buk
    und das keiner anschneiden durfte,
    ich biss in die butter
    und legte mich wieder schlafen.
    jedes mal wenn meine mutter mich weckte,
    sagte sie: frau holle sieht alles mein kind,
    der hahn schreit kikeriki,
    wir wollen ihn teeren und federn.
    doch bald wusste niemand mehr
    wann der nächste morgen anbrach,
    nur goldmarie stand auf und erschrak
    vor dem roten kamm auf ihrem kopf.
    der hahn ist tot, schrieen sie alle.
    man hatte ihm ein haar gekrümmt.
    erst jetzt verteilte meine urgroßmutter das brot
    aber es war keine butter mehr da.

  49. read An | November 11, 2008 at 6:26 pm | Permalink

    am bahnsteig, gestern, heute und morgen

    du siehst nicht, du spürst was du anschaust weil dir das blau aus den augen läuft, ohne rücksicht auf die farbe die sie haben. ein mann läuft von rechts durch das bild, er beeilt sich auf die andere seite zu kommen aber etwas hatte ihn aufgehoben, beschützt, und doch nicht mehr dort abgelegt wo es ihn mitnahm. einen moment lang fühlt es sich an als hätte er seine kontur verloren, sie abgegeben, in einer sekunde von der er nichts wissen konnte, an einer garderobe, die er nicht mehr finden würde. jetzt steht er auf der anderen seite und sucht nach einem kostümverleih, mitten in der nacht. die farben fliehen dem morgengrauen, sie verstecken ihre lieder in dingen die noch nicht sind, damit sie niemand entdeckt und sie abnutzt aber das verbargen wir voreinander, indem wir es offen hinausschrieen, letzte nacht, als keiner dem anderen zuhörte während wir nicht sprachen. wir hatten es verlernt. einfach so. das ist nicht passiert aber sicher bin ich mir nicht. so ist es immer. mir wird übel. nicht korrigierbar.

  50. ANH | November 11, 2008 at 11:59 pm | Permalink

    @ herrn urian zur Neufassung von st. goarshausen (3).

    es lagern am grund des stromes
    blasen von rheingold, sublimiert.

    Die folgende Verkürzung um das Subjekt ist unschön:

    steigen auf zur oberfläche.
    ich stehe am ufer. erblicke und notiere.

    Was wird notiert? Das Rohölgemälde?

    ein rohölgemälde, das ich liebe:

    Die folgende Zeile ist schön:

    alter kahn, ein wellensender.
    er läuft auf eines der versteckten
    riffe. in der abendsonne.

    Das „in der abendsonne“ ist hier gut gesetzt, weil es sowohl nach vorne wie nach hinten bezogen werden kann. In einem Gedicht geht so etwas ausgezeichnet.

    klar vor meinen augen:
    das duale sinken.

    : finde ich unglücklich: „das duale sinken“.

    bald ordne ich es zum aurum auch, das

    :wieso der Zeilenbruch h i e r?

    sich verflüchtigt in der atmosphäre.
    resublimation auf länger ausgeschlossen

  51. Blazin5381 | November 19, 2008 at 5:49 pm | Permalink

    Versandung

    Jeden Tag trägt lauer Wind
    Sand auf Rasenflächen
    bis Körner gelb versammelt sind,
    hindern Grün am sprechen.

    Momente in bunt allein geboren,
    sammeln sich zu Jahren.
    Vorbei. Zu spät, sie liegen über Schulter als
    schwarz-weiß sortierte Scharen.

    Und auch das stumpft, was stechend schrill
    sich anfangs aufschwingt, schreiend sing.
    Zu lang gehört; Noch da? Ganz still.
    Weit hinten noch blass weiter klingt.

  52. Pierre Lachaise | November 20, 2008 at 8:59 pm | Permalink

    Weiße Hortensie

    Im weichen Schimmer voll und unverbraucht,
    Wolln diese Blätter nicht sich selbst enthalten.
    Und sternenhaft und beinah wie gehaucht
    Liegen sie da, die friedlich in sich walten,

    Und die wie weit gespannte Laken sind.
    Denn jede einzelne der weißen Blüten
    Lässt mitten in sich liegen, wie ein Kind,
    Ein Abbild von sich selbst, das sie behüten,

    Verwahren will und väterlich erhalten: -
    Wie einer seine Tochter bei sich führt,
    In der sich seine Züge schon entfalten.
    (Und er betrachtet sie und ist gerührt.)

  53. ANH | November 26, 2008 at 9:44 am | Permalink

    1) @ read An zu „wenn der hahn kräht auf dem mist“

    Prinzpiell: sehr schön. Der Rhythmus läuft und zieht auch mit, zumal er wunderbar als Kippstelle ins Irrationale/Märchenhafte funktioniert. Dennoch gibt es Schwächen:

    früh morgens, immer wenn der hahn krähte
    trug meine urgroßmutter ihr haar offen,
    sie lief in den vorgarten und schaute
    ob eines ihrer enkelkinder
    wieder auf die rosen urinierte,

    Das Komma ist entbehrlich.

    aus dem zweiten stock des hauses,
    sie sah aus wie ein gespenst.
    mein urgroßvater lief ihr hinterher,
    mit einem kissen voller haarnadeln

    : leichte Rhythmusstörung über „Haar“.

    ,
    das er nachts unter das seine legte

    :Problematisch, da Nadelkissen und Kopfkissen doch etwas anderes sind. Oder aber es wird erzählt, daß die Großmutter beim Einschlafen die Haarnadeln in ihr Kissen verliert, daß sich der Großvater dann nimmt, um es unter das seine zu legen: diese Version käme mit, stimmte sie, arg kompliziert vor, z u kompliziert, um von diesem Gedicht getragen werden zu können

    ,
    er hätte ihr so gerne das haar gekämmt,
    ihr einen kranz geflochten,
    so dick wie das brot

    : s e h r schön; ABER: Zöpfe brauchen meines Wissens keine Nadeln, oder?

    das sie am vortag buk
    und das keiner anschneiden durfte,
    ich biss in die butter

    :aufpassen für später; wenn i n die Butter gebissen wird, ist sie dann nachher nicht alle.

    und legte mich wieder schlafen.
    jedes mal wenn meine mutter mich weckte,
    sagte sie: frau holle sieht alles mein kind,
    der hahn schreit kikeriki,
    wir wollen ihn teeren und federn.

    Schöner Übergang ins Märchen hier:

    doch bald wusste niemand mehr
    wann der nächste morgen anbrach,
    nur goldmarie stand auf und erschrak
    vor dem roten kamm auf ihrem kopf.
    der hahn ist tot, schrieen sie alle.
    man hatte ihm ein haar gekrümmt

    :hm, schwierig, diese Engführung von Idiom und Konkretem, allein, weil Hähne keine Haare h a b e n. Ich bin mir unsicher, ob das trägt.

    .
    erst jetzt verteilte meine urgroßmutter das brot
    aber es war keine butter mehr da

    :siehe oben

    .

    2) zu November 11

    am bahnsteig, gestern, heute und morgen

    du siehst nicht, du spürst

    Komma

    was du anschaust

    Komma

    weil dir das blau aus den augen läuft,

    Dieser Nachklapp retardiert rhythmisch; ich würde das vorziehen und in eine gut ausgehorchte Satzkonstruktion einbinden; die darf nicht rhythmisch auseinanderfallen:

    ohne rücksicht auf die farbe

    Komma

    die sie haben. ein mann läuft von rechts durch das bild,

    :soweit gut, aber dann konkretisiert sich das Bild, und der Mann läuft tatsächlich durch ein Bild; dadurch wird das Geschehen ein bißchen ulkig, was Sie ganz sicher nicht beabsichtigt haben:

    er beeilt sich auf die andere seite

    eben: des Bildes, d a liegt die Komik

    zu kommen

    Komma; und bitte deutlicher erzählen, w a s Sie erzählen wollen; diese „etwas“-Formulierung ist zu vage, um wirklch „etwas „auslösen zu können:

    aber etwas hatte ihn aufgehoben

    : ich bin auch mit „aufgehoben“ nicht glücklich; als wäre er gestürzt…

    , beschützt, und doch nicht mehr dort abgelegt

    1) Komma, 2) wieso „abgelegt“? Man legt Ordnervorgänge ab.

    wo

    Sie meinen eher „von wo“, oder?

    es ihn mitnahm. einen moment lang fühlt es

    es: was? (daß „es“ ihn mitnahm? S e h r abstrakt…)

    sich an

    Komma

    als hätte er seine kontur verloren

    : hm, w i e fühlt sich sowas an? Das ist das eine; das andere: für w e n? Für den Betrachter des Bildes oder für den Betrachteten im Bild?

    , sie abgegeben, in einer sekunde

    Komma

    von der er nichts wissen konnte, an einer garderobe, die er nicht mehr finden würde

    :die eigene Kontur an einer Garderobe abgegeben zu haben, ist allerdings ein g u t e s Bild.

