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Die vierte Aufgabe.

Novemberregen. Zwei Frauen im Café. Sie unterhalten sich. In einer Ecke fängt ein Mann von um die 35 leise zu weinen an, wirklich nur leise.

{ 274 } Comments

  1. Luka | October 29, 2008 at 1:14 pm | Permalink

    Zwei junge Frauen platzen in das Café. Sie lachen. sie albern. Knisternd bunte Tüten in ihren Händen. Sie nehmen einen Tisch in der Mitte des Raumes ein. “Zwei Kaffee flavored Amaretto, bitte.”, flötet die große Blonde dem Kellner zu.
    Der Mann im grauen Mantel sitzt am Rand. Seine Finger spielen mit der Zigarette, die er hier nicht rauchen darf. Die Wärme seines Kaffees beachtet er kaum. Aber ihm ist doch so kalt.
    Der Teppich der Geräuche decken ihn ein, übertönen die klänge seiner Gedanken. Fast.
    Die Frauen, ihre Münder, sie flirten, lächeln. Blicke werden in den Raum geworfen. Sie genießen die Bühne, die unterschwellige Aufmerksamkeit der anderen Menschen. Sie feiern, sich und ihre Freundschaft.
    der mann kommt von der Toilette zurück. Er sackt auf seinen Stuhl zurück. Die tiefen Furschen seines Gesichtes erzählen von seinen Sorgen. Nein, sie schreien davon. Doch er steht auf keiner Bühne.
    Aber es geht ihm doch so scheiße schlecht, verammt.
    Seine Hände reiben über die Stirn, über die Brauen, die Lider, die Wangen. Doch es lässt sich nicht wegreiben. Es prasselt an die Fenster.
    Kunterbunt der herausgekramte Inhalt der Plastiktüten. Keck schmücken sie ihre Zweisamkeit, ihr Gemeinsam-sein.
    rot. grün. gelb. Licht.
    Die Welt macht sich hübsch für sie.
    Den Regen bemerken sie gar nicht.

  2. Shoshannah | November 1, 2008 at 1:15 am | Permalink

    “Lass das.”
    “Du hast mich gefragt, jetzt kannst Du nicht sagen “das geht dich gar nichts an”.”
    “Kleena, hier passiert gerade mein ganz persönliches Tschernobyl.”
    “Du bist selbst Schuld, aber das weißt Du ja.”
    “Jaaah mann lass mich.”
    “Das Leben gehört den Lebenden an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.”
    “Hör mir auf mit Goethe. Pathetisches Geblubber, wie das Wetter. Geh zurück in Dein Zimmer und lies meinentwegen, ich geh mich alleine richten.”
    “Das ist selbstgerecht, Du sagst das, weil Du schwach bist, aber nicht scheitern willst. Scheiter doch endlich mal! Es ist jedesmal das Gleiche, und dann treffen wir uns hier und Du bist unglücklich, willst nichts hören aber eigentlich ja doch, trinkst Deinen Kompromissmilchkaffee.”
    Serena weiß nicht, was sie dazu sagen soll.
    “Besser mal verwirrt ein paar Abende weinend zuhause, als ständig verirrt. Immer nur machen machen machen, kein Innehalten. Was Du suchst, liegt nicht gezwungenermaßen da draußen.”
    Serena verschränkt die Arme und zieht ein bockiges Gesicht. Einer mit Hut, der mit dem Rücken zum Raum sitzt, summt kaum noch hörbar ‘ma con l’aure serene, tu te ne vai felice ed io qui piango’. Fabiola lehnt sich zurück, leert ihren caffè macchiato in einem Zug, mustert Serena über den Tassenrand hinweg und zündet sich keine Zigarette an. Beide wissen nicht, wohin sie schauen sollen mit ihren traurigen Gedanken, Serena wippt mit den Beinen und schält Mandarinen, die sie sich in ihrem Schoß liegend vorstellt, Fabiola fixiert den Summenden und versucht, die Melodie zu erkennen.
    “Was ist das für ein Lied?”
    “Mir doch egal. Frag halt.”
    Fabiola steht auf, setzt sich aber wieder hin, kramt umständlich in ihrer Tasche, drückt Serena 100 Euro in die Hand und legt fünf auf den Tisch.
    “Gehst Du oder wie?”
    “Ja, bis morgen. Nicht vergessen.”
    “Nein, nein. Bis dann.”

  3. maudit | November 2, 2008 at 12:52 am | Permalink

    Beim Gang durch das sämige Morgenlicht kommt die Erschöpfung. Der Blick peilt flüchtig und schreckt zurück vor den Spiegelflächen: auf der Glasscheibe eine Schrotgarbe Regentropfen und Konturen aus Mehltau. Der Anblick der entgeisterten Maske läßt ihn reißaus nehmen.

    Ihm drohen die Beine wegzubrechen. Er stakst noch einige Schritte, bis er in die Ecke sackt.

    Der Morgenbetrieb ist schon im Gang, tut so, als wäre nichts geschehen; Stimmen schwappen heran, der Getränkeautomat entläßt knallend seine Ladung.

    Als er die Augen wieder öffnet, bietet die Stoffrose Halt, auf dem Tischläufer läßt sich vorerst verweilen.

    Selbst das Vorübergleiten der Schatten ist ihm zuviel Berührung. Zu nah, viel zu nah setzen sich nun die beiden Frauen an einen Nebentisch. Nachgezeichnete Brauenstriche, höhensonnenbraune Haut, blitzende Nagelkrallen.

    Während er bestellt, fühlt er immer bestimmter den Pflock, der sich inwärts auswächst. Ein Verholzen der Kehle.

    Die beiden gehen hinaus, rauchen, schweigen mit verschränkten Armen, drehen den Fuß auf der Ferse und betrachten die Schuhspitze. Schon lange ist er begriffsstutzig geworden gegenüber den Bildern, die ihn selbst bei geschlossenen Agen bedrängen: Watte saugt sich mit Blut voll, hinterm Schutztuch murmeln Münder Fachsprache, ein panisches Herz schreibt mit zittriger Krakelschrift, Meter um Meter, auf die rotierende Papierrolle. Er starrt die beiden blöd an und wendet sich erst ab, als ihm die Glasfront zum Spiegel wird.

    Das Aushärten setzt sich subkutan fort, die Haut bildet einen Panzer, das Gesicht wird zur Rinde. War sein Minenspiel nicht schon längst zu schwerfällig angesichts der Ereignisse? Ist ihm nicht das Frischgebackenenlächeln zur Grimasse missraten?

    Die Weißgekittelten kehren zum Tisch zurück. Jetzt hat ihn eine der beiden wiedererkannt, berührt den Arm ihrer Kollegin, nickt zur Ecke hin, wo ihm hinter der Stoffrose prompt das verpatzte Lächeln mit tränennassem Gesicht gelingt. Sie lächeln zurück. Dann schallt es, als wollte es ihn wegblasen, wie aus einem einzigen Mundtrichter: Herzlichen Glückwunsch.

  4. ANH | November 3, 2008 at 8:31 am | Permalink

    @ Luka zu: „Zwei junge Frauen platzen in das Café.“

    Zwei junge Frauen platzen in das Café. Sie lachen.

    Groß schreiben:

    Sie albern.

    Weshalb die Satzverkürzung?; es ist kein Stilmittel, weil es außer dem anderen Mal noch da unten allein dasteht:

    Knisternd bunte Tüten in ihren Händen. Sie

    die Hände? Bezugsfehler.

    nehmen einen Tisch in der Mitte des Raumes ein. “Zwei Kaffee flavored Amaretto, bitte

    ohne diesen Punkt:

    .”, flötet

    hm, das ist ein Mittel der Trivialliteratur. Gemeint ist, daß sie es flötend sagt. Das ist aber etwas anderes, als ob sie es in der Tat flötet, also durch eine Flöte kundgibt. Man kann das freilich machen, flappsig formulieren, aber muß dann wissen, welche Richtung ein Text nimmt.

    die große Blonde dem Kellner zu.
    Der Mann im grauen Mantel sitzt am Rand. Seine Finger spielen mit der Zigarette, die er hier nicht rauchen darf. Die Wärme seines Kaffees

    : das ist unschön, die „Wärme seines Kaffees“, ungelenk. Außerdem gehen Sie jetzt plötzlich in seine Psyche hinein, ohne daß es eine leichthändige Überführung dahin gäbe. „Die Wärme seines Kaffees beachtet er kaum“ ist außerdem ungelenkt auch schon als Satz. Sie müssen hier konkretisieren.

    beachtet er kaum. Aber ihm

    Achtung, Kitsch! (es liegt an dem „doch“ in Verbindung mit „so“)

    ist doch so kalt.
    Der Teppich der Geräu(s)che decken

    :Grammatik. Wenn schon, dann „decken“. „Eindecken“ ist im Deutschen außerdem etwas anderes.

    ihn ein, übertönen die k(K)länge seiner Gedanken

    hm: daraus entsteht kein Bild, weil „die Klänge seiner Gedanken“ rein abstrakt, Klänge aber konkret sind, wenn man sie wahrnimmt. Außerdem: Vorsicht, prinzipiell, bei Genitivkonstruktionen, in denen ein Abstraktum an ein anderes Abstraktum gekoppelt wird.

    . Fast.
    Die Frauen, ihre Münder, sie flirten, lächeln. Blicke werden in den Raum geworfen. Sie

    die Blicke?

    genießen die Bühne, die unterschwellige Aufmerksamkeit der anderen Menschen

    : auch nur ungefähr erzählt. Man weiß, was Sie meinen, aber das reicht nicht in der Sprache

    . Sie feiern

    ist „feiern“ hier nicht, für einen solchen Anlaß, ein wenig zu groß?

    , sich und ihre Freundschaft.
    der m(M)ann kommt von der Toilette zurück

    :Es wurde nicht erzählt, daß er hinging. Das ist wichtig, wenn betont wird, daß er auf der Toilette war.

    . Er sackt auf seinen Stuhl zurück. Die tiefen Fur(s)chen seines Gesichtes erzählen von seinen Sorgen

    : das ist ein Nullsatz, reines Papier; dieses zu verdecken, kommt dann auch sofort wieder der Kitsch:

    . Nein, sie schreien davon. Doch er steht auf keiner Bühne.
    Aber es geht ihm doch so scheiße schlecht, ver(d)ammt.

    Okay. So k ö n n e n Sie erzählen, aber dann sollten Sie den entsprechenden Sprachduktur durch den gesamten Text ziehen, nicht nur hie und da.

    Seine Hände reiben über die Stirn, über die Brauen, die Lider, die Wangen. Doch es

    Was ist „es“?

    lässt sich nicht wegreiben. Es

    !!!!!

    prasselt an die Fenster.

    Und jetzt verkürzen Sie wieder den Satz. Wozu?:

    Kunterbunt der herausgekramte Inhalt der Plastiktüten.

    Wer hat was herausgekramt?

    Keck schmücken sie

    die Plastiktüten???

    ihre Zweisamkeit, ihr Gemeinsam-sein.
    r(R)ot. g(G)rün. g(G)elb. Licht.
    Die Welt macht sich hübsch für sie.

    Macht sich oder ist schon? Wenn sie sich erst hübsch m a c h t, wäre zu erzählen, wie.

    Den Regen bemerken sie gar nicht.

    : Dieses Ende ist eine moralische Halb-Pointe, die nicht sitzt.

  5. sirenomele | November 3, 2008 at 8:54 pm | Permalink

    @luka
    entschuldige, aber die wiederholten inkonsequenzen bzgl. der groß- und kleinschreibung und tippfehler lassen in mir tatsächlich etwas übelkeit aufkommen.

    >> Aber es geht ihm doch so scheiße schlecht, verammt.

    nicht mal ein zweites mal drübergeschaut??? — aber auch schon beim ersten mal nicht nachgedacht? warum springt denn die erzählperspektive zwischen innen- und aussensicht? (insbesondere bei dem mann) und warum bleibt da nichts übrig für die figuren ausser ironie? (insbesondere bei dem mann)

    >> Aber ihm ist doch so kalt.
    >>> Die tiefen Furschen seines Gesichtes erzählen von seinen Sorgen. Nein, sie schreien davon. Doch er steht auf keiner Bühne.

    ich denke mir: so dumpf und nichtssagend kann eine situation nicht einmal in der vorstellung sein, wie du sie zu beschreiben tendierst.

    sorry!

  6. Luka | November 4, 2008 at 10:11 pm | Permalink

    @ANH:

    Das Problem mit dem Kitsch ist mir schon beim Lesen der “Aufgabe” aufgefallen.. ich muss zugeben dass mir fast nur kitschige Bilder oder Klischees in den Sinn gekommen sind.
    Aber ich habe versucht (mich ausprobiert), quasi unter Zeitdruck zu einem vorgegebenen Thema zu schreiben, was ich vorher noch nie gemacht habe.
    Ich freue mich sehr über jede konstruktive Kritik, und entschuldige mich dafür, dass meine Umstelltaste ab und an wohl mal geklemmt hat. Kann ja mal passieren =)
    Aber an dem Text gibts ja eigentlich auch interessantere Dinge zu kritisieren, als die Groß- und Kleinschreibung.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Luka

  7. sirenomele | November 5, 2008 at 12:09 am | Permalink

    @ Luka

    ich habe übrigens nicht kritisiert, dass die groß- und kleinschreibung inkonsequent ist, sondern dass sich daran ganz explizit zu zeigen scheint, dass du nicht ein einziges mal selber korrektur gelesen hast — dass hinterfragung und selbstkritik überhaupt nicht stattgefunden hat — denn das meine ich auch, in deinem text zu lesen bzw. ich meine eben nichts finden zu können, was an dieser brüchigen und uneigentlichen darstellung literarisch interessant sein soll.

  8. zwieback | November 5, 2008 at 1:17 am | Permalink

    Novemberregentropfen, die an der Scheibe kleben bleiben, ergeben sich der Schwerkraft und ziehen andere Tropfen mit sich in die Tiefe.
    Die Außenbestuhlung des Cafés ist ordentlich aufgestapelt und mit einer Plastikplane und Stricken eingepackt wie große Geschenke. Der Wind nestelt hier und da an einem losen Eck wie ein ungeduldiges Kind vor Weihnachtsmorgen.
    Das kleine Café ist mäßig besucht. Nur wenige Menschen sind bei diesem Wetter unterwegs. Eine Gruppe deutscher Touristen sitzt in der Mitte des Raumes und unterhält sich in nörgelndem Jargon. Im hintersten Eck des Cafés, gleich neben dem Durchgang zu den Toiletten, hat sich eine junge Frau mit dem Rücken zum Raum niedergelassen und stillt ihr Kind. Links der Theke, am hintersten Tisch, kauert ein winterlich gekleideter Mann in einem voluminösen Wintermantel, den Schal bis zum letzten Rest um seinen Hals geschlungen und einer Mütze, die er so tief ins Gesicht gezogen hat, dass seiner Mimik die Augenbrauen fehlen. Das Kinn hat sich in den wollenen Wickel zurück gezogen und dem Gesicht bleiben nur Augen und Lippen, die nicht lächeln.

    „Felipe…“, ihr Gesicht war entstellt von Entsetzen und Wut, die die ganze Welt verdammte. „Pscht! Sei doch still“, hastig zog er sie durch den Türspalt ohne die Außenwelt einen Blick in den dahinter liegenden Raum erhaschen zu lassen. Kaum war die Tür wieder verschlossen, sank das Mädchen zu Boden und klammerte sich um seine Knie. „Wie konntest du nur? Das hättest du nicht tun müssen, keiner sagte du müsstest es tun…“. Tränen und Rotz verschmierten ihr die Lippen und einige Worte schlugen Blasen, die zerplatzten sowie sie ausgesprochen waren.
    „Annie, komm, steh auf. Steh auf.“ Zärtlich zog er sie zu sich hoch und schob sie sanft in den nächsten Raum, wo er ihr half, sich auf der Matratze nieder zu lassen. Sie sah sich im Raum um, sah die bezuglose Matratze, das kleine Dachfenster, das Nachtkästchen und den Stapel Bücher, der neben der Matratze aufgetürmt war. Doch wenngleich sie ihren Blick rastlos wandern ließ, schien nichts zu ihrem Geist vorzudringen. Endlich sagte sie: „Ich weiß, dass du deinen Namen in den Hut geworfen hast.“ Natürlich wusste sie es. Er hatte nicht erwartet, es ihr verheimlichen zu können. Aber er hätte es ihr vorher sagen müssen.
    „Annie, ich…bitte, Annie…“ Ihr Blick kehrte zu ihm zurück und fixierte ihn mit einer Heftigkeit, die ihm die Tränen in die Augen schießen ließ. Langsam richtete sie sich auf und wankte auf ihn zu. „Annie…“, presste sie zwischen ihren Zähnen hervor, „Rudolfe!“ ihre Stimme wurde laut und nahm einen verachtenden Ton an. „Ich scheiß auf Annie! Susanne und Felipe sollen wir sein!“ Die letzten Worte quälten sich mit solcher Inbrunst aus ihr hervor, dass ein erneuter Heulkrampf ihr weiteres Sprechen verhinderte und sie an Ort und Stelle zu Boden sank. „Bitte, Felipe, es ist noch nicht zu spät, lass uns fliehen…“ Doch es war längst zu spät. Er hatte sein Los gegeben, es lag nicht mehr in seiner Hand. Es ging nicht mehr um ihn.

    Zwei Frauen betreten das Café. Voran eine kleine rothaarige mit einer spitzbübischen Nase und einem schönen, vollen Mund. Sie lässt ihren Blick durch den Raum wandern und bleibt einen unmerklichen Augenblick an der eingemummten Gestalt im hintersten Eck hängen. Beide Frauen setzen sich an den freien Nachbartisch. Der vom mäßigen Betrieb träge gewordene Kellner löst sich unwillig von der Theke, wobei einige Härchen seiner Unterarme auf der klebrigen Platte zurück bleiben.

    Die Sonne ging gerade auf, gleichwohl das wegen des schlechten Wetters nur zu erahnen war. In der Dachkammer drang auch tagsüber kaum Licht durch die kleine Luke und jetzt war es in ihr stockdunkel. Doch seine Augen waren die Dunkelheit gewohnt. Susanne lag schlafend auf der Matratze. Ein kleiner Speicheltropfen hatte sich aus ihrem Mundwinkel gestohlen und war ihre Wange entlang auf das rote Kissen geronnen, wo er einen dunkelroten Fleck hinterließ, der sich langsam ausbreitete. Felipe war sicher, dass sie noch eine Weile schlafen würde. Dafür hatte er gesorgt. Er schob seine Hand in die rechte Manteltasche und holte ein fast volles Fläschchen Tranquilizer hervor, drehte es eine Weile zwischen seinen Fingern und verstaute es wieder in der Manteltasche. Er blickte auf das schlafende Mädchen, wollte sie streicheln, zog aber in letzter Minute die Hand zurück, als ginge ein unsichtbares Glühen von ihr aus, das es ihm unmöglich machte, sie zu berühren. Er sah sie noch eine Weile an, löste sich dann mit einem Ruck und drehte sich um, um zur Tür zu eilen. Kurz davor hielt er noch einmal inne. Er kehrte an den Schlafplatz zurück, holte das Fläschchen aus seiner Tasche und legte es in die leere Schublade des Nachtkästchens. Dann lief er hastig aus der Wohnung und stolperte die Treppen hinunter. Als er auf die Straße trat und versuchte seine Lungen mit der kalten Morgenluft zu füllen, schien er diese nicht mehr atmen zu können und er schnappte danach wie ein panischer Fisch an Land. Als er schließlich weiter ging, waren seine Schritte lautlos und doch schien ein jeder die Welt zum Beben zu bringen.

    „Wir zahlen gleich“, sagt die Frau, die zuvor gemeinsam mit der Rothaarigen das Café betreten hatte, zu dem Kellner und zieht einige Münzen und einen zerknüllten Geldschein aus ihrer Jackentasche, „Zusammen!“
    Eine Weile starren beide vor sich hin, während sie mit winzigen Löffeln Miniaturstrudel in ihren Espressotassen erzeugen.
    „Carmen bekommt ein Kind“ sagt schließlich die zweite Frau. Ihre Gesichtszüge sind von einer maskulinen Härte doch ihre Augen lassen eine außergewöhnliche Intelligenz erahnen, die ihr eine Attraktivität verleiht, die sich dem Betrachter nicht so plump ins Auge drängt, wie die der kleinen Rothaarigen, sondern erst auf den zweiten Blick wirkt. Ihre Lippen jedoch sind schmal und ausgeleiert, als hätten sie sich dem Druck des Lebens ergeben.
    „Ach ja?“ fragt die Rothaarige und das leichte Zittern in ihrer Stimme passt nicht zur Beiläufigkeit des Gesagten, „Weiß man, wer der Vater ist?“
    Nur für einen bleibt die Zeit kurz stehen und die ohrenbetäubende Stille, die einer Explosion voraus geht, erzeugt in ihm einen leichten Schwindel. „Rudolfe.“
    Beide Frauen legen den Löffel zur Seite und erheben sich vom Tisch um zu gehen. Während die zweite Frau aufsteht, bleibt ihr Blick einen unmerklichen Augenblick an dem des Mannes am Nebentisch hängen. Ein Ausdruck fegt über ihr Gesicht, den man ihren von Härte abgelederten Zügen nicht zugetraut hätte. Die gewohnte Kälte nimmt jedoch so schnell wieder ihren Platz ein, dass es zweifelhaft ist, ob dieser Blickaustausch wirklich stattgefunden hat.
    Dennoch war er ausreichend gewesen, um die glitzernden Spuren auf seiner Wange auszumachen, bevor die Frau sich umdreht und geht.

    Er nimmt den letzten Schluck von seinem längst kalt gewordenen Kaffe, schiebt sein Kinn zurück in den tränenfeuchten Schal und steht auf. Er schließt die Augen und spricht noch einmal ihren Namen aus, doch das sieht der Kellner nicht, der kurz von seiner Zeitung aufblickt, denn die Lippen des eingemummten Mannes werden vom Schal verdeckt.
    Dann drückt er den Knopf.

    Die Nachricht durchläuft sämtliche Medien und erreicht die internationale Presse mit der Meldung, dass unter den Opfern der Explosion auch deutsche Touristen zu beklagen seien.
    Erst zwei Monate später findet man die Leiche einer jungen Frau in einer spärlich eingerichteten Dachkammer am anderen Ende der Stadt. Der Geruch der verwesenden Leiche veranlasste einen der Hausbewohner dazu, die Polizei zu verständigen. Neben der Leiche wurde ein Fläschchen Beruhigungsmittel sicher gestellt. Die Polizei schließt ein Fremdverschulden aus.

  9. ANH | November 5, 2008 at 7:11 am | Permalink

    @ Shoshannah zu „Lass das“.

    Schön, daß Sie wieder dabei sind. Willkommen!
    Okay, zum Text:
    Mir ist die Pointe nicht ganz klar, auch nicht, wo das Geschehen stattfindet. Ich zeig Ihnen gleich bei den entsprechenden Zeilen, wo das Problem auftritt. Nicht klar ist mir des weiteren, wo der weinende Mann bleibt; der summende ist es ja wohl eher nicht, oder? Außerdem frage ich mich, da beide Protagonisten italienische Namen, weshalb das Gespräch auf Deutsch geführt wird; die Frage kommt aber allein, weil der Typ mir dem Hut italienisch singt; man muß annehmen, zumindest die Autorin versteht die Zeile; dadurch drängt sich die Autorin als stille Kommentatorin in einen Text, der eigentlich von der Oberfläche her – beobachtend, zuhörend – erzählt. Das ergibt einen Perspektivbruch, der sich in dieser knappen Erzählung nicht begründet.

    “Lass das.”
    “Du hast mich gefragt, jetzt kannst Du nicht sagen “das geht dich gar nichts an”.”

    Problem: „Laß das“ zielt auf eine Handlung; „das geht dich gar nichts an“ zielt aber auf ein Gespräch. Man müßte ausholen, um ein Gespräch als Handlung zu sehen.

    “Kleena, hier passiert gerade mein ganz persönliches Tschernobyl.”
    “Du bist selbst Schuld, aber das weißt Du ja.”
    “Jaaah mann lass mich.”

    Ich würde hier nicht „mann“, sondern „man“ schreiben, da ja beide Dialogpartner Frauen sind. Das „männliche mann“ stößt mir da ein wenig auf.

    “Das Leben gehört den Lebenden an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.”
    “Hör mir auf mit Goethe.

    Hm, das beide gleich s o gebildet sind….

    Pathetisches Geblubber, wie das Wetter.

    Das verstehe ich gar nicht. Inwiefern kann Wetter ein pathetisches Geblubber sein; schon „Geblubber“ selbst glaube ich nicht ganz, nicht einmal, wenn es dauerregnet. Die Gräusche sind einfach andere.

    Geh zurück in Dein Zimmer und lies meinentwegen, ich geh mich alleine richten.”

    Da die Betonung auf „alleine“ liegen muß, stört das verdoppelte „geh“. So knappe Texte wie dieser müssen restlos durchorganisiert sein, wenn sie sitzen sollen.

    “Das ist selbstgerecht,

    Der folgende Satz ist als zwischen den beiden gesprochener unglaubhaft, ist Papier:

    Du sagst das, weil Du schwach bist, aber nicht scheitern willst. Scheiter doch endlich mal! Es ist jedesmal das Gleiche, und dann treffen wir uns hier

    :: d a habe ich das Ortsproblem. Wenn sich die Traurige zurückiehen und „sich richten“ will, löst das die Vorstellung aus, daß sie ins Bad zuhause hineingeht, um sich zu waschen oder nur zu schminken oder meinetwegen, sehr weibliche Stategie der Problem„lösung“, nur das Haar wäscht. Nun verweist der Satz „treffen wir uns hier“ aber wieder auf ein Café, das ja auch Ausgangspunkt der Aufgabe war/ist.

    und Du bist unglücklich, willst nichts hören

    Komma

    aber eigentlich ja doch, trinkst Deinen

    das ist hübsch:

    Kompromissmilchkaffee.”

    Serena weiß nicht, was sie dazu sagen soll.

    : Das würde ich indirekt, nicht als Kommentar der Erzählerin, ausdrücken. DANN: Gerade im Zusammenhang mit der folgenden italienischen Zeile ist „Serena“ ein sehr bedeutungsvoller Name; das muß besser im Text zurückgebunden werden.

    “Besser mal verwirrt ein paar Abende weinend

    : also w i e d e r „zuhause“:
    zuhause, als ständig verirrt. Immer nur machen machen machen

    : nicht klar, worauf sich das bezieht.

    , kein Innehalten.

    Dann ein g u t e r Satz, wobei ich mir an Ihrer Stelle dieses „gezwungermaßen“ noch einmal überlegte.

    Was Du suchst, liegt nicht gezwungenermaßen da draußen.”

    Serena verschränkt die Arme und zieht ein bockiges Gesicht

    :“zieht ein bockiges Gesicht“ ist nicht schön als Formulierung, ist poetisch viel zu weit weg.

    . Einer mit Hut, der mit dem Rücken zum Raum sitzt, summt kaum noch hörbar ‘ma con l’aure serene, tu te ne vai felice ed io qui piango’

    :den müssen Sie danach stärker ans Geschehen binden, glaube ich. Nur, daß er von „l’aure serene“ singt, reicht da nicht, sonst ist der Mann zu durchschaubar als Jack in the box in die Szene gepflanzt.