    . jetzt steht er auf der anderen seite

    Achtung: Das wäre die Seite, auf der die Garderobendamen stehen…

    und sucht nach einem kostümverleih

    : auf der Seite der Garderobendamen? Bitte präziser das Bild schon denken, nur dann teilt sich auch etwas mit

    , mitten in der nacht. die farben fliehen dem

    :falsches Idiom; richtig: „fliehen das morgengrauen“ oder aber „fliehen vor dem morgengrauen“

    morgengrauen, sie verstecken ihre lieder

    Komma. Und: Was sind die Lieder der Farben?

    in dingen die noch nicht sind, damit sie niemand entdeckt

    :das ist schön; aber d a s erklärt wiederum und nimmt die Schönheit des Bildes, das ja ein Gefühl ist, wieder weg (ganz wichtig: behaupten, nicht erklären):

    und sie abnutzt

    Komma. Und dann eine se h r schöne Wende ins Innere, das ist gelungen:

    aber das verbargen wir voreinander,

    das Folgende empfinde ich als zuviel, weil wiederum erklärend:

    indem wir es offen hinausschrieen, letzte nacht, als keiner dem anderen zuhörte

    Komma

    während wir nicht sprachen

    : hier vertun Sie sich jetzt in abstrakten Wendungen.

    . wir hatten es verlernt. einfach so.

    :zu banal.

    das ist nicht passiert

    Komma; und: w a s ist nicht passiert, und zwar s o nicht passiert, daß der folgende Satz erzählerisch sinnvoll wird?:

    aber sicher bin ich mir nicht. so ist es immer.

    :Hiermit hätte ich geendet.

    mir wird übel

    :Wer spricht?

    . nicht korrigierbar.

  54. ANH | November 26, 2008 at 2:49 pm | Permalink

    @ Blazin zu Versandung

    Jeden Tag trägt lauer Wind
    Sand auf Rasenflächen
    bis Körner gelb versammelt sind,

    :soweit an sich ganz schön, auch wenn das „versammelt sind“ den Reim zwar mitträgt, aber doch leicht danebenliegt, weil man die Reimabsicht merkt. Die folgende Zeile geht aber g a r nicht:

    hindern Grün am sprechen.

    : Was meinen Sie damit? D a s Grün? Welches Grün? Jemanden namens Grün? Die Verkürzung ist nur gewollt.

    Momente in bunt

    :was ist das?

    allein geboren

    : „allein geborene Momente“: ich halte das für Wortgeklingel

    ,
    sammeln sich zu Jahren.

    : wenn Sie so etwas schreiben, was daran geht über die banale Bemerkung hinaus, daß sich Jahre aus vielen vielen Sekunden zusammensetzen?

    Vorbei. Zu spät, sie

    :die Jahre? die Momente=

    liegen über Schulter

    : „über Schulter liegen“ statt „über der Schulter liegen“, das geht nicht. Sie können kein gutes Gedicht schreiben, indem Sie die Grammatik mißachten – auf der semantischen Ebene, wohlgemerkt; formal ginge das sehr wohl.

    als
    schwarz-weiß sortierte Scharen.
    Und auch das stumpft

    : geht auch nicht, dieses „stumpft“; das korrekte Idiom wäre „stumpft ab“; entsprechend sind die folgenden Expressionismen wie abgegriffen:

    , was stechend schrill

    : „stechend schrill“: w a s sticht, w a s schrillt?

    sich anfangs aufschwingt, schreiend sing

    : welche Funktion hat das verkürzte „sing“? Ist das ein Imparativ?
    .
    Zu lang gehört; Noch da? Ganz still.
    Weit hinten noch blass weiter klingt

    :w a s klingt hinten weiter? Auch hier bringt die Verkürzung nichts außer einer halb abstrakten, halb kitschigen Verwirrung des Lesers. Da liegt insgesamt das Problem dieses Gedichtes.

  55. ANH | November 26, 2008 at 3:05 pm | Permalink

    @ Pierre Lachaise zu Weiße Hortensie.

    Hübsche Variation >>>> hierzu.
    Aber im Einzelnen

    Im weichen Schimmer voll und unverbraucht,

    : Wozu das Komma? Dann, außerdem, i s t ein Schimmer an sich schon weich, also der Eindruck, den er macht.

    Wolln diese Blätter nicht sich selbst enthalten.
    Und sternenhaft und beinah wie gehaucht
    Liegen sie da, die friedlich in sich walten

    :was ist mit dem „walten“ gemeint?

    ,
    Und die

    :gramm.: die Funktion des zweiten „die“ ist unklar, ja gegen den Satz gesetzt.

    wie weit gespannte Laken sind

    :das heißt, jedes Blatt sei wie ein weit gespanntes Laken; das wären dann aber riesige Blätter…

    .
    Denn jede einzelne der weißen Blüten
    Lässt mitten in sich liegen, wie ein Kind,
    Ein Abbild von sich selbst, das sie behüten

    :Lassen Kinder in sich Abbilder von sich selber liegen, die sie behüten? Oder ist das hier ein Tippfehler und „behütend“ war eigentlich gemeint? Muß wohl so sein, sonst ergäbe das folgende „verwahren will“ keinen grammatischen Sinn:

    ,
    Verwahren will und väterlich erhalten: -

    :schöne Alliteration aber.

    Wie einer seine Tochter bei sich führt,
    In der sich seine Züge schon entfalten.
    (Und er betrachtet sie und ist gerührt.)

    :Tolles Ende! Aber nehmen Sie die Klammer weg und schließen das Ende, ohne Punkt vorher, an den Vorsatz direkt an. Klasse Ansatz, insgesamt. Daran noch feilen. Das wird etwas.

  56. Le Chat Noir | November 27, 2008 at 5:34 pm | Permalink

    Ok, nun ein dritter Anlauf- Sie haben mich übrigens erwischt, ich meinte “neben” der Katz…

    Katz`

    Es lag vor Katz` ein blauer
    - Katz` lag auf der Lauer -
    großer, schöner, runder
    - Katz` mocht` auch Burgunder -
    dicker, fetter, weicher
    - Katzens Opfern gleicher -
    wie Mausefell, so wuschig- flauschig
    - Katzens Schwanz wurd` bauschig -
    ihn mit den Krallen ritzen
    - Katzens Augen blitzen-

    Wollknäul

  57. Le Chat Noir | November 27, 2008 at 5:37 pm | Permalink

    Jetzt ist leider immer noch das “ihn” drin…
    kommt demnächst weg^^

  58. ANH | November 28, 2008 at 11:49 am | Permalink

    @ Le Chat Noir.

    In der Tat, diese Zeile stimmt noch nicht:

    ihn mit den Krallen ritzen

    Und: “errwischt”? Womit?

  59. Shoshannah | November 30, 2008 at 3:07 am | Permalink

    Basilika San Paolo fuori le mura

    Hinten, ganz hinten, etwa 200 Meter von mir entfernt, scheint ein Kind zu schreien, man hört es kaum und deutlich. Das Kind. Malt was, mag es nicht. Radieren geht nicht, wenn die Frabe zu weich ist. Mit dem Finger wischen, vorher in Terpentin, dann über das Bild, nochmal, nochmal, dann die ganze Hand. Großflächig wegätzen und mit Filzstift wieder nachbessern. Quietschend gekrakelte Linie beim Zucken der Hand, da: sie tanzt! Und zackt! Und groovt! Ein Männerchor singt, sie grinsen, wanken, wackeln mit dem Kopf. Stürzen in die nächste Ligatur. Veni creator spiritus, neu aufgelegt mit Posaunenglissandi.
    Wieder draußen. Im Unterkiefer spüre ich noch mein Klatschen.

  60. ANH | December 2, 2008 at 7:49 am | Permalink

    @ Shoshannah zu Basilika San Paolo fuori le mura

    Schöner rätselhafter Text, der leider ein Grundproblem birgt, nämlich über das Wort „hinten“: Es bedeutet ja eigentlich: h i n t e r der Erzählerin, die sich also umgedreht haben muß. Dann: bei 200 Metern Entfernung ist das „s c h e i n t zu schreien“ seltsam; die Entfernung ist zu groß. Entweder man hört sie oder hört sie eben nicht; bei 200 m wird man das Gesicht nicht mehr genau genug sehen können, um von solch einem „Scheinen“ berechtigt zu sprechen. Das Gefühl haben Sie ja selber, wenn Sie formulieren, man höre es „kaum und deutlich“. Dieser Widerspruch unterliegt der gesamten Szene (die man bei Kafka „Betrachtung“ genannt hätte). Das mit der Entfernung gilt freilich auch für „Malt was, mag es nicht“ usw. Oder Sie bekommen es hin, daß deutlich wird, was Sie jetzt erzählen, sei die Innenfantasie der Erzählerin. Das heißt: Perspektivenklärung.
    Im einzelnen:

    Hinten, ganz hinten, etwa 200 Meter von mir entfernt, scheint ein Kind zu schreien, man hört es kaum und deutlich. Das Kind. Malt was, mag es nicht. Radieren geht nicht

    ganz deutlich hier: wer spricht und wer kann das sehen?

    , wenn die Farbe zu weich ist. Mit dem Finger wischen, vorher in Terpentin

    Vorher in Terpentin wischen? Mißverständlich wegen des ausgelassenen und damit sozusagen zusammengezogenen Verbs.

    , dann über das Bild, nochmal, nochmal, dann die ganze Hand. Großflächig wegätzen

    : „ätzen“? Mit bloßen Fingern? Aber vielleicht verstehe ich den terminus technicus nicht.

    und mit Filzstift wieder nachbessern. Quietschend gekrakelte

    : das ist in 200 m Entfernung ganz sicher nicht zu hören.

    Linie beim Zucken der Hand, da: sie tanzt! Und zackt! Und groovt

    : die Hand groovt?

    ! Ein Männerchor singt, sie grinsen, wanken, wackeln mit dem Kopf. Stürzen in die nächste Ligatur. Veni creator spiritus, neu aufgelegt mit Posaunenglissandi.

    :dieser Sprung in die Kirche ist zu unvermittelt; geben Sie Ihren Lesern etwas, ihn mitzumachen.

    Wieder draußen.

    Sehr schön aber d a s da:

    Im Unterkiefer spüre ich noch mein Klatschen.

  61. Die Kapuze | December 26, 2008 at 2:26 am | Permalink

    Meine persönliche Variante des im Seminar besprochenen Textes:

    Preisverfall

    Kennengelernt habe ich sie nicht - sie war einfach da. Ich selbst war Teilnehmer einer jener Gruppen, die im Namen des Kreuzes tagen und denen ich mich in früher Jugend verschrieben hatte. Wenn wir im Gruppenraum saßen und vorne jemand Märchen erzählte, betrachtete ich sie und fühlte mein Herz. Ihr blondes Haar war zu einem Zopf gebunden und um die Nase, deren kleinen Höcker ich so gerne berührt hätte, sammelten sich zahlreiche Sommersprossen. Wenn später alles hinausströmte, gelang es mir manchmal, zart und unmerklich ihre Regenjacke mit meinen Fingerspitzen zu streifen. Ich atmete dann für eine Sekunde den Duft ihrer Kleidung.
    Irgendwann ließ sie ihr Haar so kurz schneiden, dass es nicht mehr geflochten werden konnte. Es fiel ihr stattdessen nun leicht ins Gesicht, und über einen Monat lang ergriff mich immer wieder die Regung, es da rauszustreichen.
    Oft trug sie einen Pullover, an dem sich eine Kapuze befand, die ich ins Auge fasste, wann immer ich ihr auf der Straße nachblickte. In meinen Träumen ließ ich sie in diesem Pulli entlang des Meeres laufen, sodass bald mein ganzes Leiden an ihrer Kapuze hing, die doch nichts weiter war als ein Stück Stoff.

    Später, nachdem ich meine Geburtsstadt verlassen, ein Studium begonnen und mein Weltbild erneuert hatte, vergaß ich die Kapuze. Ich schlief mit Frauen, die Rollkragenpullover, mitunter sogar Brille trugen und dezent nach Schweiß rochen. Dieser Geruch, der zwar kein Gestank war, aber trotzdem nicht verflog, setzte sich tief in meiner Nase fest und drängte mich in solchen Situationen zu allen seltsamen Formalitäten des Liebesspiels.
    An einem hellen Herbsttag meines ersten Studienjahres war ich unterwegs in die Innenstadt. Ich mochte eine Weile gegangen sein, als ich mich plötzlich an Schweden erinnerte, das wir damals in irgendeinem Sommer als Novizen bereist hatten. Zwischen Bäumen, Buchten und rotgestrichenen Häusern hatte ich begonnen, ihr dass Gitarrespielen beizubringen: Dazu drückte ich ihre Fingerkuppen ganz vorsichtig auf die Saiten eines Westerninstrumentes, das in ihrem Schoß lag…
    Wer auch immer dieses Schild hier aufgestellt hatte, wollte auf einen wichtigen Preissturz hinweisen. Ich las ich noch einmal, was dort jetzt so billig angepriesen wurde: „Kapuzenpulli 9,95 €“. Dann setzte ich meinen Weg fort und freute mich, mein Geld für etwas Besseres gespart zu haben.

  62. herr urian | December 26, 2008 at 6:56 pm | Permalink

    Hier meine Variante:

    Die Kapuze

    Kennengelernt habe ich sie natürlich gar nicht. Sie war einfach da. Ich fuhr im Sommer mit einer Gruppe an einen norwegischen Fjord, wo ich den Sinn des Lebens entdeckte. Wir besangen den Herrn und mochten einander.
    Am ersten Tag verließ ich den Schlaftrakt und sah sie an den Fichten stehen. Sie trug einen Kapuzenpullover und hatte ein paar Sommersprossen um die Nase, deren kleinen Höcker ich sofort berühren wollte. Ihr blondes Haar war zu einem Zopf geflochten. Sie beobachtete. Plötzlich huschte etwas in den Wald. Ein Eichhörnchen, wie ich gerade noch bemerkte.
    Als wir dann im Gruppenraum saßen und ich sie von hinten betrachten konnte, während vorne jemand etwas erzählte, fühlte ich mein Herz.
    Zur Abendandacht standen wir im Kreis. Sie stand mir direkt gegenüber. Später wünschten wir einander eine gute Nacht. Ich durfte sie umarmen. Ich atmete ihren Duft, berührte ihre Kapuze mit den Fingerspitzen.
    Sie schaute zu, als wir im Regen Fußball spielten. Warum nur benutzte sie die Kapuze nicht? Gerne hätte ich gesagt: Setz’ sie doch auf. Gerne hätte ich ihr Haar getrocknet. Aber ich forderte nichts. Als sie mich nach einer Woche bat, ihr ein paar Gitarrengriffe zu zeigen, tat ich genau das. Nicht mehr.
    Nach den Ferien traf ich sie noch in der Gemeinde. Sie ließ ihr Haar kürzen, sodass sie es nicht mehr flechten konnte. Vorne fiel es ihr leicht ins Gesicht. Ich hatte einen Impuls, es hinauszustreichen, die ersten paar Wochen, vielleicht auch einen Monat.

    Nachdem ich mein Weltbild erneuert hatte, vergaß ich die Kapuze. Ich schlief mit Frauen, die Rollkragenpullover, mitunter sogar Brille trugen und dezent nach Schweiß rochen. Der Geruch verflog nicht, wenn sie gegangen waren. Er blieb in den Laken, manchmal über Tage.
    An einem Herbsttag ging ich in die Stadt, um einzukaufen. Bereits als ich das Wohnhaus verließ, sah ich den Teufel, der ein Eichhörnchen war.
    Ich wisse, dass die für Frauen seien, sagte die Verkäuferin im Textil-Discounter. Die Kapuzenjacken, meine sie.
    Ich erinnerte mich plötzlich an den Sommer zwischen Bäumen und rot angestrichenen Häusern. An das Kapuzenmädchen. Daran, wie ich ihm den E-Moll-Akkord beigebracht, nämlich liturgisch seine Hand genommen und die Kuppen von Zeige- und Ringfinger hinab auf die Saiten einer Westerngitarre gedrückt hatte.
    Ich wusste, dass Gott mich irgendwann verlassen haben musste. Aber jetzt glaubte ich wieder. Meine Teufelin war bei mir.

  63. Herr Hoek | December 29, 2008 at 5:09 pm | Permalink

    LA RABIA (oder: “Wie man ein Schwein schlachtet”)

    durchs Mark pulst glühende Marter
    vom feinen Nebel umgarnend beglänztes Baumgeäst ähnelt kreatürlicher Erregung
    blassem Mondlicht ausgesetzt rinnt dickflüssiger Saft
    “dampfend”
    an wurmstichiger Rinde hinunter
    aus kalter Entfernung ertönt verwildertes Stimmchen

  64. Morgana | January 7, 2009 at 1:14 am | Permalink

    Das Lied

    Missmutig laufe ich über den Frankfurter Hauptbahnhof. Es ist Sonntag und ich bin auf dem Weg von meinem Heimatstädtchen zu meinem Studienort. Wenn ich mit dem Zug nach Heidelberg fahre, bekomme ich immer schlechte Laune, obwohl ich in Heidelberg eigentlich glücklich bin. Es ist die Zugfahrt an sich, die mich durch ihre Dauer dazu zwingt, mich schon mal seelisch auf den kommenden Alltag einzustellen.
    Für meinen Geschmack sind schon wieder viel zu viele Menschen unterwegs und ich hoffe, dass diese auch nicht besser gelaunt sind als ich. Die Menschen gehen mir schon durch ihre bloße und zahlreiche Anwesenheit auf den Geist, da will ich sie nicht auch noch gutgelaunt um mich herum haben. Als ich endlich meinen Platz im Zug gefunden habe und mich schon gefreut hatte, dass mir nun niemand mehr auf die Nerven gehen kann, höre ich Musik aus den sehr lauten Kopfhörern meines Sitznachbarn. Auf das Buch, was der einzige Lichtblick für mich auf der bisherigen Zugfahrt war, kann ich mich nun auch nicht mehr konzentrieren. Was hört dieser Mensch da? Ich höre sofort, dass es die Red Hot Chili Peppers sind, aber ich brauche ein wenig Zeit, um festzustellen, um welches Lied es sich handelt(„Otherside“) und noch einen Moment länger, um zu begreifen, an was es mich erinnert: an Partys aus meiner frühen Jugend, auf denen dieses Lied immer gespielt wurde, an eine Zeit der ersten Zigaretten, mit denen man sich cool vorkam, der ersten Biere, der ersten Küsse, des ersten Verliebtseins.

    Raphael, mit dem ich bis dahin eigentlich nur befreundet war, war nun zum Grund geworden, weshalb ich nachts nicht einschlafen konnte.
    Es war unglückliches Verliebtsein, das vielleicht glückliches hätte werden können, vielleicht aber auch nicht. Ich stellte fest, dass ich mich in ihn verliebt hatte, als er zum ersten Mal von seinem damaligen Schwarm erzählte. Birte hieß die, in die er ungefähr so hoffnungslos verliebt war wie ich es in ihn war. Ich hasste diese Tussi schon, noch bevor Raphael sie überhaupt wahrgenommen hatte. Natürlich verstand ich nicht, was er an ihr gut fand und genau deswegen faszinierte mich die Art, wie er sie anlächelte und seine Augen strahlten, wenn er sie sah, wie seine Stimme zitterte, wenn er mit ihr redete oder es zumindest versuchte. Ich dachte, das, was sie für ihn ist, will ich auch irgendwann einmal für ihn sein. Wenn jemand so zu lieben in der Lage ist, dann er, nahm ich in meinem jugendlichen Leichtsinn an. Irgendwann würde er sich in mich verlieben, hoffte ich sehnsüchtig. Natürlich war es hoffnungslos, aber ich war ein verträumter Teenager, der eben noch nicht viel Realismus besaß.