    . Fabiola lehnt sich zurück, leert ihren caffè macchiato in einem Zug, mustert Serena über den Tassenrand hinweg

    : Achtung, Reihfolge. Wenn Sie ein „dabei“ in den Satz schieben, dann stimmt das mit Fabiolas Blick, aber nur dann.

    und zündet sich keine Zigarette an

    :wozu dieser Witz?

    . Beide wissen nicht, wohin sie schauen sollen

    doch: Sie erzählten ja eben, d a ß Fabiola es weiß. Hier stimmt die zeitliche Reihenfolge nicht.

    mit ihren traurigen Gedanken

    :weshalb auch Fabiola traurige Gedanken hat, wird nicht klar; sie ist doch eher über Serena ärgerlich, hatte es bisher den Anschein.

    , Serena wippt mit den Beinen und schält Mandarinen, die sie sich in ihrem Schoß liegend vorstellt

    :diese Verückung ins Irreale: welche Funktion hat das? Mir ist das auch als Metapher höchst unklar. Kann aber an mir liegen. Wie geht es bitte Ihnen, den anderen Lesern, hier?

    , Fabiola fixiert den Summenden und versucht, die Melodie zu erkennen.

    :auch seltsam. Man hört eine Melodie; erkennen verweist auf einen größeren Zusammenhang, der hier wenigstens als Rahmen genannt werden muß.

    “Was ist das für ein Lied?”
    “Mir doch egal. Frag halt.”
    Fabiola steht auf

    :schön!!!!!! da beginnt Handlung, Szene… aber leider wissen Sie nicht weiter:

    , setzt sich aber wieder hin, kramt umständlich in ihrer Tasche, drückt Serena 100 Euro in die Hand und legt fünf auf den Tisch.

    Die fünf Euro sind mir klar, aber was das mit den 100 Euro soll, ist ein erzählerisches Rätsel, bei dem man aber gar keine Chance, es zu lösen, bzw. will man es eigentlich auch nicht.

    “Gehst Du oder wie?”
    “Ja, bis morgen. Nicht vergessen.”

    Was vergessen? Das ist wieder sowas…

    “Nein, nein. Bis dann.”

    Dadurch verplätschert die Erzählung dann einfach, was ein bißchen ein schales Gefühl macht, weil man nicht recht weiß, weshalb man das alles eigentlich gelesen hat. Es ist wichtig, Leser „zu belohnen“, auch wenn die Belohnung in einem Schrecken oder einer Provokation besteht.

  10. ANH | November 5, 2008 at 7:17 am | Permalink

    @Luka (2).

    Aber an dem Text gibts ja eigentlich auch interessantere Dinge zu kritisieren

    Dann formulieren Sie bitte erst einmal im Sinn meiner Korrekturen - oder in einem anderen, Ihrem eigenen, um, und ich geh ein zweites Mal daran. Aber da muß dann erst einmal die Grundlage geschaffen sein.

  11. ANH | November 5, 2008 at 9:05 am | Permalink

    @ maudit zu: „Beim Gang durch das sämige Morgenlicht“.

    Beim Gang durch das sämige

    ich bin mir unsicher, ob „sämig“ hier gut gewählt ist, weil das Adjektiv eine taktile Eigenschaft beschreibt und eine Substanz. Auch wenn „opak“ ein wenig gesucht klingt, wäre es eher angemessen.

    Morgenlicht kommt die Erschöpfung. Der Blick peilt flüchtig

    :das „flüchtig“ unterstreicht einen Einwand, weil es eine bestimmte Form von Klarheit, fast Kühle voraussetzt, während der Blick in einem Sämigen doch zäh wäre, vielleicht sogar steckenbliebe.

    und schreckt zurück vor den Spiegelflächen: auf der Glasscheibe eine Schrotgarbe Regentropfen und Konturen aus Mehltau

    :auch das legt eher Durchsichtigkeit und Klarheit nahe.

    . Der Anblick der entgeisterten Maske

    : ist hier das eigene Gesicht gemeint?

    läßt ihn reißaus nehmen.
    Ihm drohen die Beine wegzubrechen

    :Prinzipiell: Diese Formulierung ist auch als eingefahrene grob schlampig, weil sie sagt, daß die Beine drohen. Tatsächlich gemeint ist aber, daß er „bedroht ist, daß ihm die Beine wegbrechen“, keine schöne Formulierung, gewiß, aber nicht so ungenau.

    . Er stakst noch einige Schritte, bis er in die Ecke sackt.

    :Paßt das bildlich, „stakst“ und „sackt“? Was läßt „sacken“ assoziieren und was „staken“? Klopfen Sie Ihre Bilder bitte ab.
    Der Morgenbetrieb ist schon im Gang

    : völlig papierene Formulierung.

    , tut so, als wäre nichts geschehen

    : ist dem Morgenbetrieb denn etwas geschehen, oder meinen Sie, es sei etwas im Morgenbetrieb, bzw. nebenher, geschehen?

    ; Stimmen schwappen heran

    : unschön, weil „schwappen“ zu „Stimmen“ nun wirklich nicht paßt

    , der Getränkeautomat entläßt knallend seine Ladung

    :das wiederum ist prima.

    .
    Als er die Augen wieder öffnet

    :hat er sie vorher geöffnet?, bietet die Stoffrose Halt, auf dem Tischläufer läßt

    es

    sich vorerst verweilen.
    Selbst das Vorübergleiten der Schatten ist ihm zuviel Berührung. Zu nah, viel zu nah setzen sich nun die beiden Frauen

    einfacher: „setzen sich zwei Frauen“ an einen Nebentisch.

    Nachgezeichnete Brauenstriche, höhensonnenbraune Haut, blitzende Nagelkrallen.
    Während er bestellt, fühlt er immer bestimmter den Pflock, der sich inwärts auswächst

    :aua. Gaaaaaaaanz unschön in dieser abstrakten Verwursteltheit. Ebenso das da:

    . Ein Verholzen der Kehle.

    Wir wissen, was Sie meinen. Aber die Sprache weiß es nicht.

    Die beiden gehen hinaus, rauchen, schweigen mit verschränkten Armen, drehen den Fuß auf der Ferse und betrachten die Schuhspitze

    :kann er das sehen, wenn er drinnen ist und die beiden draußen sind? Versuchen Sie, mit einem Satz das Areal zu beschreiben.

    . Schon lange ist er begriffsstutzig geworden gegenüber den Bildern

    : Papier.

    , die ihn selbst bei geschlossenen Agen bedrängen: Watte saugt sich mit Blut voll, hinterm Schutztuch murmeln Münder Fachsprache,

    Für was ist das Folgende ein Bild? Und: Stimmt es?::

    ein panisches Herz schreibt mit zittriger Krakelschrift, Meter um Meter, auf die rotierende Papierrolle. Er starrt die beiden blöd an und wendet sich erst ab, als ihm die Glasfront

    wieder (???)

    zum Spiegel wird.

    Das Aushärten setzt sich subkutan fort

    : also wirklich: Wenn die Kehle verholzt, ist das doch a u c h subkutan….

    , die Haut bildet einen Panzer

    :wieso die Haut? Die Verholzung findet doch – subkutan – u n t e r der Haut statt…

    , das Gesicht wird zur Rinde. War sein Minenspiel nicht schon längst zu schwerfällig angesichts der Ereignisse?

    :seltsam altkluge Rhetorik.

    Ist ihm nicht das Frischgebackenenlächeln zur Grimasse missraten?
    Die Weißgekittelten kehren zum Tisch zurück. Jetzt hat ihn eine der beiden

    : das wären, grammatisch bezogen, dann die Weißbekittelten. Was Sie aber ja wohl nicht meinen. Oder doch? Das verschwimmt hier.

    wiedererkannt, berührt den Arm ihrer Kollegin, nickt zur Ecke hin, wo ihm hinter der Stoffrose prompt das verpatzte Lächeln mit tränennassem Gesicht gelingt. Sie lächeln zurück. Dann schallt es, als wollte es ihn wegblasen, wie aus einem einzigen Mundtrichter: Herzlichen Glückwunsch.

    Hübsche Pointe.

  12. ANH | November 5, 2008 at 9:46 am | Permalink

    @ zwieback zu: Novemberregentropfen.

    Novemberregentropfen, die an der Scheibe kleben bleiben, ergeben sich der Schwerkraft

    : das finde ich als Motivations-Bild s e h r gesucht.

    und ziehen andere Tropfen mit sich in die Tiefe.
    Die Außenbestuhlung des Cafés ist ordentlich aufgestapelt und mit einer Plastikplane und Stricken eingepackt wie große Geschenke. Der Wind nestelt hier und da an einem losen Eck wie ein ungeduldiges Kind vor Weihnachtsmorgen.

    :in Deutschland jedenfalls ist Bescherung am Heilgabend, und die Geschenke liegen nicht schon morgens sichtbar fürs Kind herum. Meine ich jedenfalls. Wiederum wäre ein ungeduldiges Herumnesteln am (ersten) Weihnachtsmorgen ganz unnötig, weil die Bescherung ja schon vorabends w a r. Ich weiß nicht um die französischen Bräuche; da die Geschichte in Frankreich spielt, müßte das, falls die anders sind, ganz am Anfang schon klarsein.

    Das kleine Café ist mäßig besucht.

    Also ist das Folgende völlig redundant:

    Nur wenige Menschen sind bei diesem Wetter unterwegs.

    Einfach hier anschließen:

    Eine Gruppe deutscher Touristen sitzt in der Mitte des Raumes und unterhält sich in nörgelndem Jargon

    einen nörgelnden Jargon kenne ich nicht; Jargons sind dialektale Verschiebungen und nicht etwa Ausdruck-an-sich von Stimmungen.

    . Im hintersten Eck des Cafés

    „des Cafés“ ist unnötig.

    , gleich neben dem Durchgang zu den Toiletten, hat sich eine junge Frau mit dem Rücken zum Raum niedergelassen und stillt ihr Kind

    :auch hier Redundanz: da in Europa Frauen, die öffentlich stillen, an sich immer sitzen. Stünden sie, d a n n wäre eine Bemerkung dazu angebracht.

    . Links der Theke, am hintersten Tisch, kauert ein winterlich gekleideter Mann in einem voluminösen Wintermantel

    : absolut doppel, winterlich gekleidet u n d Wintermantel.

    , den Schal bis zum letzten Rest

    :höchst unschön.

    um seinen Hals geschlungen und einer Mütze

    :Grammatik???!!

    , die er so tief ins Gesicht gezogen hat,

    und das geht nun gar nicht; Mimik ist, was man sieht.

    dass seiner Mimik die Augenbrauen fehlen.

    Meinen Sie das ernst, daß de Gesicht nur Augen und Lippen bleiben? Was meinen Sie g e n a u?

    Das Kinn hat sich in den wollenen Wickel zurück gezogen und dem Gesicht bleiben nur Augen und Lippen, die nicht lächeln.
    „Felipe…“, ihr

    Wer ist „ihr“? Hier die Frage: Wie führt man Personen persönlich ein?

    Gesicht war entstellt von Entsetzen und Wut,

    s e h r kindlich:

    die die ganze Welt verdammte. „Pscht! Sei doch still“, hastig zog er sie durch den Türspalt ohne

    Viel zu abstrakt: „die Außenwelt“:

    die Außenwelt einen Blick in den dahinter liegenden Raum erhaschen zu lassen. Kaum war die Tür wieder verschlossen, sank das Mädchen zu Boden und klammerte sich um seine Knie. „Wie konntest du nur? Das hättest du nicht tun müssen, keiner sagte

    Komma. Und werden Sie sich für Nachsatz des Konunktivs klar: welchen Konjunktiv meinen Sie, also: was wollen Sie ausdrücken?

    du müsstest es tun…“. Tränen und Rotz verschmierten ihr die Lippen und einige Worte schlugen Blasen, die zerplatzten sowie sie ausgesprochen waren.

    : Wenn schon, dann ryhthmisch schöner: „ die, sowie sie ausgesprochen waren, zerplatzten.“

    „Annie, komm

    :dieses „komm“ würde ich streichen, um dem Satz drive zu geben.

    , steh auf. Steh auf.“ Zärtlich zog er sie zu sich hoch und schob sie sanft in den nächsten Raum, wo er ihr half, sich auf der Matratze nieder zu lassen

    :wieviele Räume hat dieses Café? Und: Es gibt eine Matratze darin? Ich komme hier und im folgenden mit der Aufgabenstellung ins Gehege.

    . Sie sah sich im Raum um, sah die bezuglose Matratze, das kleine Dachfenster, das Nachtkästchen und den Stapel Bücher, der neben der Matratze aufgetürmt war. Doch wenngleich sie ihren Blick rastlos

    : „rastlos“ streichen oder durch ein anderes Wort ersetzen.

    wandern ließ, schien nichts zu ihrem Geist vorzudringen. Endlich sagte sie:

    Jetzt wird es wirklich spannend, jetzt will ich mehr wissen:

    „Ich weiß, dass du deinen Namen in den Hut geworfen hast.“ Natürlich wusste sie es. Er hatte nicht erwartet, es ihr verheimlichen zu können. Aber er hätte es ihr vorher sagen müssen.
    „Annie, ich…bitte, Annie…“ Ihr Blick kehrte zu ihm zurück und fixierte ihn mit einer Heftigkeit, die ihm die Tränen in die Augen schießen ließ. Langsam richtete sie sich auf und wankte auf ihn zu. „Annie…“, presste sie zwischen ihren Zähnen hervor, „Rudolfe!“ ihre Stimme wurde laut und nahm einen verachtenden Ton an. „Ich scheiß auf Annie! Susanne und Felipe sollen wir sein!“ Die letzten Worte quälten sich mit solcher Inbrunst aus ihr hervor, dass ein erneuter Heulkrampf ihr weiteres Sprechen verhinderte und sie an Ort und Stelle zu Boden sank

    :ui, Sturm und Drang, Abteilung Biedermeier.

    . „Bitte, Felipe, es ist noch nicht zu spät, lass uns fliehen…“ Doch es war längst zu spät. Er hatte sein Los gegeben, es lag nicht mehr in seiner Hand. Es ging nicht mehr um ihn.

    Unklarer Ortswechsel:

    Zwei Frauen betreten das Café.

    Und eine schöne klare Beschreibung:

    Voran eine kleine rothaarige mit einer spitzbübischen Nase und einem schönen, vollen Mund. Sie lässt ihren Blick durch den Raum wandern

    : a u c h „rastlos“? Aufpassen bei solchen Wiederholungen.

    und bleibt einen unmerklichen

    :Augenblicke sind so kurz, daß „unmerklichen“ redundant wirkt.

    Augenblick an der eingemummten Gestalt im hintersten Eck hängen. Beide Frauen setzen sich an den freien Nachbartisch

    : das heißt, sie setzen sich ebenfalls ins hinterste Ecke oder doch f a s t hinterste Eck? Genau sein, bitte.

    . Der vom mäßigen Betrieb träge gewordene Kellner löst sich unwillig

    :auch „unwillig“ brauchen Sie hier nicht.

    von der Theke, wobei einige Härchen seiner Unterarme auf der klebrigen Platte zurück bleiben

    :also das ist Slapstick: weder könnte man das sehen, noch paßt die Bemerkung zum Character dieser Erzählung, noch auch wäre so etwas möglich: klebrige Tresen können nicht Haare ausreißen, es sei denn, Klebrigkeit meinte, sie seien mit Sekundenkleber verschmiert. Dann aber käme der Kellner überhaupt nicht weg da.

    Die Sonne ging gerade auf, gleichwohl das wegen des schlechten Wetters nur zu erahnen war

    :wozu schreiben Sie es dann? Zumal:

    . In der Dachkammer drang auch tagsüber kaum Licht durch die kleine Luke und jetzt war es in ihr stockdunkel

    :in der Luke?

    . Doch seine Augen waren die Dunkelheit gewohnt. Susanne lag schlafend auf der Matratze. Ein kleiner Speicheltropfen hatte sich aus ihrem Mundwinkel gestohlen

    :wieso „gestohlen“? Und dann noch: „sich selbst stehlen“… nee.

    und war ihre Wange entlang auf das rote Kissen geronnen, wo er einen dunkelroten Fleck

    :ein Speicheltropfen hinterläßt einen Fleck? Dann waren es mehrere Speicheltropfen, möcht’ ich meinen. Vor allem, wenn sich der Fleck auch noch ausbreitet:

    hinterließ, der sich langsam ausbreitete. Felipe war sicher, dass sie noch eine Weile schlafen würde. Dafür hatte er gesorgt. Er schob seine Hand in die rechte Manteltasche und holte ein fast volles Fläschchen Tranquilizer hervor, drehte es eine Weile zwischen seinen Fingern und verstaute es wieder in der Manteltasche. Er blickte auf das schlafende Mädchen, wollte sie

    :nee, gender hin, gender her, die Grammatik geht vor: „es“.

    streicheln, zog aber in letzter Minute

    : wieso „in letzter Minute“? Eine Minute ist für solch eine Regung sehr sehr sehr sehr sehr sehr lang.

    die Hand zurück, als ginge ein unsichtbares Glühen von ihr

    :von der Hand? Auf versehentliche Bezugsfehler achten!

    aus, das es ihm unmöglich machte, sie zu berühren. Er sah sie noch eine Weile an, löste sich dann mit einem Ruck und drehte sich um, um zur Tür zu eilen

    :unglaubwürdig, daß er plötzlich rennt, zumal in einer Dachkammer, die sich ja nun nicht durch enorme Entfernungen auszeichnen kann.

    . Kurz davor hielt er noch einmal inne. Er kehrte an den Schlafplatz zurück, holte das Fläschchen aus seiner Tasche und legte es in die leere Schublade des Nachtkästchens. Dann lief

    :abermals.

    er hastig aus der Wohnung und stolperte die Treppen hinunter. Als er auf die Straße trat und versuchte

    Komma

    seine Lungen mit der kalten Morgenluft zu füllen,

    völlig papierene Formulierung:

    schien er diese nicht mehr atmen zu können

    die Sie noch steigern:

    und er schnappte danach wie ein panischer Fisch

    UND: Vorsicht bei der Verwendung des Wortes „panisch“. Machen Sie sich klar, woher das Wort stammt und was es eigentlich meint.

    an Land. Als er schließlich

    :wieso „schließlich“?

    weiter ging, waren seine Schritte lautlos

    und jetzt aufpassen: Kitsch::

    und doch schien ein jeder die Welt zum Beben zu bringen.

    „Wir zahlen gleich“, sagt die Frau, die zuvor gemeinsam mit der Rothaarigen das Café betreten hatte, zu dem Kellner und zieht einige Münzen und einen zerknüllten Geldschein aus ihrer Jackentasche, „Zusammen!“

    Ich weiß nicht genau, warum, aber bei Frauen glaube ich zerknüllte Geldscheine in Jackentaschen nicht.

    Eine Weile starren beide vor sich hin,

    das jetzt ist eine hübsche Beobachtung:

    während sie mit winzigen Löffeln Miniaturstrudel in ihren Espressotassen erzeugen.

    „Carmen bekommt ein Kind“ sagt schließlich die zweite Frau. Ihre Gesichtszüge sind von einer maskulinen Härte

    :viel zu äußerlich (distanziert) beschrieben

    Komma

    doch ihre Augen lassen eine außergewöhnliche Intelligenz erahnen

    : die A u g e n??? - wie das???

    , die ihr eine Attraktivität verleiht, die sich dem Betrachter nicht so plump ins Auge drängt, wie die

    „die“, „die“, „wie die“ gleich hintereinander: unschön.

    der kleinen Rothaarigen, sondern erst auf den zweiten Blick wirkt. Ihre Lippen jedoch sind schmal und ausgeleiert

    :ausgeleiert??? Dazu muß man aber v i e l küssen, abgesehen davon, daß man dann erst recht feste Lippen bekäme. Verzeihung, aber das ist Geschwätz. Wie auch das da:

    , als hätten sie sich dem Druck des Lebens ergeben.
    „Ach ja?“ fragt die Rothaarige und das leichte Zittern in ihrer Stimme passt nicht

    Papier!:

    zur Beiläufigkeit des Gesagten, „Weiß man, wer der Vater ist?“
    Nur für einen

    Moment (?)

    bleibt die Zeit kurz stehen und die ohrenbetäubende Stille, die einer Explosion voraus geht

    :tut sie das? Tatsächlich? Immer? Darüber wüßte ich, wenn, dann mehr.

    , erzeugt in ihm

    „erzeugt in ihm“: Papier.

    einen leichten Schwindel. „Rudolfe.“
    Beide Frauen legen den Löffel zur Seite und erheben sich vom Tisch

    Komma

    um zu gehen. Während die zweite Frau aufsteht

    :Aufpassen. Die beiden stehen auf (gleichzeitig), dann kehrt die Erzählung nur zu einer zurück, deren Blick während dieses Vorgangs hängenbleibt…. Er blebt aber doch auch hängen, während die andere Frau aufsteht.

    , bleibt ihr Blick einen unmerklichen Augenblick an dem des Mannes am Nebentisch hängen. Ein Ausdruck fegt

    :wirklich „fegt“?

    über ihr Gesicht, den man ihren von Härte abgelederten

    :erst „ausgeleiert“, dann „abgeledert“, was, wenn man es ernst nähme, etwas ganz Furchtbares beschriebe.

    Zügen nicht zugetraut hätte. Die gewohnte Kälte nimmt jedoch so schnell wieder ihren Platz ein

    : Sie meinen, daß die Frau Mitleid empfindet, was man ihr eben nicht zugetraut hätte, daß der Blick warmherzig ist. Das müssen Sie dann aber anders erzählen, überhaupt erzählen.

    , dass es zweifelhaft ist, ob dieser Blickaustausch wirklich stattgefunden hat.

    Aber Sie haben doch erzählt, er h a b e stattgefunden…

    Dennoch war er ausreichend gewesen

    :abermals: er h a t stattgefunden. Wieso ist es dann zweifelhaft?

    , um die glitzernden Spuren auf seiner Wange auszumachen, bevor die Frau sich umdreht und geht.

    Das folgende „Er“ müßte in die Erzählung geerdet werden:

    Er nimmt den letzten Schluck von seinem längst

    :“längst“ streichen.

    kalt gewordenen Kaffe, schiebt sein Kinn zurück in den tränenfeuchten Schal

    :hatte er den Schal in der Zwischenzeit hinutnergeschobene?

    und steht auf. Er schließt die Augen und spricht noch einmal ihren

    :wessen?

    Namen aus, doch

    :wieso „doch“?

    das sieht der Kellner nicht, der kurz von seiner Zeitung aufblickt, denn die Lippen des eingemummten Mannes werden vom Schal verdeckt

    :auch diese – kausal erzählte – Bemerkung steht völlig leer da

    .
    Dann drückt er

    :wer?

    den Knopf.

    Die Nachricht durchläuft sämtliche Medien

    :papierene Anstraktion, erzählfern

    und

    :“und“: das inhäriert, daß die internationale Presse nicht zu „sämtlichen Medien“ gehört.

    erreicht die internationale Presse mit der Meldung, dass unter den Opfern der Explosion auch deutsche Touristen zu beklagen seien.
    Erst zwei Monate später findet man die Leiche einer jungen Frau in einer spärlich eingerichteten Dachkammer am anderen Ende der Stadt. Der Geruch der verwesenden Leiche

    :zweimal „Leiche“ hintereinander.

    veranlasste

    :d a n n Nachrichtenstil: „hatte veranlaßt“. Prinzipiell ist dieser Umschlag in ein Allgemeines eine allerdings gute Idee.

    einen der Hausbewohner dazu, die Polizei zu verständigen. Neben der Leiche wurde ein Fläschchen Beruhigungsmittel sicher gestellt. Die Polizei schließt ein

    :“ein“ streichen.

    Fremdverschulden aus.

  13. maudit | November 6, 2008 at 12:58 am | Permalink

    @ANH: Vielen Dank für die schonungslose Kritik! Sie führt mir ein weiteres Mal vor Augen, daß gerade meine ersten Anläufe immer noch am Verquasten, Verstiegenen kranken. Ein neuer, leider noch länger geratener Versuch:

    Er trat hinaus in das fahle Licht, zog die Tür sehr sacht hinter sich zu, dann schnappte der Riegel ins Schloß. Eine Weile verharrte er vor der geschlossenen Tür, hielt den Atem an, lauschte in die Stille. Schließlich schleppte er sich die Gangflucht hinunter und erreichte die Flurtür, die surrend aufschwang und ihn in den Morgen entließ.

    Ratlos starrte er auf die aufblinkenden und wieder verlöschenden Ziffern der Stockwerkanzeige. Er betrat den Aufzug erst, als die Tür sich wieder zuschob, sie packte ihn einen Moment lang, ließ ihn los, und er stolperte in die Kabine. Er sah sich vervielfältigt in den Spiegeln ringsum und nahm mit dem Wiederöffnen der Tür, begleitet von einem hellen Klingelton, reißaus.

    Unschlüssig sah er hinüber zur unbesetzten Rezeption, als gäbe es dort noch etwas zu regeln. Als sich die automatische Tür am Ausgang nicht sofort öffnete, machte er kehrt, ging zurück in die Vorhalle, hörte noch, wie sich nun die Türflügel aufschoben, und sank auf einen Stuhl in der Ecke.

    Stimmen weckten ihn; im Halbschlaf war ihm, als gälten sie ihm, als redeten sie in einem fort auf ihn ein. Sein Kopf lag auf der Tischplatte, der Blick peilte eine Blumenvase an, durch die er verschwommen zwei weißgekleidete Frauen am Nachbartisch ausmachte. Doch beachteten sie ihn nicht, redeten weiter, während sie aufstanden, und ehe er sich aufgesetzt hatte, waren statt ihrer da bloß noch zwei dampfende Kaffeetassen.

    Man hatte das Rollgitter vor dem Eingang zur Kasse hochgelassen, die Kaffeemaschinen schlürften und zischten, der Getränkeautomat entließ knallend seine Ladung. Als er bestellte, musste er die Worte herauspressen wie Klumpen. Und selbst als die Bedienung gegangen war, blieb das Gefühl, die Kehle wäre angefüllt mit Kieseln.

    Da bemerkte er, daß sein Gesicht naß war von Tränen, zugleich fühlte er Blicke auf sich gerichtet: Draußen, unter dem Vordach, rauchend, erschöpft von der Nachtschicht, stehen die beiden Frauen vom Nebentisch, sie blicken zu ihm hinüber durch die Glasfront, haben ihn wiedererkannt, öffnen und schließen übertrieben deutlich den Mund, rufen ihm tonlos zu: Herzlichen Glückwunsch!