    Irgendwann kam der letzte Tag, an dem ich ihn sah.
    Mittlerweile hatte ich festgestellt, dass auch andere Mütter schöne Söhne haben. Birte war Vergangenheit und er bzw. meine Träume von und Zukunftsvorstellungen mit ihm waren es auch. Die Tage zuvor hatte er mir Komplimente gemacht: ich habe ein tolles Parfüm, einen schönen Pulli an. Ich dachte mir nichts dabei, zumal mir die Komplimente wie die eines Mädchens vorkamen und nicht wie die eines Verehrers. Er wollte, dass ich auf eine Party komme. Ich hatte seine Einladung nicht ernst genommen und nahm an, es ginge ihm nicht um mich, sondern nur darum, dass möglichst viele Gäste kamen. Mir war klar, dass ich dort Leute sehen würde, die mich nicht sehen wollten und die ich auch nicht sehen wollte. Inzwischen hatten sich unsere Freundeskreise nämlich geteilt. Ich log ihm vor, ich sei an diesem Abend bereits zu einer anderen Party eingeladen worden. Er sah mich enttäuscht an und schlug vor, ich könne doch noch nachkommen. Ich antwortete, ich könne nichts versprechen. Bei meiner Verabschiedung von ihm wusste ich noch nicht, dass es eine endgültige sein würde. Ich kam nicht auf diese Party, denn ich war zu stolz dafür, ihm hinterher zu rennen. Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur Angst.
    Wir verloren uns aus den Augen. Ich wechselte an eine andere Schule, in andere Freundeskreise und andere Welten. Er blieb dort, wo ich ihn zurückgelassen hatte - in seiner Welt.

  65. Le Chat Noir | January 8, 2009 at 5:00 pm | Permalink

    hier nochmal über die Katz`…

    Katz`
    Es lag vor Katz` ein blauer
    - Katz` lag auf der Lauer -
    großer, schöner, runder
    - Katz` mocht` auch Burgunder -
    dicker, fetter, weicher
    - Katzens Opfern gleicher -
    wie Mausefell, so wuschig- flauschig
    - Katzens Schwanz wurd` bauschig -
    ahnungslos und harmlos liegend
    - Katzens Popo sich wiegend-

    ein Sprung mit angelegten Ohren!
    voll Leidenschaft durchbohren
    Krallen und die Zähne
    Wollknäul

  66. Le Chat Noir | January 8, 2009 at 5:01 pm | Permalink

    und ein Text aus der Schublade…^^

    Auf den Trommelschlag erwacht sie mit dem Gesicht nach unten auf kaltem, schwarzem Stein. Zischend steigen Geysire in der von herankriechendem Nebel durchzogenen Dunkelheit auf. Sie erhebt sich wie eine Untote, die feuchten zerzausten Haare verbergen ihr Gesicht. Schwindlig wankt sie in ihrem weißen Nachthemd. Das Schilf flüstert. Sie schaut sich irritiert um, ihr wird schlecht, denn sie spürt was jetzt kommt. Vielleicht will sie es gar nicht verhindern. Flüsternde Schatten rasen auf sie zu und an ihr vorbei. Spiel mich. Sie reißt beide Arme nach oben, um ihren Kopf zu verbergen. Aber sie hört es trotzdem- Spiel mich. Gestalten erheben sich summend aus dem Nichts und kommen langsam näher. Spiel mich, rufen sie aus der Ferne. Sie fällt auf die Knie und hält Augen und Ohren geschlossen, so fest sie kann.

    Plötzlich ist der Boden unter ihr Bühne und vor ihr stehen Helena, Desdemona, Lady Macbeth, Julia, Luise, Emilia, Phädra Estelle, Molly, Else …
    und sie alle schreien: „Spiel mich! Spiel mich!“.
    Sie zerren an ihr, packen sie.
    Sie will gut sein, aber sie fühlt sich nicht so.
    Drei Menschen sitzen im Publikum, schauen sie an und schweigen.
    Sie glauben ihr nicht. Sie spielt trotzdem. Weil sie muss. Muss sie?

    Liebevoll hält er sie in seinen Armen. Sie spürt seinen Atem, ruhig und warm, an ihrem Ohr. Er hat die Schatten vertrieben.
    Lächelnd und geborgen schläft sie wieder ein.

  67. ren- waldo | January 10, 2009 at 12:10 am | Permalink

    Tee, Jasmin?
    - Du bist so blass, seit ein Pottwal in deiner Küche stand.
    Das sei noch nie so gewesen Krampf-
    adrig- blaues Festgewand, du denkst- ich bin
    Nosferatu, der den bröselfreien Chili erfand.
    Fand sich wieder am Strand und hatte keine
    Sonnenmilch dabei. Als er sich in eine Nudel verliebte, meinten alle, das ginge nicht gut
    Sie waren Italien, er hatte keinen Hut, ihr Vater
    war ein versiffter Pornomillionär, der mit 91 den Rheumatismus besiegt hatte und in Flandern
    Sei keiner ausser ihm dabeigewesen und die Hölle nur ein Reisigbesen nachts um halb eins
    sei der Regen so haarig gewesen, sie hat die Welt noch nie anders, denn als aldente gesehen,
    genau wie Heribert ihr Onkel, der früher mal ihr siamesischer Zwilling gewesen war, aber darüber redet sie nicht – Zitrone?
    -gern, also pass auf sie auf, sonst hetz ich die Kätzchen aus dem
    Frühjahrskatalog auf dich, denn als einmal ein toter Briefkasten um die Ecke meines Anwesens flog –
    log ich etwa, als ich sagte der Mond sei Goebbels’ weißer Arsch und der Spatz dort auf dem Baum hätte eine Seemine verschluckt? Wahrscheinlich hast du recht, vielleicht bin ich verrückt, weil sie unser Leitungswasser mit Drogen verseuchen und der letzte, der versucht hat das Antlitz der Erde zu schauen wurde einem mutierten Mechatroniker zum Fraß vorgeworfen, denkst du etwa mir macht es Spaß diese Gliedmaßen hier zu sortieren? Mir haben sie die Eingeweide durch Biermaische ersetzt, deshalb rieche ich wie ein Alki
    wäre auch lieber Testfahrer geworden, wie die Anderen aus meiner Einheit, stand aber zu viel vor dem Spiegel und wurde ganz seimig wegen all der Lobhudelei, weil ich einer Eisbärin Maisbrei aus der Ritze geschlotzt und gleichzeitig über das Wetter gemotzt habe, gewann damals zwölf Mark in Bar und war einer der führenden Scharfrichter, tolle Zeit war das, mein Lieblingsgerät war die Feder und später der fünfliter –Trichter.

  68. ANH | January 10, 2009 at 2:23 pm | Permalink

    @ Die Kapuze zu zu Preisverfall:

    Kennengelernt habe ich sie nicht - sie war einfach da.

    Hier würde ich einen Absatz machen, lassen Sie den ersten Satz in dieser Klarheit einfach für sich selbst wirken.

    Ich selbst

    „selbst“ streichen, weil jetzt schnörkellos in die Erzählung eingestiegen werden kann.

    war Teilnehmer einer jener

    „einer jener“ ist nach wie vor nicht so wahnsinnig schön

    Gruppen, die im Namen des Kreuzes tagen und

    weshalb eigentlich „und“? Klarer wäre, mit einem Punkt zu enden und einfach im vorigen Dktus weiterzuerzählen: „Ich hatte mich ihnen seit früher Jugend verschrieben“

    denen ich mich in früher Jugend verschrieben hatte. Wenn wir im Gruppenraum saßen und vorne jemand Märchen erzählte

    auch hier eleganter: „Saßen wir im Grppenraum und vorne erzählte jemand Märchen“

    , betrachtete ich sie

    Vorsicht aber wegen des Bezuges; kann sich auch auf „Märchen“ beziehen.

    und fühlte mein Herz. Ihr blondes Haar war

    immer (oder „stets“)

    zu einem Zopf gebunden

    alte Rechtschreibung: Komma

    und um die Nase, deren kleinen Höcker ich so gerne berührt hätte, sammelten sich zahlreiche Sommersprossen

    :Vorsicht! Die „sammelten“ sich während dieser Stunde? Wohl nicht, gell?

    . Wenn später alles hinausströmte

    :ui, da holen Sie sich einen Lacher; w as strömt da hinaus und aus wem?