  14. herr urian | November 6, 2008 at 2:52 am | Permalink

    Der Pfleger
    Er entleert den Urinbeutel in die Badewanne. Er wird sich an den Gestank gewöhnen, der aufsteigt und sich in seinen Schleimhäuten festkrallt. Gelbe Jauche auf seine Latexhandschuhe, partiell spritzt sie auf Baumwolle und Haut. Der Würgereiz eine Begleiterscheinung. Der Pfleger denkt an nichts.
    Er nimmt die Brause und reinigt die Wanne. Dann tritt er aus dem Bad und ans Krankenbett. Sich bückend befestigt er den Beutel daran. Vor ihm ein alter Körper, der abwechselnd röchelt und wirr vor sich hin murmelt.
    Der Pfleger zieht ihn aus, reibt ihn mit Seifenwasser ab und trocknet ihn. Die Stellen, an denen der Vaginalpilz wuchert, werden mit Salbe bedacht, der Körper dann in Kleider gesteckt.
    Nach Schichtende geht der Pfleger zu Fuß nach Hause. Es regnet und ist seit Tagen kalt. Die Steine sind nass und die Menschen in ihren Häusern, um nicht vom Regen durchtränkt zu werden. Das Dämmern ist längst vollzogen.
    Er geht an einer Sitzbank vorbei, denkt an den alten Mann von gestern, der auf ihr saß und die Stadt betrachtete. Dann durchquert er eine Hochhaussiedlung. Fußballtore auf einem Feld neben den Häusern. Ungenutzt. Schon schlammig der Rasen. Ein Wasserfilm nun auf der Jacke des Pflegers. Nieselregen in veränderter Form. Sein Gesicht wird gewaschen. Er fühlt sich reiner. Er geht ein paar Blocks weiter und betritt einen kleinen Park. Auch hier kaum Menschen. Nur einer führt einen nassen Hund umher.
    Am Ende des Parks ist ein Café, in dem der Pfleger öfters sitzt und wartet. Dort möchte er jetzt Tee konsumieren. Beregnet steht er vor den Scheiben und blickt in die beleuchtete Stube. Er sieht einige Gäste, die im vorderen Teil des Raumes sitzen. Sein Blick wandert weiter. Ein langer Moment, als er sie erblickt. Sie ist allgegenwärtig. Sie sitzt dort. An einem der Tische, die mittig stehen. Bei ihr eine Freundin. Er denkt nicht nach. Sein Bleiben steht fest. Er denkt daran, was sie gesagt hat. Es ist in seinen Lebenslauf geätzt.
    Der Pfleger schwankt zum Eingang. Sein Rücken schmerzt noch vom Heben. Er betritt das Café. Die Luft ist verraucht, der Raum vom Geklapper des Geschirrs erfüllt. Die Unterhaltungen der Gäste verhallen dumpf. Seine Schläfen pochen, aber sein Blick ist scharf. Dort hinten sitzt sie, ein paar Meter entfernt. Vergiss nicht, warum du hier bist, denkt er. Tee zu trinken. Herunterzufahren. Das, was gesagt wurde, hinauszudrängen. Dann steht er und betrachtet sie.
    Er verlässt die Starre und geht vorbei an der Theke. Es zieht ihn in die Ecke, in den Schutz von Pflanzen, deren Namen er nicht kennt. Sie kann ihn sehen, seit er drinnen ist. Der Tisch, an dem sie sitzt, liegt links von ihm. Der gerade Rücken ihrer Freundin. Sie selbst gegenüber. Beide sind jung, viel jünger als er. Vom Regen unberührt. Er versucht, seinen Schritten Entschlossenheit zu geben, und blickt zur Seite in ihr Gesicht. Ein zurückgesendeter Blick. Minimal, aber existent. Der Zeitpunkt ist wieder da, an dem die Verätzung stattfand. Das Geschehen wird singulär. Auch sie umfängt es kurz. Danach ist sie zurück in der Welt, die später kam. Sie redet ungetrübt fort. Der Pfleger geht vorüber.
    So gerichtet, dass sie im Augenwinkel verschwimmt, setzt er sich in die Ecke. Ein Tee wird bestellt, die Jacke vom Körper gestreift und zum Trocknen auf einen Stuhl gehängt. Sie will mich nicht mehr sehen, denkt er. Wirr murmelt er vor sich hin. Aus seiner Nase rinnt Schleim. Der Uringestank hat sich eingebrannt, ist konserviert vom früheren Abend. Er mischt sich mit Rauch. Der Pfleger denkt an sie. Die Augen sind genässt. Er atmet schwerer. Dann der Würgereiz.
    Die Bedienung trägt ein Tablett in die Ecke und kehrt danach zur Theke zurück. Das leise Schluchzen ist zu hören, wenn man nah heran geht an den hintersten Tisch. Dort sitzt ein Mann über eine Tasse gebeugt. Er betrachtet den Dampf. Manchmal regt sich ein Finger, doch der Blick ruht weiter. Sein Haar ist frisch und noch nass vom Regen. Die formenden Lippen in steter Bewegung. Sein Gesicht liegt da und ist alt.

  15. ANH | November 6, 2008 at 2:38 pm | Permalink

    @ maudit zum nächsten Versuch:

    Das ist schon sehr viel besser; die Länge spielt in diesem ihrem „Fall“ keine Rolle, ich sehe das g e rn e durch. Also:

    Er trat hinaus in das fahle Licht, zog die Tür sehr

    : s e h r schön hier eingesetzt, dieses „sehr“; die Verdoppelung zu „sachte“ ist in diesem Fall n i c h t redundant, sondern macht aus einem Banal-Idiom eine Bewegung. Gefällt mir.

    sacht hinter sich zu, dann schnappte der Riegel ins Schloß

    :Nein! Härter werden. Ganz einfach, mit Kamma angereiht: „der Riegel schnappte ins Schloß“. Und WUMM! steht die Szene.

    . Eine Weile verharrte er vor der geschlossenen Tür, hielt den Atem an, lauschte in die Stille

    :d a s ist redundant. Wenn er in die Stille lauscht, m u ß er ja den Atem anhalten, das denkt man als Leser sowieso mit; wenn Sie das also noch dazuschreiben, daß er den Atem anhält, dann wirkt das auf den Lesefluß retardierend.

    . Schließlich schleppte er sich die Gangflucht

    :wieso Gangflucht?

    hinunter und erreichte die Flurtür, die surrend aufschwang

    :die folgende Personifierung über Aktivität eines Dinges (der Flurtür) würde ich streichen. Daß es morgens ist, sollte, wenn nötig, bereits ganz oben klarwerden, etwa bei dem fahlen Licht.

    und ihn in den Morgen entließ.
    Ratlos starrte er

    : Einfach nur::: „Er starrte auf die…“, damit schieben sie die Szene näher in die Leser hinein.

    auf die aufblinkenden und wieder verlöschenden

    : insgesamt unnötig kompliziert. Sie ziehen zusammen „aufleuchten“ und „verlöschen“, machen aber aus dem ersten Wort ein Aufblinken, obwohl „aufleuchten“ und „verlöschen“, zusammengenommen, einfach nur „Blinken“ s i n d.

    Ziffern der Stockwerkanzeige. Er betrat den Aufzug erst, als die Tür sich wieder zuschob, sie packte

    :“packen“ ist nicht das richtige Wort; wer gepackt wird, wird, zumindest teilweise, umfaßt; genau das geschieht bei Aufzugtüren aber nicht, man wird allenfalls erfaßt.

    ihn einen Moment lang, ließ ihn los

    :ungenau erzählt. Tatsächlich öffnet sich die Tür einfach wieder, wegen der Lichtschranke oder einem Berührungssensor.

    , und er stolperte in die Kabine. Er sah sich vervielfältigt in den Spiegeln ringsum

    :hier würde ich meine Leser nicht für dumm halten; wenn Sie schreiben, daß er sich verfielfältig sieht, dann setzt das Spiegel einfach voraus.

    und nahm mit dem

    unschön:

    Wiederöffnen der Tür, begleitet von einem hellen Klingelton

    :grammatisch heißt das, daß e r von einem hellen Klingelton begleitet ist; Sie meinen aber, daß der Vorgang des Türöffnens davon begleitet ist.

    , reißaus

    :seltsam kindlich-burschikoses Wort hier.

    .
    Unschlüssig sah er hinüber zur unbesetzten Rezeption, als gäbe es dort noch etwas zu regeln

    :Nö. „Unschlüssig“ reicht, weil es die von Ihnen noch ausgeschriebene Überlegung impliziert.

    .. Als sich die automatische Tür am Ausgang

    :hier kommt man etwas mit den Türen durcheinander; das wird nicht besser dadurch, daß sie die andere Tür „verorten“; es wird nur schwerfällig.

    nicht sofort öffnete, machte er kehrt, ging zurück in die Vorhalle, hörte noch, wie sich nun

    : „nun“ kann weg.

    die Türflügel aufschoben, und sank auf einen Stuhl in der Ecke.
    Stimmen weckten ihn; im Halbschlaf war ihm, als gälten sie ihm, als redeten sie in einem fort auf ihn ein. Sein Kopf lag auf der Tischplatte

    :das Bild stimmt nicht, wenn er zuvor in einen Stuhl gesunken ist.

    , der Blick peilte

    :unpassende Wortwahl, „anpeilen“.

    eine Blumenvase an, durch die er verschwommen zwei weißgekleidete Frauen am Nachbartisch ausmachte:

    :das geht nicht. Entweder die Blumenvase steht so nah vor seinen Augen, daß er sie schon deswegen nicht anpeilen kann, oder aber sie steht so weit weg, daß er die Szene durch sie nicht sehen kann.

    . Doch beachteten sie ihn nicht, redeten weiter, während sie aufstanden, und ehe er sich aufgesetzt hatte, waren statt ihrer da bloß noch zwei dampfende Kaffeetassen:

    : „waren statt ihrer da“: Stelzung.

    .
    Man hatte das Rollgitter vor dem Eingang zur Kasse hochgelassen

    :Ja! Hier treffen Sie die Szene, und man hat sie sofort vor Augen.

    , die Kaffeemaschinen schlürften und zischten, der Getränkeautomat entließ knallend seine Ladung. Als er

    :Bezugsfehler: der Getränkeautomat „bestellt“? Nö, oder?::

    bestellte, musste er die Worte herauspressen wie Klumpen

    :mit dem nachgestellten „wie Klumpen“ wird das selber klumpig…

    . Und selbst

    :wieso „und selbst“?

    als die Bedienung gegangen war, blieb das Gefühl, die Kehle wäre

    :falscher Konjunktiv. „Sei“ wäre (!!!) richtig; nämlich: w e n n Sie es geschrieben hätten. AN ALLE: Bitte sprechen Sie mich am nächsten Mittwoch auf den deutschen Konjunktiv an; ich mach dann mit Ihnen einen Crashcurs; dauert höchstens eine halbe Stunde, und Sie haben es alle gefressen.

    angefüllt mit Kieseln.
    Da bemerkte er, daß sein Gesicht naß war von Tränen

    :Nein! Er bemerkt, daß sein Gesicht naß ist, das ja; dann lassen Sie ihn einen Moment verwundert, dann erst merkt er, daß er geweint hat. Eine solche Szene müssen Sie dramatisch aufladen, nicht hysterisch, nicht pathetisch, aber man muß die Überraschung, vielleicht auch den Schreck des Protagonisten spüren.

    , zugleich fühlte er Blicke auf sich gerichtet: Draußen, unter dem Vordach, rauchend, erschöpft von der Nachtschicht, stehen

    :hier ist mir die Funktion des Tempuswechsels unklar. Prinzipiell wäre es ein historisches Präsenz; nur wozu wenden Sie es hier an?

    die beiden Frauen vom Nebentisch, sie blicken zu ihm hinüber durch die Glasfront, haben ihn wiedererkannt, öffnen und schließen übertrieben deutlich den Mund, rufen ihm tonlos zu: Herzlichen Glückwunsch!

    Ein bißchen hinkt die Pointe aber doch, einfach, weil man sich erst etwas umständlich erklären muß: der Typ hat Geburtstag, ist aber ganz allein, worüber er ins Weinen kommt; zwei Frauen erkennen ihn, erinnern ihn und… na ja: gratulieren. Die prinzipielle Frage aber ist: Ist das ein erzählenswertes Ereignis, bzw., ist es das s o?

  16. read An | November 6, 2008 at 3:11 pm | Permalink

    dort im café, novemberregen

    ein mann betritt das café, gerne hätte er einen handstand gemacht damit ihm keiner auf die füße schauen konnte, doch dann wäre ihm sein hut heruntergefallen. zimmermann, dachte er, das wollte ich einmal werden, nur keiner sollte ihm sagen: schuster bleib bei deinen leisten. zuhause, da zittern die pappeln im elektrischen rieseln vor dem grünen sofa, von dort kam er gerade her, durch den regen. er bestellt sich einen kaffee, schwarz. zwei frauen schauen zu ihm herüber, so als hätten sie ihn nicht bemerkt. zehnfach aufgefächert verstecken sie das gespräch hinter ihren händen, die scheuklappen der neugier im gesicht. das fenster beschlägt von innen, die feuchte luft kondensiert kleine milchige tropfen. er schließt die augen. die menschen auf der straße, sie bestehen nur noch aus dem geräusch ihrer geschäftigen schritte auf dem asphalt. er stellt sich vor wie es wohl wäre in den schuhen eines anderen zu laufen…

  17. Eckie | November 6, 2008 at 4:04 pm | Permalink

    Regen

    Es regnet. Die Straßen stehen schon unter Wasser und es ist kein Ende des Regens in Sicht. Ein eisiger Wind fegt um die Häuser. Viel ungemütlicher könnte es kaum sein. Ein Mann kommt aus einer Tür. Er schaut nach oben. Regen tropft ihm ins Gesicht. Er hat keinen Schirm bei sich. Also läuft er ohne los und ist schon nach den ersten paar Schritten völlig durchnässt. Er hat es nicht eilig. Drei Leute mit geöffneten Regenschirmen rennen auf ihn zu. Sie rempeln ihn an und hasten vorbei. Er dreht sich nicht nach ihnen um, beschwert sich nicht, sondern setzt seinen Weg weiter fort. Dabei scheint er kein festes Ziel zu haben.
    Als er an einem Café vorbeikommt hält er Inne, denkt kurz nach und tritt ein. Er sucht sich einen Tisch in einer Ecke, hängt seine Jacke über die Stuhllehne und wartet. Das Café ist fast leer. Der Kellner lässt sich trotzdem Zeit. Der Mann bestellt einen Kaffe, ohne den Kellner dabei anzuschauen. Als der sich an die Arbeit macht, starrt der Mann gedankenverloren an die Wand.
    Zwei Frauen reißen die Tür des Cafés auf. Ein kalter Windhauch kommt mit ihnen herein. Sie setzen sich an die Bar und unterhalten sich etwas zu laut über Belangloses. Sie bestellen, als der Kellner ihnen endlich seine Aufmerksamkeit schenkt und tratschen weiter.
    Der Kellner bringt dem Mann seinen Kaffe. Der bedankt sich erst, als der Kellner die Bar fast schon wieder erreicht hat. Der Mann umfasst seine Tasse mit beiden Händen und starrt weiter vor sich hin. Plötzlich fängt er an zu schluchzen. Aber nur ganz leise. Von draußen trommelt der Novemberregen gegen die Fenster.

  18. Eckie | November 6, 2008 at 4:08 pm | Permalink

    Im Café an der Ecke

    Es ist vier vor fünf. Das Café an der Ecke ist fast leer. Nur zwei Tische sind besetzt. Normalerweise gibt es hier kaum freie Plätze. Nicht mal als es plötzlich kalt wurde ist die Kundschaft ausgeblieben. Aber der nasskalte Novemberregen, der seit gestern eingesetzt hat, verdirbt den meisten Leuten die Lust vor die Tür zu treten. Die Straßen sind wie leergefegt. Alles wirkt trist und verlassen. Die aufkommende Dunkelheit verbessert die Stimmung nicht gerade. Nicht einmal vor dem sonst so ausgeglichenen Café-Geschehen macht die aufkommende Melancholie Halt. Der Regen prasselt unaufhörlich gegen die Scheibe. Der Wind pfeift um die Ecken. Nicht einmal die hochgedrehte Heizung kann verhindern, dass die Kälte von draußen auch ins Café hereinkommt.
    Ein Mann, etwa Mitte 30, hat sich in die letzte Ecke des Cafés verzogen. Er starrt vor sich hin. Man sieht in seinem Blick, dass seine ganze Aufmerksamkeit seinen Gedanken gilt. Was um ihn herum passiert nimmt er nicht wahr. Nicht einmal den Streit zwischen den zwei Frauen in der Mitte des Cafés bekommt er mit. Sie zischen sich gegenseitig an und plötzlich steht eine der beiden auf, knallt das Geld für ihren Kaffe auf den Tisch und stürmt aus dem Café. Hinein in den strömenden Regen. Genau in diesem Moment fängt der Mann in der Ecke an zu weinen. Aber nur ganz leise. Niemand weiß warum.

  19. ANH | November 6, 2008 at 4:32 pm | Permalink

    @ herrn urian zu Der Pfleger

    Sie haben auf jeden Fall, spür ich, etwas zu erzählen. Das changiert zwischen Sozialerfahrung und Innenschau, wie sich aus diesem Text ablesen läßt. Ich würde an dem Sujet auch noch etwas bleiben an Ihrer Stelle. Nur: Versuchen Sie, dem Text drive zu geben, und überhochmetzen Sie ihn nicht durch „Bedeutungskonstruktionen“; was Sie erzählen - die Geschichte “an sich”, trüge auch so. Aber ihre Bilder und Erklärungen sind ungenau, bisweilen falsch, bisweilen richtig schief. Dazu: Wenn Sie verkürzte Sätze als Stilmittel nutzen, dann müssen Sie ein Gefühl davon bekommen, wo das angebracht und wo es das nicht ist; ich gehe gleich an den Beispielen darauf ein.
    Bei der Szene im Café werden die Schwächen dann besonders deutlich. Auch das begründe ich unten.
    So:

    Er entleert den Urinbeutel in die Badewanne

    :“entleeren in“ geht nicht; entweder „leert in“ oder „entleert“.

    . Er wird sich an den Gestank gewöhnen

    :woher weiß er das? Wenn Sie paar Zeilen drunter schrieben, der Pfleger denke an nichts, dann i s t er im übrigen längst dran gewöhnt.

    , der aufsteigt und sich in seinen Schleimhäuten festkrallt

    :warum dieses expressionistische Wort? Unnötig, die Sache ist bitter genug.

    . Gelbe Jauche

    :wirklich „Jauche“? Und wozu die Satzverkürzung, wenn Sie danach d o c h wieder „spritzt auf“ schreiben?

    auf seine Latexhandschuhe,

    überdies ist das nächste Wort völlig weg von der Szene:

    partiell spritzt sie auf Baumwolle und Haut. Der Würgereiz eine Begleiterscheinung

    :schlechter, äußerlicher Satz; er wäre es selbst dann, wenn das „ist“ noch darinnenstünde; s t ü n d e es noch darinnen, dann wäre es eine Erklärung und als solche überflüssig. Denn was erklärte sie, das man nicht schon vorher wüßte?

    . Der Pfleger denkt an nichts.
    Er nimmt die Brause und reinigt die Wanne. Dann tritt er aus dem Bad

    :seltsam komisch, als träte er aus der Wanne

    und ans Krankenbett:

    so nahe befindet sich die Wanne am Bett? Glaub ich nicht.

    . Sich bückend

    :Nein! Sondern „Er bückt und“ oder „Er bückt sich, wobei er…“

    befestigt er den Beutel daran. Vor ihm ein alter Körper

    :das Problem hier ist ein indirektes gender-Problem; ich assoziiere nämlich sofort einen männlichen Körper.

    , der abwechselnd röchelt und wirr vor sich hin murmelt

    :der ganze Körper? Nein, das ist ungenau, fast schlampig formuliert.

    .
    Der Pfleger zieht ihn

    :hier wäre „den Körper“ statt „ihn“ gut; deshalb vorher klarmachen, daß es sich um eine Frau handelt.

    aus, reibt ihn mit Seifenwasser ab und

    : „und“ streichen; kommentarlose Aufzählungen machen die Schilderung härter.

    streichentrocknet

    :schlechter Neologismus.

    ihn. Die Stellen, an denen der Vaginalpilz wuchert

    : Göttin, sind Sie prüde! Sorry. „Die Stellen, an denen“… - nee.

    , werden mit Salbe bedacht

    : „bedacht“? (Guten Abend, Gute Nacht, mit Nädlein besteckt, mit Röslein bedacht…)

    , der Körper dann

    : wann sonst?

    in Kleider gesteckt

    : nachlässiges Bild. Wenn man einen Körper in Kleider steckt, dann sieht das anders aus. Er ist dann mindestens schon leichenstarr. Stellen Sie sich das mal bildlich vor, bevor Sie es schreiben. Wer je Babies gewickelt hat, weiß das; bei alten Menschen kommt die Scham hinzu und eine quasi rheumatische, oft tatsächlich rheumatische Sperrigkeit der Gliedmaßen: die sind aber nicht „der Körper“ als Pluralwort – nicht, wenn man sie bekleidet.

    .
    Nach Schichtende

    :das wiederum ist als harter Schnitt sehr gut; überhaupt ist auch „der Pfleger“ sehr gut in dieser entfremdeten Betrachtung durch ein Wort.

    geht der Pfleger zu Fuß nach Hause. Es regnet und ist seit Tagen kalt.

    :Tempo gewinnen: „Es regnet. Es ist seit Tagen kalt.“

    Die Steine sind nass und die Menschen

    sind (wichtig: hier die Subjekte trennen)

    in ihren Häusern, um nicht vom Regen durchtränkt zu werden

    :wirklich? Nur deshalb? Oder nicht auch, weil sie etwas essen und mit ihren Lieben beisammensein oder weil sie fernsehen usw wollen? Abermals: Genauigkeit bitte, hier: Genauigkeit der Einfühlung. - Und jetzt kommt ein g a n z schlechter Satz:

    . Das Dämmern ist längst vollzogen.

    Wieso derart verabstrahiert?

    Er

    :das bezieht sich eigentlich sogar auf den Regen, grammatisch. Ruhig mal den Protagonisten wieder aufnehmen.

    geht an einer Sitzbank vorbei, denkt an den alten Mann von gestern

    Im Folgenden ein wenig erzählerischer werden, bitte (denken Sie daran, daß Leser auch verführt werden müssen weiterzulesen):

    , der auf ihr saß und die Stadt

    :die ganze Stadt? Echt? Von einer Parkbank aus? Und woher – und wer – weiß er – welcher er auch immer – das? Hier haben Sie sich indirekt ein Perspektivproblem ins Haus geholt.

    betrachtete. Dann durchquert er eine Hochhaussiedlung:

    :Vielleicht den Raum noch etwas auffächern, damit man in Gedanken konkret mitspazieren kann.

    . Fußballtore auf einem Feld neben den Häusern

    :Welche Funktion hat die Satzverküzung?

    . Ungenutzt. Schon

    : „schon“???? Wenn es seit langem regnet?

    schlammig der Rasen. Ein Wasserfilm nun

    : „nun“? Wieso „nun“? Und abermals: Funktion der Satzverkürzung abfühlen.

    auf der Jacke des Pflegers

    :auf wessen sonst?

    . Nieselregen in veränderter Form

    :also „in veränderter Form“, zumal immer noch Nieselregen, ist inhaltsloses Wortgeklingel.

    Sein Gesicht

    :Wessen? Das des Regens? Bezugsfehler.

    wird gewaschen. Er fühlt sich reiner. Er geht ein paar Blocks weiter und betritt einen kleinen Park.

    :Das ist jetzt ein zweiter Park? Dann ein „abermals“ oder dergleichen einfügen.

    Auch hier kaum Menschen. Nur einer führt einen nassen Hund umher.
    Am Ende des Parks ist ein Café, in dem der Pfleger öfters sitzt und wartet. Dort möchte er jetzt Tee konsumieren

    : „konsumieren“!!!!! Unsinnlicher geht’s nicht.

    . Beregnet

    :Logisch, davon wird doch die ganze Zeit schon erzählt.

    steht er vor den Scheiben und blickt in die beleuchtete Stube

    : hm. Gaststube, klar. Aber ich bin mir unsicher, ob „Stube“ bei einem Cafè der richtige Ausdruck ist.

    . Er sieht einige Gäste, die im vorderen Teil des Raumes sitzen.

    :Das entknoten Sie mal in ein einfaches: „Einige Leute sitzen im vorderen Teil“ - aber auch das hätte nur Sinn, wenn n u r im vorderen Teil einige Leute säßen.

    Sein Blick wandert

    : „wandert“: also ein r i e s i g e s Café. Nee, wohl nicht. Sondern Wortgeklingel.

    weiter. Ein langer Moment, als er sie erblickt.

    :Hier funktioniert die Verkürzung nun g a r nicht. Oder aber der Satz müßte zu ganz ganz wenigen gehören, die Sie verkürzen. Dann hätte er Bedeutung.

    Sie ist allgegenwärtig.

    :Was sagt das? Wem allgegenwärtig? Eine allen Allgegenwärtige? Oder eine, die für ihn, speziell diesen Pfleger, eine große Bedeutung hat? Dann müßte sie aber s o, für ihn, eingeführt werden.

    Sie sitzt dort.

    :Na klar, wenn er sie erblickt.

    An einem der Tische, die mittig stehen

    :hier gerate ich wiederum ins vorstellende Schleudern. Was ist ein „mittig stehender“ Tisch? Schon klar, was Sie meinen. Aber sagen Sie es?

    . Bei ihr eine Freundin. Er denkt nicht nach.

    :Bitte ein anderes Bild dafür wählen. Und den folgenden Satz bitte aus dem Text und aus all Ihrer Erinnerung streichen:

    Sein Bleiben steht fest.

    Dann geben Sie ein Motiv vor, daß Sie später nicht einlösen:

    Er denkt daran, was sie gesagt hat.

    :Es muß Ihnen hier einfach etwas Wichtiges, für den Leser Wichtiges/Überraschendes usw. einfallen, mit dem Sie dann im Folgenden operieren können. Nur die Behauptung, es sei da etwas Wichtiges gesagt worden, genügt nicht. Auch dann nicht, wenn Sie diesen >>>> “Käfer in der Box” (Anm.4 im Link) emphatisch unterstreichen:

    Es ist in seinen Lebenslauf geätzt.
    Der Pfleger schwankt

    :Wieso „schwankt“? Jetzt liegt ein unfairer Witz nahe; doch wir wissen, daß der Pfleger während des kleinen Ganges nichts getrunken hat, und im Dienst w i r d er hoffentlich nicht trinken.

    zum Eingang. Sein Rücken schmerzt noch vom Heben.

    :Jaja, klar. Aber wieso hier plötzlich? Wieso, wenn Sie ihm nun (endlich) Gefühle und Empfindungen zugestehen, dann erst beim Café?

    Er betritt das Café.

    :Unnötig. Sie können den Innenraum gleich anschließen, in Art eines Filmschnitts.

    Die Luft ist verraucht, der Raum vom Geklapper des Geschirrs erfüllt. Die Unterhaltungen der Gäste verhallen dumpf.

    :Das würde bedeuten, daß sie jetzt schweigen. Aber das meinen Sie gewiß nicht.

    Seine Schläfen pochen, aber

    :wieso „aber“? Was schließt hier was aus?

    sein Blick ist scharf. Dort hinten sitzt sie

    :wissen wir.

    , ein paar Meter entfernt

    :auch längst klar..

    Vergiss nicht, warum du hier bist, denkt er.

    Um (!!!!)

    Tee zu trinken. Herunterzufahren.

    :?????? Man fährt Computer herunter.

    Das, was gesagt wurde, hinauszudrängen.

    :aber w a s wurde denn gesagt? Sie haben hier eine Verpflichtung! Sie müssen es erzählen!

    Dann steht er und betrachtet sie.

    :Klingt, als stünde er direkt vor ihr; denn gesessen hat er ja noch nicht.

    Er verlässt die Starre

    :schlechter Satz.

    und geht vorbei an der Theke. Es zieht ihn in die Ecke, in den Schutz von Pflanzen, deren Namen er nicht kennt.

    :Oder zieht es ihn einfach nur in den Schutz der Pflanzen, egal, ob er ihre Namen kennt? Tatsächlich wollen Sie hier sagen: Es zieht ihn in den Schutz der Pflanzen u n d er kennt ihre Namen nicht.

    Sie kann ihn sehen, seit er drinnen ist.

    :Logisch. Wozu erzählen Sie es also?

    Der Tisch, an dem sie sitzt, liegt

    :der Tisch l i e g t???

    links von ihm. Der gerade Rücken ihrer Freundin

    :liegt a u c h? Bitte, genau formulieren.

    . Sie selbst gegenüber.

    :Der Satz erschließt sich mir grammatisch nicht. Ah doch. Hier wird die Verkürzung (nämlich um “sitzt”) richtiggehend mißdeutbar. Des weiteren: Wenn “sie” gegenübersitzt, wer ist dann “sie selbst”, die gegenübersitzt?
    Beide sind jung, viel jünger als er. Vom Regen unberührt

    : „unberührt“: Kann man von Regen defloriert werden, geschändet werden? Wieso verwenden Sie dieses moralisch konnotierte Wort?

    . Er versucht, seinen Schritten

    : geht er jetzt die ganze Zeit hin und her?

    Entschlossenheit zu geben, und blickt zur Seite in ihr Gesicht.

    Die folgende Szene haben Sie überhaupt nicht in der Hand:

    Ein zurückgesendeter Blick. Minimal, aber existent

    :sonst wäre es doch auch keiner. Und dann ein ganz schlechter Satz, als wäre alles – zusammenerfunden:

    . Der Zeitpunkt ist wieder da, an dem die Verätzung stattfand.

    :Und NEIN! D e r Zeitpunkt ist eben n i c h t wieder da, sondern etwas, das das - vergangene! - Geschehen in dem Pfleger reaktiviert, es schmerzhaft a l s neu erleben läßt usw.

    Das Geschehen wird singulär.

    :Ja. Aber wozu die Formulierung, die keinerlei Nähe zuläßt und also das Geschehen-selbst unglaubhaft macht?

    Auch sie umfängt

    : „umfängt“???

    es

    : „es“????

    kurz. Danach ist sie zurück in der Welt, die später kam.

    : Auch hier ist uns allen klar, was Sie meinen, ABER SPRACHLICH: Kommt da denn wirklich eine W e l t später, eine neueWelt?

    Sie redet ungetrübt fort. Der Pfleger geht vorüber.

    :Im Café! „Jemand geht vorüber“…

    So gerichtet, dass sie im Augenwinkel verschwimmt, setzt er sich in die Ecke.

    :sehr umständlich formuliert. Und warum jetzt in die die depersonalisierende Versachlichung?:

    Ein Tee wird bestellt

    :ganz bestimmt werden im Café viel mehr Tees bestellt…

    , die Jacke vom Körper gestreift und zum Trocknen auf einen Stuhl gehängt.

    Und nach diesem depersonalisierten Satz-Solo gehen Sie aus völlig unklaren Gründen, zudem ohne psychlogische Dramaturgie, zurück in den Er-Erzähler:

    Sie will mich nicht mehr sehen, denkt er. Wirr murmelt er vor sich hin.

    :Er denkt und dann (???) murmelt er? Oder murmelt er, während er denkt? Und was murmelt er? Warum murmelt er überhaupt?

    Aus seiner Nase rinnt Schleim.

    : Das glaube ich nicht. Außerdem rinnt Schleim nicht, dazu ist er zu zäh. Es kann sein, daß etwas Wässriges aus seiner Nase rinnt, was er sich wegwischen wird. Aber Schleim würde jemand hochziehen, bevor es herunterläuft; es sei denn, es handelt sich bei dem Burschen um einen Rotzlöffel. Was der Pfleger aber nun lange schon nicht mehr ist.

    Der Uringestank hat sich eingebrannt

    :in den Schleim?

    , ist konserviert

    :inwiefern „konserviert“? Was meint dieses Wort, und was meinen S i e?

    vom früheren Abend. Er

    :Der frühere Abend?

    mischt sich mit Rauch. Der Pfleger denkt an sie. Und das “sie” sitzt hier auch in den Bezügen schief.

    :während sie doch zugleich nah bei ihm sitzt. Hm.

    . Die Augen sind genässt.

    :Wieso genäßt, wieso nicht einfach „naß“?

    Er atmet schwerer. Dann der Würgereiz.
    Die Bedienung trägt ein Tablett in die Ecke und kehrt danach zur Theke zurück. Das leise Schluchzen

    :welches? Wenn der Pfleger gemeint ist, kann das nicht stimmen, weil schluchzen und würgen auch lautlich völlig verschiedene Phänomene sind.

    ist zu hören, wenn man nah heran geht an den hintersten Tisch. Dort sitzt ein Mann

    :ein anderer Mann? Oder nehmen Sie jetzt die Perspektive der Kellnerin auf den Pfleger ein?

    über eine Tasse gebeugt. Er betrachtet den Dampf.

    :Wieso den Dampf? Wieso nicht die Tasse selbst? Wer unterscheidet hier und wer weiß woher, daß es der Dampf ist, der betrachtet wird?

    Manchmal regt sich ein Finger

    :irgendwo im Café? Zweifellos.

    , doch der Blick ruht

    :auch „ruhen“ scheint mir hier nicht das geeignete Wort zu sein, weil zu ruhen etwas ganz anderes ist, als wenn jemand erschüttert schweigt bzw. vor sich hinstarrt und sowieso auch noch würgt dabei.
    weiter. Sein Haar

    :das Haar des Blicks?

    ist frisch und noch nass vom Regen. Die formenden Lippen in steter Bewegung.

    :Lippen in Bewegung formen immer, das müssen Sie nicht dazusagen.

    Sein Gesicht liegt

    :liegt?

    da und ist alt.

  20. read An | November 6, 2008 at 5:03 pm | Permalink

    (kleine Änderung)

    dort im café, novemberregen

    ein mann betritt das café, er hätte gerne einen handstand gemacht damit ihm niemand auf die füße schauen kann, doch dann wäre ihm sein hut heruntergefallen. zimmermann, denkt er, das wollte ich einmal werden, nur keiner sollte ihm sagen: schuster bleib bei deinen leisten. zuhause, da zittern die pappeln im elektrischen rieseln vor dem grünen sofa, von dort kam er gerade her, durch den regen. er bestellt sich einen kaffee, schwarz. zwei frauen schauen zu ihm herüber, so als hätten sie ihn nicht bemerkt. zehnfach aufgefächert verstecken sie das gespräch hinter ihren händen, die scheuklappen der neugier im gesicht. das fenster beschlägt von innen, die feuchte luft kondensiert kleine milchige tropfen. die menschen auf der straße, sie bestehen nur noch aus dem geräusch ihrer geschäftigen schritte auf dem asphalt. er schließt die augen und stellt sich vor wie es wohl wäre in den schuhen eines anderen zu laufen…

  21. ANH | November 7, 2008 at 11:37 am | Permalink

    @ read An zur kleinen Änderung:

    dort im café, novemberregen

    :Das ist als Titel wunderbar.
    ein mann betritt das café, er hätte gerne einen handstand gemacht

    Komma – und: schöne Idee jetzt:

    damit ihm niemand auf die füße schauen kann

    Sie erhöhten den Witz der Formulierung, wenn Sie sie – ich weiß, es wäre etwas ein wenig anderes; dennoch wird das Paradox größer – schneller und eleganter fassen, nämlich; „damit ihm niemand auf die Füße schaut“.

    , doch dann wäre ihm sein hut heruntergefallen.

    Schöner Übergang:

    zimmermann, denkt er, das wollte ich einmal werden, nur keiner sollte ihm sagen: schuster bleib bei deinen leisten.

    :weshalb s o l l t e ihm jemand das sagen? es sei denn, Sie erzählten uns den Grund. Das ist hier wirklich wichtig, damit der Text funktioniert. Das folgende „Zuhause“ klappert rhythmisch ungut hinter dem Satz her:

    zuhause, da zittern die pappeln im elektrischen rieseln

    :mit diesem „im elektrischen rieseln“ kann ich wenig anfangen, man beginnt nachzudenken und fällt dadurch aus dem Text. Würden Sie viel verlieren, wenn Sie es strichen?

    vor dem grünen sofa, von dort kam er gerade her, durch den regen.

    : Vorschlag: Geschwindigkeit geben:: „von dort kam er gerade durch den regen her“.

    er bestellt sich einen kaffee, schwarz.

    :Wozu das „schwarz“ als Nachklapp?

    zwei frauen schauen zu ihm herüber,

    so – kann gestrichen werden

    als hätten sie ihn nicht bemerkt. zehnfach aufgefächert

    : das Bild ist schief, auch wenn ich weiß, daß Sie die Finger meinen. Nur kann sich e i n Finger nicht auffächern, was Sie aber behaupten, wenn Sie von „zehnfach“ sprechen; genau deshalb geht das Bild nicht auf.

    verstecken sie das gespräch hinter ihren händen, die scheuklappen der neugier

    : hm. Tasten Sie „Scheuklappen der Neugier“ mal auf Gehalt ab.

    im gesicht. das fenster beschlägt von innen, die feuchte luft kondensiert

    : a) entweder „feucht“ oder „kondensiert“ b) „kondensiert“ ist wie ein erklärender Fremdkörper. Was Sie hier erzählen wollen, können Sie sinnlicher erzählen.

    kleine milchige tropfen. die menschen auf der straße, sie

    :hat die Synkope (die Variation des Satzsubjektes im Personalpronomen) eine Funktion? Wenn ja, wird mir nicht deutlich, welche. Sie retardiert eigentlich nur.

    bestehen nur noch aus dem geräusch ihrer geschäftigen schritte auf dem asphalt

    :so laut schreiten diese Menschen, daß man es bis in das Café, bis durch die Scheiben hören kann?

    . er schließt die augen und stellt sich vor wie es wohl wäre in den schuhen eines anderen zu laufen…

    :Metaphorik. Das ist nicht eigentlich „neu“ genug, um funktionieren zu können, da, rein konkret gesehen, in den Schuhen eines anderen zu gehen, ja g e h t und als Pointe-h i e r zu niedriggehängt ist, um das Prosastückchen wirklich zu einem befriedigenden Ende führen zu können.

  22. ANH | November 9, 2008 at 8:15 am | Permalink

    @ Eckie zu „Regen“:

    Hm. Ich bin mir nicht sicher, ob das, was Sie erzählen, eigentlich genügend Anlaß ist, es zu erzählen. Ich frage mich bei solchen Texten dann immer, weshalb hab ich das gelesen? Das Problem besteht in dem Geheimnis, das Sie bloß zitieren, indem der Mann plötzlich zu weinen anfängt, ohne daß Sie mir Leser eine Eröffnung darüber machen. Im Zusammenhang mit der Aufgabenstellung handelt es sich ja letztlich bloß um eine Ausschmückung der Aufgabenstellung, ohne aus ihr tatsächlich etwas zu machen. Hinzukommt, daß „der Mann“ sehr äußerlich bleibt; es kommt einem da gar nichts nahe.

    Aber im einzelnen:

    Es regnet. Die Straßen stehen schon unter Wasser und es ist kein Ende des Regens in Sicht

    : „in Sicht kommen“: überprüfen Sie einmal für sich selbst, ob das Idiom hier konkret trägt oder nicht nur eine vorgefertigte Stanze bleibt

    . Ein eisiger Wind fegt um die Häuser.

    :stärker wäre, v i e l stärker, einfach: „Wind fegt um die Häuser“, denn die knappere Formulierung, die zugleich etwas Expressives hat, läßt das „eisig“ fast schon automatisch mitdenken (was abermals daran liegt, daß es sich bei der Formulierung „ein eisiger Wind“ eigentlich auch um ein Idiom handelt).

    Viel ungemütlicher könnte es kaum sein.

    : Das ist jetzt zu kurz und auch zu banal. Außerdem: Vermeiden Sie in so kurzen Texten Gefühligskeit-Kommentare.

    Ein Mann kommt aus einer Tür.

    :Beschreiben Sie doch! Eine Tür öffnet sich. Beschreiben Sie dazu das Haus. Und sehr kurz aber.

    Er schaut nach oben.

    :Das könnte er noch auf der Schwelle tun, und Sie hätten sofort eine fast filmische Szene.

    Regen tropft ihm ins Gesicht. Er hat keinen Schirm bei sich.

    :Diese Information sollte sich ergeben, ohne daß Sie sie eigens formulieren.

    Also

    :wieso „also“?

    läuft er ohne los und ist schon nach den ersten paar Schritten völlig durchnässt.

    : und den Satz teilen, damit die Schnelligkeit in die Formulierung hineinkommt. Allerdings ist das Folgende ein bißchen eigenartig, wenn er halt trotzdem läuft:

    Er hat es nicht eilig. Drei Leute mit geöffneten Regenschirmen rennen auf ihn zu. Sie rempeln ihn an

    :stimmt sowas? Und wenn, dann müßte seine Reaktion begründet sein:

    und hasten vorbei. Er dreht sich nicht nach ihnen um, beschwert sich

    :sich beschweren ist ein falscher Ausdruck, wenn die Leute ohnedies schon vorbeisind.

    nicht,

    und hier: na klar!:

    sondern setzt seinen Weg weiter fort.

    Leere Information:

    Dabei scheint er kein festes Ziel zu haben.
    Als er an einem Café vorbeikommt hält er Inne

    :Nein! Sondern: er kommt an ein Café (tatsächlich an einem „vorbei“? Die Sprache abtasten!) u n d hält inne.

    , denkt kurz nach

    :nachdenken bleibt zu gewichtig für solch einen Moment

    und tritt ein. Er sucht

    :so groß ist das Café, daß er „suchen“ muß, zumal in einer Ecke?

    sich einen Tisch in einer Ecke, hängt seine Jacke über die Stuhllehne und wartet.

    :Dieses „warten“, was verrät uns das oder auf was soll uns das, daß wir’s annehmen, verführen? Sie müssen die Lösung nicht geben, aber Sie müssen sie, für sich selber, h a b e n; sonst können Sie einen solchen Text nicht befriedigend bearbeiten.

    Das Café ist fast leer.

    :Diese Information gehört an den Anfang, wenn der Mann das Café betritt. Hier klappt sie nur noch und stört die Dramaturgie.

    Der Kellner lässt sich trotzdem Zeit. Der Mann bestellt einen Kaffe, ohne den Kellner dabei anzuschauen.

    :eigentlich eine die Beschreibung herausfordernde Szene, nur m ü s s e n Sie sie dann auch beschreiben: wie der Kellner kommt, fragt, der Mann nicht aufsieht (weil er vielleicht immer noch in seinen Gedanken hängt), aber dennoch bestellt er.

    Als der sich an die Arbeit macht

    :welche Arbeit? Er geht hinter den Tresen an die Kaffeemaschine, oder was? Versuchen Sie, Ihre Erzählungen unbedingt zu materialisieren.

    , starrt der Mann gedankenverloren

    :“gedankenverloren“ streichen, ist sowieso nur ein So-Dahingesagtes.

    an die Wand.
    Zwei Frauen reißen die Tür des Cafés auf. Ein kalter Windhauch kommt mit ihnen herein.

    :viel zu f e r n! Das Geschehen muß sinnlicher werden, man muß es s e h e n können, fühlen.

    Sie setzen sich an die Bar und unterhalten sich etwas zu laut über Belangloses.

    : „über Belangloses“: abermals bleiben Sie im völlig Unkonkreten und zugleich, was das ganze noch problematischer macht, fällen Sie ein Urteil.

    Sie bestellen, als der Kellner ihnen endlich seine Aufmerksamkeit

    :unnötige Wiederholung des Motivs

    schenkt und tratschen weiter.

    :in diesem „tratschen“ h a b e n Sie das Belanglose doch schon. Das gehört dann nach vorn an die Bar, wenn die beiden zu sprechen beginnen.

    Der Kellner bringt dem Mann seinen Kaffe. Der bedankt sich erst, als der Kellner die Bar fast schon wieder erreicht hat.

    : 1) Wieso bedankt er sich, wenn er den Kellner sonst ignoriert? 2) Die Szene selbst ist klar, aber versuchen Sie mal, von innen, aus dem Mann selber, herauszufühlen.

    Der Mann umfasst seine Tasse mit beiden Händen und starrt weiter vor sich hin.

    : „ und starrt weiter vor sich hin“: ersatzlos streichen, nur die Tasse reicht völlig.

    Plötzlich fängt er an zu schluchzen.

    : jaja, dieses „plötzlich“ macht den Text restlos zu Papier. Das liegt daran, daß das „plötzlich“ ebenfalls rein äußerlich behauptet bleibt.

    Aber nur ganz leise.

    :Das aber ist überflüssig, nehmen Sie die Lautstärke des Weinens in seine erste Erwähnung mit hinein. Und stimmt (in einem Café, in dem der Mann in der Ecke sitzt) die folgende Bemerkung/akustische Beobachtung?

    Von draußen trommelt der Novemberregen gegen die Fenster.

    ____________________________________________________

    @ Eckie zu „Im, Café an der Ecke“:

    Prinzipiell das gleiche Problem wie im ersten Text: Sie haben keinen Einfall für eine Geschichte (die man selbstverständlich auch nicht erzählen müßte; ein Clou k a n n darin liegen, sie auszusparen; aber der Autor muß den Eindruck vermitteln, daß er sie weiß, ja von ihr er- und ausgefüllt ist: dann erst begänne, so etwas wie ein Geheimnis zu wirken). Mit sagte der alte >>>> Manfred Hausmann, dessen Erzählung Die Achterbahn ich Ihnen allen dringend ans Herz lege), einmal, da war ich ein ganz junger Mann, vielleicht zwanzig, und er hatte mich zu sich eingeladen… da also sagte er zu mir, nachdem er eine frühe sehr lange Erzählung von mir gelesen hatte: „Sie behaupten ein Geheimnis, aber Sie kennen es weder, noch haben Sie Grund zur Annahme, daß eines da sei… daran krankt Ihr sonst schöner kleiner Roman.“

    Es ist vier vor fünf. Das Café an der Ecke ist

    : „ist“/„ist“: fast immer unschön, es sei denn, man feilt sich die Arbeit mit Hilfsverben zu einer Stilform. Damit das gelingt, müssen aber erst einmal die „normalen“ Formen beherrscht, zumindest gewußt sein.

    fast leer. Nur zwei Tische sind besetzt.

    : eigentlich redundant, wenn es fast leer ist. Also kann der fastleer-Satz doch weg, oder?

    Normalerweise

    :häßlich!

    gibt es hier kaum freie Plätze. Nicht mal

    Komma

    als es plötzlich kalt wurde

    Komma

    ist die Kundschaft ausgeblieben.

    : weshalb auch? G e r a d e bei schlechtem Wetter geht man doch i n Cafés…

    Aber der nasskalte Novemberregen, der seit gestern eingesetzt hat, verdirbt den meisten Leuten die Lust

    Komma

    vor die Tür zu treten.

    :Das ist jetzt eine irr(ig)e Aussage! Wäre das nämlich so, dann b l i e b e die Kundschaft doch aus, was Sie einen Satz vorher gerade bestreiten.

    Die Straßen sind wie leergefegt.

    :Übliche Stanze.

    Alles wirkt trist und verlassen.

    : Na klar, wenn die Straßen leergefegt sind. Und das Folgende ist restlos äußerlich-papieren erzählt:

    Die aufkommende Dunkelheit verbessert die Stimmung nicht gerade.

    Und dann, dieses „sonst so ausgeglichene“ ist eine Art leerer Beschwörung, die uns überhaupt nicht weiterbringt:

    Nicht einmal vor dem sonst so ausgeglichenen Café-Geschehen macht die aufkommende Melancholie Halt.

    Folgendes e r z ä h l e n, nicht behaupten:

    Der Regen prasselt unaufhörlich gegen die Scheibe.

    Abermals abgegriffene Stanze:

    Der Wind pfeift um die Ecken. Nicht einmal

    : zweimal hintereinander „nicht einmal“. Ganz schlecht retardierend.

    die hochgedrehte Heizung kann verhindern, dass die Kälte von draußen auch ins Café hereinkommt.

    :Wie macht sie das jenseits dessen, was normal ist? Und wenn schon, dann beschreiben Sie es mit dem anhängenden Reif neuer Hereintretender…. etwas in d e r Art.

    Ein Mann, etwa Mitte 30, hat sich in die letzte Ecke des Cafés verzogen

    :wieso „verzogen“?

    . Er starrt vor sich hin. Man sieht in seinem Blick, dass seine ganze Aufmerksamkeit seinen Gedanken gilt.

    :furchtbar äußerlicher, zudem ungelenker Satz.

    Was um ihn herum passiert

    Komma

    nimmt er nicht wahr.

    :ebenfalls äußerlich, einfach nur behauptet. Da wird überhaupt nicht nachfühlbar, was aber doch für eine Erzählung wichtig ist. Wir müssen einen Anlaß bekommen, uns einzufühlen.

    Nicht einmal den Streit zwischen den zwei Frauen in der Mitte des Cafés bekommt er mit.

    : „zwischen den zwei Frauen in der Mitte des Cafés“ retardiert.

    Sie zischen sich gegenseitig an

    : viel besser. Aber wenn Sie das jetzt beschreiben, ist, den Streit vorher Streit zu nennen, redundant.

    und plötzlich steht eine der beiden auf, knallt das Geld für ihren Kaffe auf den Tisch und stürmt aus dem Café. Hinein in den strömenden Regen.

    :Klar, weil es ja regnet, wie wir nun sehr deutlich wissen.

    Genau in diesem Moment fängt der Mann in der Ecke an zu weinen. Aber nur ganz leise.

    :Da schwingt auf der Autoren-, nicht der Protagonistenebene etwas Sentimentales mit. Genau das stört.

    Niemand weiß warum.

    :Eben. Und Sie schließen auch Ihren Leser von einer Eingeweihtheit aus, die ihm überhaupt erst ermöglichte, Zugang in die Geschehen zu finden.

  23. maudit | November 9, 2008 at 10:51 am | Permalink

    @ANH: Wie immer herzlichen Dank für Kritik, Lob und Anregung. Ich hoffe die “Pointe” der Kurzerzählung wird nun klar.

    Allgemein fände ich es hilfreich, wenn Sie noch eine kurze Bemerkung zu “Bezugfehlern” machen könnten. Diese monieren Sie desöfteren nicht nur in meinen, sondern auch in den Texten anderer. Ich weiß, was Sie meinen. Doch sind sie in Texten, in denen bloß ein “er”, eine ßie” agieren, schwer zu vermeiden. Andererseits finde ich den Einwand manchmal ein wenig spitzfindig: der Kontext, die Handlung, etc. verdeutlichen dem Leser doch, wer nun gemeint ist, auf wen sich das Zeitwort bezieht.

    Hier nun die Neufassung:

    Er trat aus dem Zimmerdunkel in das fahle Licht. Sehr sacht zog er die Tür hinter sich zu; der Riegel klickte ins Schloß. Er verharrte, an den Türrahmen gepreßt, lauschte in die Stille. Dann löste er sich, schlich den Gang hinunter zur Flurtür, die surrend aufschwang.

    Er starrte auf die blinkenden Ziffern der Stockwerkanzeige. Als sich die Flügeltüren aufschoben, zögerte er; dann stürzte er zum Aufzug, wurde eingeklemmt und stolperte in die Kabine.

    Während der Fahrt sah er sich vervielfacht, umstellt. Mit jeder Etage, die er über sich ließ, wurde er erschöpfter und beschwerter. Er schleppte sich zum Hauptausgang. Im Lichthof der Tischlampe döste der Pförtner, schreckte auf, grüßte ihn. Er nickte ebenfalls, stand schon im Windfang, machte kehrt und ging zurück in die Empfangshalle der Klinik.

    Das Café war noch geschlossen. Er setzte sich an einen Tisch in der Ecke, sah hinüber zu dem einzelnen, in Zellophan eingeschlagenen Bett, das in der verlassenen Vorhalle stand. Er verschränkte die Arme auf der Tischplatte, legte darauf den Kopf und schlief ein.

    Stimmen weckten ihn; im Halbschlaf war ihm, als gälten sie ihm, als redeten sie in einem fort auf ihn ein. Durch die Blumenvase sah er verschwommen zwei Krankenschwestern am Nachbartisch. Während er sich aufsetzte, gingen sie hinaus auf die Terrasse, und zurückblieben zwei dampfende Kaffeetassen.

    Man hatte das Rollgitter vor dem Eingang zur Kasse hochgelassen, der Getränkeautomat entließ knallend seine Ladung, die Kaffeemaschine schlürfte und zischte. Als er bestellte, mußte er die Worte herauspressen. Er versuchte zu lächeln, doch mißriet ihm das Lächeln zur Grimasse.

    Er weinte.

    Regentropfen schossen quecksilbrig über die Glasfront. Draußen, unter das Vordach gedrängt, standen die beiden Krankenschwestern, rauchend, übernächtigt. Sie erkannten den jungen Vater, ihre Lippen formten die Worte übertrieben deutlich, stumm riefen sie ihm zu: Herzlichen Glückwunsch!

  24. ANH | November 10, 2008 at 6:22 am | Permalink

    @ maudit zur Überarbeitung (mit einer ANMERKUNG FÜR ALLE: zu den „Bezugsfehlern“):

    Ich hoffe die “Pointe” der Kurzerzählung wird nun klar.

    Ja, das ist s e h r viel besser. Und Ihr Text ist dicht geworden, er hat auch Rhythmus und „Zug“. Das hat jetzt viel gebracht. Dennoch hab ich immer noch zu mäkeln. Mach ich gleich. - Aber erstmal:

    Allgemein fände ich es hilfreich, wenn Sie noch eine kurze Bemerkung zu “Bezugfehlern” machen könnten. Diese monieren Sie desöfteren nicht nur in meinen, sondern auch in den Texten anderer. Ich weiß, was Sie meinen. Doch sind sie in Texten, in denen bloß ein “er”, eine ßie” agieren, schwer zu vermeiden. Andererseits finde ich den Einwand manchmal ein wenig spitzfindig: der Kontext, die Handlung, etc. verdeutlichen dem Leser doch, wer nun gemeint ist, auf wen sich das Zeitwort bezieht.

    Das ist hier ist eine Schreibwerkstatt; es geht darum zu lernen, mit dem Handwerkszeug umzugehen, richtig umzugehen; Ihrer aller Handwerkszeug ist als allererstes einmal die Grammatik. Es kann deshalb nicht darum gehen, ob man den richtigen Bezug weiß, geschweige, ob ihn ein Leser „sowieso“ leicht herzustellen vermag, sondern die Bezugswörter müssen in jedem Fall richtig sein, auch wenn einem das überflüssig vorkommt. Was „er“- und „sie“-Geschichten anbelangt, so ist mir völlig bewußt, daß es da oft Bezugsschwierigkeiten gibt, weil die Grammatik gerne einen Namen hätte, den ihr solche Texte aber bewußt verweigern. Schön und gut. Nur müssen Sie dann – das ist meine Haltung – die Grammatik überlisten, ohne sie zu beugen. Das ist auch eine Frage der Formniveaus: je höher dieses ist, desto weniger werden meine Einwände gelten. Im virtuellen Seminar geht es aber um Texte, die in aller Regel noch ganz am Anfang einer Entwicklung stehen; für Beugeakte ist es schlichtweg viel zu früh. Später einmal, durch den, der sein Niveau schon h a t, kann auch gegen die Grammatik operiert werden; für so etwas ist etwa >>>> Marianne Fritz ein großes Beispiel. Ich bin h i e r, im Seminar, aber entschieden gegen kontextbetrachtende Nachsicht; ich bin hier stur am Wortlaut des Gesetzes, dessen Auslegungsfragen erst dann relevant werden, wenn es um Veröffentlichung geht. Im übrigen ist „schwer zu vermeiden“ nun überhaupt kein gutes Argument, da niemand behauptet hat, zu schreiben sei leicht. Die Kunst besteht doch gerade darin, solche Schwierigkeiten zu meistern.
    Zum Text:

    Er trat aus dem Zimmerdunkel in das fahle Licht

    des Gangs.