    , gelang es mir manchmal, zart und unmerklich

    „zart und unmerklich“ ist redundant, denn es wird im folgenden „streifen“ vollen Umfangs mittransportiert.

    ihre Regenjacke mit meinen Fingerspitzen zu streifen. Ich atmete dann für eine Sekunde den Duft ihrer Kleidung

    ein

    .
    Irgendwann ließ sie ihr Haar so kurz schneiden, dass es nicht mehr geflochten werden konnte. Es fiel ihr stattdessen nun leicht ins Gesicht, und

    ohne „und“, sondern direkt nach Punkt anschließen:

    (über) einen Monat lang ergriff mich immer wieder die Regung, es da rauszustreichen.
    Oft trug sie einen Pullover, an dem sich eine Kapuze befand, die ich ins Auge fasste, wann immer ich ihr auf der Straße nachblickte. In meinen Träumen ließ ich sie in diesem Pulli entlang des Meeres laufen

    viel schöner wäre schlichter „am Meer entlanglaufen“

    , sodass bald mein ganzes Leiden

    nur daß von einem „Leiden“ des Erzählers noch gar keine Rede war, es sei denn, man wollte eine so zarte Sehnsucht ein Leiden schon nennen

    an ihrer Kapuze hing, die doch nichts weiter war als ein Stück Stoff.
    Später, nachdem ich meine Geburtsstadt verlassen, ein Studium begonnen und mein Weltbild erneuert hatte, vergaß ich die Kapuze. Ich schlief mit Frauen, die Rollkragenpullover, mitunter sogar Brille trugen und dezent nach Schweiß rochen. Dieser Geruch, der zwar kein Gestank war

    :wir sprachen im Seminar schon drüber, daß das mit dem Gestank ein bißchen dicke ist; das Wort trifft das Gemeinte nicht, auch wenn man versteht, was gemeint i s t

    , aber trotzdem nicht verflog, setzte sich tief in meiner Nase fest und drängte mich in solchen Situationen

    :reines Papier

    zu allen seltsamen Formalitäten des Liebesspiels

    Was meinen Sie denn d a mit:? „Formalitäten des Liebesspiels“?

    .
    An einem hellen Herbsttag meines ersten Studienjahres war ich unterwegs in die Innenstadt. Ich mochte eine Weile gegangen sein, als ich mich plötzlich an Schweden erinnerte, das wir damals

    dieses „damals“ muß präzisiert werden, denn auch das Studium ist ja unterdessen ein Damals.

    in irgendeinem Sommer als Novizen bereist hatten. Zwischen Bäumen, Buchten und rotgestrichenen Häusern hatte ich begonnen, ihr dass

    das

    Gitarrespielen beizubringen: Dazu drückte ich ihre Fingerkuppen ganz vorsichtig auf die Saiten eines Westerninstrumentes, das in ihrem Schoß lag…

    Zwischen dem und dem Folgenden fehlt was; das Schild kommt jetzt zu unvermittelt und hängt als Motiv rein durch:

    Wer auch immer dieses Schild hier aufgestellt hatte, wollte auf einen wichtigen Preissturz

    hm, sind Preisstürze „wichtig“?

    hinweisen.

    Und wozu überhaupt das Motiv des Schildes erklären? Lassen Sie das Schild einfach d a sein.

    Ich las ich noch einmal, was dort jetzt so billig angepriesen wurde: „Kapuzenpulli 9,95 €“. Dann setzte ich meinen Weg fort und freute mich, mein Geld für etwas Besseres gespart zu haben.

    Außerdem greift die Pointe nicht.

  69. ANH | January 10, 2009 at 2:55 pm | Permalink

    @ herr urian zu| Die Kapuze

    Kennengelernt habe ich sie natürlich gar nicht

    „natürlich gar“ brauchen Sie nicht.

    . Sie war einfach da. Ich fuhr im Sommer mit einer Gruppe an einen norwegischen Fjord, wo ich den Sinn des Lebens entdeckte

    : das ist gut!

    . Wir besangen den Herrn und mochten einander

    :auch gut, weil es mitlesen läßt, daß „der Herr“ und Sie einander mögen. Lacht.

    .
    Am ersten Tag verließ ich den Schlaftrakt und sah sie

    „sie“ vielleicht anders bezeichnen als nur mit „sie“:; etwas verdeutlichen und vielleicht darin schon characterisieren.

    an den Fichten stehen. Sie trug einen Kapuzenpullover und hatte ein paar Sommersprossen um die Nase, deren kleinen Höcker ich sofort berühren wollte

    :sehr schön in dieser Klarheit.

    . Ihr blondes Haar war zu einem Zopf geflochten. Sie beobachtete. Plötzlich huschte etwas in den Wald. Ein Eichhörnchen, wie ich gerade noch bemerkte.

    :anziehen, kein Absatz, sonst wird die Erzählung zu kleinteilig:

    Als wir dann im Gruppenraum saßen und ich sie von hinten betrachten konnte, während vorne jemand etwas erzählte, fühlte ich mein Herz.
    Zur Abendandacht standen wir im Kreis. Sie stand mir direkt gegenüber. Später wünschten wir einander eine gute Nacht. Ich durfte sie umarmen. Ich atmete ihren Duft, berührte ihre Kapuze mit den Fingerspitzen.

    :Schlichter erzählen, das „und“ motzt die schöne Begebenheit unnötig auf: „Ich durfte sie umarmen, atmete ihren Duft, berührte ihre Kapuze mit den Fingerspitzen.“

    Sie schaute zu, als wir im Regen Fußball spielten. Warum nur benutzte sie die Kapuze nicht?

    :zum Fußballspielen? Seltsame Frage. Und: „benutzt“ man eine Kapuze?

    Gerne hätte ich gesagt: Setz’ sie doch auf. Gerne hätte ich ihr Haar getrocknet. Aber ich forderte nichts.

    :Hm, w ä r e das schon eine „Forderung“ gewesen? Andererseits zeigt die Formulierung sehr schön, wie sensibel diese Erzählerfigur ist.

    Als sie mich nach einer Woche bat, ihr ein paar Gitarrengriffe zu zeigen, tat ich genau

    : „genau“ streichen.

    das. Nicht mehr.
    Nach den Ferien traf ich sie noch in der Gemeinde. Sie ließ ihr Haar kürzen, sodass sie es nicht mehr flechten konnte. Vorne fiel es ihr leicht ins Gesicht. Ich hatte einen Impuls

    : schöner: „Oft spürte ich den Impuls“

    , es hinauszustreichen, die ersten paar Wochen, vielleicht auch einen Monat

    lang.

    Nachdem ich mein Weltbild erneuert hatte, vergaß ich die Kapuze. Ich schlief mit Frauen, die Rollkragenpullover, mitunter sogar Brille trugen und dezent nach Schweiß rochen. Der Geruch verflog

    auch

    nicht, wenn sie gegangen waren. Er blieb in den Laken, manchmal über Tage.
    An einem Herbsttag ging ich in die Stadt, um einzukaufen. Bereits als ich das Wohnhaus verließ, sah ich den Teufel

    „wieder“ (!!!! - klasse, damit h a b e n Sie die Klammer)

    , der ein Eichhörnchen war.

    Absatz, ausatmen lassen.

    Ich wisse, dass die für Frauen seien, sagte die Verkäuferin im Textil-Discounter. Die Kapuzenjacken, meine sie.

    :Fein, dieses „Übrigens“ dahinter.

    Ich erinnerte mich plötzlich

    warum „plötzlich“?

    an den Sommer zwischen Bäumen und rot angestrichenen Häusern. An das Kapuzenmädchen. Daran, wie ich ihm den E-Moll-Akkord beigebracht, nämlich liturgisch seine Hand genommen

    : wie macht man das, „liturgisch“ jemandes Hand nehmen?

    und die Kuppen von Zeige- und Ringfinger hinab auf die Saiten einer Westerngitarre gedrückt hatte.
    Ich wusste, dass Gott mich irgendwann verlassen haben musste. Aber jetzt glaubte ich wieder. Meine Teufelin war bei mir.

    D i e Pointe ist sehr viel besser als die vorige.

  70. ANH | January 10, 2009 at 3:20 pm | Permalink

    @ Herr Hoek zu LA RABIA (oder: “Wie man ein Schwein schlachtet”)

    Zum Titel. Beziehen Sie sich auf >>>> den Film oder „nur“ auf das Wort?

    durchs Mark pulst glühende Marter

    :hier haben Sie bereits das Problem: die Wörter erreichen die Marter nicht, ja in dieser Konstellation machen Sie sie sogar kleiner, dadurch, daß sie verkitschen („glühende Marter“). Das ist ein altes, aber nach wie vor schwelendes Problem expressionistischer Versuche.

    vom feinen Nebel umgarnend beglänztes

    „umgarnend beglänzt“ sagt übers Partizip indirekt aus, daß dies g e w o l l t ist, setzt also einen Willen außerhalb des Phänomens als für das Phänomen grundlegend an. Hier haben Sie gleich das nächste Problem.

    Baumgeäst ähnelt kreatürlicher Erregung

    was ist das, „kreatürliche Erregung“? Kreatürlich wäre etwas, das Schöpferkraft hat – auch das rein Sexuelle hat sie -, sie aber nicht erreicht, sondern nur so tut? - Wenn Sie solche Gedichte schreiben, müssen die Aussagen s c h l a g e n; wenn man lange drüber nachdenkt, geht die Kraft verloren, und es wird öde. Oder aber das Bild selbst, das Sprachbild, bezieht die Kraft aus der Kombination der verschiedenen Wortreize. Das ist hier, denke ich, nicht der Fall.

    blassem Mondlicht ausgesetzt

    ist es schlimm, dem Mondlicht „ausgesetzt“ zu sein? Was tut das Mondlicht Schlimmes? Doch nicht das Mondlicht ist es.

    rinnt dickflüssiger Saft

    warum schreiben Sie nicht einfach und klar: „das Blut“?

    “dampfend”

    warum dampfend in Häkchen? Wenn es kalt ist, dampft es. Punkt.

    an wurmstichiger Rinde hinunter

    rönne es an einer wurmlosen Rinde herunter, wäre das besser? Wäre es weniger grausam?

    aus kalter Entfernung

    wieso aus „kalter“?

    ertönt verwildertes Stimmchen

    und warum verkürzen Sie „verwildertes Stimmchen“ um den bestimmten Artikel? Überhaupt wirkt das Gedicht, als wollten Sie konkrete Bestimmungen vermeiden. Das tut dem Text nicht gut.