    . Sehr sacht zog er die Tür hinter sich zu; der Riegel klickte ins Schloß. Er verharrte, an den Türrahmen gepreßt

    :ist „gepreßt“ nicht zu stark?

    , lauschte in die Stille

    : „in die Stille“ streichen, nur „lauschte“. Die Szene gewinnt dadurch an Präsenz.

    . Dann löste er sich, schlich den Gang hinunter zur Flurtür

    : „den Gang hinunter“ streichen. ABER: Ist es die Flürtür, die aufschwang?

    , die surrend aufschwang.

    : „surren“ und „schwingen“ geht nicht. Außerdem öffnet sich doch die Lifttür, oder?

    Er starrte auf die blinkenden

    : hm, m e i n Fehler: „blinken“ ist jetzt zu schnell…

    Ziffern der Stockwerkanzeige. Als sich die Flügeltüren aufschoben

    : „schoben“, aha.

    , zögerte er; dann stürzte

    : besser: „stürzte dann“, und das „er“ entsprechend streichen..

    er zum Aufzug

    : hier komme ich jetzt mit den Türen durcheinander. Erst die Wohnungstür, dann noch eine Tür und dann erst der Lift?

    , wurde eingeklemmt und stolperte in die Kabine.

    : Was passiert hier? Versuchen Sie mal, was geschieht, in einzelnen Punkten (Abläufen) zu beschreiben. Danach streichen Sie alles auf das Allernotwendigste zusammen.

    Während der Fahrt sah er sich vervielfacht,

    :ich nähme das Komma hier weg.

    umstellt. Mit jeder Etage, die er über sich ließ, wurde er erschöpfter

    :unschön.

    und beschwerter.

    :insgesamt ist der Satz gestelzt.

    Er schleppte sich zum Hauptausgang. Im Lichthof der Tischlampe döste der Pförtner

    : Vorsicht, unfreiwillig komisch! S o klein kann ein Pförtner gar nicht sein, daß er in den Lichthof einer Tischlampe paßt (wenn sie auf dem Tisch steht und er ihr nahe ist).

    , schreckte auf, grüßte ihn. Er nickte ebenfalls

    :das würde bedeuten (wegen „ebenfalls“), daß der Pförtner nur genickt hat; ist das aber dann schon ein Grüßen? Nämlich „grüßte ihn” hat mich sofort assoziieren lassen, der Pförtner haben mindestens Gutenmorgen gesagt. Die Auslösung solcher Assoziationen gehört zur Leserführung eines Autors.

    , stand schon im Windfang

    : Was meinen Sie mit „Windfang“?

    , machte kehrt und ging zurück in die Empfangshalle der Klinik.

    :s e h r schön, daß Sie hier jetzt den Spielort bezeichnen.

    Das Café war noch geschlossen.

    :Ja! Jetzt wird klar, was für ein Café das i s t.

    Er setzte sich an einen Tisch in der Ecke, sah hinüber zu dem einzelnen, in Zellophan

    : stimmt „Zellophan“? Ich weiß es nicht, hatte aber eben einen spontanen Zweifel.

    eingeschlagenen Bett, das in der verlassenen Vorhalle

    : „verlassen“ ist sie nicht, wenn ein Pförtner da ist. Insgesamt ist das für eine Klinik sicher auch sonst nicht ganz richtig.

    stand. Er verschränkte die Arme auf der Tischplatte, legte darauf

    : „darauf“ streichen.

    den Kopf

    „auf“ einfügen.

    und schlief ein.
    Stimmen weckten ihn; im Halbschlaf war ihm

    :schöner: „gewesen“ einfügen, weil es den Traum präsenter macht.

    , als gälten sie ihm

    : „, als redeten sie“ durch „und redeten“ ersetzen.

    , als redeten sie in einem fort auf ihn ein. Durch die Blumenvase sah er verschwommen zwei Krankenschwestern am Nachbartisch.

    :Das Bild funktioniert immer noch nicht. Daß er die „ganzen“ Krankenschwestern durch die Blumenvase sieht, glaube ich so nicht.

    Während er sich aufsetzte, gingen sie hinaus auf die Terrasse,

    : Nein! Aktiver erzählen: „Er setzte sich auf, und sie gingen hinaus auf die Terrasse“. So wird der Text szenischer. Dann aber auch: „zwei dampfende Kaffeetassen“ blieben zurück, wobei Sie bedenken sollten, daß die Tassen (eigentlich nur der Kaffee) nur dann dampfen, wenn sie gerade gebracht worden sind. Sollte das so sein, dann fragt man sich, weshalb die Schwestern, die ja nicht hasten, die soeben erhaltenen Tassen voll zurücklassen.

    und zurückblieben zwei dampfende Kaffeetassen.

    Man hatte das Rollgitter vor dem Eingang zur Kasse hochgelassen

    : Besser, um Fragen nach den „man“ zu vermeiden: „Das Rollgitter vor dem Eingang zur Kasse war (noch???) heruntergelassen.“

    , der Getränkeautomat entließ knallend seine

    :hier besser: „eine“.

    Ladung, die Kaffeemaschine schlürfte und zischte.

    :Wie aber, wenn doch der Bereich noch gar nicht geöffnet zu sein scheint? Wenn die Kasse noch nicht besetzt ist, weshalb wird dann die Kaffeemaschine genutzt? (Außerdem ist „Kaffeemaschine“ nicht korrekt; Sie meinen eine Espressomaschine).

    Als er bestellte,

    : Beim wem? Wenn, wie gesagt, die Kasse noch zu ist? Gibt es den Kaffee morgens umsonst?

    mußte er die Worte herauspressen. Er versuchte zu lächeln, doch mißriet ihm das Lächeln zur Grimasse.

    : noch sehr entfernt von dem, was erzählt werden sollte, w i e erzählt werden sollte: „mißriet ihm zur Grimasse“ ist Papier.

    Er weinte.

    Regentropfen schossen quecksilbrig

    : hm, „quecksibrig“. Quecksilber bewegt sich, in Vergleich zu Wasser, eher zäh.

    über die Glasfront. Draußen, unter das Vordach gedrängt, standen die beiden Krankenschwestern, rauchend, übernächtigt

    : sollte d a s nicht vorher erzählt werden?

    . Sie erkannten den jungen Vater, ihre Lippen formten die Worte übertrieben deutlich, stumm riefen sie ihm zu: Herzlichen Glückwunsch!

    :Es bleibt aber unklar, weshalb der Mann weint – man kann nicht mal sagen (und wenn man könnte, wäre es Kitsch): aus Glück. Also: Weshalb?

  25. Luka | November 10, 2008 at 11:50 am | Permalink

    @ANH:

    Ok, hier meine überarbeitete Fassung:

    Zwei junge Frauen platzen in das Café. Sie tragen knisternd bunte Plastiktüten in ihren Händen. Die Frauen lachen und albern. Sie nehmen einen Tisch in der Mitte des Raumes ein, ordnen ihre Mäntel und Frisuren. Die große Blonde bestellt ,,Zwei Kaffee flavored Amaretto”, sogar der gekonnte Augenaufschlag in Richtung des Kellners fehlt nicht.
    Ein Mann im grauen Mantel sitzt am Rand, direkt an den großen Fenstern, die die Kälte des Novembers nicht völlig draussen halten können. Die Finger des Mannes spielen mit der Zigarette, die er hier nicht rauchen darf. Wenn er seine Hände zum wärmenden Anhauchen an den Mund führt, zeigt sich sein Atem in kleinen weißen Wolken. Weiß zeigt sich auch der dampfende Kaffee vor ihm, von dem er jedoch noch keinen einzigen Schluck genommen hat.
    Die Geräuche des Cafés, die aufgeregten Stimmen der Menschen, das geschäftige Klappern des Geschirr, passen so gar nicht zu dem grauen stillen Mann.
    Gerade kramt eine der Frauen ein paar Kleidungsstücke aus den Tüten heraus. Strahlend, witzelnd hält sie sich einen roten Rollkragenpullover vor ihren Oberörper, jedes Kleidungsstück wird laut und gestenreich kommentiert. Das Gesagte ist nicht nur für ihre Ohren bestimmt. Die Frauen genießen die unterschwellige Aufmerksamkeit der anderen Menschen, für ihr Publikum spielen sie Theater.
    Der Mann sackt auf seinen Stuhl zurück. Seine Augen sind gerötet, seine Haare flüchtig mit Wasser zurückgestrichen, scheinbar war er auf der Toilette. Seine Hände reiben über Stirn, Lider, seine Wangen. Doch Trauer lässt sich nicht einfach wegreiben. Wie ein grauer Stein sitzt er am Rand, ausgeschlossen, eingeschlossen. Auf einer Bühne steht er nicht.
    Und es geht ihm doch so scheiße schlecht, verdammt. Ein leiser Regen hat eingesetzt. Die Tropfen rinnen außen an den Fensterscheiben herunter.
    Der Mann verdeckt seine Augen mit beiden Händen.
    Der Tisch der Frauen ist mit bunten Klamotten völlig bedeckt. Sie lachen und die Welt lacht mit ihnen. Den Regen bemerken sie gar nicht.

  26. herr urian | November 10, 2008 at 10:30 pm | Permalink

    Der Pfleger (2)
    Er leert den Katheterbeutel in die Badewanne. Urin spritzt auf die Latexhandschuhe, auf Baumwolle und auf Haut. Ein beißender Gestank steigt auf. Der Pfleger würgt. Er denkt an nichts.
    Er nimmt die Brause und reinigt die Wanne. Dann tritt er in das enge Zimmer, in dem das Krankenbett steht. Er bückt sich und befestigt den Beutel am Gitter. Sein Rücken schmerzt. Vor ihm liegt der Körper einer alten Frau. Abwechselnd röchelt sie und murmelt vor sich hin. Speichel läuft aus ihrem Mund.
    Der Pfleger zieht den Körper aus, reibt ihn mit Seifenwasser ab, trocknet ihn. Die runzlige Möse ist von Pilz befallen. Der Pfleger reibt sie mit Salbe ein. Er wickelt die Frau und kleidet sie an.
    Nach Schichtende geht der Pfleger zu Fuß nach Hause. Es regnet. Es ist seit Tagen kalt. Die Steine sind nass. Die Menschen sitzen zu Hause, gucken Fernsehen, trinken Milchkaffee.
    Der Pfleger geht an einer Parkbank vorbei. Er denkt an den alten Mann, der gestern auf ihr saß. Mütter mit Kinderwagen gingen vorüber. Spaziergänger warfen Bälle, die von Hunden apportiert wurden. Das Laub war noch trocken. Es tanzte im Wind.
    Der Pfleger erreicht ein Wohngebiet. Er sieht Baustellen, an denen die Arbeit ruht. Er geht über einen Spielplatz. Der Pfleger durchquert eine Hochhaussiedlung. Fußballtore stehen auf einem Feld neben den Häusern. Ungenutzt. Der Rasen ist schlammig. Ein Wasserfilm ist auf der Jacke. Das Gesicht wird gewaschen. Der Pfleger fühlt sich reiner. Er geht ein paar Blocks weiter und betritt wieder einen Park. Auch hier kaum Menschen. Nur einer führt einen nassen Hund umher.
    Am Ende des Parks ist ein Café. Der Pfleger friert. Er möchte einen Tee trinken. Er steht vor den Scheiben und blickt in den Innenraum. Der Pfleger sieht sie sofort. Das Blut prescht durch seine Adern. Sie sitzt an einem Tisch in der Mitte des Raumes. Er will sie berühren, an ihren Lippen saugen. Der Blick ernährt ihn, lässt Lebenskraft zurückkehren.
    Sie arbeitete in einer Kneipe. Der Pfleger war seit Jahren Stammgast. Anfangs war er ein Gelegenheitsschwärmer, später kam er immer, wenn die junge Frau Dienst hatte. Die meisten seiner Kumpels belächelten die Freundschaft. Es machte ihm nichts. Er war verliebt. An einem Samstag war er der letzte Besucher. Sie räumte die Tische ab. Der Pfleger war betrunken. Er plauderte über dies und das. Sie flitzte durch den Raum, stand plötzlich am Tisch vor ihm. Es war ihm klar. Er wollte sie vögeln. Seine Hand muss sich nach vorne bewegt haben. Von seinem Hausverbot erfuhr er Anfang der Woche. Sie wolle ihn nicht mehr sehen, hieß es.
    Der Pfleger betritt das Café. Die Luft ist verraucht, der Raum erfüllt von den Unterhaltungen der Gäste und dem Geklapper des Geschirrs. Die Schläfen pochen. Sein Blick ist scharf. Eine Freundin ist bei ihr. Es zieht ihn in die Ecke, in den Schutz von Pflanzen. Die Frau sitzt aufrecht. Sie ist jung, viel jünger als der Pfleger. Er blickt in ihr Gesicht. Sie blickt zurück, scheint sich kurz zu erinnern, redet ungetrübt fort. Der Pfleger geht vorbei. Es sticht in seinem Magen.
    Der Pfleger setzt sich. Er bestellt einen Tee. Er streift die Jacke vom Körper und hängt sie zum Trocknen auf einen Stuhl. Der Uringestank sitzt noch in der Nase des Pflegers. Die Augen sind nass. Der Pfleger atmet schwerer. Die Bedienung bringt den Tee. Der Pfleger beugt sich über die Tasse. Er starrt sie an. Er pendelt leicht. Sein Haar ist frisch und noch nass vom Regen. Der Pfleger muss husten. Dann der Würgereiz. Der Pfleger schafft es, sich nicht zu übergeben. Er ist erschöpft. Sein Gesicht ist alt.

  27. sirenomele | November 11, 2008 at 12:00 am | Permalink

    ein cafehaus mit eleganten holzstühlen und -tischen, leicht erblindete spiegel hängen an den wänden. in den boden hat sich der schmutz eingetreten und es bilden sich kaum merkliche täler und darin graue pfade. der kellner hat keine hände; er bewegt sich aber in seiner weise äusserst geschickt.

    FRAU 1
    du hast recht.

    FRAU 2
    man darf sich damit nicht auf ein und dieselbe ebene stellen.

    FRAU 1
    was für eine maßlose verschwendung der möglichkeiten –

    FRAU 2
    der zeit –

    FRAU 1
    (hebt den finger)
    immerhin nicht des raumes.

    FRAU 2
    tja, sie hat im grunde nicht die richtung, nur die konsequenz verloren.
    (ihr blick fällt aus dem fenster.)
    – es regnet.

    die erste frau wendet sich um.

    FRAU 1
    wenn ich an ihrer stelle gewesen wäre –

    FRAU 2
    schon im anfang, schon das ist unmöglich.

    die erste frau will abaschen und stösst dabei ihre tasse fast um. es klirrt.

    FRAU 2
    es ist letztlich nicht unsere sache.

    FRAU 1
    du hast recht.
    (sie nestelt und sucht etwas in ihrer handtasche)
    es beschäftigt den kopf.

    FRAU 2
    aber man darf sich nicht allzusehr damit identifizieren.

    FRAU 1
    entschuldige. ich muss mal auf die toilette.

    sie drückt ihre zigarette aus, steht auf und geht durch eine tür.

    derweil betritt von der anderen seite, von draußen, eine dritte frau das lokal. sie ist fett und hat ein rot-fleckiges gesicht, wie eine abgearbeitete, abgeschminkte schauspielerin. sie setzt sich an das andere ende des raumes und zieht fratzen.

    die zweite frau dreht sich zu der dritten frau um.

    FRAU 2
    es hat eine störende wirkung.

    FRAU 3
    (schaut sie nicht an)

    FRAU 2
    (scheinbar gutmütig)
    wo kommen sie denn jetzt her?

    FRAU 3
    (schaut sie nicht an.)

    FRAU 2
    (zieht sachte die augenbrauen hoch)

    die dritte frau zeigt auf den mann, der an der hinteren wand, mit dem rücken zum rest der kaffeehausbesucher gewandt, im dunklen sitzt.

    FRAU 2
    der herr dort drüben?

    FRAU 3
    er war schon gestern hier.
    er hat keine ohren.
    sehen sie?

    FRAU 2
    so etwas interessiert mich nicht.
    (sie wendet sich zurück.)

    FRAU 3
    es ist auch nicht wirklich wichtig.
    (sie schneidet wieder fratzen.)

    die erste frau kommt zurück.

    FRAU 1
    (setzt sich. mit blick auf die dritte frau)
    es gibt —
    existenzen, man möchte meinen, –
    sie wollen etwas sagen.

    FRAU 2
    aber sie kommen einfach nicht zum punkt.

    sie nicken kurz einander zu. die zweite frau winkt nach dem kellner, sie bezahlen.

    KELLNER
    (während er das geld einsteckt)
    haben sie bedacht, –
    (er schaut langsam auf)

    FRAU 1
    wir haben einen schirm.

    FRAU 2
    wir werden übrigens auch nicht wieder kommen.

    FRAU 2
    es liegt nicht an ihnen.

    KELLNER
    (blickt nach draußen)
    ich kann sie nicht zurückhalten?

    FRAU 1
    es gibt diesbezüglich keine zukunft.

    die dritte frau fällt vom stuhl und krümmt sich auf dem boden.

    FRAU 2
    in anderen hinsichten auch nicht.

    KELLNER
    (mit dem blick nach draußen)
    dafür habe ich verständnis.

    FRAU 2
    wir wünschen einen guten tag.

    eine jede nimmt ihren mantel, ihre tasche, ihren schirm und sie gehen. der kellner schaut ihnen kurz nach, räumt dann den tisch auf und bewegt sich wie innerlich zerstört zurück hinter seine bar.

    als wäre mit dem verschwinden der frauen ein flur im raum freigeworden, dreht sich der mann, der vorher im dunkeln gesessen hatte, richtung fenster um. ein weicher schatten wie von einem rinnsaal leckt sein gesicht. es atmet.

  28. Mathis Erml | November 11, 2008 at 12:29 pm | Permalink

    Liebe sirenomele,

    …ein weicher schatten >wie

  29. Mathis Erml | November 11, 2008 at 12:31 pm | Permalink

    Liebe sirenomele,
    …ein weicher schatten >wie

  30. Mathis Erml | November 11, 2008 at 12:49 pm | Permalink

    Regensburg.

    Ein Chanson im Radio, die Zeitung auf dem Tisch, das Feuilleton fehlt, er zieht einen Kugelschreiber aus seiner Jackettasche, ein Kellner, Tee mit Rum, die Papierserviette zieht keine Tinte, reißt ein. Zwei Frauen ziehen ihre Jacken aus, setzen sich.

    Donaustauf war doch toll.
    - Adenauer, Dürer, van Dyck, Lessing, Klopstock,
    Friedrich, Wilhelm, Gluck, Goethe, Händel
    - Fugger, Wagner, Strauss, Herder, Bach, Jahn,
    Scharnhorst, Blücher, Gneisenau, Bismarck
    - die Scholl steht jetzt auch.

    Ein anderes Chanson, Dunhill, Cognac.

    Der da drüben, ist ja durch. Niedlich aber.
    - Bestimmt die Frau
    oder der Tee.

    - Du willst doch nicht

    Taschentuch?
    - Bitte?
    Ob Sie ein Taschentuch brauchen?
    - Danke.
    Sorgen?
    -
    Ob Sie Sorgen haben?
    - die Arbeit.
    Wo arbeiten Sie denn?
    - Im Stadtarchiv, mein erster Tag heute.
    Und schon Sorgen?
    -
    Sagen Sie schon.
    - Wie die Geschichte sortieren?
    Wie meinen Sie?
    - Wie die Geschichte sortieren?
    Verdammt noch mal, wie meinen Sie das?
    - Wie die Geschichte sortieren?

    Ein letztes Chanson, Dunhill, Rechnung.

    So ein Spinner.
    - die Frau oder der Tee?
    der Tee.

  31. Morgana | November 11, 2008 at 6:29 pm | Permalink

    Ein Montagmorgen im November. Draußen schüttet es wie aus Kübeln. Ein heftiger Wind weht durch die Straßen. Der Sommer ist endgültig gegangen und mit ihm die Leichtigkeit der Menschen.
    Es fällt einem schwer, sich aus dem Bett zu quälen, geschweige denn, das Haus zu verlassen.
    Ein Mann um die 30 mit Halbglatze und im Smoking hat dies trotzdem geschafft. Er sitzt in einem Café, in dem es nach frisch gebackenen Croissants riecht und genießt trotz der Tageszeit ein Glas Whiskey. Im Radio, das durch den Raum schallt, singt Elvis Costello. Der Mann hat tiefe Augenringe.

    Am Tisch nebenan sitzen zwei junge Frauen. Man könnte sie auf Anfang 20 schätzen. Eine von den beiden hat feuerrotes, lockiges Haar und ein mit Sommersprossen besprenkeltes Gesicht. Ihre Klamotten haben Farben wie Herbstlaub. Die andere junge Dame ist brünett, blass und sehr dunkel gekleidet. Sie wirken nicht so fröhlich, wie man es dem Ermessen des trinkenden Mannes nach sein müsste, wenn man so jung ist wie sie. Er führt das auf die Quarter-Life-Crisis zurück, eine psychische Krankheit bei jungen Leuten, von der er mal in einer Zeitschrift gelesen hatte. Als er sie belauscht und beobachtet, findet er heraus, dass er falsch liegt.

    Wenn man das Café betritt, spürt man eine unerträgliche Hitze. Aber am Tisch der beiden Freundinnen ist es eisig. Als Außenstehender merkt man ihnen die Angespanntheit sofort an. Die Albereien wie in glücklichen Momenten einer Freundschaft wären hier fehl am Platz.

    Die Dunkle wagt einen vorsichtigen Ansatz zu einem unbefangenen Gespräch:
    „Mistwetter. Ich habe meinen Regenschirm vergessen und kriege schon wieder Locken.“
    Die Rothaarige antwortet mit einem Schweigen.
    „Dieser Typ von der Party hat sich bei mir gemeldet. Ich wusste gar nicht mehr, dass ich ihm meine Nummer gegeben hatte. So toll, wie ich vielleicht getan hatte, fand ich den gar nicht …“
    „Ja, das sind schon ernste Probleme, mit denen du dich herumschlagen musst.“ Der bösartige Unterton ist kaum zu überhören. Mit Smalltalk klappt es also nicht, bemerkt die Dunkle.
    „Es tut mir leid.“
    Die Dunkle bekommt wieder ein Schweigen als Antwort.
    „Alkohol ist böse. Ich sollte aufhören, zu trinken. Unter Alkoholeinfluss zerstört man Freundschaften, die noch nicht entstanden sind und stellt Beziehungen her, die man nüchtern vielleicht gar nicht wünscht. Dass ich dir nicht vertrauen würde, war nicht so gemeint.“
    „Ach ja? Ich dachte, Betrunkene sagten die Wahrheit?“
    Zum ersten Mal blickt die Rothaarige von ihrem Milchkaffee auf und schaut ihr Gegenüber an. Ihre blitzenden eisblauen Augen unterstreichen den Zorn, mit dem sie diesen Satz gerade über den Tisch geschleudert hatte.
    Um Zeit zu gewinnen und die richtigen Worte zu finden, nimmt die Dunkle einen Schluck von der heißen Schokolade, die ihr nun bitterer als vorher schmeckt.
    „Ich hatte zu harte Worte gewählt für Dinge, die mich nicht so sehr stören, wie es an diesem Abend rüberkam.“
    „Soll heißen?“
    Nicht die gewünschte hoffnungsvolle Neugier, sondern gelangweilte Skepsis bekommt die Dunkle von ihrer Freundin zu spüren.
    „Ich kann auch schauspielern und lügen, wenn ich betrunken bin. Ich fühle mich schlecht. Aber ich will nicht mit dir reden, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, sondern um zu retten, was mir seit dieser Nacht sehr angeschlagen vorkommt. Was ich gesagt hatte, war nicht anklagend gemeint, sondern eine Feststellung, eine vielleicht zu vorschnelle. Ich bin nicht so ein Mensch, der eine Schwäche bei anderen feststellt und sie daraufhin spontan abschreibt - nicht wenn diese Menschen es wert sind, weiter mit Ihnen befreundet zu sein. Jeder Mensch hat Schwächen, manche mehr, manche weniger. Aber es kommt auf die Stärken an, mit denen man diese Schwächen wieder ausgleichen kann. Ich kenne dich noch nicht lange, aber momentan kenne ich Stärken von dir, die überwiegen. Ich kann mir kein Urteil darüber erlauben, was für ein Mensch du bist, nur weil du ein bestimmtes Verhaltensmuster an den Tag gelegt hattest, das mich an andere Menschen erinnert. Aber ich mit meinen hohen moralischen Wertvorstellungen hatte vergessen, dass auch noch Menschen existieren, die man nicht einfach in eine Schublade stecken kann. Ich will mich für dieses harte Urteil über dich entschuldigen. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel. Du gehörst nämlich zu den Menschen, die für mich nicht austauschbar sind. Es wäre schade, wenn diese Freundschaft wegen eines dummen Spruchs enden würde.“

    Der Mittdreißiger fängt leise zu schluchzen an.
    Die jungen Frauen drehen sich um und wundern sich.

    Sie wissen nicht, dass er sich vor einer Woche heftig mit seinem besten Freund gestritten hatte.
    Sie wissen nicht, dass er zu stur war, seinen besten Freund zu einer Aussprache zu bewegen.
    Und sie wissen auch nicht, dass es dafür nun zu spät ist, weil eben dieser beste Freund am Tag zuvor ums Leben gekommen ist.

  32. ANH | November 11, 2008 at 10:19 pm | Permalink

    @ Luka zur überarbeiteten Fassung:

    Zwei junge Frauen platzen in das Café. Sie tragen knisternd bunte

    so bunt, daß sie knistern? Meinen Sie das wirklich?

    Plastiktüten in ihren Händen. Die Frauen lachen und albern. Sie nehmen einen Tisch in der Mitte des Raumes ein, ordnen ihre Mäntel und Frisuren

    : seltsame Zusammenstellung, da sie wahrscheinlich die Frisuren nicht über die Stuhllehne legen und wohl auch nicht an den Haken hängen. Aufpassen hier. Ein bißchen entknoten.

    . Die große Blonde

    : das ist fast ein Zitat; nur so gesagt; Sie sollten es wissen.

    bestellt ,,Zwei Kaffee flavored Amaretto

    : das bedeutet, daß der Amaretto geflavored ist, oder?

    ”, sogar der gekonnte Augenaufschlag in Richtung des Kellners fehlt nicht.

    : Wieso „sogar“?

    Ein Mann im grauen Mantel sitzt am Rand, direkt an den großen Fenstern, die die Kälte des Novembers nicht völlig draussen halten können

    : das ist nicht schön formuliert.

    . Die Finger des Mannes spielen mit der Zigarette, die er hier nicht rauchen darf. Wenn er seine Hände zum wärmenden Anhauchen an den Mund führt, zeigt sich sein Atem in kleinen weißen Wolken.

    : Das heißt, er sitzt draußen v o r dem Café? Das wird aber nicht gleich klar.

    Weiß zeigt sich auch der dampfende Kaffee vor ihm

    :verstehe ich nicht.

    , von dem er jedoch noch keinen einzigen Schluck genommen hat.
    Die Geräusche des Cafés, die aufgeregten Stimmen der Menschen, das geschäftige Klappern des Geschirr, passen so gar

    : wer seufzt das?

    nicht zu dem grauen stillen Mann

    :der M a n n ist grau? Nicht sein Mantel? Oder der auch?