  71. ANH | January 10, 2009 at 3:37 pm | Permalink

    @ Morgana zu Das Lied

    Missmutig laufe ich über den Frankfurter Hauptbahnhof. Es ist Sonntag und ich bin auf dem Weg von meinem Heimatstädtchen zu meinem Studienort. Wenn ich mit dem Zug nach Heidelberg fahre, bekomme ich immer schlechte Laune, obwohl ich in Heidelberg eigentlich glücklich bin.

    Anders anschließen: „Doch die Zugfahrt zwingt mich…..“

    Es ist die Zugfahrt an sich, die mich durch ihre Dauer dazu zwingt, mich schon mal seelisch auf den kommenden Alltag einzustellen.
    Für meinen Geschmack sind schon wieder viel zu viele Menschen unterwegs und ich hoffe, dass diese auch nicht besser gelaunt sind als ich

    :eine ziemlich fiese Hoffnung. Spitzen Sie das noch zu, machen Sie es plastisch, und nicht erst hernach, sondern direkt in der Formulierung selbst. Sie müssen bei sowas alle Larmoyanz vermeiden.

    . Die Menschen gehen mir schon durch ihre bloße und zahlreiche Anwesenheit auf den Geist

    „bloße und zahlreiche“ schwächt die Aussage, wegnehmen.

    , da will ich sie nicht auch noch gutgelaunt um mich herum haben

    :das wieder ist schön.

    .

    ABSATZ

    Als ich endlich meinen Platz im Zug gefunden habe und mich schon gefreut hatte

    :verschiedene Zeiten in derselben Aussage?

    , dass mir nun niemand mehr auf die Nerven gehen kann, höre ich Musik aus den sehr lauten Kopfhörern

    Achtung, nicht die Kopfhörer sind laut, sondern sie sind laut eingestellt.

    meines Sitznachbarn. Auf das Buch, was der einzige Lichtblick

    eleganter: „dem einzigen Lichtblick“; das „für mich“ ist wiederum redundant.

    für mich auf der bisherigen Zugfahrt war, kann ich mich nun auch nicht mehr konzentrieren. Was hört dieser Mensch da? Ich höre

    Folge: höre/hört; unschön hier.

    sofort, dass es die Red Hot Chili Peppers sind, aber ich brauche ein wenig Zeit, um festzustellen, um welches Lied es sich handelt („Otherside“) und noch einen Moment länger, um zu begreifen, an was es mich erinnert: an Partys aus meiner frühen Jugend, auf denen dieses Lied immer gespielt wurde, an eine Zeit der ersten Zigaretten, mit denen man sich cool vorkam, der ersten Biere, der ersten Küsse, des ersten Verliebtseins.
    Raphael, mit dem ich bis dahin eigentlich nur befreundet war, war nun zum Grund geworden

    : „war nun zum Grund geworden“: das ist ganz undeutlich, vor allem mit dem „nun“, das sich ja eher auf die Zugsituation bezieht.

    , weshalb ich nachts nicht einschlafen konnte.
    Es war unglückliches Verliebtsein, das vielleicht glückliches hätte werden können, vielleicht aber auch nicht

    : wozu es dann erzählen?

    . Ich stellte fest, dass ich mich in ihn verliebt hatte, als er zum ersten Mal von seinem damaligen Schwarm erzählte. Birte hieß die

    „die“ Schwarm?

    , in die er ungefähr so hoffnungslos verliebt war

    Komma

    wie ich es in ihn war. Ich hasste diese Tussi schon, noch bevor Raphael sie überhaupt wahrgenommen hatte.

    : Wie das? Bevor er von ihr erzählt hat? Geht nicht. Denn bevor er sie nicht wahrgenommen hatte, wird er schlecht von ihr erzählt haben können.

    Natürlich verstand ich nicht, was er an ihr gut fand und

    nein!, sondern: „aber“

    genau deswegen faszinierte mich die Art, wie er sie anlächelte und seine Augen strahlten, wenn er sie sah, wie seine Stimme zitterte, wenn er mit ihr redete oder es zumindest versuchte. Ich dachte, das, was sie für ihn ist, will ich auch irgendwann einmal für ihn sein.

    : verdeutlichen. „ auch irgendwann einmal“ wegnehmen.

    Wenn jemand so zu lieben in der Lage ist, dann er, nahm ich in meinem jugendlichen Leichtsinn an.

    Wieso „Leichtsinn“, wenn Sie Naivetät meinen?

    Irgendwann würde er sich in mich verlieben, hoffte ich sehnsüchtig.

    „ hoffte ich sehnsüchtig“: lassen Sie solche Kommentare sein, einfach erst mal nur erzählen, aus der Innenbewegng heraus.

    Natürlich war es hoffnungslos, aber ich war ein verträumter Teenager, der eben noch nicht viel Realismus besaß.

    Solche „eben“-Sätze machen eine Lektüre sauer. Man will nicht lesen, was man „eben“ sowieso schon kennt und weiß.

    Irgendwann kam der letzte Tag, an dem ich ihn sah.
    Mittlerweile hatte ich festgestellt, dass auch andere Mütter schöne Söhne haben.

    Hm, zu banal, oder? Zu lax.

    Birte war Vergangenheit und er bzw. meine Träume von und Zukunftsvorstellungen mit ihm waren es auch. Die Tage zuvor hatte er mir Komplimente gemacht: ich habe ein tolles Parfüm, einen schönen Pulli an. Ich dachte mir nichts dabei, zumal mir die Komplimente wie die eines Mädchens vorkamen und nicht wie die eines Verehrers.

    :Wieso ist die Erzählerin von ihm dann angesext: von einem „Mädchen“? Gibt es, wäre aber eine völlig andere Erzählung.

    Er wollte, dass ich

    mit

    auf eine Party komme. Ich hatte seine Einladung nicht ernst genommen und nahm an, es ginge

    es gehe!!!!

    ihm nicht um mich, sondern nur darum, dass möglichst viele Gäste kamen. Mir war klar, dass ich dort Leute sehen würde, die mich nicht sehen wollten und die ich auch nicht sehen wollte. Inzwischen hatten sich unsere Freundeskreise nämlich geteilt. Ich log ihm vor, ich sei an diesem Abend bereits zu einer anderen Party eingeladen worden. Er sah mich enttäuscht an und schlug vor, ich könne doch noch nachkommen. Ich antwortete, ich könne nichts versprechen. Bei meiner Verabschiedung von ihm wusste ich noch nicht, dass es eine endgültige sein würde. Ich kam nicht auf diese Party, denn ich war zu stolz dafür, ihm hinterher zu rennen. Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur Angst.
    Wir verloren uns aus den Augen. Ich wechselte an eine andere Schule, in andere Freundeskreise und andere Welten. Er blieb dort, wo ich ihn zurückgelassen hatte - in seiner Welt.

    Tja, da steckt ein komischer kleiner Vorwurf drin, in diesem „in seiner Welt“? Inwiefern waren die Welten denn verschieden? Das wäre interessant, aber davon wird nicht erzählt. Insgesamt frage ich mich bei dieser Erzählung, was sie außer dem normalen Umstand, daß man in jemanden verliebt ist, der es nicht ist, literaturfähig macht. Es wäre etwas anderes, wenn die Erzählerin den Jungen verklärte oder das Gegenteil täte, wenn sie getrieben wäre usw… - aber die Erzählung bleibt stets an der Oberfläche des je schon Bekannten.

  72. ANH | January 10, 2009 at 3:49 pm | Permalink

    @ Le Chat Noir zu Wollknäul.

    Das ist fein jetzt. Nur das hängt rhythmisch noch:

    - Katzens Popo sich wiegend-

    Und weil es ein Humorgedicht ist, würde ich hier:

    - Katzens Schwanz wurd` bauschig -

    statt “wurd’” schreiben: “ward”, dann brauchen Sie auch das Apostroph nicht mehr.

  73. ANH | January 11, 2009 at 10:02 am | Permalink

    @ Le Chat Noir zu Lucia di Lammermoor:

    Hier liegt das Problem vor allem in den Adjektiven: „zischend steigen“; „schwindlig wankt“, was ja ein „schwindelnd wankt“ ist; „flüsternde Schatten“; „summend erheben sich“ und so weiter. Es wird durch so etwas sehr oft das Gegenteil dessen erreicht, das ein Autor will: es wird nämlich verkleinert, statt daß durch Genauigkeit vergrößert wird. Wenn Sie d a s schon mal ändern, gewinnt der Text gerade im ersten Abschnitt ernorm.

    Auf den Trommelschlag erwacht sie mit dem Gesicht nach unten auf kaltem, schwarzem Stein.

    Überlegung: Die auf-auf-Folge ist unschön, obwohl „a u f den Tromelschlag“ an sich gut ist, „m i t dem Trommelschlag“ wäre schwäche. Deshalb würde ich diesen Satz in zwei Sätze aufteilen.

    Zischend steigen Geysire in der von herankriechendem Nebel durchzogenen Dunkelheit auf.

    Hören Sie mal, wie unmittelbar kraftvoll einfach d a s klingt: „Geysire steigen in der Dunkelheit auf.“ Das Zischen können sie ebenfalls in einem nächsten Satz erzählen: M a l e n, nicht behaupten!

    Sie erhebt sich wie eine Untote, die feuchten zerzausten Haare verbergen ihr Gesicht.

    „Das feuchte, zerzauste H a a r“ bitte: klarer, präziser, deutlicher.