    .
    Gerade

    : ich schriebe hier „soeben“.

    kramt eine der Frauen ein paar Kleidungsstücke aus den Tüten heraus. Strahlend, witzelnd

    :das Komma in der Aufzählung hemmt den Fluß; ich sehe keine eigentliche Funktion dafür.

    hält sie sich einen roten Rollkragenpullover vor ihren Oberkörper

    : Idiom: „Sie hält ihn sich an“; das wäre eleganter.

    , jedes Kleidungsstück wird laut und gestenreich kommentiert.

    : Sie bleiben äußerlich, bleiben auf einer Beschreibungsebene, die einen nicht ins Geschehen hineinzieht.

    Das Gesagte

    :Welches „Gesagte“? Und dann ist das auch Sprachstelz.

    ist nicht nur für ihre Ohren bestimmt

    :Das wäre auch verwunderlich, da sie doch mit einer Freundin da ist. Weshalb sollte sie dann Selbstgespräche halten? Also muß man das auch nicht verneinen. Erst im Folgenden werden Sie deutlicher, da bitte raffen:

    . Die Frauen genießen die unterschwellige Aufmerksamkeit der anderen Menschen, für ihr Publikum spielen sie Theater.
    Der Mann sackt auf seinen Stuhl zurück. Seine Augen sind gerötet, seine Haare flüchtig mit Wasser zurückgestrichen

    :woher hat er das Wasser, wenn er also doch drinnen sitzt? Ah ja!::

    , scheinbar

    : nur meinen Sie „anscheinend“ und nicht „scheinbar“. Diese Wörter meinen je etwas ganz anderes („scheinbar“ hat den Sinn, daß der Mann n i c h t auf der Toilette war; „anscheinend“ meint „wahrscheinlich“)

    war er auf der Toilette. Seine Hände reiben über Stirn, Lider, seine Wangen

    :wieso betonen sie seine Wangen? Liegt es nahe, daß er über jemanden anderes Wangen streicht?

    . Doch Trauer lässt sich nicht einfach wegreiben.

    :Von Trauer war noch gar nicht die Rede. Und die Vergeblichkeit sollte aus der Beschreibung kommen, nicht als eine Behauptung des Autors.

    Wie ein grauer Stein

    :das mit dem Grau ist zuviel jetzt.

    sitzt er am Rand

    :ebenfalls unnötig wiederholt.

    , ausgeschlossen, eingeschlossen. Auf einer Bühne steht er nicht.
    Und es geht ihm doch so scheiße schlecht, verdammt.

    :Das ist jetzt Rollensprache?

    Ein leiser Regen

    :das heißt, der Regen macht wenig Geräusche. Oder meinen Sie einen linden Regen?

    hat eingesetzt

    :auch nicht schön. Regen setzt ein, Sonne setzt ein, der Morgen setzt ein. Nee.

    . Die Tropfen rinnen außen an den Fensterscheiben herunter.

    :Problem: Was ist mit etwaigen Kondenswasser? Aber nur am Rande gefragt.

    Der Mann verdeckt seine Augen mit beiden Händen.
    Der Tisch der Frauen ist mit

    den

    bunten Klamotten

    unterdessen

    völlig bedeckt. Sie lachen

    :die Klamotten? Bezug!

    und die Welt lacht mit ihnen

    :wieso tut die Welt das, inwiefern tut sie’s? Zumal der Satz behauptet, daß der Mann nicht zur Welt gehöre.

    Den Regen bemerken sie gar nicht.

  33. ANH | November 11, 2008 at 10:40 pm | Permalink

    @ Herrn urian zu Der Pfleger (2)

    Sehr sehr sehr viel besser! Hier funktionieren jetzt auch die vielen „ist“s, „sind“s usw. Der Text hat jetzt Geschwindkeit, er spiegelt auch Ausweglosigkeit wieder, und er hat zweidrei überraschende funktionierende Wendungen. Diesen Text zu überarbeiten, hat wirklich was gebracht.
    Dennoch, Einzelheiten:

    Er leert den Katheterbeutel in die Badewanne. Urin spritzt auf die Latexhandschuhe,

    “spritzt” (Wiederholung für den Rhythmus)

    auf Baumwolle und auf

    : „auf“ streichen.

    Haut. Ein beißender

    : „ein beißender“ streichen oder ein anderes Wort für „Gestank“ finden.

    Gestank steigt auf. Der Pfleger würgt. Er denkt an nichts.

    :G u t hier!

    Er nimmt die Brause und reinigt die Wanne. Dann tritt er in das enge Zimmer, in dem das Krankenbett steht. Er bückt sich und befestigt den Beutel am Gitter. Sein Rücken schmerzt. Vor ihm liegt der Körper einer alten Frau. Abwechselnd röchelt sie und murmelt vor sich hin. Speichel läuft aus ihrem Mund.
    Der Pfleger zieht

    : „sie“ für „den Körper“ einsetzen.

    den Körper aus, reibt ihn mit Seifenwasser ab, trocknet ihn. Die runzlige Möse

    : das ist n i c h t gut gelöst, zumal in klinischem Zusammenhang. Sprechen Sie von „das Geschlecht ist von einem Pilz befallen“; bleiben Sie neutral, klinisch halt, aber eben auch nicht, wie in der Vorfassung, prüde.

    ist von Pilz befallen. Der Pfleger reibt sie

    : entsprechend: „es“.

    mit Salbe ein. Er wickelt die Frau und kleidet sie an.
    Nach Schichtende geht der Pfleger zu Fuß nach Hause. Es regnet. Es ist seit Tagen kalt. Die Steine sind nass.

    :diese Reihung von Kurzsätzen ist ausgezeichnet.

    Die Menschen sitzen zu Hause, gucken Fernsehen, trinken Milchkaffee

    : hm, Milchkaffee trinkt man eher in einem Café; jedenfalls assoziiere ich das so.

    .
    Der Pfleger geht an einer Parkbank vorbei. Er denkt an den alten Mann, der gestern auf ihr saß. Mütter mit Kinderwagen gingen vorüber. Spaziergänger warfen Bälle, die von Hunden apportiert wurden. Das Laub war noch trocken. Es tanzte im Wind.

    :Fein hier, dieses „es tanzte im Wind“!

    Der Pfleger erreicht ein Wohngebiet. Er sieht Baustellen, an denen die Arbeit ruht. Er geht über einen Spielplatz. Der Pfleger durchquert eine Hochhaussiedlung. Fußballtore stehen auf einem Feld neben den Häusern. Ungenutzt.

    :Das ist unnötig, weil:

    Der Rasen ist schlammig. Ein Wasserfilm ist

    :ja! Genau! Hier w i e ungelenk „ist“ schreiben.

    auf der Jacke. Das Gesicht wird gewaschen. Der Pfleger fühlt sich reiner.

    :Genauigkeit. „reiner“ heißt, er sei vorher schon „rein“ gewesen. Dann landen Sie bei Persil-Werbung: reiner als rein.

    Er geht ein paar Blocks weiter und betritt wieder einen Park. Auch hier kaum Menschen. Nur einer führt einen nassen Hund umher.
    Am Ende des Parks ist ein Café. Der Pfleger friert. Er möchte einen Tee trinken. Er steht vor den Scheiben und blickt in den Innenraum. Der Pfleger

    :nein! Schneller!: „er“ wiederholen, anstatt „der Pfleger“ zu schreiben.

    sieht sie sofort. Das Blut prescht

    :zu dicke.

    durch seine Adern. Sie sitzt an einem Tisch in der Mitte des Raumes. Er will sie berühren,

    auch zu dicke:

    an ihren Lippen saugen.

    Mit den folgenden Expressionismen moderater umgehen, sonst bleibt das Papier:

    Der Blick ernährt ihn, lässt Lebenskraft zurückkehren.
    Sie arbeitete in einer Kneipe. Der Pfleger war seit Jahren Stammgast. Anfangs war er ein Gelegenheitsschwärmer, später kam er immer, wenn die junge Frau Dienst hatte. Die meisten seiner Kumpels belächelten die Freundschaft.

    :Wieso Freundschaft? Das ist doch wohl eine eher einseitige Geschichte gewesen, also Freundschaft, wie wir dann auch im weiteren lesen, überhaupt nicht.

    Es machte ihm nichts

    “aus”

    . Er war verliebt. An einem Samstag war er der letzte Besucher. Sie räumte die Tische ab. Der Pfleger war betrunken. Er plauderte über dies und das. Sie flitzte durch den Raum, stand plötzlich am Tisch vor ihm.

    Das Folgende kann ersatzlos weg:

    Es war ihm klar. Er wollte sie vögeln.

    Ab hier weitererzählen, das reicht völlig:

    Seine Hand muss sich nach vorne bewegt haben. Von seinem Hausverbot erfuhr er Anfang der Woche.

    :Diese unmittelbare Wende in Form eines direkt an den Vorsatz geschobenen Quasi-Filmschnitts ist ausgezeichnet.

    Sie wolle ihn nicht mehr sehen, hieß es.
    Der Pfleger betritt das Café. Die Luft ist verraucht, der Raum erfüllt von den Unterhaltungen der Gäste und dem Geklapper des Geschirrs. Die Schläfen pochen. Sein Blick ist scharf. Eine Freundin ist bei ihr. Es zieht ihn in die Ecke, in den Schutz von Pflanzen. Die Frau sitzt aufrecht. Sie ist jung, viel jünger als der Pfleger. Er blickt in ihr Gesicht. Sie blickt zurück, scheint sich kurz zu erinnern, redet ungetrübt fort. Der Pfleger geht vorbei. Es sticht in seinem Magen.
    Der Pfleger setzt sich. Er bestellt einen Tee. Er streift die Jacke vom Körper und hängt sie zum Trocknen auf einen Stuhl

    : n a c h d e m er sich gesetzt hat???

    . Der Uringestank sitzt

    : „sitzt“?

    noch in der Nase des Pflegers. Die

    :nein, „seine“.

    Augen sind nass. Der Pfleger atmet schwerer. Die Bedienung bringt den Tee. Der Pfleger beugt sich über die Tasse. Er starrt sie an. Er pendelt leicht. Sein Haar ist frisch und noch nass vom Regen. Der Pfleger muss husten.

    Das Folgende würde ich streichen:

    Dann der Würgereiz. Der Pfleger schafft es, sich nicht zu übergeben.

    Und ab hier weitererzählen und damit dann auch enden:

    Er ist erschöpft. Sein Gesicht ist alt.

  34. ANH | November 11, 2008 at 10:59 pm | Permalink

    @ sirenomele zu „ein cafehaus mit eleganten holzstühlen“.

    Feiner untergründiger Text, wieder einmal. Sehr filmisch und bestimmt auf der Bühne spannend. Ein bißchen was hängt aber trotzdem noch durch, bzw. stockt:

    ein cafehaus mit eleganten holzstühlen und -tischen, leicht erblindete spiegel hängen an den wänden. in den boden hat sich der schmutz eingetreten und es bilden sich

    : 1) es bilden sich jetzt erst, oder sind sie bereits da? 2) Ich würde nicht mit „und“ anschließen, sondern einen neuen Satz beginnen.

    kaum merkliche

    : „merklich“ bedeutet vor allem: für den Tastsinn (hier: der Fußsohlen durch die Schuhe hindurch; überlegen Sie noch mal, bitte).

    täler und darin graue pfade. der kellner hat keine hände

    :tolle Idee!

    ; er bewegt sich aber in seiner weise

    : „in seiner Weise“ ist, weil Umgangssprache, a bisserl flach.

    äusserst geschickt.

    FRAU 1
    du hast recht.
    FRAU 2
    man darf sich damit nicht auf ein

    Bindestrich

    und dieselbe ebene stellen.

    FRAU 1
    was für eine maßlose verschwendung der möglichkeiten –
    FRAU 2
    der zeit –
    FRAU 1
    (hebt den finger)
    immerhin nicht des raumes.
    FRAU 2
    tja, sie hat im grunde nicht die richtung, nur die konsequenz verloren.
    (ihr blick fällt aus dem fenster.)
    – es regnet.

    BITTE HIER REGIEANWEISUNG VON DIALOG AUCH DER FORM NACH DEUTLICHER ABSETZEN, ES SEI DENN, DIE VERWIRRUNG IST INTENDIERT:

    die erste frau wendet sich um.
    FRAU 1
    wenn ich an ihrer stelle gewesen wäre –
    FRAU 2
    schon im anfang, schon das ist unmöglich.
    die erste frau will abaschen

    :DITO – aber: abaschen, das hat was von „abspritzen“. Wollen Sie das?

    und stösst dabei

    „fast“ vorziehen.

    ihre tasse fast um. es klirrt.
    FRAU 2
    es ist letztlich nicht unsere sache.
    FRAU 1
    du hast recht.
    (sie nestelt und sucht etwas in ihrer handtasche)
    es beschäftigt den kopf.
    FRAU 2
    aber man darf sich nicht allzusehr damit identifizieren.
    FRAU 1
    entschuldige. ich muss mal auf die toilette.
    sie drückt ihre zigarette aus, steht auf und geht durch eine tür.
    derweil betritt von der anderen seite, von draußen, eine dritte frau das lokal. sie ist fett und hat ein rot-fleckiges gesicht, wie eine abgearbeitete, abgeschminkte schauspielerin. sie setzt sich an das andere ende des raumes und zieht fratzen.
    die zweite frau dreht sich zu der dritten frau um.
    FRAU 2
    es hat eine störende wirkung.

    :Schöne Kehre!

    FRAU 3
    (schaut sie nicht an)
    FRAU 2
    (scheinbar gutmütig)
    wo kommen sie denn jetzt her?
    FRAU 3
    (schaut sie nicht an.)
    FRAU 2
    (zieht sachte die augenbrauen hoch)
    die dritte frau zeigt auf den mann, der an der hinteren wand, mit dem rücken zum rest der kaffeehausbesucher gewandt, im dunklen sitzt.
    FRAU 2
    der herr dort drüben?
    FRAU 3
    er war schon gestern hier.
    er hat keine ohren.

    :Toll!

    sehen sie?
    FRAU 2
    so etwas interessiert mich nicht.
    (sie wendet sich zurück.)
    FRAU 3
    es ist auch nicht wirklich wichtig.
    (sie schneidet wieder fratzen.)
    die erste frau kommt zurück.
    FRAU 1
    (setzt sich. mit blick auf die dritte frau)
    es gibt —
    existenzen, man möchte meinen, –
    sie wollen etwas sagen.
    FRAU 2
    aber sie kommen einfach nicht zum punkt.
    sie nicken kurz einander zu. die zweite frau winkt nach dem kellner, sie bezahlen.
    KELLNER
    (während er das geld einsteckt)

    (Wie denn, ohne Hände?)


    haben sie bedacht, –
    (er schaut langsam auf)
    FRAU 1
    wir haben einen schirm.
    FRAU 2
    wir werden übrigens auch nicht wieder kommen.

    :NEUE DEUTSCHE RECHTSCHREIBUNG, DUMMERWEISE. „Wir werden nicht wieder kommen“ ist etwas anderes als „Wir werden nicht wiederkommen.“

    FRAU 2
    es liegt nicht an ihnen.
    KELLNER
    (blickt nach draußen)
    ich kann sie nicht zurückhalten?
    FRAU 1
    es gibt diesbezüglich keine zukunft.
    die dritte frau fällt vom stuhl und krümmt sich auf dem boden.
    FRAU 2
    in anderen hinsichten auch nicht.
    KELLNER
    (mit dem blick nach draußen)
    dafür habe ich verständnis.
    FRAU 2
    wir wünschen einen guten tag.
    eine jede nimmt ihren mantel, ihre tasche, ihren schirm und sie gehen. der kellner schaut ihnen kurz nach, räumt dann den tisch auf und bewegt sich wie innerlich zerstört

    :seltsame Regieanweisung, das kann man umsetzten, wie man will.

    zurück hinter seine bar.
    als wäre mit dem verschwinden der frauen ein flur im raum freigeworden

    :Hm, damit bin ich nicht glücklich, mit diesem Flur. Schon klar, was Sie meinen: er kann jetzt ungehindert zum Fenster sehen, aber ist das dann schon ein Flur? Bedenken Sie d a z u: In Wald und Flur, Flurbereinigung usw.

    , dreht sich der mann, der vorher im dunkeln gesessen hatte, richtung fenster um. ein weicher schatten wie von einem rinnsaal

    : „wie von einem Rinnsal“, da müßte noch eine andere Lösung her.

    leckt sein gesicht. es atmet.

  35. ANH | November 11, 2008 at 11:17 pm | Permalink

    @ Mathis Erml zu: Regensburg.

    Ein Chanson im Radio, die Zeitung auf dem Tisch, das Feuilleton fehlt, er zieht einen Kugelschreiber aus seiner Jackettasche, ein Kellner, Tee mit Rum, die Papierserviette zieht keine Tinte

    „und“ statt des folgenden Kommas.

    , reißt ein. Zwei Frauen ziehen

    :Vorsicht: „zieht“, „ziehen“.

    ihre Jacken aus, setzen sich.
    Donaustauf war doch toll.
    - Adenauer, Dürer, van Dyck, Lessing, Klopstock,
    Friedrich, Wilhelm, Gluck, Goethe, Händel
    - Fugger, Wagner, Strauss, Herder, Bach, Jahn,
    Scharnhorst, Blücher, Gneisenau, Bismarck
    - die Scholl steht jetzt auch.

    :Klasse Dialog-Idee, auch in der unabgesetzten Durchführung!

    Ein anderes Chanson, Dunhill, Cognac.
    Der da drüben, ist ja durch.

    :Versteh ich nicht (”durch sein”, Idiomatik; ich vermute, es handelt sich hier um Slang oder um ein dialektales Idiom , bin mir aber nicht sicher).

    Niedlich aber.
    - Bestimmt die Frau
    oder der Tee.
    - Du willst doch nicht
    Taschentuch?
    - Bitte?
    Ob Sie

    : Das „Sie“ bringt Verwirrung. Wieso plötzlich der Anredewechsel. Der Dialog davor funktionierte, weil nicht klargemacht werden mußte, wer mit wem. Hier aber muß es das. Die Szene ist allein durch die Aufgabenstellung verständlich. Der Text sollte aber ohne sie funktionieren.

    ein Taschentuch brauchen?
    - Danke.
    Sorgen?
    -
    Ob Sie Sorgen haben?
    - die Arbeit.
    Wo arbeiten Sie denn?
    - Im Stadtarchiv, mein erster Tag heute.
    Und schon Sorgen?
    -
    Sagen Sie schon.
    - Wie die Geschichte sortieren?
    Wie meinen Sie?
    - Wie die Geschichte sortieren?
    Verdammt noch mal, wie meinen Sie das?
    - Wie die Geschichte sortieren?

    :Schöne Pointe, auch und gerade darin, daß Sie sie vorziehen.
    Ein letztes Chanson, Dunhill, Rechnung.
    So ein Spinner.
    - die Frau oder der Tee?
    der Tee.

    :auch das Ende sitzt gut.

  36. ANH | November 11, 2008 at 11:46 pm | Permalink

    @ Morgana zu: Ein Montagmorgen im November.

    Ein Montagmorgen im November. Draußen schüttet es wie aus Kübeln

    :abgestandene Redewendung.

    . Ein heftiger Wind weht

    :Wind weht immer. Beschreiben Sie das Wehen oder wählen Sie ein anderes Verb.

    durch die Straßen. Der Sommer ist endgültig gegangen

    : „gegangen“ oder „vergangen“ oder, ganz einfach: „ist vorüber“?

    und mit ihm die Leichtigkeit der Menschen

    :das ist häßlich: „die Leichtigkeit ist gegangen“, zumal d e r Menschen, also aller.

    .
    Es fällt einem schwer, sich aus dem Bett zu quälen

    :doppelt: wenn etwas schwerfällt, ist die Quälerei redundant.

    , geschweige denn, das Haus zu verlassen.
    Ein Mann um die 30 mit Halbglatze und im Smoking hat dies trotzdem geschafft

    :Offenbar morgens (wenn man aufsteht), aber im Smoking? Das erheischt eine Erklärung.

    . Er sitzt in einem Café, in dem es nach frisch gebackenen Croissants riecht

    Komma

    und genießt trotz der Tageszeit

    : „trotz der Tageszeit“ ist nicht gut, mal abgesehen davon, daß Männer, die morgens im Smoking das Haus verlassen, g a r nicht ungewöhnlich sind, wenn sie der Garderobe gemäß einen Whiskey trinken. Übrigens: Whiskey mit „ey“ meint Bourborn oder Kentucky; Whisky mit nur „y“ meint Scotch (bzw. Malt).

    ein Glas Whiskey. Im Radio, das durch den Raum schallt, singt Elvis Costello. Der Mann hat tiefe Augenringe.
    Am Tisch nebenan sitzen zwei junge Frauen. Man könnte

    :wieso „könnte“? Weil tatsächlich k e i n e r schätzt?

    sie auf Anfang 20 schätzen. Eine von den beiden

    : „von den beiden“ ist überflüsssig.

    hat feuerrotes, lockiges Haar und ein mit Sommersprossen besprenkeltes Gesicht. Ihre Klamotten

    : „Klamotten“: seltsamer Ausdrucksbruch; sie wechseln das Sprachniveau.

    haben Farben wie Herbstlaub. Die andere junge Dame ist brünett, blass und sehr dunkel gekleidet

    : unlogisch: wenn beider Klamotten bunt wie Herbstlaub sind, können die Klamotten der einen Frau schlecht dunkel sein.

    . Sie

    :Die Klamotten?

    wirken nicht so fröhlich, wie man es dem Ermessen des trinkenden Mannes nach

    :g a n z gestelzter Ausdruck!

    sein müsste, wenn man so jung ist wie sie. Er führt das

    :was? Wenn man so jung ist ODER daß sie nicht fröhlich wirken?

    auf die Quarter-Life-Crisis zurück, eine psychische Krankheit bei jungen Leuten, von der er mal in einer Zeitschrift gelesen hatte. Als er sie

    :die Zeitschrift? die Krankheit?

    belauscht und beobachtet, findet er heraus, dass er falsch liegt

    :Umgangssprache; geht in Richtung Klamotten.

    .
    Wenn man das Café betritt, spürt man eine unerträgliche

    : „unerträglich“ u n d Hitze, das ist für ein Café nicht glaubhaft.

    Hitze. Aber am Tisch der beiden Freundinnen ist es eisig.

    :Das verstehe ich rein physikalisch dann nicht.

    Als Außenstehender merkt man ihnen die Angespanntheit sofort an.

    :Welche Angespanntheit?

    Die Albereien wie in glücklichen Momenten einer Freundschaft wären hier fehl am Platz.

    :Wer spricht/denkt das? Bei Ihnen geht jetzt die Erzählperspektive aus dem Leim.

    Die Dunkle wagt einen vorsichtigen Ansatz zu einem unbefangenen Gespräch:

    :Nein! Nicht kommentieren“! Einfach erst mal sprechen lassen:

    „Mistwetter. Ich habe meinen Regenschirm vergessen und kriege schon wieder Locken.“
    Die Rothaarige antwortet mit einem Schweigen.
    „Dieser Typ von der Party hat sich bei mir gemeldet. Ich wusste gar nicht mehr, dass ich ihm meine Nummer gegeben hatte

    :besser: habe. Das Perfekt stimmt, ein Plusquamperfekt hat hier keine Funktion.

    . So toll, wie ich vielleicht getan hatte

    :dito.

    , fand ich den gar nicht …“
    „Ja, das sind schon ernste Probleme, mit denen du dich herumschlagen musst.“ Der bösartige Unterton ist kaum zu überhören.

    :Nur daß der „bösartige“ Satz selber eher ungelenk wirkt. Wenn Sie Ihre Figuren einander verbal attackieren lassen, dann überlegen Sie sich Wendungen, die in ihrer Spitzheit auch sitzen. Im Gegensatz zu ihren Figuren haben Sie dafür Zeit.

    Mit Smalltalk klappt es also nicht, bemerkt die Dunkle.
    „Es tut mir leid.“
    Die Dunkle bekommt wieder ein Schweigen als Antwort.
    „Alkohol ist böse.

    :Oh!

    Ich sollte aufhören, zu trinken.

    Bitte nicht altklug werden, denn sowas, wenn die Figuren es werden, wird dem Autor angelastet. Mit Recht, übrigens:

    Unter Alkoholeinfluss zerstört man Freundschaften, die noch nicht entstanden sind

    :das geht nicht.

    und stellt Beziehungen her, die man nüchtern vielleicht gar nicht wünscht

    :Sie meinen ganz einfach, daß man sich Partner auch schöntrinken kann. Okay. Aber das muß man nicht derart aufgeladen „behördendeutschig“ formulieren.

    . Dass ich dir nicht vertrauen würde, war nicht so gemeint.“
    „Ach ja? Ich dachte, Betrunkene sagten die Wahrheit?“
    Zum ersten Mal blickt die Rothaarige von ihrem Milchkaffee auf und schaut ihr Gegenüber an. Ihre blitzenden eisblauen Augen unterstreichen den Zorn, mit dem sie diesen Satz gerade über den Tisch geschleudert hatte.

    :die ganze Formulierung ist einerseits äußerlich, andererseits an Unterhaltungsliteratur angelehnt: blitzend, eisgrau, Zorn, schleudernd…

    Um Zeit zu gewinnen und die richtigen Worte zu finden

    :Nein! Die Motivation möglichst selten erklären, sondern den Vorgang darstellen.

    , nimmt die Dunkle einen Schluck von der heißen Schokolade, die ihr nun bitterer als vorher schmeckt.

    :Wieso bitterer? Die Schokolade?

    „Ich hatte

    : Zeiten!

    zu harte Worte gewählt für Dinge

    :Meinen Sie wirklich Dinge???

    , die mich nicht so sehr stören, wie es an diesem Abend rüberkam.“
    „Soll heißen?“
    Nicht die gewünschte hoffnungsvolle Neugier, sondern gelangweilte Skepsis bekommt die Dunkle von ihrer Freundin zu spüren.

    :Stelz.

    „Ich kann auch schauspielern und lügen, wenn ich betrunken bin. Ich fühle mich schlecht. Aber ich will nicht mit dir reden, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, sondern um zu retten, was mir seit dieser Nacht sehr angeschlagen vorkommt.

    : Was meinen Sie mit „was mir seit dieser Nacht sehr angeschlagen“?

    Was ich gesagt hatte

    :dito.

    , war nicht anklagend gemeint, sondern eine Feststellung, eine vielleicht zu vorschnelle. Ich bin nicht so ein Mensch, der eine Schwäche bei anderen feststellt und sie

    :die Schwäche? Kann man Schwächen abschreiben? Ihre Wortwahl schludert, sorry.

    daraufhin spontan abschreibt - nicht wenn diese Menschen es wert sind, weiter mit Ihnen befreundet zu sein. Jeder Mensch hat Schwächen, manche mehr, manche weniger. Aber es kommt auf die Stärken an, mit denen man diese Schwächen wieder ausgleichen kann. Ich kenne dich noch nicht lange, aber momentan kenne ich Stärken von dir, die überwiegen. Ich kann mir kein Urteil darüber erlauben, was für ein Mensch du bist, nur weil du ein bestimmtes Verhaltensmuster an den Tag gelegt hattest, das mich an andere Menschen erinnert.

    :Das ist alles moralisches Frauenzeitschiftszeugs (Männerzeitschriften sind nicht besser).

    Aber ich mit meinen hohen moralischen Wertvorstellungen

    : na, das lassen Sie sich noch mal auf der Zunge zergehen: „ich mit meinen hohen moralischen Wertvorstellungen“… - klar, Sie können sowas auch einsetzen, um jemanden negativ zu characterisieren, aber ich glaube nicht, daß Sie das wollten.

    hatte vergessen, dass auch noch Menschen existieren, die man nicht einfach in eine Schublade stecken kann. Ich will mich für dieses harte Urteil über dich entschuldigen. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel.

    :Was soll sie nicht übelnehmen? Daß sich die Freundin entschuldigt. Ungenau.

    Du gehörst nämlich zu den Menschen, die für mich nicht austauschbar sind. Es wäre schade, wenn diese Freundschaft wegen eines dummen Spruchs enden würde.“
    Der Mittdreißiger fängt leise zu schluchzen an.
    Die jungen Frauen drehen sich um und wundern sich.

    : „und wundern sich“ kann ersatzlos gestrichen werden.

    Sie wissen nicht

    : Aber die Autorin/der Autor weiß es? Wieso? Na ja, weil er es erfunden hat. Nur genau das sollte ein Leser vergessen, während er liest.

    , dass er sich vor einer Woche heftig mit seinem besten Freund gestritten hatte

    :nein: „hat“.
    .
    Sie wissen nicht, dass er zu stur war, seinen besten Freund zu einer Aussprache zu bewegen.

    :ist, sich zu streiten, n i c h t, sich auszusprechen? Eine solche Meinung wäre jedenfalls hier erklärungsbedürftig – poetisch gesehen.

    Und sie wissen auch nicht, dass es dafür nun zu spät ist, weil eben dieser beste Freund am Tag zuvor ums Leben gekommen ist.

    :aua. Diese Moral-Pointe ist nun ein g a n z dicker Vorschlaghammer. Der haut aber nicht Pflöcke in den Erzählboden, an die man die Erzählungen gut festmachen könnte. Sondern er wird erzählungsfremd vom Himmel auf den Leser gerammt.

  37. sirenomele | November 12, 2008 at 1:32 pm | Permalink

    lieber mathis,

    tolle frage! ja, — mein “wie” scheint nicht nur sowieso unpassend zu sein und es hebt sich hervor durch das im vorigen absatz gebrauchte (ebenfalls etwas fragwürdige) “wie” –, es ist darüberhinaus auch fast eine ideologische frage, ob und wo man “wie” schreibt. (– ob in der fiktion andererseits nicht immer gesetzt IST, absolut fast.)

    es gab eine sperre, zu schreiben, was ich wirklich meinte: die weichen schatten des an den fenstern hinabrinnenden regens fallen auf sein gesicht. — das muss möglicherweise auch genauso geschrieben werden. das “wie” indessen sollte auf diesen effekt hinweisen, da es nicht wirklich “rinnsaale” sind, die über sein gesicht laufen (oder nur in der räumlichen konstellation.)

    @ANH

    (dank will ich sagen, auch wenn es zur floskel zu werden scheint: … )

    meinen sie tatsächlich, “abaschen” hätte mit “abspritzen” zu tun? ich finde die idee sehr witzig, wiewohl ich selbst nie darauf gekommen wäre. sie haben damit aber meine vermutung bestätigt, dass das wort “abaschen” probleme beim lesen bereitet; ich werde also darüber nachdenken.

    eine frage: wenn “in seiner weise” durch das alltagssprachliche herausfällt, würde ich sagen “super! bleibt stehen.” dass der kellner sich überhaupt “in seiner weise” bewegt, find ich nicht flach. — würden sie dennoch fürs streichen plädieren? warum?

  38. Mathis Erml | November 12, 2008 at 3:07 pm | Permalink

    an ANH.
    Danke für Lob und Kritik. Zu den Anmerkungen:

    :Vorsicht: „zieht“, „ziehen“.
    >> Hier möchte ich auf zu viel Wortmaterial verzichten:
    …, er z i e h t einen Kugelschreiber aus seiner J a c k e ttasche, …, die Papierserviette z i e h t keine Tinte, reißt ein. Zwei Frauen z i e h e n ihre J a c k e n aus, …

    :Versteh ich nicht (”durch sein”, Idiomatik; ich vermute, es handelt sich hier um Slang oder um ein dialektales Idiom , bin mir aber nicht sicher).
    >> meint hier: durch e i n a n d e r sein. (Ich habe das Komma missverständlich gesetzt.)

    (Ja, an den Wechsel der Personenkonstellation muss ich noch mal ran!)

  39. Shoshannah | November 12, 2008 at 7:46 pm | Permalink

    ad ANH:
    Danke für’s Willkommen!

    zu den Anmerkungen: Mir fiel selbst auf, dass durch die Namen die sozialvoyeuristische Perspektive nicht deutlich wird. Das habe ich nun geändert. Der ‘Witz’ (wollte übrigens nicht als solcher aufgefasst werden) mit der Zigarette bleibt, weil ich Rauchen in solchen Situationen, die man ja immer wieder in Film, Fernsehn und Literatur nacherleben kann, sehr unästhetisch finde. Die italienische Textzeile rekurriert auf den Lamento d’Arianna, ‘lasciate mi morire…’ ist nun hoffentlich deutlicher. Alles andere sollte sich nun erübrigen:

    Ich sitze im Café und höre zu.

    “Lass das Raisonnieren.”
    “Du hast mich gefragt, was ärgert es Dich nun.”
    “Kleena, hier passiert gerade mein ganz persönliches Tschernobyl.”
    “Du bist selbst Schuld, aber das weißt Du ja.”
    “Jaaah man lass mich.”
    “Wie gesagt, das Leben gehört den Lebenden an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.”
    “Hör mir auf mit Goethe. Pathetisches Geblubber, kommt vom Wetter. Geh lesen, ich richte mich selbst.”
    “Och! Du bist schwach und willst nicht scheitern, immer das Gleiche mit Dir! Irgendeiner Deiner ‘Freunde’ ist nicht mehr süchtig genug, Du kannst die Miete vielleicht nicht zahlen, dann treffen wir uns hier und Du bist unglücklich, willst nichts hörenaber eigentlich ja doch, trinkst Deinen Kompromissmilchkaffee.”

    Die Belehrte kratzt sich am Handgelenk.

    “Bleib besser mal verwirrt ein paar Abende weinend zuhause, als ständig verirrt. Du willst nur machen machen machen, kein Innehalten. Was Du suchst, liegt nicht unbedingt da draußen.”

    Hektischeres Kratzen.
    Einer mit Hut, der mit dem Rücken zum Raum sitzt, summt kaum noch hörbar die Melodie zu ‘lasciate mi morire’ und schnieft. Die Andere lehnt sich zurück, leert ihren caffè macchiato in einem Zug, mustert ihre Begleiterin über den Tassenrand hinweg und zündet sich keine Zigarette an. Dann gucken beide im Raum herum, die eine wippt mit den Beinen und macht Handbewegungen, als schälte sie Mandarinen, die sie sich in ihrem Schoß liegend vorstellt, die andere fixiert schließlich den Summenden und versucht gut viereinhalb Minuten, die Melodie zu erkennen.

    “Was ist das für ein Lied?”
    “Mir doch egal. Frag halt.”

    Sie steht auf, setzt sich aber wieder hin, kramt umständlich in ihrer Tasche, drückt der anderen mehrere Hunderteuroscheine in die Hand und legt fünf Euro auf den Tisch.

    “Gehst Du oder wie?”
    “Ja, sehn uns morgen. Denk an mich.”
    “Jaja. Dir sollte man mal den Spiegel vorhalten.”

    Dreht sich um, rempelt den Behüteten im Gehen an.

  40. maudit | November 15, 2008 at 2:36 am | Permalink

    @ANH: vielen Dank fuer Ihre Durchsicht. Ich habe den Text noch einmal umgeschrieben:

    Anna war eingeschlafen, holte Luft in tiefen Zügen. Der Atem des Kinds war kaum hörbar, er ging hektisch, fiebrig. Thomas glitt von der Bettkante, schlich zur Tür und schaltete das Licht aus. Sehr sacht drückte er die Klinke, trat hinaus in den Flur und zog die Tür hinter sich zu.

    Der Riegel klickte ins Schloß.

    Thomas ging den langen Gang hinunter durch das fahle Licht. Im Treppenhaus starrte er auf die aufleuchtenden Ziffern über dem Liftportal. Der Fahrstuhl hielt, die Türflügel schoben sich auf. Als sie sich wieder schlossen, stürzte Thomas zur Kabine und zwängte sich hinein.

    Während der Fahrt sah er sich vervielfacht umstellt. Bilder blitzten auf, als zählte der Etagenanzeiger die Stunden rückwärts: blaugrau das Säuglingsgesicht, im Infusionsbeutel zitternde Wellenkreise, die festen, abwesenden Gesichter der Sanitäter im rotierenden Blaulicht.

    Er eilte zum Hauptausgang. Maskenhaft erschien im Lichthof der Tischlampe das Gesicht des Pförtners. Das Klacken der Schritte hatte ihn aufgeschreckt, er grüßte:

    - Guten Morgen! Wie geht es Ihrer Frau?

    - Sie schläft. Es ist vorbei.

    Thomas stand schon im Windfang und trat ins Freie. Über Nacht hatte es zu schneien begonnen. Nasse Flocken fielen ihm auf den Scheitel, glitten über Nacken und Stirn. In der Dämmerung, mit laufendem Motor, stand ein Taxi. Er ging darauf zu, bog dann aber ab.

    Soeben öffnete das kleine Café neben der Empfangshalle der Klinik. Thomas setzte sich auf einen Stuhl in der Ecke. Der Betreiber des Cafés zog das Rollgitter vor der Kasse hoch, brachte Kaffee und ging in den Hinterraum.

    Thomas nahm einen Schluck, schob die Tasse zur Seite, verschränkte die Arme auf der Tischplatte und legte den Kopf auf.

    Noch gestern, am Nachmittag, als Anna sich, schwer auf ihn gestützt, durch den Stadtpark geschleppt hatte, hatte Thomas nach Worten gesucht. Mehrmals hatte er den richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch kommen gefühlt. Dann hatten die Wehen eingesetzt, und Thomas war fast beleidigt gewesen. Er hatte sich gewünscht, der Krankenwagen hielte nicht mehr an. Beim Aussteigen war er im Weg gestanden, trottelig, beflissen. Später hatte Thomas das Kind in den Händen gehalten und trotz des Federgewichts hatte er geschwankt und sich setzten müssen.

    Stimmen und Stühlerücken weckten ihn. Krankenhauspersonal erhob sich von den Tischen. Mühsam setzte er sich auf. Die Espressomaschine schlürfte und zischte. Der Getränkeautomat entließ knallend eine Ladung. Zwei Krankenschwestern gingen hinaus auf die Terrasse. Thomas erkannte sie von hinten. Er blieb auf dem Stuhl sitzen, suchte Schutz hinter Tisch, Vase, Tasse. Lau und bitter war der Kaffee. Thomas war unfähig sich zu bewegen, ein Kältefilm legte sich auf seine Lider.

    Der Schnee war in Regen übergegangen, schmilzende Flocken rutschten über die Glasfront. Draußen, unter das Vordach gedrängt, standen die beiden Frauen, rauchend, übernächtigt. Nun hatte sie ihn gesehen, wechselte einige Worte mit der anderen und trat herein. Sie blickte Thomas direkt an, lächelte leise, kam geradewegs auf ihn zu, katzenhaft, mit biegsamen Schritten.

  41. herr urian | November 16, 2008 at 12:44 pm | Permalink

    Der Pfleger (3)
    Er leert den Katheterbeutel in die Badewanne. Urin spritzt auf die Latexhandschuhe, spritzt auf Baumwolle und Haut. Ein Gestank steigt auf. Der Pfleger würgt. Er denkt an nichts.
    Er nimmt die Brause und reinigt die Wanne. Dann tritt er in das enge Zimmer, in dem das Krankenbett steht. Er bückt sich und befestigt den Beutel am Gitter. Sein Rücken schmerzt. Vor ihm liegt der Körper einer alten Frau. Abwechselnd röchelt sie und murmelt vor sich hin. Speichel läuft aus ihrem Mund. Der Pfleger zieht sie aus, reibt sie mit Seifenwasser ab, trocknet sie. Das Geschlecht ist von einem Pilz befallen. Der Pfleger reibt es mit Salbe ein. Er wickelt die Frau und kleidet sie an.
    Nach Schichtende geht der Pfleger zu Fuß nach Hause. Es regnet. Es ist seit Tagen kalt. Die Steine sind nass. Die Menschen sitzen zu Hause, gucken Fernsehen, trinken Kaffee.
    Der Pfleger geht an einer Parkbank vorbei. Er denkt an den alten Mann, der gestern auf ihr saß. Mütter mit Kinderwagen gingen vorüber. Spaziergänger warfen Bälle, die von Hunden apportiert wurden. Das Laub war noch trocken. Es tanzte im Wind.
    Der Pfleger erreicht ein Wohngebiet. Er sieht Baustellen, an denen die Arbeit ruht. Er geht über einen Spielplatz. Er durchquert eine Hochhaussiedlung. Fußballtore stehen auf einem Feld neben den Häusern. Der Rasen ist schlammig. Ein Wasserfilm ist auf der Jacke. Das Gesicht wird gewaschen. Der Pfleger fühlt sich rein. Er geht ein paar Blocks weiter und betritt wieder einen Park. Auch hier kaum Menschen. Nur einer führt einen nassen Hund umher.
    Am Ende des Parks ist ein Café. Der Pfleger friert. Er möchte einen Tee trinken. Er steht vor den Scheiben und blickt in den Innenraum. Er sieht sie sofort. Sein Blut fließt schneller. Sie sitzt an einem Tisch in der Mitte des Raumes. Er will sie berühren. Der Blick ernährt ihn.
    Sie arbeitete in einer Kneipe. Der Pfleger war seit Jahren Stammgast. Anfangs war er ein Gelegenheitsschwärmer, später kam er immer, wenn die junge Frau Dienst hatte. Die meisten seiner Kumpels belächelten ihn. Es machte ihm nichts aus. Er war verliebt. An einem Samstag war er der letzte Besucher. Sie räumte die Tische ab. Der Pfleger war betrunken. Er plauderte über dies und das. Sie flitzte durch den Raum, stand plötzlich am Tisch vor ihm. Seine Hand muss sich nach vorne bewegt haben. Von seinem Hausverbot erfuhr er Anfang der Woche. Sie wolle ihn nicht mehr sehen, hieß es.
    Der Pfleger betritt das Café. Die Luft ist verraucht, der Raum erfüllt von den Unterhaltungen der Gäste und dem Geklapper des Geschirrs. Die Schläfen pochen. Sein Blick ist scharf. Eine Freundin ist bei ihr. Es zieht ihn in die Ecke, in den Schutz von Pflanzen. Die Frau sitzt aufrecht. Sie ist jung, viel jünger als der Pfleger. Er blickt in ihr Gesicht. Sie blickt zurück, scheint sich kurz zu erinnern, redet ungetrübt fort. Der Pfleger geht vorbei. Es sticht in seinem Magen.
    Der Pfleger streift die Jacke vom Körper und hängt sie zum Trocknen auf einen Stuhl. Er setzt sich. Er bestellt einen Tee. Der Uringestank ist noch in der Nase des Pflegers. Seine Augen sind nass. Der Pfleger atmet schwerer. Die Bedienung bringt den Tee. Der Pfleger beugt sich über die Tasse. Er starrt sie an. Er pendelt leicht. Sein Haar ist frisch und noch nass vom Regen. Der Pfleger muss husten. Er ist erschöpft. Sein Gesicht ist alt.

  42. ANH | November 26, 2008 at 10:25 am | Permalink

    zu Shoshannah

    “Der ‘Witz’ (wollte übrigens nicht als solcher aufgefasst werden) mit der Zigarette bleibt, weil ich Rauchen in solchen Situationen, die man ja immer wieder in Film, Fernsehn und Literatur nacherleben kann, sehr unästhetisch finde.

    „Weil ich finde“: Ein solches etwas-Finden ist privat, das gehört nicht in einen Text. Sondern, wenn Sie dieses „Unästhetische“ zum Ausdruck bringen wollen, muß sich das aus dem Text selber entfalten. Hier spürt man die Autorin und eine persönliche Abneigung, die sie hat; dadurch wird die Geschlossenheit des Textes zerstört. Es sei denn, Sie haben vor zu agitieren. Dann würde aber der Rest wieder nicht passen.

    Ich sitze im Café und höre zu.
    “Lass das Raisonnieren.”

    raisonieren oder räsonieren (das Wort ist unterdessen in den deutschen Sprachschatz eingegangen).

    “Du hast mich gefragt, was ärgert es Dich nun.”
    “Kleena, hier passiert gerade mein ganz persönliches Tschernobyl.”
    “Du bist selbst Schuld, aber das weißt Du ja.”
    “Jaaah man lass mich.”
    “Wie gesagt, das Leben gehört den Lebenden an

    :„den Lebenden an“ oder einfach nur „den Lebenden“? Außerdem klingt das hier s e h r altklug.

    , und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.”
    “Hör mir auf mit Goethe. Pathetisches Geblubber, kommt vom Wetter

    : die letzte Wendung verstehe ich nicht; es klingt, als hätten Sie ein Bonmot formulieren wollen, das aber dann schief sitzt.

    . Geh lesen, ich richte mich selbst.”
    “Och! Du bist schwach und willst nicht scheitern

    :hm; wieso s o l l t e jemand scheitern wollen? Was ist daran der Vorwurf? Ich glaube, daß Sie wissen, was Sie hier meinen, aber daß Ihre Formulierung es nicht trifft.

    , immer das Gleiche mit Dir! Irgendeiner Deiner ‘Freunde’ ist nicht mehr süchtig genug, Du kannst die Miete vielleicht nicht zahlen, dann treffen wir uns hier und Du bist unglücklich, willst nichts hören

    Komma

    aber eigentlich ja doch, trinkst Deinen Kompromissmilchkaffee.”
    Die Belehrte

    :i s t sie belehrt?

    kratzt sich am Handgelenk.
    “Bleib besser mal verwirrt ein paar Abende weinend zuhause, als ständig verirrt

    :stößt sich sprachlich mit dem vorhergegangenen „verwirrt“.

    . Du willst nur machen machen machen, kein Innehalten. Was Du suchst, liegt nicht unbedingt da draußen.”
    Hektischeres Kratzen.
    Einer mit Hut

    : s e h r schön, dieses „einer mit Hut“!

    , der mit dem Rücken zum Raum sitzt, summt kaum noch hörbar

    :wenn er summt, ist das in einem Café eh kaum hörbar..

    die Melodie zu ‘lasciate mi morire’ und schnieft. Die Andere

    : „die Andere“ ist ungelenk

    lehnt sich zurück, leert ihren caffè macchiato in einem Zug, mustert ihre Begleiterin über den Tassenrand hinweg und zündet sich keine Zigarette an

    :seltsame Formulierung, nach wie vor. Hat aber was.

    . Dann gucken beide im Raum herum

    :wenn erst „dann“, wer hat denn dann vorher den Mann gesehen?

    , die eine wippt mit den Beinen und macht Handbewegungen, als schälte sie Mandarinen

    : das ist zu kompliziert, um das Bild wirklich zu erzeugen; man merkt zu sehr, daß Sie es erklären, anstatt es zu erzählen.

    , die sie sich in ihrem Schoß liegend vorstellt, die andere fixiert schließlich

    :wieso „schließlich“?

    den Summenden und versucht gut viereinhalb Minuten

    lang

    , die Melodie zu erkennen.
    “Was ist das für ein Lied?”
    “Mir doch egal.

    :Das ist nicht geerdet, daß die Antwort plötzlich so aggressiv ist.

    Frag halt.”
    Sie steht auf, setzt sich aber wieder hin, kramt umständlich

    : „umständlich“ ist unnötig.

    in ihrer Tasche, drückt der anderen mehrere Hunderteuroscheine in die Hand und legt fünf Euro auf den Tisch.

    :dafür brauchte es erzählerisch eine Erklärung, sonst steht das wie ein Rätsel da, das prinzipiell nur behauptet ist.

    “Gehst Du oder wie?”
    “Ja, sehn uns morgen. Denk an mich.”
    “Jaja. Dir sollte man mal den Spiegel vorhalten.”
    Dreht sich um, rempelt den Behüteten im Gehen an.

    : und die „Pointe“ ist ungelenk, weil sie gar nichts sagt. Bekommen Sie da einen „runderen“ Schluß hin?

    Noch ein Tip, generell: Wenn Sie Figuren erfinden, dann müssen Sie immer, wirklich immer, mit ihnen sympathisieren, auch mit Arschlöchern; sonst werden sie als Figuren nicht glaubhaft.

  43. ANH | November 26, 2008 at 11:37 am | Permalink

    maudit zur nächsten Fassung: | November 15, 2008 at 2:36 am | Permalink

    Anna war eingeschlafen, holte Luft in tiefen Zügen

    :warum erzählen Sie das nicht a u s?: „Anna war eingeschlafen: Sie holte in tiefen Zügen Luft.“

    . Der Atem des Kinds war kaum hörbar, er ging hektisch, fiebrig

    :Vorsicht! Das sind dann k e in e tiefen Züge (die in ihrem Bedeutungshof vielmehr etwas von großer Ruhe haben; deshalb).

    . Thomas glitt von der Bettkante

    : das gehört zu „so dahingesagten“ Formulierungen: 1) um da heruntergleiten zu können, muß er schon ziemlich klein sein 2) hätte er dann auch nur auf der Bettkante gesessen

    , schlich zur Tür und schaltete das Licht aus. Sehr sacht

    : „sachte“ reicht.

    drückte er die Klinke, trat hinaus in den Flur und zog die Tür hinter sich zu.
    Der Riegel klickte ins Schloß.

    : der R i e g e l??

    Thomas ging den langen Gang hinunter durch das fahle Licht. Im Treppenhaus starrte er auf die aufleuchtenden Ziffern über dem Liftportal. Der Fahrstuhl hielt, die Türflügel schoben sich auf. Als sie sich wieder schlossen, stürzte Thomas zur Kabine und zwängte sich hinein.

    : Hier bitte mehr Dynamik: Sie schlossen sich fast schon wieder, da stürzte er noch rechtzeitig hin… - in d i e s e m Sinn.

    Während der Fahrt

    : Ist „Fahrt“ nicht ein bißchen zu groß?

    sah er sich vervielfacht umstellt. Bilder

    : Bilder? Mehr als die Spiegelbilder, die überdies ja nicht aufblitzen?

    blitzten auf, als zählte der Etagenanzeiger die Stunden rückwärts:

    : ah ja, verstehe… Vielleicht etwas näher noch heranziehen:

    blaugrau das Säuglingsgesicht, im Infusionsbeutel zitternde Wellenkreise, die festen, abwesenden Gesichter der Sanitäter im rotierenden Blaulicht.
    Er eilte zum Hauptausgang. Maskenhaft erschien im Lichthof der

    :klüger wäre: „seiner Tischlampe“: man würde das Bild sofort identifizieren können.

    Tischlampe das Gesicht des Pförtners. Das Klacken der Schritte hatte ihn aufgeschreckt, er grüßte:
    - Guten Morgen! Wie geht es Ihrer Frau?
    Sie schläft. Es ist vorbei.

    :VORSICHT: Ein Nebensinn von „es ist vorbei“ ist: „Sie ist tot“.

    Thomas stand schon im Windfang

    :Diesen Satz vorziehen, direkt vor Thomas’ Antwort. Dann wird die Szene dichter.

    und trat ins Freie.

    Absatz

    Über Nacht hatte es zu schneien begonnen. Nasse Flocken fielen ihm auf den Scheitel, glitten über Nacken und Stirn

    :gleiten Flocken? Dann wären sie s e h r naß, fast noch Regen.

    . In der Dämmerung, mit laufendem Motor, stand ein Taxi. Er ging darauf zu, bog dann aber ab.
    Soeben öffnete das kleine Café neben der Empfangshalle der Klinik. Thomas setzte sich auf einen Stuhl in der Ecke. Der Betreiber des Cafés

    : woher wissen wir, daß es der „Betreiber“ (auch unschön) ist? Reicht nicht „jemand“?

    zog das Rollgitter vor der Kasse hoch, brachte Kaffee

    :wem?

    und ging in den Hinterraum.
    Thomas nahm einen Schluck, schob die Tasse zur Seite, verschränkte die Arme auf der Tischplatte und legte den Kopf auf.
    Noch gestern, am Nachmittag, als Anna sich, schwer auf ihn gestützt

    : jetzt komme ich durcheinander. Anna ist doch ein Kind… dieses „schwer auf ihn gestützt“ läßt, s o formuliert, aber an eine Frau denken, ja an eine alte Frau.

    , durch den Stadtpark geschleppt hatte, hatte Thomas nach Worten gesucht. Mehrmals hatte er den richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch

    : auch das spricht für eine erwachsene Kranke.

    kommen gefühlt. Dann hatten die Wehen eingesetzt

    :und das, als Erklärung, ist jetzt zu spät.

    , und Thomas war fast beleidigt

    : wieso?

    gewesen. Er hatte sich gewünscht, der Krankenwagen hielte nicht mehr an. Beim Aussteigen war er im Weg gestanden, trottelig, beflissen. Später hatte Thomas das Kind in den Händen gehalten und trotz des Federgewichts hatte er geschwankt und sich setzten müssen

    : na ja, doch auch nicht wegen des Kindergewichtes; das „trotz“ steht hier schlichtweg falsch.

    . Stimmen und Stühlerücken weckten ihn. Krankenhauspersonal

    : sehr unpersönlich. Kann man aber machen.

    erhob sich von den Tischen. Mühsam setzte er sich auf. Die Espressomaschine schlürfte und zischte. Der Getränkeautomat entließ knallend eine Ladung. Zwei Krankenschwestern gingen hinaus auf die Terrasse. Thomas erkannte sie von hinten. Er blieb auf dem Stuhl sitzen, suchte Schutz hinter Tisch, Vase, Tasse.

    Das ist jetzt ein wirklich schöner Satz und diesen Zusammenhängen:

    Lau und bitter war der Kaffee. Thomas war unfähig sich zu bewegen, ein Kältefilm legte sich auf seine Lider.

    :Nur auf seine Lider? Seltsam ausgesuchtes Bild.

    Der Schnee war in Regen übergegangen, schmilzende Flocken rutschten über die Glasfront

    :hier s t i m m t es.

    . Draußen, unter das Vordach gedrängt, standen die beiden Frauen, rauchend, übernächtigt. Nun hatte sie

    :sie? Es ist von zweien die Rede.

    ihn gesehen, wechselte einige Worte mit der anderen und trat herein. Sie blickte Thomas direkt an, lächelte leise, kam geradewegs auf ihn zu, katzenhaft, mit biegsamen Schritten.

    :Hm, jetzt würde es spannend, und Sie brechen ab. Das ist fies.

  44. ANH | November 26, 2008 at 12:45 pm | Permalink

    @herrn urian zu Der Pfleger (3)

    Er leert den Katheterbeutel in die Badewanne. Urin spritzt auf die Latexhandschuhe, spritzt auf Baumwolle und Haut. Ein Gestank steigt auf

    :zuviele „auf“s hintereinander

    . Der Pfleger würgt. Er denkt an nichts.

    :nicht ganz glaubhaft, wenn er gewürgt hat. Sie wollen Stoik ausdrücken, versuchen Sie es anders.