    Schwindlig wankt sie in ihrem weißen Nachthemd. Das Schilf flüstert.

    :Das hat Schilf in derart vielen Romanen getan, daß ich das gar nicht mehr glauben mag. Vorschlag: Sagen Sie, w a s das Schilf flüstert. Wenn Sie hier bereit das „Spiel mich“ erzählten, fingen Sie das Problem auf und hätten zudem eine narrative Klammer zu den nächsten Abschnitten.

    Sie schaut sich irritiert um, ihr wird schlecht, denn sie spürt was jetzt kommt.

    : Brauchen Sie in dieser Anfangserzählung eine erklärte Motiviation („denn sie spürt“)? Und den folgenden Satz verstehe ich nicht, weil Sie nicht erzählen, w a s „sie“ vielleicht gar nicht verhindern will:

    Vielleicht will sie es gar nicht verhindern. Flüsternde Schatten rasen auf sie zu und an ihr vorbei.

    :Ist „rasen“ die angemessene Vokabel? Stellen Sie sich die Szene bildlich vor, bevor Sie sie niederschreiben.

    Spiel mich.

    : Das ist als Einfall und in dieser Jähheit sehr sehr gut.

    Sie reißt beide Arme nach oben, um ihren Kopf zu verbergen.

    :Geht nicht. Also kann das „um zu verbergen“ nicht stimmen. Sie kann allenfalls versuchen, ihr Gesicht zu verbergen, das hätte Sinn.

    Aber sie hört es trotzdem-

    :was ist daran verwunderlich? Es sei denn, sie hätte die Arme hochgerisssen, um mit den Oberarmen die Ohren zu schließen. Probieren Sie es mal aus: es geht nicht oder nur schlecht; um nicht zu hören, preßte man die Hanflächen ans Ohr oder steckte die Finger hinein.

    Spiel mich. Gestalten erheben sich summend aus dem Nichts

    :das haben Gestalten doch auch schon vorher getan: in Gestalt von Gespenstern, die ja a u c h Gestalten sind; sonst sähe man sie nicht. Also: W a s für Gestalten?

    und kommen langsam näher. Spiel mich, rufen sie aus der Ferne.

    :Wieso jetzt „aus der Ferne“, wenn sie doch näherkommen?

    Sie fällt auf die Knie und hält Augen und Ohren geschlossen,

    :zu den Ohren siehe oben.


    so fest sie kann.
    Plötzlich ist der Boden unter ihr Bühne

    :Das „plötzlich“ schwächt ab, wirkt behauptet.

    und vor ihr stehen Helena, Desdemona, Lady Macbeth, Julia, Luise, Emilia, Phädra Estelle, Molly, Else …

    :Ich habe hier die Tendenz, mich für nur e i n e von denen entscheiden zu wollen, damit Ihnen die Szene nicht ins Abstrakte wegläuft. Wiederum, um der Konflikt mit dem Beruf-an-sich (Schauspielerin, bzw. Opernsängerin: ich dachte sofort an Lucia di Lammermoor) der Erzählerin deutlich werden zu lassen, ist die reine Reihung tragödischer Gestalten zu gewollt, zu viel Papier. Konzentrieren Sie sich auf eine Gestalt und bringen Sie ein wenig Konkreteres hinzu; am besten, Sie haben ein bestimmtes Stück vor Augen, ohne aber, daß Sie es nennen. Wichtig ist allein, daß S i e es kennen.

    und sie alle schreien: „Spiel mich! Spiel mich!“.
    Sie zerren an ihr, packen sie.
    Sie will gut sein, aber sie fühlt sich nicht so.

    :für die ganze irre Expressivitzät des Eingangsabschnitts ist dieses „Sie will gut sein, aber sie fühlt sich nicht so“ viel viel zu schwach, und zwar in beiden Satzteilen. S o wirft der erste Abschnitt mit Kanonenkugeln nach Motten.

    Drei Menschen sitzen im Publikum, schauen sie an und schweigen.

    : Ein w i e d e r anderes Problem (sauschlecht besuchte Vorstellung), das sich vor das eigentliche schiebt und dann auch noch so kurz vorm Ende in die Erzählung gezerrt wird. Worum aber geht es? Um Versagen oder darum, daß eh keiner zuguckt? Ich würde mich auf die Versagensangst konzentrieren.

    Sie glauben ihr nicht. Sie spielt trotzdem. Weil sie muss. Muss sie?

    Die folgende Levitation ist an sich sehr schön, weil sie innig ist und viel Raum für die Vorstellung läßt, was zwischen der Angst dieser, ich sag mal, Schauspielerin, dem aufbrechenden Lampenfieber, denn das ist es ja, und der Liebessituation geschehen ist. Das gefällt mir. Dennoch ist der Bruch erzähltechnisch ein bißchen gewollt. Dazu kommt, daß die beiden letzten Sätze eigentlich das gleiche erzählen (d a s übrigens macht den Kitsch dabei, nicht etwa die End-Szene selber):

    Liebevoll hält er sie in seinen Armen. Sie spürt seinen Atem, ruhig und warm, an ihrem Ohr. Er hat die Schatten vertrieben.
    Lächelnd und geborgen schläft sie wieder ein.

  74. ANH | January 11, 2009 at 10:24 am | Permalink

    @ ren- waldo | January 10, 2009 at 12:10 am | Permalink | Edit

    Hm, der Text h a t einiges. Dennoch. Wäre es zuviel verlangt, gerade dort, wo eine assoziative Auflösung erreicht werden soll, g a n z genau mit den Satzzeichen zu sein? Das Problem bei Nonsense-Poetiken ist genau dieses, daß sie oft in all ihrer Offenheit völlig hermetisch werden und sich dem Leser darum entziehen. Das auch dann, wenn manche der Ideen wirklich hinreißend sind. Ich hatte sogar während des Lesens an manchen Stellen den Eindruck, es handele sich eigentlich um ein Langgedicht, vor allem, wenn Sie Zeilen unmittelbar in der Vorzeile abbrechen lassen, den Satz auf der nächsten Zeile aber weiterführen, nur daß Sie dort dann mit einem Großbuchstaben beginnen. Meine Irritation in dieser Hinsicht hilft dem Text nur nicht, denn zugleich liegt der Gedanke immer vorn auf der Hand, es sei einfach nur schlampig gearbeitet worden. Dieses Mißverhältnis zwischen möglicher Exaktheit und möglicher Schlampigkeit macht mir das Lesen schwer; kein Leser möchte auf eine solche Schippe genommen werden.
    Wiederum hat Ihre Technik auch etwas sehr Poetisches. Um das nicht untergehen zu lassen, mein Vorschlag mit den Satzzeichen.
    Im Einzelnen:

    Tee, Jasmin?
    - Du bist so blass, seit ein Pottwal in deiner Küche stand.

    :besser „ d e r Pottwal“, dann wird das nämlich als bekannt schon vorausgesetzt. Nebenfrage ist, ob ein Pottwal „stehen“ kann, vor allem in einer Küche; hier werden zwei Bilder, die real unmöglich sind, miteinander verbunden und erschlagen so gegenseitig das Bild.

    Das sei noch nie so gewesen Krampf-

    Was soll – grammatisch – das „Krampf“ am Ende, zumal sich das Stilmittel nicht wiederholt?

    adrig- blaues Festgewand

    :wieso „Gewand“, vor allem in Bezug auf diesen Nosferatu dann? (an wen denken Sie? an Murnau oder Coppola?)

    , du denkst- ich bin
    Nosferatu, der den bröselfreien Chili erfand.

    : Ist d e r Witz gut? Oder ist es plappernde Verlegenheit?

    Fand

    „erfand“/“fand“: wozu?

    sich wieder am Strand und hatte keine
    Sonnenmilch dabei.

    :Nosferatu?

    Als er sich in eine Nudel verliebte, meinten alle, das ginge

    :g e h e

    nicht gut

    Der Übergang zu „Sie waren (in?) Italien“ ist fein:

    Sie waren Italien, er hatte keinen Hut, ihr Vater

    wozu hier der Zeilenbruch?

    war ein versiffter Pornomillionär, der mit 91 den Rheumatismus besiegt hatte und in Flandern

    hier jetzt die plötzliche Großschreibung mitten im Satz:

    Sei keiner ausser ihm dabeigewesen und die Hölle nur ein Reisigbesen nachts um halb eins
    sei der Regen so haarig gewesen, sie hat die Welt noch nie anders, denn als aldente gesehen

    :schönes Bonmot

    ,
    genau wie Heribert ihr Onkel, der früher mal ihr siamesischer Zwilling gewesen war, aber darüber redet sie nicht – Zitrone?

    :g a n z fein, dieser Sprung in den zugrndeliegenden Dialog!

    -gern, also pass auf sie auf, sonst hetz ich die Kätzchen aus dem
    Frühjahrskatalog auf dich, denn als einmal ein toter Briefkasten um die Ecke meines Anwesens flog –
    log ich etwa

    wieso hier die Bewertung „log“, was ja einer Art Narrationsgeständnis gleichkommt? Es ist besser, Sie vermitteln das Gefühl, es ernst zu meinen.

    , als ich sagte der Mond sei Goebbels’ weißer Arsch und der Spatz dort auf dem Baum hätte

    habe

    eine Seemine verschluckt? Wahrscheinlich hast du recht, vielleicht bin ich verrückt, weil sie unser Leitungswasser mit Drogen verseuchen und der letzte, der versucht hat das Antlitz der Erde zu schauen wurde einem mutierten Mechatroniker

    :was ist das? Ich kann mir darunter rein nichts vorstellen.

    zum Fraß vorgeworfen,

    :Hier würde ich einen Punkt setzen. Unbedingt.

    denkst du etwa mir macht es Spaß diese Gliedmaßen

    :das Bild erschließt sich mir nicht. Welche/Wessen Gliedmaßen sind gemeint? Es kann natürlich sein, daß Sie die Satzglieder meinen. Das hätte Witz. Für die funktioniert aber das Wort „Gliedmaßen“ nicht.

    hier zu sortieren? Mir haben sie die Eingeweide durch Biermaische ersetzt, deshalb rieche ich wie ein Alki

    Wozu der Zeilenbruch?

    wäre auch lieber Testfahrer geworden, wie die Anderen aus meiner Einheit, stand aber zu viel vor dem Spiegel und wurde ganz seimig wegen all der Lobhudelei, weil ich einer Eisbärin Maisbrei aus der Ritze geschlotzt und gleichzeitig über das Wetter gemotzt habe

    :der zweite Grund ist zu klein für den ersten

    , gewann damals zwölf Mark in Bar

    dafür ist d a s wieder ein schöner Einfall:

    und war einer der führenden Scharfrichter, tolle Zeit war das, mein Lieblingsgerät war die Feder und später der fünfliter –Trichter.

    Ich würde an Ihrer Stelle einige der Einfälle auserzählen, ihnen die Möglichkeit geben, sich freizulaufen, statt vom Stöckchen aufs nächste Stöckchen zu hoppsen und wieder aufs nächste, wobei Sie auf den Stöckchen dann immer selber sitzen. Lassen Sie etwas mehr Aura zu, das heißt: lassen Sie sich selber auf Ihre Ideen ein, statt sie um des jähnächsten Einfalls willen einfach immer im Regen stehenzulassen.

  75. ren- waldo | January 14, 2009 at 12:53 am | Permalink

    Tee, Jasmin?
    - Du bist so blass, seit ein Pottwal in deiner Küche stand.
    Das sei noch nie so gewesen, krampf -adrig -blaues Festgewand, du denkst-
    Ich bin Nosferatu, der den bröselfreien Chili erfand,
    war mal wieder am Strand und hatte keine Sonnenmilch dabei,
    als er sich in eine Nudel verliebte, meinten alle, das gehe nicht gut,
    sie waren in Italien, er hatte keinen Hut,
    ihr Vater war ein versiffter Pornomillionär, der mit 91 den Rheumatismus besiegt hatte und in Flandern sei keiner ausser ihm dabeigewesen und die Hölle nur ein Reisigbesen nachts um halb eins
    sei der Regen so haarig gewesen, sie hat die Welt noch nie anders, denn als aldente gesehen,
    genau wie Heribert ihr Onkel, der früher mal ihr siamesischer Zwilling gewesen war, aber darüber redet sie nicht – Zitrone?
    Gern, also pass auf sie auf, sonst hetz ich die Kätzchen aus dem Frühjahrskatalog auf dich,
    denn als einmal ein toter Briefkasten um die Ecke meines Anwesens flog –
    Der Mond ist Goebbels’ weißer Arsch und der Spatz dort auf dem Baum hat eine Seemine verschluckt. Wahrscheinlich hast du recht, vielleicht bin ich verrückt, weil sie unser Leitungswasser mit Drogen verseuchen und der letzte, der versucht hat das Antlitz der Erde zu schauen wurde dem mutierten Mechatroniker* zum Fraß vorgeworfen.
    Denkst du etwa mir macht das Spaß all diese Glieder hier zu sortieren? Mir haben sie die Eingeweide durch Biermaische ersetzt, deshalb rieche ich wie ein Alki.
    Wäre auch lieber Testfahrer geworden, wie die Anderen aus meiner Einheit, stand aber zu viel vor dem Spiegel und wurde ganz seimig wegen all der Lobhudelei, weil ich einer Eisbärin Maisbrei aus der Ritze geschlotzt und gleichzeitig über das Wetter gemotzt habe, gewann damals zwölf Mark in Bar und war einer der führenden Scharfrichter, tolle Zeit war das, mein Lieblingsgerät war die Feder und später der fünfliter –Trichter.

    *Der Mechatroniker sitzt im Mittelpunkt der Erde in einem See aus flüssigem Karamell und wird von seinen Anhängern, auch bekannt als die Anderen, mit Menschen gefüttert die versucht haben das Antlitz der Erde zu schauen.
    Weil der Mechatroniker keine Zähne mehr hat, denn ersitzt ja in einem See aus Karamell,
    ist diese Art zu sterben besonders langwierig und qualvoll, aber auch sehr süß.
    Dass der Mechatroniker der Schöpfergott oder so was ähnliches sei, ist Quatsch, er sitzt einfach nur da und wird ausgewechselt, wenn er Risse bekommen hat.
    Die Geschichte vom mutierten Mechatroniker aber geht auf einen Unfall im Jahre 1984 zurück.
    Was damals passierte ist allerdings so unerhört und grausam, dass wir besser darüber schweigen, zumal gewisse Kreise ein Interesse daran haben, dieses Ereignis im Dunkeln zu halten.
    Jeder Mysterienverrat wird vom Orden mit Mord bestraft.

  76. Pierre Lachaise | January 24, 2009 at 3:39 pm | Permalink

    Walzer

    Jeder im Kleinen
    vollendete Reim
    fällt mit den Seinen
    dem Alten anheim.

    Jeder durch Schranken
    gebundene Vers
    mordet Gedanken
    und endet pervers.

    Jedes in Grenzen
    erzeugte Gedicht
    sühnt die Tendenzen
    der Zeit und zerbricht.

  77. kübel63 | January 27, 2009 at 1:01 pm | Permalink

    gefängnis

    amboß pulsuhr ahnen
    laut schlag eisen
    hammer eine stimme mono

    ton metalle splittern glut die nach
    kunft gleißt sich vorzurück
    ins moll gegossen vom

    stoß gesang im amboß schlag
    im mund kristall
    erspannte zeit die gerbt

    geschichtenhaut (altvordertakt)
    die lippen p i l g e r n sich entlang
    behaust sind hinter gitterstäben

    im fort und her gebeugten tag der folgt
    den längst verlassenen höhlen
    die schatten die sich lieder schmieden

  78. kübel63 | January 27, 2009 at 1:07 pm | Permalink

    bitte erste version wegen tippfehlers ignorieren.

    gefängnis

    amboß uhrpuls ahnen
    laut schlag eisen
    hammer eine stimme mono

    ton metalle splittern glut die nach
    kunft gleißt sich vorzurück
    ins moll gegossen vom

    stoß gesang im amboß schlag
    im mund kristall
    erspannte zeit die gerbt

    geschichtenhaut (altvordertakt)
    die lippen p i l g e r n sich entlang
    behaust sind hinter gitterstäben

    im fort und her gebeugten tag der folgt
    den längst verlassenen höhlen
    die schatten die sich lieder schmieden

  79. Konrad | January 29, 2009 at 9:50 pm | Permalink

    an Pierre Lachaise.
    Ihre letzte Strophe ist ein Widerspruch.! Die zwei davor auch! Der ganze “Walzer” verweist auf einen Streit, der nicht mehr interessiert. Eine Waise sozusagen?

  80. Pierre Lachaise | January 30, 2009 at 12:05 pm | Permalink

    @Konrad

    Das sind zunächst einmal leere behauptungen, wenn sie nicht begründet werden. Bitte also um Konkretisierung Ihrer Kritik.

  81. dahe | May 8, 2009 at 2:27 pm | Permalink

    An ANH:

    Vielen Dank für Ihre Anmerkungen; hier nun, nachdem etliche Zeit verstrichen ist (Kommentar 11 ff), endlich eine überarbeitete Fassung des Gedichts; musste einfach eine gewisse Distanz zu ihm gewinnen; keine Ahnung ob ich die Überladenheit ausmerzen konnte

    a fresco

    auf verbrämenden weiß:
    jede skizze wirkt dilettantisch im
    streiflicht deines zergleißenden
    konterfeis, eingebrannt in
    meine rastlose retina

    behutsam rühr ich
    das pastellbeige deiner rotgängerwangen
    im kalkwasser an und
    meine grünbesternte iris entwirft
    sinopievisionen einer nicht ortbaren
    zukunft aus zyprischer erde

    dein mavrodaphnebouquet, deine mandorla,
    dein schalkhafter erdbeerschmollmund:
    jede linie ist wie ein falsett auf
    der syrinx deiner blütenkelchfingerknochen, sie zieht
    emaillierte, klare konturen ins
    sfumato der sich zerstäubenden

    erinnerung: nichts anderes bleibt wenn
    der trocknende kalk den flimmernden
    chromfluss der farben bindet

    Anmerkungen:
    Bin mir bewusst, dass Star etymologisch nicht mit Stern verwandt ist.
    bin mir unsicher, ob die Kombination von Falsett und Syrinx störend wirkt; deshalb eventuell „misston“ anstatt „falsett“, obwohl ich bei letzterem das In-der-Schwebe-gehalten-Sein der Wertung bevorzuge

  82. Pink | July 25, 2011 at 8:48 pm | Permalink

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  83. srahtrmjt | July 26, 2011 at 9:10 am | Permalink

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  84. ckrpwxbmb | July 27, 2011 at 3:46 pm | Permalink

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  85. Debora | January 9, 2013 at 2:54 pm | Permalink

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  91. オンラインカ | June 6, 2013 at 8:39 pm | Permalink

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  92. オンラインカ | June 6, 2013 at 11:44 pm | Permalink

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