    Er nimmt die Brause und reinigt die Wanne. Dann tritt er in das enge

    :auf „enge“ würde ich verzichten.

    Zimmer, in dem das Krankenbett steht. Er bückt sich und befestigt den Beutel am Gitter. Sein Rücken schmerzt. Vor ihm liegt der Körper einer alten Frau

    : Ziehen Sie die alte Frau vor, unmittelbar hinters Krankenbett.

    . Abwechselnd röchelt sie und murmelt vor sich hin. Speichel läuft aus ihrem Mund. Der Pfleger zieht sie aus, reibt sie mit Seifenwasser ab, trocknet sie. Das Geschlecht ist von einem Pilz befallen. Der Pfleger reibt es mit Salbe ein. Er wickelt die Frau und kleidet sie an.

    Größeren Absatz machen, Leerzeile.

    Nach Schichtende geht der Pfleger zu Fuß nach Hause. Es regnet. Es ist seit Tagen kalt. Die Steine sind nass. Die Menschen sitzen zu Hause, gucken Fernsehen, trinken Kaffee.
    Der Pfleger geht an einer Parkbank vorbei. Er denkt an den alten Mann, der gestern auf ihr saß. Mütter mit Kinderwagen gingen vorüber. Spaziergänger warfen Bälle, die von Hunden apportiert wurden. Das Laub war noch trocken. Es tanzte im Wind.

    :das ist hier jetzt sehr schön eingefangen.

    Der Pfleger erreicht ein Wohngebiet. Er sieht Baustellen, an denen die Arbeit ruht.

    :Aktivischer formulieren, im Sinn von: Auf den Baustellen ruht die Arbeit. Es wird dadurch einfach näher.

    Er geht über einen Spielplatz. Er durchquert eine Hochhaussiedlung. Fußballtore stehen auf einem Feld neben den Häusern. Der Rasen ist schlammig. Ein Wasserfilm ist auf der Jacke.

    : Der folgende Satz stimmt so nicht, wenn auf der Jacke nur ein Wasserfilm ist:

    Das Gesicht wird gewaschen. Der Pfleger fühlt sich rein. Er geht ein paar Blocks weiter und betritt wieder einen Park. Auch hier kaum Menschen. Nur einer führt einen nassen Hund umher.
    Am Ende des Parks ist ein Café.
    Der Pfleger friert. Er möchte einen Tee trinken. Er steht vor den Scheiben und blickt in den Innenraum

    : „hindurch“ reicht völlig, dann ist man das abstrakte „Innenraum“ los.

    . Er sieht sie sofort. Sein Blut fließt schneller. Sie sitzt an einem Tisch in der Mitte des Raumes. Er will sie berühren. Der Blick ernährt

    : ernährt? Wirklich?

    Ihn.

    Sie arbeitete in einer Kneipe. Der Pfleger war seit Jahren Stammgast. Anfangs war er ein Gelegenheitsschwärmer, später kam er immer, wenn die junge Frau Dienst hatte. Die meisten seiner Kumpels belächelten ihn. Es machte ihm nichts aus. Er war verliebt. An einem Samstag war er der letzte Besucher. Sie räumte die Tische ab. Der Pfleger war betrunken. Er plauderte über dies und das. Sie flitzte durch den Raum, stand plötzlich am Tisch vor ihm. Seine Hand muss sich nach vorne bewegt haben. Von seinem Hausverbot erfuhr er Anfang der Woche. Sie wolle ihn nicht mehr sehen, hieß es.
    Der Pfleger betritt das Café. Die Luft ist verraucht, der Raum erfüllt von den Unterhaltungen der Gäste und dem Geklapper des Geschirrs. Die Schläfen pochen. Sein Blick ist scharf. Eine Freundin ist bei ihr. Es zieht ihn in die Ecke, in den Schutz von Pflanzen. Die Frau sitzt aufrecht. Sie ist jung, viel jünger als der Pfleger. Er blickt in ihr Gesicht. Sie blickt zurück, scheint sich kurz zu erinnern, redet ungetrübt

    : seltsam hier, das Wort „ungetrübt“.

    fort. Der Pfleger geht vorbei.

    Unschön, fast kindlich:

    Es sticht in seinem Magen.
    Der Pfleger streift die Jacke vom Körper und hängt sie zum Trocknen auf einen Stuhl. Er setzt sich. Er bestellt einen Tee. Der Uringestank ist noch in der Nase des Pflegers

    : das glaube ich eigentlich nicht nach all der Kühle draußen und dem Regen. Hm.

    . Seine Augen sind nass. Der Pfleger atmet schwerer. Die Bedienung bringt den Tee. Der Pfleger beugt sich über die Tasse. Er starrt sie an. Er pendelt leicht

    :während er sitzt? Das wäre ein Autismus.

    . Sein Haar ist frisch und noch nass vom Regen

    :na klar.,

    . Der Pfleger muss husten. Er ist erschöpft. Sein Gesicht ist alt.

    Der Schluß der Geschichte fällt ab, ist eigentlich keiner.

  45. Le Chat Noir | November 27, 2008 at 5:03 pm | Permalink

    Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, Ihr Leben wäre ein Bestseller und eine Schulklasse angehender Abiturienten müsste darüber eine Interpretation schreiben? Jeder Schritt, jede kleine Marotte würde farblich gekennzeichnet und ausführlich analysiert werden- und gäbe natürlich eindeutige Hinweise auf den Verlauf der Geschichte, also Ihres Lebens. Ich tue das ständig. Zu meinem puren Vergnügen. Und, naja, auch weil ich – wie soll ich sagen… kein ganz gewöhnlicher Typ bin.
    Zum Beispiel habe ich ein ganz bestimmtes Hobby: Frauen.
    Das ist auf den ersten Blick selbstverständlich nicht ungewöhnlich. Aber ich meine es wirklich ernst! Ich kriege nicht genug von Frauen. Wie sie beben, wenn es gelingt sie mit einer Geste oder einem Wort aus der Fassung zu bringen, weil man das ausspricht oder tut, wonach sie sich am meisten sehnen. Wie sie in sich hineinschmunzeln und vor Glück zerspringen möchten, weil man ihnen ohne ein Wort die eigene Jacke über die Schultern legt. Ach ja…
    Auch Sex spielt in gewisser Weise eine Rolle.
    Jedenfalls, besteht mein Hobby aber auch eher darin, mir eine Frau geneigt zu machen, und dafür habe ich eine todsichere Methode entwickelt.
    Sehen Sie die niedliche Brünette dort drüben am Tresen, die sich gerade mit der Kellnerin unterhält? Ach, sie trägt dieses Pünktchenkleid und passende Stiefelchen und bestellt wahrscheinlich gerade einen Rooibos Vanille- Tee. Ich mag es wirklich, wenn eine Frau diesen zarten Hauch von Eleganz um sich verströmt ohne dabei affektiert zu wirken. Die Abiturienten halten sie natürlich für die Mutter meiner Kinder. Ich habe heute ausgesprochenes Glück. Es ist noch zu früh für die Mittagspause und wir sind die einzigen Gäste. Während sie auf ihren Tee wartet schaut sie sich im Café um – zur Sicherheit setze ich mich aber generell in die Nähe der Toiletten, das gibt mir eine neunzig- prozentige Chance, dass sie an meinem Tisch vorbeikommt. Zu meinem Vorteil habe ich schon immer sehr trockene Augen gehabt, diese halte ich nun etwa eine Minute lang geöffnet- die letzten zehn Sekunden sind dabei am schwersten, man muss sich überwinden nicht zu blinzeln. Nun laufen leise und langsam ein paar Tränen meine Wangen nieder. Ich kneife mir mit Daumen und Zeigefinger in die Augen- das lenkt ihre Aufmerksamkeit auf mich, wahrscheinlich fragt sie sich, ob sie richtig gesehen hat. Dann schniefe ich kurz, aber hörbar, um ihren Verdacht zu bestätigen. Ein erwachsener Mann weint mitten am Tag in der Öffentlichkeit. Sie ist zunächst völlig irritiert und weiß nicht, was sie tun soll. Am liebsten möchte sie mich fragen, warum ich denn weine, aber andererseits kennt sie mich ja überhaupt nicht und am Ende will ich gar nicht darüber reden oder fühle mich beschämt, weil sie mich hat weinen sehen, schließlich bin ich ja ein Mann… In Wahrheit will ich unbedingt darüber reden und werde dies auch ausführlich tun, gleich.
    Sie beißt sich auf die Unterlippe- das mag ich besonders- und kommt schließlich auf mich zu.

  46. ANH | November 28, 2008 at 11:58 am | Permalink

    @ Le Chat Noir zum weinenden Mann.

    Das ist eine ganz-klasse Idee für diese Aufgabe. Chapeau!

    Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, Ihr Leben wäre

    Achtung, korrekter Konjunktiv: s e i; bei „wäre“ muß eine Kondition folgen.

    ein Bestseller und eine Schulklasse angehender Abiturienten müsste

    dito: müsse

    darüber eine Interpretation schreiben? Jeder Schritt, jede kleine Marotte würde

    hier stimmt der Konjunktiv, weil die Kondition vorweggedacht ist: wenn es so wäre, dann.

    farblich gekennzeichnet und ausführlich analysiert werden- und gäbe natürlich eindeutige Hinweise auf den Verlauf der Geschichte, also Ihres Lebens. Ich tue das ständig. Zu meinem puren Vergnügen. Und, naja, auch weil ich – wie soll ich sagen… kein ganz gewöhnlicher Typ bin.
    Zum Beispiel habe ich ein ganz bestimmtes

    das „ganz bestimmte“ ist ein wenig hölzern.

    Hobby: Frauen.
    Das ist auf den ersten Blick selbstverständlich nicht ungewöhnlich. Aber ich meine es wirklich ernst! Ich kriege nicht genug von Frauen. Wie sie beben, wenn es gelingt sie mit einer Geste oder einem Wort aus der Fassung zu bringen, weil man das ausspricht oder tut, wonach sie sich am meisten sehnen. Wie sie in sich hineinschmunzeln und

    zu kindlich für diesen Männertyp, glaube ich:

    vor Glück zerspringen möchten, weil man ihnen ohne ein Wort die eigene Jacke über die Schultern legt. Ach ja…

    der folgende Satz ist prima in seiner dahingeworfenen Ironie:

    Auch Sex spielt in gewisser Weise eine Rolle.
    Jedenfalls, besteht mein Hobby

    „besteht mein“ wiederum ist hölzern, zu deskriptiv.

    aber

    wieso „aber“?

    auch eher darin, mir eine Frau geneigt zu machen

    Das Folgende als neuen Satz anschließen und ihn direkter formulieren, etwa. „Ich habe eine Methode entwickelt.“

    , und dafür habe ich eine todsichere Methode entwickelt.
    Sehen Sie die niedliche Brünette dort drüben am Tresen, die sich gerade mit der Kellnerin unterhält? Ach,

    :wozu „ach“?

    sie trägt dieses Pünktchenkleid und passende Stiefelchen und bestellt wahrscheinlich gerade einen Rooibos Vanille-Tee. Ich mag es wirklich, wenn eine Frau diesen zarten Hauch von Eleganz

    :bei Vanille-Tee???

    um sich verströmt

    Komma

    ohne dabei affektiert zu wirken. Die Abiturienten halten sie natürlich

    :wieso „natürlich“? Und sind die Kinder anwesend? Die Szene für sich selbst deutlicher vor Augen haben.

    für die Mutter meiner Kinder. Ich habe heute ausgesprochenes Glück. Es ist noch zu früh für die Mittagspause und wir sind die einzigen Gäste.

    : also keine Kinder. Und wieso können, wenn sie nicht da sind, die Abiturienten dann so etwas annehmen?

    Während sie auf ihren Tee wartet

    Komma

    schaut sie sich im Café um – zur Sicherheit setze ich mich aber generell in die Nähe der Toiletten, das gibt mir eine neunzig- prozentige Chance, dass sie an meinem Tisch vorbeikommt. Zu meinem Vorteil habe ich schon immer sehr trockene Augen gehabt, diese halte ich nun etwa eine Minute lang geöffnet- die letzten zehn Sekunden sind dabei am schwersten, man muss sich überwinden

    Komma


    nicht zu blinzeln. Nun laufen leise und langsam ein paar Tränen meine Wangen nieder. Ich kneife mir mit Daumen und Zeigefinger in die Augen- das lenkt ihre Aufmerksamkeit auf mich, wahrscheinlich fragt sie sich, ob sie richtig gesehen hat. Dann schniefe ich kurz, aber hörbar, um ihren Verdacht zu bestätigen. Ein erwachsener Mann weint mitten am Tag in der Öffentlichkeit. Sie ist zunächst völlig irritiert und weiß nicht, was sie tun soll. Am liebsten möchte sie mich fragen, warum ich denn weine

    korrekt wäre „weinte“, konjunktivisch

    , aber andererseits kennt sie mich ja überhaupt

    : „ja überhaupt“ ist unnötig

    nicht und am Ende will ich gar nicht darüber

    :worüber? Darüber, daß sie den Mann nicht kennt?

    reden oder fühle mich beschämt, weil sie mich hat weinen sehen, schließlich bin ich ja ein Mann… In Wahrheit will ich unbedingt darüber reden und werde dies auch ausführlich tun, gleich.
    Sie beißt sich auf die Unterlippe- das mag ich besonders- und kommt schließlich auf mich zu.

  47. sirenomele | November 30, 2008 at 11:28 pm | Permalink

    besserungen:

    kino

    [ein cafehaus mit eleganten holzstühlen und -tischen, leicht erblindete spiegel hängen an den wänden. über den boden zieht sich ein netz von grauen pfaden, an deren rändern sich der untergrund zu kleinen wölbungen zu heben beginnt. der kellner ist alt und hat keine hände; er bewegt sich schnell und geschickt.]

    FRAU 1
    du hast recht.
    FRAU 2
    man darf sich damit nicht auf ein- und dieselbe ebene stellen.
    FRAU 1
    was für eine maßlose verschwendung der möglichkeiten –
    FRAU 2
    der zeit –
    FRAU 1 [hebt den finger]
    immerhin nicht des raumes.
    FRAU 2
    tja, sie hat im grunde nicht die richtung, nur die konsequenz verloren.
    [ihr blick fällt aus dem fenster.]
    – es regnet.

    [die erste frau wendet sich um.]

    FRAU 1
    wenn ich an ihrer stelle gewesen wäre –
    FRAU 2
    schon im anfang, schon das ist unmöglich.

    [die erste frau führt nervös ihre zigarette zum aschenbecher und stösst dabei fast ihre tasse um. es klirrt.]

    FRAU 2
    es ist letztlich nicht unsere sache.
    FRAU 1
    du hast recht.
    [sie nestelt und sucht etwas in ihrer handtasche.]
    es beschäftigt den kopf.
    FRAU 2
    aber man darf sich nicht allzusehr damit identifizieren.
    FRAU 1
    entschuldige. ich muss mal auf die toilette.

    [sie drückt ihre zigarette aus, steht auf und geht durch eine tür. derweil betritt von der anderen seite, von draußen, eine dritte frau das lokal. sie ist fett und hat ein rot-fleckiges gesicht, wie eine abgearbeitete, abgeschminkte schauspielerin. sie setzt sich an das andere ende des raumes und zieht fratzen. -- die zweite frau dreht sich zu der dritten frau um.]

    FRAU 2
    es hat eine störende wirkung.
    FRAU 3 [schaut sie nicht an]
    FRAU 2 [scheinbar gutmütig]
    wo kommen sie denn jetzt her?
    FRAU 3 [schaut sie nicht an]
    FRAU 2 [zieht sachte die augenbrauen hoch]

    [die dritte frau zeigt auf den mann, der an der hinteren wand, mit dem rücken zum rest der kaffeehausbesucher gewandt, im dunklen sitzt.]

    FRAU 2
    der herr dort drüben?
    FRAU 3
    er war schon gestern hier.
    er hat keine ohren.
    sehen sie?
    FRAU 2
    so etwas interessiert mich nicht.
    [sie wendet sich zurück.]
    FRAU 3
    es ist auch nicht wirklich wichtig.
    [sie schneidet wieder fratzen.]

    [die erste frau kommt zurück.]

    FRAU 1 [setzt sich. mit blick auf die dritte frau]
    es gibt —
    existenzen, man möchte meinen, –
    sie wollen etwas sagen.
    FRAU 2
    aber sie kommen einfach nicht zum punkt.

    [sie nicken kurz einander zu. die zweite frau winkt nach dem kellner, sie bezahlen.]

    KELLNER [während er das geld in einer größeren tasche, die er um die schulter trägt, verschwinden lässt.]
    haben sie bedacht, –

    [er schaut langsam auf.]

    FRAU 1
    wir haben einen schirm.
    FRAU 2
    wir werden übrigens auch nicht wiederkommen.
    FRAU 1
    es liegt nicht an ihnen.
    KELLNER [blickt nach draußen]
    ich kann sie nicht zurückhalten?
    FRAU 2
    es gibt diesbezüglich keine zukunft.

    [die dritte frau fällt vom stuhl und krümmt sich auf dem boden.]

    FRAU 1
    in anderen hinsichten auch nicht.
    KELLNER [mit dem blick nach draußen]
    dafür habe ich verständnis.
    FRAU 2
    wir wünschen einen guten tag.

    [eine jede nimmt ihren mantel, ihre tasche, ihren schirm und sie gehen. der kellner schaut ihnen nach, räumt dann den tisch auf und bewegt sich, benommen von einem schrecken, zurück hinter die bar. die trostlosigkeit der dinge wird fast durchsichtig; die dritte frau schreit kurz in den boden. der mann, der vorher im dunkeln gesessen hatte, dreht sich richtung fenster um. weiche schatten des am glas herabrinnenden regens lecken sein gesicht. es atmet.]

  48. ANH | December 2, 2008 at 8:12 am | Permalink

    @sirenomele zu kino (besserungen):

    Sie werden merken, daß ich hier vor allem inhaltliche Einwände habe.

    [ein cafehaus mit eleganten holzstühlen und -tischen, leicht erblindete spiegel hängen an den wänden. über den boden zieht sich ein netz von grauen pfaden, an deren rändern sich der untergrund zu kleinen wölbungen zu heben beginnt. der kellner ist alt und hat keine hände; er bewegt sich schnell und geschickt.]

    : wunderbare Beschreibung. Nur für die „Pfade“ sollten Sie noch Genaueres finden, etwas, das diese Spuren sofort evident macht.

    FRAU 1
    du hast recht.
    FRAU 2
    man darf sich damit nicht auf ein- und dieselbe ebene stellen.
    FRAU 1
    was für eine maßlose verschwendung der möglichkeiten –
    FRAU 2
    der zeit –
    FRAU 1 [hebt den finger]
    immerhin nicht des raumes.

    :g a n z feine Replik!

    FRAU 2
    tja, sie hat im grunde nicht die richtung, nur die konsequenz verloren.

    : dieser Satz hakt, eigenwillig, vor allem, wenn ich ihn mir gesprochen vorstelle; das liegt daran, daß er um ein „sondern“ oder etwas in der Art verkürzt ist. Würd ich noch mal überlegen.

    [ihr blick fällt aus dem fenster.]
    – es regnet.
    [die erste frau wendet sich um.]
    FRAU 1
    wenn ich an ihrer stelle gewesen wäre –

    den folgenden Gedankensprung kann ich nicht sofort mitmachen. Ich denke mal, das geht anderen ähnlich. In einer Szene, die ja s c h n e l l ist, gibt es dann kaum noch einen Weg, das Versäumte einzuholen.

    FRAU 2
    schon im anfang, schon das ist unmöglich.
    [die erste frau führt nervös ihre zigarette zum aschenbecher und stösst dabei fast ihre tasse um. es klirrt.]
    FRAU 2
    es ist letztlich nicht unsere sache.
    FRAU 1
    du hast recht.
    [sie nestelt und sucht etwas in ihrer handtasche.]
    es beschäftigt den kopf.
    FRAU 2
    aber man darf sich nicht allzusehr damit identifizieren.

    Hm, tun die Frauen das denn? Eher wohl nicht, sondern sie sind distanziert zu „damit“, wie in einer Abwehrbewegung (b e i d e sind nervös), wenn ich mit das Gespräch szenisch vorstelle. Das folgende punktet ebenfalls auf Abwehr und ist als Volte geschickt:

    FRAU 1
    entschuldige. ich muss mal auf die toilette.
    [sie drückt ihre zigarette aus, steht auf und geht durch eine tür. derweil betritt von der anderen seite, von draußen, eine dritte frau das lokal. sie ist fett und hat ein rot-fleckiges gesicht,

    :kein Komma.

    wie eine abgearbeitete, abgeschminkte schauspielerin. sie setzt sich an das andere ende des raumes und zieht fratzen. -- die zweite frau dreht sich zu der dritten frau um.]
    FRAU 2
    es hat eine störende wirkung.
    FRAU 3 [schaut sie nicht an]
    FRAU 2 [scheinbar gutmütig]
    wo kommen sie denn jetzt her?
    FRAU 3 [schaut sie nicht an]
    FRAU 2 [zieht sachte die augenbrauen hoch]
    [die dritte frau zeigt auf den mann, der an der hinteren wand, mit dem rücken zum rest der kaffeehausbesucher gewandt, im dunklen sitzt.]
    FRAU 2
    der herr dort drüben?

    :Hier vielleicht andeuten, w a s sie meint, daß mit dem Herrn dort drüben sei.

    FRAU 3
    er war schon gestern hier.
    er hat keine ohren.
    sehen sie?
    FRAU 2
    so etwas interessiert mich nicht.
    [sie wendet sich zurück.]
    FRAU 3
    es ist auch nicht wirklich wichtig.
    [sie schneidet wieder fratzen.]
    [die erste frau kommt zurück.]

    :der jetzt folgende Dialogteil ist klasse:

    FRAU 1 [setzt sich. mit blick auf die dritte frau]
    es gibt —
    existenzen, man möchte meinen, –
    sie wollen etwas sagen.
    FRAU 2
    aber sie kommen einfach nicht zum punkt.
    [sie nicken kurz einander zu. die zweite frau winkt nach dem kellner, sie bezahlen.]
    KELLNER [während er das geld in einer größeren tasche, die er um die schulter trägt, verschwinden lässt.]

    :immer noch bin ich unheimlich neugierig, w i e er das tut.

    haben sie bedacht, –
    [er schaut langsam auf.]
    FRAU 1
    wir haben einen schirm.
    FRAU 2
    wir werden übrigens auch nicht wiederkommen.
    FRAU 1
    es liegt nicht an ihnen.
    KELLNER [blickt nach draußen]
    ich kann sie nicht zurückhalten?
    FRAU 2
    es gibt diesbezüglich keine zukunft.

    :Ist das nicht etwas zu groß dafür, daß man nur nicht wiederkommen wird?

    [die dritte frau fällt vom stuhl und krümmt sich auf dem boden.]
    FRAU 1
    in anderen hinsichten auch nicht.
    KELLNER [mit dem blick nach draußen]
    dafür habe ich verständnis.
    FRAU 2
    wir wünschen einen guten tag.
    [eine jede

    : „e i n e jede“ bedeutet: jede Frau im Raum, nicht nur die beiden. Aufpassen.

    nimmt ihren mantel, ihre tasche, ihren schirm und sie gehen. der kellner schaut ihnen nach, räumt dann den tisch auf und bewegt sich, benommen von einem schrecken

    :das mit dem Schrecken kommt mir ebenfalls als zu groß vor. Würde nicht „wie benommen“ reichen? Sie spielen hier mit einem Geheimnis gleich zweifach – das, womit man sich nicht identifizieren soll u n d die Dynamik mit dem Kellner -, von dem ich den Eindruck habe, es sei nur behauptet. W i s s e n Sie, die Autorin, worum es in beiden Fällen tatsächlich geht? Dann wäre eine Andeutung gut. Denn: Nicht jeder verschlossene Schrank ist auch voll.

    , zurück hinter die bar.

    Altes „Problem“: wie stellen Sie den folgenden Satz auf der Bühne oder im Film, also als Szene, dar?:

    die trostlosigkeit der dinge wird fast durchsichtig; die dritte frau schreit kurz in den boden

    :das ist ungewollt komisch für mein Empfinden.

    . der mann, der vorher im dunkeln gesessen hatte, dreht sich richtung fenster um

    : dann sitzt er aber doch trotzdem weiter im Dunklen; wieso also „vorher“?

    . weiche schatten des am glas herabrinnenden regens lecken sein gesicht

    :ui, geht das?

    . es atmet.]

  49. Le Chat Noir | April 25, 2009 at 2:45 pm | Permalink

    Mit etwas Verspätung nun die 2. Version der „Novemberregen“- Aufgabe
    Vielen Dank für den Hut und vor allem für die Kritik!
    Das mit dem Konjunktiv ist mir übrigens sehr peinlich…

    Stellen Sie sich vor, Ihr Leben sei ein Bestseller und eine Schulklasse angehender Abiturienten müsse darüber eine Interpretation schreiben. Jeder Schritt, jede kleine Marotte würde farblich gekennzeichnet und ausführlich analysiert werden- und gäbe natürlich eindeutige Hinweise auf den Verlauf der Geschichte, also Ihres Lebens. Ich tue das ständig. Zu meinem persönlichen Vergnügen. Und, naja, auch weil ich – wie soll ich sagen… kein ganz gewöhnlicher Typ bin.
    Zum Beispiel habe ich ein eklatantes Hobby: Frauen.
    Das ist auf den ersten Blick selbstverständlich nicht sehr originell, aber ich meine es wirklich ernst! Ich kriege nicht genug von Frauen. Sie sind (zumindest ein Großteil von ihnen) äußerst dekorativ, in vielen Dingen organisatorisch geschickt und oftmals sogar häuslich begabt.
    Auch Sex spielt in gewisser Weise eine Rolle.
    Jedenfalls, umfasst mein Hobby auch eher diese unvergleichliche Methode, mir eine Frau geneigt zu machen:
    Sehen Sie die niedliche Brünette dort drüben am Tresen, die sich gerade mit der Kellnerin unterhält? Sie trägt dieses Pünktchenkleid und die passenden Stiefelchen und bestellt wahrscheinlich gerade einen Rooibos Vanille- Tee. Ich habe heute ausgesprochenes Glück. Es ist noch zu früh für die Mittagspause und wir sind die einzigen Gäste. Während sie auf ihren Tee wartet, schaut sie sich im Café um – zur Sicherheit setze ich mich aber generell in die Nähe der Toiletten. Zu meinem Vorteil habe ich schon immer sehr trockene Augen gehabt, diese halte ich nun etwa eine Minute lang geöffnet- die letzten zehn Sekunden sind dabei am schwersten, man muss sich überwinden, nicht zu blinzeln. Nun laufen leise und langsam ein paar Tränen meine Wangen nieder. Ich kneife mir mit Daumen und Zeigefinger in die Augen- das lenkt ihre Aufmerksamkeit auf mich, wahrscheinlich fragt sie sich, ob sie richtig gesehen hat. Dann schniefe ich kurz, aber hörbar, um ihren Verdacht zu bestätigen. Ein erwachsener Mann weint mitten am Tag in der Öffentlichkeit. Sie ist zunächst völlig irritiert und weiß nicht, was sie tun soll. Am liebsten möchte sie mich fragen, warum ich denn weinte, aber andererseits kennt sie mich nicht und am Ende will ich gar nicht über den Grund meiner Tränen reden oder fühle mich beschämt, weil sie mich hat weinen sehen, schließlich bin ich ja ein Mann…
    Dann beißt sie sich auf die Unterlippe- das mag ich besonders- und kommt schließlich auf mich zu.

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